Plötzliche Aggressivität bei Katzen kann für Besitzer sehr beunruhigend sein. Es ist wichtig zu verstehen, dass keine Katze grundlos aggressiv ist. Dieses Verhalten hat immer schwerwiegende Ursachen, und es ist ein Puzzlespiel, diese herauszufinden. Ein wichtiges Puzzlespiel, das gelöst werden muss - denn alle Beteiligten leiden darunter, auch die Katze selbst.
Ursachenforschung: Ein Puzzlespiel
Wenn eine Katze plötzlich aggressiv wird, ist es wichtig, die Ursache herauszufinden. Dies ist nicht nur wichtig, um zukünftige Angriffe zu vermeiden, sondern auch, um das Wohl der Katze im Blick zu behalten. Oft ist nämlich eine seelische Ursache nicht sofort ersichtlich oder nicht einfach abzustellen. Je länger und öfter das Verhalten auftritt, umso schwerer wird die Therapie! Ein objektiver Therapeut findet mit seinem geschulten Auge zusätzlich auch noch Schwachstellen in der eigenen Haltung, welche das aggressive Verhalten auslösen oder befeuern könnten.
Richtiges Verhalten bei Aggression
Es ist nicht nur wichtig, den Grund für aggressives Verhalten herauszufinden, sondern auch, sich bei einem Angriff richtig zu verhalten, und zwar so, dass die ganze Situation nicht weiter angeheizt wird. Dies könnte einen weiteren, stärkeren Angriff provozieren. Hier geht der Schutz des Menschen vor. Folgende Punkte sollten auch in aller Panik bedacht werden:
- Kein Augenkontakt mit der Katze, nicht „Aufplustern“: Anstarren und sich vor der Katze aufbauen können als Drohung verstanden werden.
- Kopf senken, wortlos wegdrehen und zügig (aber nicht hektisch) gehen, möglichst ein Hindernis (z. B. Tür) zwischen sich und die Katze bringen.
- Keine lauten Geräusche und hektischen Bewegungen (Schreien, unnötig mit den Armen wedeln etc.).
- Mit Kissen, Decken, Karton, Handtuch etc. das Gesicht schützen - der Katze nicht hinterherlaufen oder in die Ecke drängen!
- Raum oder Gebiet verlassen und Katze Zeit zum Beruhigen lassen - nicht bedrängen, sondern warten, bis sie eventuell von allein wieder kommt.
- Katze nicht schlagen! Höchstens wegschubsen, um sie fernzuhalten.
- Bisse zeitnah ärztlich versorgen lassen!
Nicht jedes unerwünschte Verhalten ist Aggression
Nicht selten wird jedes Fauchen, Brummen oder Kratzen als Aggression gewertet. In vielen Fällen ist dies jedoch vollkommen normales Spiel- oder Verteidigungsverhalten. Negative Aggression im eigentlichen Sinne ist es dann, wenn mit Vorsatz angegriffen wird, um Schaden anzurichten, wenn die Katze auf ihr Gegenüber zugeht und ohne (direkt erkennbare) Provokation Zähne und Krallen einsetzt. Also nicht „Die Katze beißt beim Spiel oder weil sie bedrängt wird“. Das ist kein aggressives Verhalten, sondern ganz normal und sollte auch so gewertet werden. Dagegen muss man als Halter nichts tun, außer in Zukunft Körpersprache besser deuten zu lernen und Grenzen zu respektieren.
Kompetente Hilfe bei anhaltendem aggressivem Verhalten
Dauert das aggressive Verhalten an, ist kompetente Hilfe nötig. Aggressivität und seine Ursachen müssen immer zeitnah tierärztlich abgeklärt werden. Das ist nicht nur wichtig um zukünftige Angriffe zu vermeiden, sondern auch, um das Wohl der Katze im Blick zu behalten. Hat das aggressive Verhalten nachweislich keinen körperlichen Grund, kann neben Haltungsfehlern auch eine psychische Ursache vorliegen. Um diese zu finden und zielgerichtet zu therapieren, kann ein Verhaltenstherapeut für Katzen Sinn machen.
