Die Entfernung von Teilen des Gehirns, insbesondere der Seitenlappen, ist ein komplexes Thema mit vielfältigen medizinischen Hintergründen. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken und Folgen einer solchen Operation, geht aber auch auf andere relevante Aspekte ein, wie beispielsweise die Rolle der Schilddrüse und Nebenschilddrüse, sowie altersbedingte Durchblutungsstörungen im Gehirn.
Epilepsiechirurgie und Temporallappen-Epilepsie (TLE)
Bei Patienten mit Epilepsie, bei denen die Pharmakotherapie keine ausreichende Wirkung zeigt, stellt die Epilepsiechirurgie eine wichtige Behandlungsoption dar. Ein Großteil dieser Eingriffe betrifft den Seitenlappen, insbesondere bei der Temporallappen-Epilepsie (TLE). Neuropathologische Diagnosen umfassen häufig Hippocampus-Sklerose (HS), hochdifferenzierte glioneuronale Tumoren (LEAT) und fokale kortikale Dysplasien (FCD).
Risiken und Folgen der Epilepsiechirurgie
Die erhoffte Anfallsfreiheit nach einer Epilepsiechirurgie kann jedoch mit postoperativen neuropsychologischen Auffälligkeiten einhergehen. Ein Beispiel hierfür ist der mögliche Verlust des episodischen Gedächtnisses. Dies verdeutlicht, dass eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken vor einem solchen Eingriff unerlässlich ist.
Die Schilddrüse und ihre Bedeutung
Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das in der unteren Halspartie vor dem Kehlkopf und der Luftröhre liegt. Sie besteht aus zwei Seitenlappen und hat eine maximale Länge von etwa 5 cm. Ihre Hauptaufgabe ist die Produktion von Schilddrüsenhormonen, die den Stoffwechsel des Körpers maßgeblich beeinflussen.
Schilddrüsenhormone und Herz-Kreislauf-System
Die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) haben einen erheblichen Einfluss auf Herz und Kreislauf. Sie regulieren die Kraft des Herzens, die Herzfrequenz und das zirkulierende Blutvolumen. Eine Funktionsstörung der Schilddrüse kann sich daher auch auf das Herz-Kreislauf-System auswirken.
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Hyperthyreose und ihre Auswirkungen
Eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Hormonen, was Herz und Kreislauf unnötig ankurbelt. Unbehandelt kann dies zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Vorhofflimmern führen und sogar lebensbedrohlich verlaufen. Es wird zwischen einer latenten Form, die keine Beschwerden verursacht, und einer manifesten Form mit deutlichen Beschwerden unterschieden.
Amiodaron-induzierte Thyreotoxikose (AIT)
Das Medikament Amiodaron, das häufig zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird, kann aufgrund seines hohen Jodgehalts funktionelle Störungen der Schilddrüse auslösen. Dies kann zu einer Unterfunktion (Hypothyreose) oder einer Überfunktion (Hyperthyreose) führen. Die gefürchtetste Nebenwirkung ist die Amiodaron-induzierte Thyreotoxikose (AIT), die zu einem Entgleisen des Stoffwechsels führen kann.
Die Nebenschilddrüsen und ihre Erkrankungen
Die vier Nebenschilddrüsen sind kleine, etwa linsengroße Organe, die sich in der Nähe der Schilddrüse befinden. Sie produzieren das Parathormon, das den Kalziumspiegel im Blut reguliert.
Primärer Hyperparathyreoidismus
Der primäre Hyperparathyreoidismus wird meist durch eine gutartige, überaktive Nebenschilddrüsengeschwulst (Nebenschilddrüsenadenom) verursacht. Eine Erhöhung des Serum-Kalziums, die durch mindestens drei Bestimmungen an verschiedenen Tagen gesichert ist, und eine Erhöhung des Parathormonspiegels im Serum sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit für diese Erkrankung. Die operative Entfernung der vergrößerten Nebenschilddrüse führt in der Regel zur Heilung.
