Die Diagnose von Parkinson-Syndromen ist ein komplexes und sich ständig weiterentwickelndes Feld. Um Morbus Parkinson (auch bekannt als idiopathisches Parkinson-Syndrom, IPS) und andere neurologische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, werden moderne nuklearmedizinische Verfahren eingesetzt. Eine rechtzeitige Diagnose ermöglicht den Beginn einer geeigneten Therapie und kann den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.
Nuklearmedizinische Verfahren zur Parkinsondiagnostik
In der nuklearmedizinischen Diagnostik stehen verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung, die speziell auf die Früherkennung und Differenzierung von Parkinson-Syndromen ausgerichtet sind. Dazu gehören DaT-SPECT/CT, FDG-PET/CT, MIBG-Szintigraphie und IBZM-Szintigraphie.
DaT-SPECT/CT (DaTSCAN)
Die DaT-SPECT/CT, oft auch als DaTSCAN bezeichnet, ist eine Szintigraphie des Gehirns und ein bildgebendes Verfahren, das sich sehr gut zur Früherkennung der Parkinson-Erkrankung eignet. Es handelt sich um eine nuklearmedizinische Diagnosemethode, die die Funktionsfähigkeit bestimmter Nervenverbindungen, der sogenannten Dopamintransporter (DaT), im Gehirn darstellt.
Funktionsweise:
Bei Parkinson-Syndromen ist es charakteristisch, dass die Oberfläche von Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen weniger Dopamintransporte aufweist. Die Untersuchung zielt darauf ab, das dopaminerge System abzubilden, wobei der Fokus auf dem präsynaptischen Bereich liegt. Um den Verdacht auf ein Parkinson-Syndrom zu erhärten, sollte zunächst eine I-123-Ioflupan-SPECT/CT durchgeführt werden.
Für die Untersuchung wird ein schwach radioaktives Medikament, I-123-Ioflupan (DaTSCAN), in eine Armvene injiziert. Dieses Medikament bindet an die Dopamintransporter und kann so nachweisen, ob das System funktionsfähig ist. Ein normales DaTSCAN-Bild kann einen Morbus Parkinson mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. Die Untersuchung wird genutzt, um verschiedene Formen einer Parkinson-Erkrankung zu unterscheiden.
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Ablauf:
- Anmeldung: Die Untersuchung ist eine reguläre Kassenleistung und kann über ein Anmeldeformular oder telefonisch angemeldet werden.
- Vorbereitung: Vorab wird ein Medikament (Irenat) gegeben, das die Jodaufnahme in die Schilddrüse vorübergehend blockiert. Die I-123-Ioflupan-SPECT/CT-Untersuchung wird von den meisten Medikamenten, die typischerweise bei Parkinson-Erkrankungen eingenommen werden, nicht beeinträchtigt.
- Durchführung: Das Medikament I-123-Ioflupan wird in eine Armvene injiziert. Nach der Injektion beträgt die Wartezeit mindestens 2,5 Stunden, damit die Substanz im Gehirn aufgenommen werden kann. Danach werden mit einer Kamera 30 Minuten lang Bilder vom Kopf bzw. Gehirn angefertigt (SPECT-Technik). Währenddessen liegt der Patient bequem auf einer Liege.
- Dauer: Für die gesamte Untersuchung sollte man mindestens fünf Stunden einplanen.
- Strahlenschutz: Es werden Vorkehrungen getroffen, um die Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten.
Wichtige Hinweise:
- Das Medikament I-123-Ioflupan wird eigens für die Untersuchung angefertigt und am Morgen des Untersuchungstags angeliefert. Die Produktion benötigt einige Tage Vorlauf.
- Es ist wichtig, alle relevanten Vorbefunde mitzubringen, wie z.B. Befunde einer extern durchgeführten I-123-Ioflupan-SPECT/CT-Untersuchung (DaTSCAN) auf CD oder DVD, Schädel-MRT auf CD oder DVD, einen gültigen Überweisungsschein (bei gesetzlich Versicherten) und eine Liste der eingenommenen Medikamente.