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Leid der Katze unter ihrem aggressiven Verhalten
Ein Angriff bedeutet immer starke negative Emotionen und blitzartig freigesetzte Energie. Anschließend folgen Erschöpfung, Verwirrung und Angst - teilweise über Stunden oder Tage. Es ist eine überaus stressige und teilweise traumatische Erfahrung, auch für den Angreifer selbst. Eine Katze greift erst in Ausnahmesituationen an und versucht alles, um den Ausbruch zu verhindern. Auch für sie ist er nicht angenehm: er belastet körperlich und seelisch. Er zerstört Vertrauen und lässt alle Beteiligten unsicher, vielleicht ängstlich zurück. Je öfter diese negativen Situationen auftreten, umso mehr brennen sie sich ins Gedächtnis. Ständig unter Stress zu stehen ist für Niemanden angenehm und kann die Lebensqualität entscheidend negativ beeinflussen. Natürlich kann das auch das Immunsystem und damit letztlich die Gesundheit ganz direkt belasten.
Vielfältige Gründe für Aggressionen
Es gibt vielfältige Gründe für Aggression bei Katzen. Vielfach ist auch eine Kombination mehrerer Ursachen verantwortlich dafür, dass die Katze angreift. Hier ist der Halter in der Pflicht, sachlich an Ursachenforschung und Lösungsfindung heranzugehen. Auch Fehler, die wir uns selbst nicht gern eingestehen wollen, können ganz reale Probleme hervorrufen. Fehlendes Wissen im Katzenverhalten, Bequemlichkeit und Haltungsfehler sind Punkte, die wir einfach abstellen können. Andere Ursachen für Aggression bei Katzen sind da vielschichtiger. Fünf Beispiele dafür werden im Folgenden beschrieben:
Krankheit und Schmerz als Auslöser
Schmerzen und Krankheiten sind wohl die häufigsten Auslöser für aggressives Verhalten bei Katzen. Ob Zahnschmerzen, Bewegungsschmerzen aufgrund von Arthrose oder nur Bauchweh vom Futter: dies alles kann schlechte Laune in Aggression verwandeln. Der erste Gang sollte also immer zum kompetenten Tierarzt führen, wenn Aggression bei der Katze beobachtet wird. Blutuntersuchungen, Blick ins Maul inklusive Zahnröntgen und genaues Abtasten können erste Anhaltspunkte liefern. Wichtig ist das spezielle Zahnröntgen: kein Tierarzt kann Schädigungen an den Zähnen nur durch einfaches ins-Maul-schauen oder normale Röntgenaufnahmen sehen. Zahnerkrankungen und damit -schmerzen kommen bei der Katze sehr häufig vor. Dies sollte immer im Hinterkopf behalten werden. Zeigen erste Untersuchungen keine Ergebnisse, können zusätzlich CT/MRT und ein Besuch beim Spezialisten Sinn machen. Der Zusammenhang zwischen körperlicher Gesundheit und Aggression ist ein bedeutender Faktor und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden!
Angst und schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit
Nicht immer ist die Vergangenheit der eigenen Katze bekannt. So kann es vorkommen, dass sie aus einem Grund angreift, den wir als aktuelle Halter gar nicht kennen. Misshandlungen (körperlich und seelisch) sind oft ein Grund, in bestimmten Situationen vollkommen die Fassung zu verlieren. Dieser Ausbruch ist dann häufig mit großer Angst - bis Panik - verbunden. Auslöser, die das Ganze dann wieder an die Oberfläche bringen, können Gerüche, Geräusche, Gegenstände oder spezifische Situationen (z. B. Streit zwischen zwei Menschen) sein. Um diesen Auslösern auf den Grund zu gehen, hilft oft nur ein extrem detailliertes „Angriffs-Protokoll“: Was genau ist passiert, bevor die Katze angegriffen hat? Was war anders als sonst? War eine bisher unbekannte Person anwesend? usw. Nur, wenn die Auslöser genau bekannt sind, können sie zukünftig vermieden oder positiv besetzt werden.
Überforderung und Stress
Wer ständig mit Eindrücken bombadiert wird, kann nicht zur Ruhe kommen. Ob dies nun ständig schreiende/grabbelnde (kleine) Menschen, der übergriffige Besucherhund oder Mobbing von Mitkatzen betrifft: Überforderung führt zu einer aggressiven Grundstimmung. Diese kippt leichter als bei entspannten Tieren. Der Katze müssen ruhige, sichere Rückzugsorte zugestanden werden, an denen sie von Niemandem gestört wird. Auch das Fressen, Trinken und zur-Toilette-gehen muss ohne ständige Störung möglich sein. Spiel sorgt zusätzlich dafür, dass aufgestaute negative Energie abgebaut werden kann. So kann es auch das Stresslevel der Katze senken.