Nebenschilddrüsenkarzinom
In seltenen Fällen kann es zu einer bösartigen Veränderung eines Nebenschilddrüsenadenoms kommen. Während der Operation ist ein Adenom verdächtig, wenn es sich schlecht aus seiner Umgebung herauslösen lässt, sehr verklebt und verbacken ist. Bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor muss eine ausgedehnte Operation durchgeführt werden, bei der auch die gleichseitige Schilddrüse und das Lymphgewebe an den Blutgefäßscheiden entfernt werden.
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Sekundärer Hyperparathyreoidismus
Der sekundäre Hyperparathyreoidismus tritt häufig bei chronischen Nierenerkrankungen auf. Durch die Nierenfunktionsstörung kommt es zu einem Kalziumverlust und einer Phosphatretention, was zu einer Überproduktion von Parathormon führt. Dies kann zu einer Demineralisation des Knochens und zu rachitistypischen Veränderungen führen.
Nebenschilddrüsenveränderungen bei multipler endokriner Neoplasie (MEN)
Die multiple endokrine Neoplasie (MEN) ist eine seltene, erbliche Erkrankung, bei der mehrere hormonbildende Tumoren auftreten können. Bei der MEN 1 sind häufig die Nebenschilddrüsen betroffen, während bei der MEN 2 immer ein bösartiger Schilddrüsentumor vom medullären Typ vorhanden ist.
Schädigung der Nebenschilddrüse bei Schilddrüsenoperationen
Bei Schilddrüsenoperationen kann es in seltenen Fällen zu einer Schädigung der Nebenschilddrüsen kommen, was zu einem erniedrigten Kalziumgehalt im Blut führen kann. Dies kann sich durch Gefühlsstörungen, Kribbeln in Armen, Beinen und um den Mund herum oder auch durch Muskelkrämpfe äußern. Diese Störungen können jedoch in der Regel gut durch die tägliche Einnahme von Kalzium und Vitamin D behandelt werden.
Altersbedingte Durchblutungsstörungen im Gehirn
Altersbedingte Durchblutungsstörungen im Gehirn, auch als zerebrovaskuläre Erkrankungen bekannt, können verschiedene Symptome verursachen und ein Warnzeichen für einen möglichen Schlaganfall sein.
Symptome von Durchblutungsstörungen
Zu den häufigsten Symptomen gehören Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsprobleme, Sprachprobleme und in schweren Fällen Lähmungen. Es ist wichtig, diese Symptome ernst zu nehmen und ärztlichen Rat einzuholen, um geeignete Maßnahmen zur Vorbeugung oder Behandlung zu besprechen.
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Durchblutungsstörungen als Warnzeichen für Schlaganfall
Durchblutungsstörungen im Gehirn können ein Warnzeichen für einen möglichen Schlaganfall sein. Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutzufuhr zu Teilen des Gehirns unterbrochen wird, entweder aufgrund eines Blutgerinnsels (ischämischer Schlaganfall) oder einer Blutung (hämorrhagischer Schlaganfall). Die Symptome von Durchblutungsstörungen, wie plötzliche Sehstörungen, Sprachprobleme, Lähmungen oder starke Kopfschmerzen, können auf einen drohenden Schlaganfall hinweisen.
Spezialisten bei Schlaganfallverdacht
Bei Verdacht auf einen Schlaganfall oder das Vorliegen von Durchblutungsstörungen im Gehirn sind mehrere Ärzte und Spezialisten involviert, darunter Notärzte, Neurologen, Neuroradiologen, Intensivmediziner, Neurochirurgen, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten. Im Notfall sollte der Rettungsdienst kontaktiert werden, die Erstversorgung erfolgt in der Regel in einer Notaufnahme unter der Leitung von Notärzten und Neurologen.
Vorbeugungsmaßnahmen gegen Durchblutungsstörungen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die dazu beitragen können, das Risiko von Durchblutungsstörungen im Gehirn und Schlaganfällen zu reduzieren. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Blutdruckkontrolle, Cholesterinspiegel im Auge behalten, Vermeidung von Rauchen, Alkoholkonsum begrenzen und Gewichtsmanagement.
Frontotemporale Demenz (FTD)
Die frontotemporale Demenz (FTD) ist eine seltene Form einer schnell fortschreitenden Demenz, bei der Nervenzellen speziell im Stirnhirn (Frontallappen) und im Schläfenlappen (Temporallappen) untergehen.
