Die Diagnose und Behandlung von Demenzerkrankungen sowie anderen neurologischen Leiden erfordert spezialisierte Expertise und eine umfassende Herangehensweise. In Gelsenkirchen bieten verschiedene Einrichtungen und Praxen ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, um Betroffenen und ihren Angehörigen bestmöglich zu helfen.
Die Memory Clinic: Ein spezialisiertes Team für Gedächtnisschwierigkeiten
Das Team der Memory Clinic, bestehend aus Neurologen, Psychologen und Psychotherapeuten (Dr. Johannes Jungilligens, Jule Beckers M.Sc. Psych., Prof. Dr. Xenia Kobeleva, Prof. Dr. Dr. Corinna Seliger-Behme, Dr. Rosa Michaelis, Dr.), widmet sich der umfassenden Betreuung von Menschen mit Gedächtnisschwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten können vielfältig sein und neben Gedächtnisverlust auch Konzentrationsprobleme, Sprachstörungen, Veränderungen der Wahrnehmung oder der Orientierung umfassen. Die Klinik berücksichtigt dabei, dass psychisch-emotionale Belastungen und kognitive Leistungseinschränkungen sich oft gegenseitig beeinflussen.
Neben neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz können kognitive Einschränkungen auch im Rahmen psychologischer Belastungen wie Depressionen oder funktionellen kognitiven Störungen auftreten.
Diagnostisches Vorgehen in der Memory Clinic
Die Sprechstunde in der Memory Clinic umfasst eine ärztliche Untersuchung und eine neuropsychologische Testung. Dabei werden Tests zur Untersuchung der Gehirnleistungen durchgeführt, insbesondere Gedächtnistests. Bei Bedarf werden weitere Untersuchungen wie psychotherapeutische Einordnungen, bildgebende Verfahren (MRT, CT), Laboruntersuchungen und gegebenenfalls eine Nervenwasseruntersuchung (Lumbalpunktion) ergänzt. Die Klinik forscht auch aktiv zu Gedächtnisschwierigkeiten und deren Ursachen.
Wichtiger Hinweis: Eine Vorstellung in der Memory Clinic ist nur mit einer Überweisung vom niedergelassenen Neurologen oder Hausarzt und nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung unter der Nummer 0234/299-3720 möglich. Um eine zeitnahe Diagnose zu ermöglichen, werden Patienten gebeten, bereits einige Untersuchungen vorab durchführen zu lassen und die Ergebnisse zum Termin mitzubringen.
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Diagnostische Verfahren in der Neurologie
Die neurologische Diagnostik umfasst eine Vielzahl von Verfahren, die es ermöglichen, die Funktion des Nervensystems zu beurteilen und die Ursache von Beschwerden zu ermitteln.
- Farbcodierte Farbduplexsonographie: Mit dieser Ultraschalluntersuchung werden die hirnversorgenden Gefäße im Bereich des Halses, des Nackens und innerhalb des Kopfes gemessen. Sie dient dazu, Einengungen (Stenosen) und Verschlüsse der Gefäße zu erkennen, die zu Durchblutungsstörungen im Gehirn führen können.
- Elektroneurographie (Nervenmessung): Bei dieser Untersuchung werden Elektroden auf die Haut aufgeklebt und elektrische Impulse verabreicht. Gemessen wird, wie schnell die Stromimpulse durch die Nerven geleitet werden. So können Nervenschädigungen, beispielsweise beim Karpaltunnelsyndrom oder bei Polyneuropathien, diagnostiziert werden.
- Elektromyographie (EMG): Hierbei wird die elektrische Aktivität der Muskulatur mit einer eingestochenen Nadel untersucht. Dies ermöglicht die Unterscheidung zwischen Krankheiten der Muskulatur und der peripheren Nerven.
- Elektroenzephalographie (EEG): Die schmerzfreie Ableitung der Hirnströme ist wichtig bei der Untersuchung von Epilepsien und anfallsartigen Bewusstseinsstörungen. Sie kann auch bei der Beurteilung von allgemeinen Befindlichkeitsstörungen des Gehirns hilfreich sein.
- Evozierte Potentiale (VEP, AEP, SEP, MEP): Mit evozierten Potenzialen können verschiedene Schädigungen festgestellt werden: der Netzhaut des Auges und der Sehbahn (VEP), des Gehörs und der Hörbahn (AEP), der Hautempfindung (SEP) und der Bahnen für die willentliche Ansteuerung der Muskulatur (MEP).
- Neuropsychologische Tests: Diese Tests sind international entwickelt und standardisiert. Sie dienen dazu, die Leistungsfähigkeit des Gehirns in den Bereichen Aufmerksamkeit, Denkvermögen und Gedächtnis wissenschaftlich zu untersuchen.