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Unterforderung und Langeweile
So paradox es sich anhört: auch das genaue Gegenteil von Überforderung kann zu Aggression führen. Unterforderung ist genau so ungünstig. Die Katze staut zu viel Energie, Wut und Frust auf. In brenzligen Situationen ist sie dann eher bereit, anzugreifen als eventuell den Rückzug anzutreten. Vielen Menschen geht es ebenso, anders als diese kann die Katze ihre Probleme aber nicht frühzeitig und konstruktiv zur Sprache bringen. Wird sie längerfristig und regelmäßig im Alltag übersehen, kann dies in der Folge zu Aggression (oder auch Resignation) führen. Nicht nur aus diesem Grund sind regelmäßiges Spiel, Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten dem Katzenseelen-Wohl zuträglich.
Missachtung von Grenzen und Bedürfnissen
Die Katze mal harmlos zu ärgern ist eine Sache. Eine gänzlich Andere ist es, sie ständig zu drangsalieren, ihre Grenzen zu überschreiten und sie bis zum Platzen zu provozieren. Damit geht man ihr nicht nur unnötig und extrem auf die Nerven, man kann damit auch zielgerichtet dafür sorgen, dass die Katze uns „negativ abspeichert“. Lustig ist das nicht, weder für Mensch noch für die Katze. Die Katze als Raubtier mit kräftigem Kiefer, spitzen Zähnen und scharfen Krallen wird sich wehren. Im schlimmsten Fall eben auch in Situationen, in denen sie gerade nicht provoziert wird. Einfach, weil vergangene Situationen gezeigt haben, dass von einem bestimmten Menschen Negatives ausgeht. Trägt man als Mensch erst einmal diesen „Stempel“, werden sich manche Katzen nie wieder neutral verhalten. Also: die Katze ist ein eigenständiges Wesen mit eigenem Willen und eigenen Bedürfnissen. Dagegen sollte nur in Ausnahmesituationen (z.B. beim Tierarzt, bei der Medikamentengabe) verstoßen werden.
Neurologische Erkrankungen als Ursache
Plötzliche Verhaltensänderungen - auch aggressive Ausbrüche - können medizinische Ursachen haben. Schmerzen durch Arthrose, Zahnprobleme, Abszesse oder neurologische Erkrankungen wie Epilepsie können dazu führen, dass die Katze plötzlich angreift - aus Angst vor Berührung oder weil sie sich bedroht fühlt. Auch altersbedingter kognitiver Abbau, hormonelle Störungen (z. B. Schilddrüse) oder Infektionen können das Verhalten beeinflussen. Selten kann auch eine Veränderung im Gehirn Ursache für aggressives Verhalten ohne ersichtliche Auslöser sein.
Die Taumelkrankheit (Staggering Disease)
Ein erst 2020 entdecktes Virus verursacht die Staggering Disease der Hauskatze. Die Taumelkrankheit tritt sporadisch bei Freigängern auf. Im Gehirn von Katzen mit Taumelkrankheit in Schweden, Österreich und Deutschland wurde das erst 2020 neu entdeckte Rustrela-Virus nachgewiesen, ein enger Verwandter des Erregers der Röteln. Ein internationales Konsortium unter Federführung des Friedrich-Loeffler-Instituts identifizierte das Virus bei 27 von 29 Katzen mit Symptomen der Taumelkrankheit. Alle 29 Katzen der Kontrollgruppe waren hingegen Rustrela-negativ. Die Taumelkrankheit wurde erstmals in den 70er-Jahren in Schweden, dann in den 90er-Jahren in Österreich beschrieben. Berichte über Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik gibt es aus weiteren europäischen Ländern. Typisch ist eine Ataxie mit taumelndem Gang durch Paresen/Paralysen der Hinterbeine und einen gesteigerten Muskeltonus. Zusätzlich können weitere neurologische Symptome auftreten (Krallen können nicht mehr eingezogen werden, Hyperästhesie am hinteren Rücken/Schwanz, manchmal Tremor oder epileptische Anfälle). Beschrieben sind auch Fieber und Verhaltensänderungen wie vermehrtes Vokalisieren, Niedergeschlagenheit, zunehmende Anhänglichkeit, selten auch Aggression. Die Erkrankung dauert meist wenige Tage bis Wochen, kann sich aber auch bis zu ein Jahr hinziehen. In den meisten Fällen führt die fortschreitende Verschlechterung letztlich zur Euthanasie. Der Erreger der Staggering Disease war seit 50 Jahren unbekannt, obwohl es Hinweise auf eine Virusinfektion