Symptome der FTD
Die Symptome der FTD sind von Patient zu Patient zum Teil sehr unterschiedlich - abhängig davon, in welchem Gehirnbereich Nervenzellen absterben. Bei der verhaltensbetonten Variante der frontotemporalen Demenz zeigen sich zuerst Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit. Bei den sprachbetonten Varianten stehen Sprachstörungen im Vordergrund.
Diagnose und Behandlung der FTD
Eine Heilung der FTD ist bislang nicht möglich. Medikamentöse Therapien helfen, Verhaltensauffälligkeiten zu mildern. Dies ist auch das vorrangige Ziel nichtmedikamentöser Therapien.
Neuronen und Gliazellen im Gehirn
Das Nervensystem besteht aus Neuronen (Nervenzellen) und Gliazellen. Neuronen sind für die Informationsübertragung zuständig, während Gliazellen unterstützende Funktionen übernehmen.
Neuronen
Neuronen bestehen aus einem Zellkörper (Soma), Dendriten und einem Axon. Dendriten empfangen Signale von anderen Neuronen, während das Axon Signale an andere Neuronen weiterleitet. Axone können eine Myelinscheide aus Schwannzellen haben, die die elektrische Leitung des Axons isoliert und beschleunigt.
Gliazellen
Im Nervensystem von Wirbeltieren finden sich 2- bis 10-mal so viele Gliazellen wie Neuronen. Zu den wichtigsten Gliazellen gehören Astrozyten, Oligodendrozyten und Mikroglia. Astrozyten ernähren die Neuronen und regulieren das extrazelluläre Ionenmilieu. Oligodendrozyten bilden die Myelinscheiden um Axone im zentralen Nervensystem. Mikroglia sind Immuneffektorzellen im ZNS und werden bei Krankheiten oder Verletzungen aktiv.
Synaptische Übertragung
Die Kommunikation zwischen Neuronen erfolgt über Synapsen. An den Synapsen werden Neurotransmitter ausgeschüttet, die an Rezeptoren der postsynaptischen Zelle binden und so ein Signal auslösen.
Neurotransmitter
Neurotransmitter sind Botenstoffe, die Informationen an chemischen Synapsen zwischen Nerven übertragen. Beispiele sind Dopamin, Noradrenalin, Serotonin, Acetylcholin, GABA und Glutamat. Neurotransmitter wirken je nach Rezeptor, an den sie andocken, exzitatorisch (aktivierend) oder inhibierend (hemmend) auf die nachfolgende Nervenzelle.
Rezeptoren
Rezeptoren sind empfangende Andockstellen für Botenstoffe. Sie können sich im Gleichgewicht zwischen dem aktiven und dem inaktiven Zustand befinden. Rezeptoren können verschiedene Bindungsstellen haben, an denen Agonisten (aktivieren Rezeptor) und Antagonisten (hemmen Rezeptor) binden können.
Prostatakarzinom
Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland. In den frühen Krankheitsstadien entwickelt sich der Prostatakrebs - meist in der Außenzone der Prostata - weitgehend unbemerkt.
Diagnose des Prostatakarzinoms
Eine der wichtigsten Methoden zur Diagnose des Prostatakarzinoms ist der PSA-Test. Wenn der PSA-Wert erhöht ist, sollten zunächst weitere Blutkontrollen des Wertes erfolgen. Erst bei wiederholt erhöhten Werten kann es sein, dass Ihnen eine Prostata-Biopsie empfohlen wird, um ein Prostatakarzinom auszuschließen.
TNM-Klassifikation und Gleason-Score
Die TNM-Klassifikation ist ein internationales System, mit dem Medizin*innen die Ausdehnung von Tumoren einheitlich bezeichnen. Der Gleason-Score gibt Auskunft über die Aggressivität des Tumors.
Behandlung des Prostatakarzinoms
Die Behandlung des Prostatakarzinoms hängt vom Stadium und der Aggressivität des Tumors ab. Zu den möglichen Behandlungen gehören Operation, Strahlentherapie und Hormontherapie.
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