- Laboruntersuchungen: Die Liste der möglichen Laboruntersuchungen ist umfangreich und umfasst unter anderem die Untersuchung auf Autoimmunerkrankungen.
- Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT): Diese bildgebenden Verfahren werden von Radiologen durchgeführt, die Ergebnisse jedoch von Neurologen mitbeurteilt und im Kontext der Diagnose eingeordnet.
- Lumbalpunktion (Nervenwasseruntersuchung): Bei diesem Verfahren wird Nervenwasser gewonnen und analysiert. Einige Erkrankungen, wie z.B. Multiple Sklerose, frühe Demenz, Borrelieninfektion und Polyneuropathien, lassen sich ausschließlich durch diese Analyse erkennen.
- Doppler-Sonografie/Duplexsonografie: Bei diesem Ultraschall-Verfahren können Gefäße auf einem Bildschirm betrachtet und der Blutfluss durch die Blutgefäße gehört werden.
Neurologische Erkrankungen im Fokus
Die Neurologie befasst sich mit einem breiten Spektrum an Erkrankungen des Nervensystems. Einige häufige neurologische Krankheitsbilder sind:
- Bewegungsstörungen: Hierbei handelt es sich um Fehlsteuerungen der Bewegung, wie sie beispielsweise bei Parkinson auftreten können.
- Demenzerkrankungen: Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, Sprachstörungen oder unbekannte Stimmungsschwankungen können Symptome einer Demenzerkrankung sein.
- Epilepsie: Rhythmisches Zucken, anhaltende Anspannung von Muskeln oder Bewusstseinsverlust können Symptome eines epileptischen Anfalls sein.
- Kopf- und Gesichtsschmerzen: Kopf- und Gesichtsschmerzen zählen zu den häufigsten Krankheitsbildern in der Neurologie.
- Multiple Sklerose (MS): Multiple Sklerose ist eine chronische Entzündung des zentralen Nervensystems.
- Periphere Neuropathien: Periphere Nerven sind Nervenfasern außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Schädigungen dieser Nerven können zu vielfältigen Beschwerden führen.
- Schlaganfall: Ein Schlaganfall kann lebensbedrohlich werden. Bei ersten Anzeichen sollte sofort der Rettungsdienst alarmiert werden.
- Schwindel: Bei Schwindel ist häufig das Innenohr oder Bereiche des Hirnstamms erkrankt.
- Parkinson: Bei Parkinson kommt es zu einem Verlust der Beweglichkeit und zu einer Versteifung des Körpers.
Behandlungsschwerpunkte in neurologischen Praxen in Gelsenkirchen
Einige neurologische Praxen in Gelsenkirchen haben sich auf bestimmte Behandlungsschwerpunkte spezialisiert. Dazu gehören:
- Multiple Sklerose: Die Behandlung von MS umfasst das volle Spektrum von der Diagnose bis zur langjährigen Begleitung des Krankheitsverlaufs. Schübe werden in der Regel ambulant behandelt. Das Evangelische Klinikum Gelsenkirchen verfügt über ein von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft zertifiziertes MS-Zentrum.
- Migräne und Kopfschmerzen: Hier werden medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsansätze sowohl in der Akuttherapie als auch in der Prophylaxe verfolgt.
- Schwindel: Die Ursachen des Schwindels werden analysiert und die Symptome zielgerichtet behandelt.
- Schlafstörungen: Durch den Einsatz von Polygraphie werden Schlafstörungen diagnostiziert und behandelt.
- Therapie mit Botulinumtoxin (Botox): Botox wird unter anderem zur Behandlung von Dystonien, Spastik und Migräne eingesetzt.
Demenz: Ursachen, Diagnostik und Therapie
Demenzerkrankungen stellen eine besondere Herausforderung dar. Es ist wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und eine umfassende Diagnostik einzuleiten.
Symptome von Demenz
Manchen Betroffenen fallen Gedächtnisstörungen selber auf. Es fällt ihnen schwer, sich Namen von ihnen gut bekannten Personen zu merken, sie erinnern sich nicht an Situationen, die kurz zuvor stattgefunden haben oder verlegen Dinge, die sie nicht mehr wiederfinden. Auch können andere Hirnleistungsbereiche wie Aufmerksamkeit, Lernen, Orientierung, Urteilsvermögen und planendes Handeln (exekutive Funktionen), Sprache (z. B. Wortfindungsstörungen), Motorik und Fähigkeiten zum sozialen Austausch mit anderen (soziale Kognition) beeinträchtigt sein. Die Defizite schreiten mit der Zeit voran und beeinträchtigen Alltagsaktivitäten (z.B. Bewältigung von Postangelegenheiten, Kleidung anziehen, einfache Heimwerkerarbeiten) korrekt durchzuführen. Auch Schlafstörungen sind häufig. Manchmal sind es vor allem die Angehörigen, die diese Veränderungen bemerken. Sie berichten z.B., dass der/ die Betroffene den Herd angelassen hat, von verstorbenen Personen spricht, als wären diese noch lebendig oder immer wieder die gleichen Dinge fragt. Auch Persönlichkeitsveränderungen, Vernachlässigung des äußeren Erscheinungsbildes, Änderung der Gefühlslage (z.B. depressive Verstimmungen, Ängste) oder optische bzw. akustische Fehlwahrnehmungen (Halluzinationen) oder Realitätsverkennungen (z. B.
