Bei der Parkinson-Erkrankung kommt es zu Veränderungen im Nervensystem, insbesondere zum Absterben von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dieser Botenstoff ist essenziell für die Signalübertragung zwischen Gehirn und Muskulatur. Ein Dopaminmangel führt zu Akinesie (kleinere und langsamere Bewegungen), Tremor (Zittern in Ruhe), Gleichgewichtsstörungen und Rigor (Muskelsteifheit). Die Symptome treten oft auf einer Körperseite stärker auf. Weitere mögliche Folgen sind Blasen- und Verdauungsstörungen, Kreislaufprobleme, Sprachprobleme, erhöhte Talgproduktion, Konzentrationsstörungen und Depressionen.
Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es wirksame Therapien zur Linderung der Beschwerden. Neben der medikamentösen Behandlung hat sich Sport und Bewegung als äußerst positiv erwiesen. Nordic Walking, Radfahren oder Tanzen kräftigen die Muskulatur, stärken die Ausdauer und wirken Muskelsteifheit und Bewegungsverarmung entgegen. Insbesondere im Frühstadium der Erkrankung gibt es kaum Einschränkungen bei der Wahl der Sportart.
Die Bedeutung von Rehasport bei Parkinson
Rehasport ist eine ärztlich verordnete Leistung, die von den Krankenkassen finanziell unterstützt wird und zielt darauf ab, die motorische Funktion zu verbessern, die Muskelkraft zu stärken und die Koordination zu fördern. Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Schlaganfall, Multipler Sklerose oder peripheren Nervenschäden profitieren besonders von Rehasport.
Gezielte Übungen im Rehasport
Im Rehasport werden Elemente bestimmter Sportarten bewusst eingesetzt, um spezifische Beschwerden zu lindern. Tischtennis beispielsweise kann Bewegungsblockaden lösen und die Koordination nachhaltig verbessern. Yoga-Elemente können den Bewegungsradius erweitern. Ein kombiniertes Kraft-, Gleichgewichts- und Beweglichkeitstraining sowie Tanzelemente sind ebenfalls geeignet. In fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung ist es wichtig, die Sturzgefahr zu minimieren.
Spezifische Übungen und Therapieansätze
Übende und physikalische Therapie bei Parkinson-Syndromen sollte besonders darauf ausgerichtet sein, Störungen zu behandeln, die nicht oder nur unzureichend durch die medikamentöse Einstellung beeinflusst werden. Zu diesen Symptomen zählen z. B. Störungen des Sprechens, des Gleichgewichtes, des Gehens und der Körperhaltung. Auch Gelenkschmerzen, die durch die Bewegungsstörung begünstigt werden, können sich durch Krankengymnastik und physikalische Therapie bessern.
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Von Experten entwickelte Übungen
Die von Desitin in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Ebersbach entwickelten Übungen sollen Menschen mit Parkinson helfen, so lange wie möglich beweglich und aktiv im täglichen Leben zu bleiben. Diese Übungen können einfach und ohne Hilfsmittel im Stehen oder Sitzen durchgeführt werden und wirken der Bewegungsarmut entgegen.
Empfohlene Hilfsmittel
Ein Ball (Durchmesser ca. 16 - 20 cm), idealerweise ein Gymnastikball, und ein Gymnastikstab (ca. 1 m Länge) können die Übungen unterstützen. Bodenübungen sollten auf einer weichen, rutschfesten Unterlage durchgeführt werden.
Trainingsplan und Durchführung
Die Länge der Übungen sollte idealerweise ca. Die Übungen dienen als Ergänzung, nicht aber als Ersatz für eine physiotherapeutisch angeleitete Behandlung. Es gibt spezielle Übungen im Sitzen und im Stehen, die jeweils mit Aufwärmübungen beginnen sollten.
Bewegung als wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsfürsorge
Unabhängig von der spezifischen Behandlung einzelner Symptome sollten Betroffene auf regelmäßige und ausgiebige Bewegung achten. Bewegung ist unumstritten ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsfürsorge. Insbesondere Parkinson-Patienten profitieren von einem ausgewogenen und individuell angepassten Sportprogramm.
