Ein Schlaganfall kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich verändern. Häufige Folgen sind Lähmungserscheinungen, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, die durch eine Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn verursacht werden. Um Gehfähigkeit, Koordination und Motorik nach einem Schlaganfall zu verbessern, ist eine Rehabilitation unter fachkundiger Anleitung von großer Bedeutung. Rehasport bietet hier eine effektive Möglichkeit, die Mobilität wiederzuerlangen und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
Die Bedeutung der Rehabilitation nach einem Schlaganfall
Nach der Akutbehandlung eines Schlaganfalls in einer Stroke Unit oder einer spezialisierten Einrichtung ist für etwa ein Viertel der Betroffenen eine anschließende Rehabilitation notwendig. Je früher mit den Reha-Maßnahmen begonnen wird, desto höher sind die Erfolgschancen. Die Rehabilitation zielt darauf ab, verlorengegangene und gestörte Fähigkeiten wiederherzustellen.
Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Neuroplastizität, die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst neu zu vernetzen und Aufgaben beschädigter Areale durch intakte Bereiche zu übernehmen. Regelmäßiges Training ist entscheidend, um kognitive und motorische Fähigkeiten zu verbessern. Besonders in den ersten drei Monaten nach dem Schlaganfall ist die Plastizität des Gehirns am größten, wodurch schnelle Fortschritte möglich sind. Es ist jedoch ratsam, die Therapie über mehrere Jahre fortzusetzen, um langfristige Verbesserungen zu erzielen.
Beantragung und Ablauf der Rehabilitation
Um eine Rehabilitation zu beginnen, muss ein Antrag beim zuständigen Kostenträger, in der Regel der Krankenkasse, gestellt werden. Während eines Aufenthalts in einer Akutklinik wird der Reha-Antrag vom behandelnden Arzt und dem Sozialdienst unterstützt. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kann der behandelnde Arzt bei der Antragstellung helfen. Auch wenn erst später kognitive Beeinträchtigungen festgestellt werden, ist eine Reha möglich. Für die Beantragung von Wiedereingliederungsmaßnahmen in die Arbeitsfähigkeit ist der Betriebsarzt oder die Rentenversicherung zuständig.
Die Art der Rehabilitation hängt von der Schwere des Schlaganfalls und dem Grad der Selbstständigkeit des Betroffenen ab. Eine ambulante Reha ist geeignet, wenn sich der Patient schnell erholt und weitgehend selbstständig ist. Diese umfasst weniger intensive Trainingseinheiten, die ein bis zwei Stunden pro Tag in Anspruch nehmen. Bei einem schweren Schlaganfall empfiehlt sich eine stationäre Rehaeinrichtung, in der sich ein Expertenteam mehrere Stunden täglich um die Genesung kümmert.
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Rehasport als effektive Therapiemaßnahme
Rehasport nach einem Schlaganfall bietet die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Betroffenen durch Sport und Spiele die Mobilität zu verbessern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Schädigungen durch den Schlaganfall können gezielt entgegengewirkt werden, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer schnelleren Genesung steigt.
Durch Rehabilitationssport werden verschiedene Körperregionen mobilisiert, die nach einem Schlaganfall eingeschränkt sind. Zudem wird das Gehirn gefordert, was die kognitive Leistungsfähigkeit verbessert. Unter fachkundiger Anleitung werden verschiedene Übungen gezeigt, die individuell an die Bedürfnisse und die Geschwindigkeit des Einzelnen angepasst werden. Viele Übungen können auch im Rollstuhl oder im Sitzen ausgeführt werden.
Der Rehasport findet in kleinen Gruppen statt, was den sozialen Austausch mit anderen Betroffenen fördert. Die angebotenen Sportarten sind vielfältig und reichen von Bewegungsspielen im Sitzen bis hin zu Wassergymnastik. Es ist wichtig, eine Sportart zu wählen, die angenehm ist und zum individuellen Krankheitsverlauf passt.
Übungen und Trainingsmethoden im Rehasport
Im Rehasport werden verschiedene Übungen und Trainingsmethoden eingesetzt, um die motorischen und kognitiven Fähigkeiten der Patienten zu verbessern. Dazu gehören:
- Gangtraining: Hierbei lernen die Betroffenen Schritt für Schritt wieder das Gehen. Zunächst werden das Sitzen und Aufstehen trainiert, danach das Stehen und Gehen mit allmählicher Steigerung.
- Krafttraining: Gezieltes Krafttraining und Übungen für die Beine sind wichtig, um Muskelschwund und Kreislaufproblemen vorzubeugen.
- Koordinationstraining: Übungen zur Verbesserung der Koordination und des Gleichgewichts helfen, Stürze zu vermeiden und die Alltagstauglichkeit zu erhöhen.
- Training der Arm- und Handfunktion: Hierbei werden Kraft und Koordination trainiert, um die gelähmte Hand zu aktivieren.
- Hirnleistungstraining: Übungen zur Schulung der Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit verbessern die Körperwahrnehmung.
Sportarten und Aktivitäten mit positiver Auswirkung
Generell werden Ausdauersportarten wie Wandern, Walking, Nordic Walking, Radfahren, zügiges Spazierengehen, Wassergymnastik und Schwimmen nach einem Schlaganfall empfohlen. Moderate Aktivitäten, die das Herz-Kreislauf-System in Schwung bringen, aber nicht zu stark belasten, sind besonders förderlich. Es ist ratsam, vor Beginn einer sportlichen Aktivität individuell ärztlichen Rat einzuholen, um die Belastbarkeit richtig einzuschätzen.
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Auch im Alltag sollte regelmäßige Bewegung integriert werden: Treppen steigen statt Fahrstuhl fahren, spazieren gehen, beim Telefonieren auf und ab gehen, Rad statt Auto fahren, Früh- oder Abendgymnastik zuhause. Kleine Fitnessgeräte wie Knautschball, Balanceboard, Gymnastikband, Fahrradergometer und Hanteln eignen sich gut für das Training zuhause.
Verordnung und Kostenübernahme
Rehasport wird von einem Arzt verordnet. Nach dem Ausfüllen der benötigten Dokumente kann man sich einen Sportverein suchen, der entsprechende Kurse anbietet. Informationen dazu erhält man beim Arzt, der Krankenkasse oder über Online-Plattformen. In der Regel verschreibt der Arzt insgesamt 50 Übungseinheiten für einen Zeitraum von 18 Monaten. Die Kosten für den Rehasport werden von den Krankenkassen übernommen.
Die Rolle von Hilfsmitteln
Bei Bedarf kann das Training durch technische Trainingshilfsmittel und orthopädische Hilfsmittel unterstützt werden. Zum Einsatz kommen Gangmaschinen, Bewegungsgeräte, Laufband, Ergometer, Gehtrainer, robotergestützte Gangorthesen etc. Bei einer Fußheberschwäche kann eine Fußheberorthese helfen, den Fuß beim Anheben und Abrollen zu unterstützen.
Rehasport bei Multipler Sklerose
Auch bei Multipler Sklerose (MS) kann Rehasport eine sinnvolle Maßnahme sein. Da die Symptome von MS sehr vielseitig sind, wird der Kurs dementsprechend geführt. Bewegung mit Freude, Spiele mit Spaß, sportliche Aktivitäten, Hirnleistungstraining und Entspannungsübungen in der Gruppe sollen zu einer besseren Krankheitsbewältigung und Lebensqualität führen.
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