Hirntumor: Ursachen, Symptome, Vergesslichkeit und Behandlungsoptionen

Ein Hirntumor ist eine Gewebewucherung im Schädel, die das Gehirn in seiner Funktion beeinträchtigen kann. Sie machen einen bestimmten Prozentsatz aller Krebserkrankungen aus. Obwohl ein Hirntumor in jedem Alter vorkommen kann, wird er häufiger bei Kindern zwischen dem 3. und 12. Lebensjahr sowie bei Erwachsenen zwischen dem 65. und 85. Lebensjahr festgestellt. Jedes Jahr erhalten etwa 8.000 Menschen in Deutschland die Diagnose "Hirntumor". Es gibt mehr als 100 verschiedene Tumoren, die sich im Gehirn bilden können. Eine genaue Klassifikation ist wichtig, um die richtige Behandlung zu wählen und den Krankheitsverlauf abschätzen zu können.

Was ist ein Hirntumor?

Bei einem Hirntumor handelt es sich um eine Wucherung im Gehirn. Dieser Tumor kann gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Hirntumore entstehen entweder im Gehirngewebe oder den Hirnhäuten. In diesem Fall spricht man von einem primären Hirntumor. Sitzt der ursprüngliche Tumor in einer anderen Körperregion und hat im Gehirn Metastasen gebildet, handelt es sich um einen sekundären Hirntumor.

Gutartige und bösartige Hirntumore

Man unterscheidet bei Hirntumoren gutartige („benigne“) von bösartigen („malignen“) Wucherungen. Ein bösartiger Tumor wird als Krebs bezeichnet. Bösartige Tumoren wachsen schneller als gutartige und können metastasieren, d. h. Teile des Krebses können sich vom Ursprungstumor trennen und an anderer Stelle Tochtertumoren, sogenannte Metastasen, bilden. Die meisten Hirntumore sind gutartig. Zwei Drittel aller Tumore im Gehirn sind gutartig. Bösartige Tumore kommen eher selten vor. Bei Erwachsenen machen sie einen Prozent aller Krebserkrankungen aus, bei Kindern 20 Prozent. Auch gutartige Gehirntumore können lebensbedrohlich sein, da sie Gehirnmasse verdrängen, wegen der festen Schädeldecke aber keine Möglichkeit der Ausdehnung besteht.

Primäre und sekundäre Hirntumore

Gehirntumoren werden in primäre und sekundäre Tumoren eingeteilt. Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des ZNS. Je nachdem, aus welchen der Zellen der Tumor entsteht und welche Eigenschaften er hat, unterscheiden Ärzt*innen verschiedene Arten. Sekundäre Hirntumoren entstehen, wenn Krebszellen aus anderen Organen ins Gehirn streuen und dort eine Tochtergeschwulst bilden. Häufig geschieht das beispielsweise bei Lungen-, Brust-, Haut-, Nieren- und Blutkrebs. Die Metastasen betreffen entweder das Hirngewebe oder die Hirnhaut. Zum Teil bleiben sie auf eine Gehirnregion begrenzt.

WHO-Klassifikation von Hirntumoren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Hirntumoren nach ihrer Gut- oder Bösartigkeit in vier Grade:

Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall

  • WHO-Grad I: gutartiger Hirntumor mit langsamem Wachstum
  • WHO-Grad II: teilweise gutartiger Hirntumor
  • WHO-Grad III: bösartiger Hirntumor
  • WHO-Grad IV: sehr bösartiger Hirntumor mit schnellem Wachstum

Ursachen und Risikofaktoren

Bis heute wissen Experten nicht genau, wie Hirntumore entstehen. Wahrscheinlich ist aber, dass die Zellen rein zufällig entarten. Ein Tumor kann entstehen, wenn sich das Erbgut in einer Zelle verändert: Die Zelle mutiert. Die Mutation bewirkt, dass diese Zelle zur Tumorzelle wird. Tumorzellen sind darauf programmiert, sich unbegrenzt zu vermehren. Dieses Vermehrungsprogramm gibt die Tumorzelle an alle Nachkommen weiter, die dadurch auch zu Tumorzellen werden. Daher wachsen Tumoren immer weiter. Je nach Tumorart schneller oder langsamer.