gab. Dank moderner Methoden wurden in den letzten Jahren einige Encephalitis-Erreger neu beschrieben. Das Rustrela-Virus wurde 2020 zunächst im Gehirn mehrerer Tiere mit neurologischer Erkrankung in einem kleinen Zoo an der deutschen Ostsee entdeckt. Zudem konnte es bei Fledermäusen in Afrika nachgewiesen - und jetzt bei Katzen mit Taumelkrankheit in Schweden, Österreich und Deutschland. Das Reservoir sind vermutlich Nagetiere. Alle betroffenen Katzen waren Freigänger. Wie das Virus aus dem Nagerreservoir auf Katzen übertragen wird und ob Katzen das Virus auch ausscheiden, ist bisher nicht geklärt. Die Autoren vermuten angesichts des sporadischen Auftretens der Erkrankung ausschließlich bei Freigängern, dass die Übertragung nur durch Nager erfolgt. Zudem zeigt sich ein saisonales Muster: Die ersten Symptome der Staggering Disease traten meist im Winter oder Frühjahr auf. Das Rustrela-Virus scheint in Europa weiter verbreitet zu sein als bisher angenommen. Angesichts des breiten Wirtsspektrums im Zoo (Esel, Wasserschwein, Rotnackenwallaby) wäre denkbar, dass es für weitere neurologische Erkrankungen mit bisher unbekannter Ätiologie bei anderen Tierarten oder dem Menschen verantwortlich sein könnte.
Weitere neurologische Ursachen
Das Nervensystem der Katze steuert nahezu alle Funktionen des Körpers. Es ermöglicht Ihrer Katze, von und auf den Zaun zu springen, dass ihr Herz schlägt, sie atmen kann und sie ihren Urin nicht einfach laufen lässt. Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn, dem Rückenmark und den Nerven. Störungen des Nervensystems können sehr unterschiedliche Symptome verursachen; die Katze kann abnormales Verhalten zeigen, aber auch laufen, als wäre sie betrunken. Bei einem 'Kurzschluss' im Gehirn kann eine Katze einen epileptischen Anfall erleiden und wenn bestimmte Nervenbahnen schwer gestört sind, kann Lähmung die Folge sein. Da das Nervensystem nahezu alle Körperfunktionen steuert, können die Symptome neurologischer Erkrankungen, wie Erkrankungen des Nervensystems auch genannt werden, sehr unterschiedlich sein. Andere Symptome sind subtiler, kommen weniger häufig vor oder es ist nicht sofort erkennbar, dass es sich um ein Symptom einer neurologischen Erkrankung handelt. Neurologische Erkrankungen bei Katzen können sowohl angeboren als auch erworben sein. Angst und Stress können viele verschiedene Ursachen haben, aber oft gibt es eine Störung im Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) wie Serotonin, wodurch es sich im Grunde auch um eine Erkrankung des Nervensystems handelt. Bei älteren Katzen treten einige neurologische Erkrankungen häufiger auf als bei jungen Katzen. Wie beim Menschen kommt auch bei Katzen Demenz durch Gehirnalterung vor. Bei Katzen mit Demenz ändert sich die Persönlichkeit: sie knüpfen weniger Kontakt zu anderen Tieren oder Menschen, ihr Tag-Nacht-Rhythmus wird gestört, sie urinieren und defäkieren manchmal im Haus und können sehr verwirrt werden. Demenz ist ein fortschreitender Prozess, der nicht heilbar ist. Bei Epilepsie tritt eine Art Kurzschluss im Gehirn auf. Dadurch kann ein epileptischer Anfall erfolgen, bei dem die Katze das Bewusstsein verliert, die Muskeln krampfen, sie Urin und Kot absetzt und zu schäumen beginnt. Es ist schrecklich, dies als Besitzer miterleben zu müssen. Epilepsie kann sich allerdings auch auf eine viel subtilere Weise äußern, beispielsweise durch "Fliegenfangen" (das Jagd auf nicht vorhandene Fliegen machen) oder Muskelzittern.Bei sehr jungen oder alten Katzen gibt es oft eine zugrundeliegende Ursache für die Epilepsie, wie einen Hirntumor, einen Wasserkopf oder einen Lebershunt. Erkrankungen des Nervensystems sind oft ziemlich einschneidend sowohl für die Katze als auch für den Besitzer. Wenn Sie verändertes Verhalten oder eine veränderte Beweglichkeit bei Ihrer Katze bemerken oder wenn Ihre Katze einen epileptischen Anfall bekommt oder plötzlich sehr schwindlig erscheint, ist es ratsam, Ihren Tierarzt zu kontaktieren.