FDG-PET/CT
Die FDG-PET/CT ist eine weitere wichtige Methode zur Diagnose und Differenzierung von Parkinson-Syndromen. Es handelt sich um eine hochmoderne Hybrid-Bildgebung, die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Computertomographie (CT) in einer Untersuchung kombiniert. Dies erlaubt die gleichzeitige Darstellung der Funktion und Struktur von Organen und Geweben.
Funktionsweise:
Bei dieser Form der Positronenemissionstomographie (PET) wird schwach radioaktiv markierter Traubenzucker (18F FDG) eingesetzt, um den Gehirnstoffwechsel darzustellen. In Bereichen, die von einem neurodegenerativen Prozess betroffen sind, ist oft schon früh der Zuckerstoffwechsel reduziert. Verschiedene Formen neurodegenerativer Erkrankungen können so voneinander abgegrenzt werden.
Ablauf:
- Anmeldung: PET/CT-Untersuchungen werden über ein Formular angemeldet, das vorab durch den zuweisenden Arzt auszufüllen ist. Bei gesetzlich Krankenversicherten kann es erforderlich sein, einen Kostenübernahmeantrag an die Krankenkasse zu stellen.
- Vorbereitung: Vor der Untersuchung ist eine mindestens vierstündige Nüchternheit erforderlich. Idealerweise sollte man ab dem Vorabend nichts mehr essen und auf Kaugummis, Bonbons, Süßigkeiten und kalorienhaltige Getränke verzichten. Wasser ohne Zusatzstoffe und Medikamente können eingenommen werden. Bei Diabetes mellitus mit Insulinpflicht ist vorab Rücksprache erforderlich. Starke körperliche Anstrengungen sollten ab dem Vortag vermieden werden.
- Durchführung: Zunächst findet ein Aufklärungsgespräch statt, bei dem Fragestellung, Ablauf und Risiken der Untersuchung erklärt werden. Danach erfolgt eine 30-minütige Ruhezeit. Anschließend wird das F-18-FDG über eine Vene injiziert. Es dauert erneut etwa 30 Minuten, bis sich der Traubenzucker verteilt hat. Die eigentliche Aufnahme der Bilder des Gehirns erfolgt liegend im PET/CT-Scanner und dauert etwa 20 Minuten.
- Dauer: Für die gesamte Untersuchung sollte man etwa 2 Stunden einplanen.
- Strahlenschutz: Um die Strahlenbelastung zu vermindern, erfolgt bei der PET/CT-Untersuchung möglichst eine zusätzliche Flüssigkeitsgabe. Das eingesetzte Radionuklid F-18 zerfällt mit einer Halbwertszeit von weniger als zwei Stunden, wodurch sich die Radioaktivität schnell abbaut.
Wichtige Hinweise:
- Es ist ratsam, metallischen Schmuck und Piercings sowie Wertgegenstände zuhause zu lassen und bequeme Kleidung mit möglichst wenig metallischen Applikationen zu tragen.
- Sollte die Untersuchung nur nach Gabe eines Beruhigungsmittels möglich sein, darf man an dem Tag nicht mehr allein aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.
MIBG-Szintigraphie
Die MIBG-Szintigraphie (oder MIBG-Scan) ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, die vor allem in der Tumordiagnostik, aber auch zur Differentialdiagnostik bei Parkinson eingesetzt wird. Insbesondere eine Abgrenzung von Morbus Parkinson zu einer Multisystematrophie (MSA) ist mithilfe des MIBG-Scans möglich.
Funktionsweise:
Bei der MIBG-Szintigraphie werden die Aufnahme und Speicherung von Katecholaminen in postganglionären kardialen Neuronen visualisiert. Durch eine MIBG-Szintigraphie des Herzens können Veränderungen des sympathischen Nervensystems, wie sie bei Morbus Parkinson bereits im Frühstadium auftreten, nachgewiesen werden.
Substanz:
Der radioaktiv markierte Stoff, der zur Bildgebung verwendet wird, heißt Jod-131-Metaiodbenzylguanidin (MIBG).
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IBZM-Szintigraphie
Die IBZM-Szintigraphie ist ein weiteres nuklearmedizinisches Verfahren zur Parkinsondiagnostik.