Bei vielen Tumoren kennt man die Ursachen und Risikofaktoren. Am besten bekannt ist das Rauchen als Ursache für Lungenkrebs. Bei Hirntumoren sind diese Ursachen unbekannt. Als Risikofaktoren gelten familiäre Veranlagung, bestimmte Erbkrankheiten (Tumor-Syndrome) und eine Strahlentherapie im Kopfbereich. Einige Lebensgewohnheiten sollen jedoch eine Rolle spielen, etwa Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum. Als Risikofaktoren gelten auch Pestizide oder Herbizide sowie krebsfördernde Viren (Tumorviren). Menschen mit einer HIV-Infektion, bei denen die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, dass ein Hirntumor festgestellt wird. Außerdem tritt er bei der Neurofibromatose (Morbus Recklinghausen), einer erblichen Erkrankung, häufiger auf.

Symptome eines Hirntumors

Die Symptome von Tumoren im Gehirn hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab. Einige Gehirntumoren lösen schon wenige Tage bis Wochen nach ihrer Entstehung Symptome aus, andere erst nach Monaten oder Jahren. Wann sich erste Anzeichen bemerkbar machen, richtet sich danach, wie schnell der Krebs voranschreitet und wie schwerwiegend er ist. Die Beschwerden resultieren daraus, dass sich die Geschwulst im Gehirn ausbreitet und dabei Nervenstrukturen einengt oder zerstört. Die meisten Symptome von Gehirntumoren sind sehr unspezifisch und kommen auch bei unterschiedlichsten anderen Erkrankungen vor.

Ein Hirntumor verursacht Beschwerden, weil er gesundes Gehirngewebe verdrängt oder beeinträchtigt und durch den Platzmangel im Schädel den Druck im Kopf erhöht. Einige Symptome entwickeln sich schleichend über Wochen und Monate, andere treten plötzlich auf. Es ist wichtig zu wissen, dass keines dieser Symptome für sich genommen das Vorliegen eines Hirntumors beweist. Allerdings sollten anhaltende oder ungewöhnliche Beschwerden immer medizinisch abgeklärt werden.

Folgende Symptome können auf einen Tumor im Gehirn hinweisen, aber auch Symptome anderer Erkrankungen sein:

Lesen Sie auch: Informationen für Patienten und Angehörige

  • Starke Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sprach-, Seh- und Bewegungsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Epileptische Anfälle
  • Lähmungserscheinungen
  • Taubheitsgefühle
  • Schluckstörungen
  • Schwerhörigkeit
  • Hormonstörungen
  • Depression
  • Persönlichkeitsveränderungen

Besonderheiten einiger Symptome

Die genannten Symptome können bei vielen Krankheiten des zentralen Nervensystems auftreten. Bei einem Hirntumor können einige von ihnen folgende Besonderheiten aufweisen:

  • Neu auftretende Kopfschmerzen werden im Laufe der Zeit immer heftiger und treten vor allem nachts oder in den frühen Morgenstunden auf, nehmen beim Liegen zu und können tagsüber besser werden. Übliche Schmerzmittel helfen immer weniger.
  • Neu auftretende epileptische Anfälle
  • Übelkeit und Erbrechen treten häufig am frühen Morgen auf leeren Magen und ohne Magen-Darm-Erkrankung
  • Eine neu auftretende Ungeschicklichkeit ohne bekannte Ursache

Vergesslichkeit als Symptom

Ein bösartiger Prozess im Kopf verursacht teilweise auch kognitive Symptome. Hirntumor-Erkrankte sind beispielsweise in ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigt und schlechter in der Lage, sich bestimmte Dinge zu merken. Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit haben aber viele mögliche Ursachen wie zunehmendes Alter und bedeuten nicht zwangsläufig, dass Betroffene einen Hirntumor haben.