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Missverständnisse in der Kommunikation
„Sie hat ganz plötzlich aus dem Nichts angegriffen“ - dieser Satz fällt oft, wenn Katzen ihre Menschen kratzen oder beißen. Dabei gibt es fast immer gute Gründe für das Verhalten, und sie zeigen auch schon vorher deutliche Zeichen, dass sie gleich zupacken werden. In einem Moment kuschelt man noch innig, plötzlich schlägt die Katze mit ihren Krallen zu und greift scheinbar aus dem Nichts an. Wahrscheinlich wurden den Tieren deshalb auch oft Eigenschaften wie Hinterlist oder Unberechenbarkeit zugeschrieben. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um eine Fehlkommunikation. Viele Menschen sehen oder verstehen die subtilen Signale ihrer Katze nicht. Katzen „sprechen“ mit ihrem Körper. Doch viele ihrer Warnsignale sind subtiler als bei Hunden - und werden daher leicht übersehen. Aber auch deutlichere Signale wie plötzliches Aufhören beim Schnurren oder ruckartiges Umdrehen und Anstarren deuten manche Menschen nicht als Zeichen, mit dem Streicheln aufzuhören. Wird die Katze in solchen Momenten weiter bedrängt oder berührt, sieht sich das Tier genötigt, deutlicher zu werden oder sich zur Wehr zu setzen. Auf uns Menschen wirkt das dann, als ob die Katze „aus dem Nichts“ angreift. Ein häufiger Auslöser für scheinbar plötzliche Angriffe ist Überstimulation - zum Beispiel während des Streichelns. Was zunächst angenehm beginnt, kann durch monotone, wiederholte Berührungen plötzlich unangenehm werden. Viele Katzen signalisieren dies durch leichtes Wedeln mit dem Schwanz, ein Zucken der Haut oder eine angespannte Körperhaltung. Wird das ignoriert, folgt oft ein kurzer, aber intensiver Angriff, gefolgt von Rückzug. Eine typische Situation: Die Katze schnellt plötzlich unter dem Sofa hervor und greift plötzlich die Füße ihrer Menschen - oder von Besuchern - an. Katzen sind ausgesprochen territorial. Neue Mitbewohner - ob Mensch, Tier oder Baby - können als Eindringlinge wahrgenommen werden. Auch Umbauten, neue Möbel oder fremde Gerüche (z. B. durch Besuch) können das Reviergefühl stören. Territoriale Aggression äußert sich durch Drohgebärden, Attacken oder das Blockieren von Zugängen. Allerdings bekommen wir diese Drohgebärden nicht immer mit, weil die Katze unter dem Sofa kauert oder weil wir vielleicht auch gar nicht bemerken, dass sich das Tier in diesem Moment darunter befindet und wir zu nahe kommen. Besonders junge Katzen zeigen gerne intensives Spielverhalten, das für den Menschen schnell bedrohlich wirken kann. Sie lauern, springen, kratzen, beißen - all das sind typische Jagd- und Beutemuster, die im Spiel erprobt werden. Auch beim Kuscheln können Katzen schnell in Spielstimmung umschwenken und plötzlich die Hand oder die Füße attackieren. Dies wird leider von vielen Menschen unbewusst gefördert, wenn mit Händen statt mit Spielangeln gespielt wird. Bieten Sie täglich strukturierte Spielzeiten mit Jagdspielen (z. B. Stress ist einer der häufigsten Auslöser für plötzliche Aggression. Er kann durch viele Faktoren entstehen: Tierarztbesuche, laute Geräusche, fremde Tiere vor dem Fenster oder Veränderungen im Alltag. Wenn eine Katze keinen Fluchtweg sieht, schlägt sie unter Umständen in Angst und Panik um sich - das nennt man defensive Aggression. Wichtig ist dabei immer, den Auslöser für den Stress auszumachen. Dabei kann es sinnvoll sein, sich professionelle Unterstützung von Katzenverhaltenstherapeuten oder Tierärzten mit Spezialisierung auf Katzenverhalten zu holen. Besonders heikel ist die sogenannte umgeleitete Aggression: Die Katze ist innerlich aufgewühlt durch einen nicht erreichbaren Reiz (z. B. Bieten Sie in stressigen Situationen sichere Rückzugsorte an (z. B.