Funktionsweise:
Gescannt wird bei der IBZM-Szintigraphie das Striatum, ein Teil des Großhirns, um die Dopamin-Rezeptoren (D2) der dort befindlichen nachgeschalteten Nervenzellen darzustellen. Diese stellen sich bei Morbus Parkinson unauffällig dar, nicht aber bei anderen parkinsonähnlichen Erkrankungen wie der Multisystematrophie (MSA).
Substanz:
Für die Bildgebung kommt der radioaktiv markierte Dopamin-Rezeptor Ligand Jod-123-Iodobenzamid (IBZM) zum Einsatz.
Differentialdiagnostik der Parkinson-Syndrome
Unter dem Begriff „Parkinson-Syndrom“ werden Symptomkonstellationen mit Akinesie und mindestens einem der Kardinalsymptome Rigor, Ruhetremor und posturale Instabilität zusammengefasst. Es ist wichtig, zwischen dem idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS) und den atypischen neurodegenerativen Parkinson-Syndromen (APS) zu unterscheiden.
Atypische Parkinson-Syndrome (APS)
Zu den atypischen Parkinson-Syndromen (APS) zählen die Multisystematrophie (MSA), die progressive supranukleäre Blickparese (PSP), das kortikobasale Syndrom (CBS) und die Demenz mit Lewy-Körpern (LBD). Im Gegensatz zum M. Parkinson handelt es sich bei den APS um seltene Erkrankungen.
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Charakteristika der APS:
- Schleichender Erkrankungsbeginn im mittleren Lebensalter
- Kontinuierliche Zunahme der Symptomatik im Erkrankungsverlauf
- In der Regel schwererer und schnellerer Verlauf als beim M. Parkinson
- Schlechtere Reaktion auf Dopaminersatztherapie
Unterschiedliche Typen der APS:
- Multisystematrophie (MSA): Hier werden je nach Ausprägung der klinischen Symptomatik zwei Typen unterschieden: der Parkinson-Typ (MSA-P) und der cerebelläre Typ (MSA-C). Gemeinsames Merkmal beider Typen sind ausgeprägte Störungen des autonomen Nervensystems.
- Progressive supranukleäre Blickparese (PSP): Es gibt verschiedene Erscheinungsformen der PSP, die in den revidierten Diagnosekriterien der MDS (Movement Disorder Society) berücksichtigt werden.
- Kortikobasales Syndrom (CBS): Das CBS zeichnet sich durch eine Kombination von kortikalen und basalganglionären Symptomen aus.
- Demenz mit Lewy-Körpern (LBD): Neben den motorischen Parkinson-Symptomen zählen die REM-Schlaf-Verhaltensstörung, wiederkehrende optische Halluzination und zum Teil starke Schwankungen der Aufmerksamkeit und Wachheit im Tagesverlauf zu den Kernsymptomen der LBD.
Symptomatische Parkinson-Syndrome
Symptomatische Parkinson-Syndrome können infolge struktureller Hirnläsionen, Medikamentenwirkung, Intoxikation sowie entzündlicher und metabolischer Erkrankungen auftreten. Von großer praktischer Bedeutung ist das vaskuläre Parkinson-Syndrom bei subkortikaler arteriosklerotischer Enzephalopathie.
Andere Differenzialdiagnosen
Zu den weiteren Differenzialdiagnosen zählen Normaldruckhydrozephalus, essenzieller Tremor und (selten) die doparesponsive Dystonie.
Bedeutung der Früherkennung und Differenzierung
Die frühe Differenzialdiagnose der neurodegenerativen Parkinson-Syndrome ist für die adäquate patientenzentrierte Therapie essenziell. Patienten mit einem APS haben eine deutlich schlechtere Prognose und profitieren wenig bis gar nicht von einer Dopaminersatztherapie. Eine korrekte frühe ätiologische Einordnung ist somit wichtig, um die Patienten sozialmedizinisch zu beraten und sie vor einer nicht hilfreichen und potenziell nebenwirkungsbelasteten Behandlung zu bewahren beziehungsweise adäquate symptomatische Therapiemaßnahmen einzuleiten.