Diagnose

Bei der Diagnostik von Hirntumoren spielen vor allem bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) eine Rolle. Wenn eine Erkrankung des Gehirns vermutet wird, können mithilfe der CT und der MRT Schnittbilder des Gehirns angefertigt werden. Mit der CT kann man Tumoren, Verkalkungen und Blutungen gut erkennen. Da die MRT Weichgewebe genauer darstellt als die CT, wird sie bei der Diagnostik von Hirntumoren bevorzugt. Falls erforderlich werden auch ein Elektroenzephalogramm (EEG) und die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) durchgeführt. Das EEG kann Aufschluss darüber geben, ob das Risiko von Anfällen besteht. Mithilfe einer Liquor-Untersuchung wird geprüft, ob sich entzündliche Prozesse im Gehirn abspielen.

Gewebeuntersuchung

Die pathohistologische Untersuchung des verdächtigen Gewebes ist notwendig, um die Diagnose Hirntumor sicher zu bestätigen. Sie ist auch nötig, um die Art des Tumors und den Tumorgrad festzustellen. Dieses Wissen ist unbedingt erforderlich, um die bestmögliche Therapie für dendie Patientin auszuwählen. Die nötigen Gewebeproben werden mittels Biopsie oder im Rahmen einer Operation in einer entsprechenden Klinik gewonnen.

Behandlungsmöglichkeiten

Welche Behandlungsmaßnahmen zur Anwendung kommen, richtet sich nach der Art, der Lage, dem Schweregrad und dem Fortschrittslevel des Gehirntumors. Darüber hinaus werden das Alter und die Wünsche des Patienten berücksichtigt. Meistens werden Hirntumoren durch Operationen, Strahlentherapie und Chemotherapie behandelt. Seit einigen Jahren werden auch zielgerichtete Therapien und Immuntherapien eingesetzt. Sie zielen auf spezielle Eigenschaften des jeweiligen Tumors ab. Häufig werden verschiedene Therapien kombiniert.

Lesen Sie auch: Epilepsie durch Hirntumor

Operation

Ist der Tumor gut zugänglich, lässt er sich im Zuge eines chirurgischen Eingriffs vollständig extrahieren. In der Praxis kommt das aber eher selten vor. Meist gelingt es nur, einen Teil der Wucherung zu entfernen. Die Lage eines Hirntumors beeinflusst die Behandlung maßgeblich. Tumoren in gut erreichbaren Bereichen lassen sich oft operativ entfernen, was die besten Heilungschancen bietet. Befindet sich der Tumor nahe an wichtigen Hirnregionen - etwa für Sprache, Bewegung oder Atmung - kann eine vollständige Entfernung zu riskant sein.

Strahlentherapie

Bestrahlung kann die einzige Behandlungsmaßnahme sein, aber auch eine von mehreren. Ist ein Tumor sehr schwer zugänglich und ist dementsprechend keine Operation möglich, kommt die Radiotherapie in aller Regel als Ersttherapie zum Einsatz. Das Ziel der Strahlentherapie besteht darin, Krebszellen zu zerstören. Dank der heutigen technischen Möglichkeiten treffen die Strahlen relativ exakt den zu behandelnden Bereich, während das umliegende Gewebe weitgehend verschont wird. Für gewöhnlich findet die Radiotherapie ambulant statt. Die Anzahl der Sitzungen und die Intensität der Behandlung richtet sich nach dem Gewebetyp.

Chemotherapie

Die Chemotherapie kommt bei Gehirntumoren meist nur als ergänzende Maßnahme zum Einsatz. Die eingesetzten Medikamente (sogenannte Chemotherapeutika oder Zytostatika) dienen dazu, den Tumor zu verkleinern oder die nach anderen Behandlungen verbliebenen Krebszellen abzutöten. Um bei einem Gehirntumor wirken zu können, müssen die Substanzen erst die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Da das nicht so einfach ist, werden sie manchmal direkt in den Rückenmarkskanal injiziert. Wie die Bestrahlung erfasst die Chemotherapie neben den Tumorzellen auch gesundes Gewebe. Bei einer Chemotherapie werden Medikamente eingesetzt, die die Zellteilung verhindern. Da gerade Krebszellen sich besonders rasch teilen, ist die Chemotherapie hier besonders wirksam. Die Arzneien wirken aber auch auf gesunde Zellen. Es gibt daher typische Nebenwirkungen wie Haarausfall, Veränderungen des Blutbildes, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Eine Chemotherapie verläuft in mehreren Zyklen, meist im Abstand von zwei Wochen. Meist werden mehrere Wirkstoffe kombiniert. Es gibt unterschiedliche Chemotherapeutika, die Ärzte bei Hirntumoren anwenden.