Was tun bei Aggression? Tipps und Strategien
Wenn eine Katze plötzlich aggressiv wird, sollte man zunächst Ruhe bewahren und der Katze Raum geben. Stressquellen identifizieren und vermeiden, Rückzugsorte schaffen und die Gesundheit vom Tierarzt prüfen lassen. Positive Verstärkung und gezieltes Training helfen, unerwünschtes Verhalten zu reduzieren. Bei anhaltender Aggression kann professionelle Beratung durch einen Verhaltensexperten sinnvoll sein.
Erste Maßnahmen und Therapiemöglichkeiten
Wenn deine Katze aggressives Verhalten zeigt, ist es wichtig, schnell, aber überlegt zu handeln. Zunächst solltest du gefährliche Situationen entschärfen: Vermeide direkten Kontakt, wenn deine Katze sich in einem aggressiven Zustand befindet, und gib ihr Zeit, sich zu beruhigen. Dabei helfen eine ruhige Stimme, Rückzugsmöglichkeiten und das Reduzieren von Stressfaktoren. Ein wichtiger Schritt besteht darin, auf kleine Verhaltensveränderungen und feine Signale deiner Katze zu achten - insbesondere auf die Geräusche, die sie macht. Häufig kündigt sich aggressives Verhalten schon durch bestimmte Laute oder Haltungsveränderungen an. Wer lernt, diese Katzengeräusche richtig zu deuten, kann frühzeitig reagieren und Eskalationen vermeiden. Langfristig ist es entscheidend, die Ursachen für das Verhalten zu erkennen - und gezielt zu behandeln. Tierärztliche Untersuchungen schließen körperliche Beschwerden aus. Danach kann mithilfe eines professionellen Verhaltenstrainings an spezifischen Auslösern gearbeitet werden. Das Training sollte auf positiver Verstärkung basieren und individuell auf die Katze abgestimmt sein. Auch unterstützende Maßnahmen wie eine veränderte Wohnraumgestaltung, gezielte Beschäftigung oder der Einsatz von Pheromonen (z. B. als Spray oder Stecker für die Steckdose) können zur Beruhigung beitragen. In schweren Fällen kann eine medikamentöse Begleittherapie in Absprache mit dem Tierarzt sinnvoll sein. Wichtig ist: Konsequenz, Geduld und ein liebevoller, aber klarer Umgang sind der Schlüssel. Mit den richtigen Maßnahmen kannst du deinem Tier helfen, Vertrauen aufzubauen - und ein harmonisches Zusammenleben wieder möglich machen.
Pflege von aggressiven Katzen
Der Umgang mit einer aggressiven Katze verlangt viel Aufmerksamkeit und Verständnis. Wie bereits beschrieben, ist es entscheidend, die Ursachen für aggressives Verhalten zu erkennen - sei es Stress, gesundheitliche Probleme oder Erziehungsfragen - und gezielt darauf einzugehen. Dabei solltest du stets kleine Veränderungen im Verhalten deiner Katze beobachten, denn diese können wichtige Hinweise auf ihr Wohlbefinden geben. Besonders die Essgewohnheiten und die Aktivität deiner Katze sind wichtige Indikatoren: Futterverweigerung, verändertes Spielverhalten oder Rückzug sind Warnsignale, die du nicht ignorieren solltest. Achte deshalb genau darauf, wie und was deine Katze frisst - denn eine ausgewogene Ernährung stärkt das Wohlbefinden und kann aggressives Verhalten positiv beeinflussen. Regelmäßige Beobachtung, liebevolle Pflege und eine ausgewogene Ernährung bilden die Grundlage für ein harmonisches Zusammenleben - auch bei Katzen, die zu Aggression neigen.
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