Vorteile der Bewegung
Bewegung verbessert die Körperhaltung, stärkt die Eigenwahrnehmung und stabilisiert die psychische Verfassung. Eingeschränkte Beweglichkeit führt oft zu Missstimmungen.
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Individuelle Anpassung der Übungen
Die Eignung einzelner Übungen, Sportarten oder Yoga hängt von individuellen Faktoren ab. Bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Beschwerden des Bewegungsapparates sind bei der Belastung und der Auswahl der sportlichen Aktivitäten zu berücksichtigen.
Empfehlungen zur Trainingshäufigkeit und Intensität
Es wird empfohlen, zwei Mal pro Woche Übungseinheiten von 15 bis 60 Minuten zu absolvieren. Trainingseinheiten im Bewegungsbad sind besonders sinnvoll, da das warme Wasser die Muskulatur lockert und der Wasserwiderstand zur Kräftigung genutzt werden kann. Übungen in der Turnhalle oder im Wohnzimmer zielen besonders auf den Bewegungsbeginn, das Gehen (große Schritte), die Nutzung von Taktgebern und das Dehnen von Muskeln ab. Ferner sind die motorischen Fertigkeiten und die Verbesserung der Körperhaltung mit Streckübungen sinnvoll.
Vermeidung von Überforderung
Motivation ist wichtig, aber Überforderung und zu große Ansprüche sollten vermieden werden. Eine realistische Einschätzung der Leistungsfähigkeit ist erforderlich, und es ist empfehlenswert, deutlich unter der maximalen Leistungsgrenze zu bleiben.
Rehasport in der Praxis
Die Remchinger Allgemeinmedizinerin Dorothea Zeis-Süss entwickelt seit Jahren in Zusammenarbeit mit Parkinson-Patienten und Therapeutinnen ein Rehasport-Programm, das speziell auf Reaktion, Gleichgewicht und Feinmotorik abzielt. Ziel ist es, den Verlauf der Krankheit hinauszuzögern, die Lebensqualität zu steigern und eine aktive Beteiligung zu fördern.
Ziele des Rehasports bei Parkinson
- Verlangsamung des Krankheitsverlaufs
- Steigerung der Lebensqualität
- Förderung der aktiven Beteiligung
Warum Rehasport bei Parkinson hilft
Beweglichkeit und Fitness sind wichtige Themen für Parkinson-Patienten. Sport hat eine positive Wirkung auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Rehasport-Programme sind daher neben der klassischen Physiotherapie essenziell.
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Positive Effekte durch sportliche Aktivität
- Bessere Regelung des Energiestoffwechsels
- Erhöhte Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems
- Verbesserte Geschwindigkeit und Schrittlänge
- Verbesserung der Haltung und des Gleichgewichts
- Steigerung der Muskelmasse und Muskelkraft
Dies führt zu einer gesteigerten Lebensqualität, Stimmung und Fitness. Gruppentraining kann zusätzlich motivieren.
Weitere Therapieansätze
BIG-Therapie
Eine speziell für Parkinson-Patienten entwickelte Bewegungs-Therapie ist die BIG-Therapie. Hier lernen die Patienten bewusst, große Bewegungen zu machen, da Parkinson-Patienten ihre Bewegungen oft kleiner wahrnehmen, als sie tatsächlich sind.
Weitere empfehlenswerte Sportarten
Nordic Walking, Taiji, Qigong, Gymnastik oder Yoga helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, das Gangbild und das Gleichgewichtsgefühl zu stärken. Eine Kombination verschiedener Sportarten, die Bewegung, Ausdauer, Kraft und Gleichgewichtssinn gleichermaßen trainieren, ist ideal.
Wearables zur Überwachung der Beweglichkeit
Sogenannte Wearables (Fitness-Uhren) können eingesetzt werden, um das Tagesprofil von Patienten besser ableiten zu können, indem sie Tremor und Beweglichkeit messen.
Ernährung als unterstützender Faktor
Eine gesunde Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Ballaststoffe fördern die Verdauung, können den Blutdruck senken und im Kampf gegen Diabetes helfen. Eine Ernährung mit viel Gemüse und wenig tierischen Fetten lindert chronische Entzündungen. Die mediterrane Küche gilt als besonders gefäß- und herzfreundlich.