Zielgerichtete Therapie

Unter zielgerichteter Therapie versteht man die Vergabe von speziellen Medikamenten, die auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sind. Wirkstoffe der zielgerichteten Therapie unterbinden verschiedene Prozesse, die für das Wachstum des Tumors wichtig sind: Neben der Zellteilung blockieren sie also zum Beispiel auch die Signalübertragung zwischen Krebszellen. Sie stören die Blutversorgung des Tumors.

Innovative Medtronic Visualase-Technologie

Die Visualase-Therapie von Medtronic ist ein innovatives Laser-Verfahren zur Behandlung verschiedener neurologischer Erkrankungen.

Kurative und palliative Therapien

Wenn es möglich ist, wird ein Hirntumor per Operation oder Strahlentherapie vollständig entfernt. Die vollständige und dauerhafte Entfernung entspricht einer Heilung des Tumors. Behandlungen, die eine Heilung zum Ziel haben, nennt man kurative Therapien. Palliative Therapien werden eingesetzt, wenn eine Heilung nicht möglich erscheint. Sie haben das Ziel, die Beschwerden zu lindern, das Krebswachstum aufzuhalten und die Lebenserwartung der Patientinnen zu verlängern. Wenn die Patientinnen zuhause nicht versorgt werden können, werden sie in Palliativstationen spezialisierter Kliniken betreut.

Rehabilitation

In der Reha nach der Akuttherapie des Hirntumors werden die Folgen der Tumorerkrankung und der Tumortherapie und - falls der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte - auch der Hirntumor in Kliniken für Rehabilitation behandelt. Patientinnen, die einen Hirntumor hatten oder haben, leiden häufig unter neurologischen Ausfallerscheinungen (bspw. Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Beeinträchtigungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration und Orientierung). Daher sollten die Patientinnen während der Rehabilitation nicht nur onkologisch sondern unbedingt auch neurologisch behandelt werden.

Prognose

Die Überlebenschance bei einem Gehirntumor hängt von seiner Art, der Ausbreitung, der Wachstumsgeschwindigkeit und der Aggressivität ab. Wie sich ein Hirntumor entwickelt und die Krankheit verläuft, ist individuell unterschiedlich. Je nach Sitz, Größe und den besonderen Eigenschaften des Tumors kommt es zu neurologischen Ausfällen und Symptomen, eventuell auch zu Durchblutungsstörungen oder Entzündungen. Falls der Tumor weiterwächst, nehmen die Häufigkeit und die Schwere der Symptome zu.

Bei gutartigen Hirntumoren, die sich operativ oder durch Strahlentherapie komplett entfernen lassen und die noch keine bleibenden Schäden verursacht haben, ist die Prognose für eine vollständige Heilung gut. Auch wenn ein Tumor sehr gut auf eine Chemotherapie, zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien anspricht, verbessert das die Prognose deutlich. Bei einem fortgeschrittenen, bösartigen Gehirntumor, der nicht mehr auf die möglichen Therapien anspricht, steht die Prognose schlecht.

Die Lebenserwartung bei einem Hirntumor hängt stark von der Tumorart, dem WHO-Grad und dem Therapieansprechen ab. Während gutartige Hirntumore häufig vollständig operiert werden können und die Lebenserwartung dann nicht eingeschränkt ist, sind bösartige Tumore wie das Glioblastom (Grad 4) mit einer ernsteren Prognose verbunden. Hier ist oft eine Kombination aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie nötig, um das Wachstum zu bremsen und wertvolle Lebenszeit zu gewinnen.

tags: #hirntumor #vollig #vergesslich