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Ursachen und Risikofaktoren
Bei den meisten Demenzformen dürfte eine Mischung aus genetischen und Umweltfaktoren die Ursache darstellen. Der größte Risikofaktor ist das Alter. Da Durchblutungsstörung des Gehirns die sogenannte vaskuläre Demenz bedingen können, ist es wichtig, die üblichen Gefäßrisikofaktoren (hoher Blutdruck, Blutzucker, Blutfettwerte, Übergewicht, Nikotin, Bewegungsmangel) gut zu kontrollieren. Außerdem wirkt ein geistig und sozial aktiver Lebensstil vorbeugend. Seltener ist die Demenz durch eine andere, behandelbare Grunderkrankung bedingt.
Diagnostisches Vorgehen bei Demenz
Zunächst erfolgt eine genaue Erhebung der der Symptome und Verhaltensänderungen, der Krankenvorgeschichte sowie eine körperliche Untersuchung des Betroffenen. Meist ist es zudem nötig, die engsten Bezugspersonen zu befragen. Die übliche neurologisch-psychiatrische Untersuchung wird durch ausführliche Hirnleistungstestungen ergänzt. In der Regel wird das Gehirns mittels Computertomografie oder Magnetresonanztomografie dargestellt. Außerdem wird Blut und oft auch Nervenwasser abgenommen. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit, potentiell behandelbare Demenzursachen auszuschließen bzw. die Diagnose einer Alzheimer-Demenz durch Bestimmung der sogenannten Degenerationsmarker zu erhärten. Sollte der V.a. einen NPH bestehen, kann durch Ablassen von etwa 30-50 ml Nervenwasser und anschließender Verlaufsuntersuchung die Diagnose gestellt bzw. verworfen werden. In unklaren Fällen kann eine nuklearmedizinische Untersuchung weiterhelfen. Hierbei wird der Hirnstoffwechsel durch eine radioaktiv markierte Substanz dargestellt.
Therapie von Demenz
Der kleinere Anteil der Demenzformen ist ursächlich behandelbar. Z.B. kann eine Stoffwechselstörung wie eine Schilddrüsenfehlfunktion oder ein Vitamin-Mangel gezielt behandelt werden, ein regelmäßiger Nervenwasserablass beim NPH zu einer Stabilisierung bzw. Besserung der Gedächtnissymptomatik führen. Für den Großteil der Demenzen gibt es keine Heilung. Für die Alzheimer Demenz sind einzelne Medikamente zur Verbesserung der Denkfähigkeit und der Alltagsbewältigung zugelassen. Wichtig sind zudem Verfahren zur intellektuellen, körperlichen und sozialen Aktivierung z. B. durch Ergo-, Physiotherapie oder Logopädie. Begleitsymptome wie Schlafstörungen, Aggression, Depression, Angst oder psychotische Symptome können mit nicht-medikamentösen Maßnahmen (z.B. Verbesserung der Tagesstruktur, Schaffen einer beruhigenden Atmosphäre) und medikamentös behandelt werden. Insbesondere bei behandelbaren Demenzform sollte ehestmöglich eine Diagnose erfolgen, da nur durch die korrekte Behandlung eine weitere Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten aufgehalten werden kann.
Vernetzung und Kooperation
Die enge Zusammenarbeit und Vernetzung mit verschiedenen Fachkliniken, wie der Klinik für Neurologie und Frührehabilitation im Evangelischen Klinikum Gelsenkirchen, ist ein wichtiger Faktor für eine umfassende Patientenversorgung. Dies ermöglicht bei Bedarf einen zeitnahen stationären Aufenthalt. Patient:innen in Pflegeheimen haben das Recht auf die volle fachärztliche Versorgung. Viele Einrichtungen kooperieren mit geriatrischen Einrichtungen durch regelmäßige Visiten.
Anlaufstellen in Gelsenkirchen
- Memory Clinic: Telefonische Terminvereinbarung unter 0234/299-3720 (mit Überweisung vom Neurologen oder Hausarzt).
- Praxis für Neurologie im Medizinischen Versorgungszentrum: Terminvereinbarung unter der Nummer 0209 160-1527. Die Praxis befindet sich im 3. Obergeschoss des Medizinischen Versorgungszentrums.
- Evangelisches Klinikum Gelsenkirchen: Zertifiziertes MS-Zentrum.
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