Pilzinfektionen des Nervensystems: Ursachen, Symptome und Behandlung

Pilzinfektionen des Nervensystems stellen eine ernstzunehmende Gefahr dar, die oft schwer zu diagnostizieren und zu behandeln ist. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Pilzinfektionen des Nervensystems, einschließlich der Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung

Pilze sind allgegenwärtig und spielen eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem. Während viele Pilze harmlos oder sogar nützlich sind, können einige Arten bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder anderen Risikofaktoren schwere Infektionen verursachen. Diese Infektionen können verschiedene Organe betreffen, einschließlich des Nervensystems.

Ursachen von Pilzinfektionen des Nervensystems

Pilzinfektionen des Nervensystems können durch verschiedene Pilzarten verursacht werden. Zu den häufigsten Erregern gehören:

  • Candida albicans: Normalerweise ein harmloser Mitbewohner des Körpers, kann Candida albicans bei geschwächtem Immunsystem Infektionen auslösen. Eine Behandlung mit Antibiotika kann die normale bakterielle Haut- und Darmflora so verändern, dass der Pilz vermehrt wachsen kann.
  • Cryptococcus neoformans und Cryptococcus gattii: Diese Hefepilze kommen in der Umwelt vor und können die Krankheit Kryptokokkose auslösen. Die Infektion erfolgt in der Regel durch das Einatmen von Pilzsporen, die in der Luft schweben.
  • Candida auris: Dieser Hefepilz wurde erstmals 2009 identifiziert und hat sich seitdem weltweit ausgebreitet. Er ist besonders gefährlich für abwehrgeschwächte Menschen und kann schwer bis tödlich verlaufen. Ein Grund, warum sich Candida auris relativ schnell ausbreiten kann, ist seine Resistenz gegen viele Antimykotika.
  • Aspergillus: Aspergillus-Arten sind Schimmelpilze, die in der Umwelt vorkommen. Sie können invasive Infektionen verursachen, insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Risikofaktoren:

Mehrere Faktoren können das Risiko einer Pilzinfektion des Nervensystems erhöhen:

  • Geschwächtes Immunsystem: Patienten mit HIV-Infektion, Krebs, Diabetes mellitus, chronischen Erkrankungen der Leber, Lunge oder Niere oder nach einer Organtransplantation sind anfälliger für Pilzinfektionen.
  • Aufenthalt im Krankenhaus oder Pflegeheim: Der Pilz verbreitet sich häufig in Einrichtungen des Gesundheitswesens, insbesondere in Krankenhäusern und Pflegeheimen.
  • Behandlung mit Antipilzmitteln: Candida-auris-Infektionen sind wahrscheinlicher bei Personen, die lange Zeit mit antimykotischen Medikamenten behandelt wurden, gegen die Candida auris bereits resistent ist.
  • Operationen und invasive Verfahren: Patienten, die sich einer Operation oder invasiven Diagnostik unterziehen müssen, haben ein höheres Risiko, sich mit Candida auris zu infizieren.
  • Antibiotikatherapie: Eine Behandlung mit Antibiotika kann die normale Haut- und Darmflora verändern und so dem Pilz ein vermehrtes Wachstum ermöglichen.
  • Haut- oder Schleimhautveränderungen: Chronische Wunden oder chronische Durchfeuchtung der Haut erleichtern dem Pilz das Eindringen in den Körper.

Symptome von Pilzinfektionen des Nervensystems

Die Symptome einer Pilzinfektion des Nervensystems variieren je nach Art des Pilzes, dem betroffenen Bereich des Nervensystems und dem Immunstatus des Patienten. Einige häufige Symptome sind:

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  • Kopfschmerzen: Häufiges Symptom bei Hirnhautentzündung (Meningitis).
  • Fieber: Kann auf eine Entzündung im Körper hinweisen.
  • Nackensteifigkeit: Ein typisches Zeichen einer Meningitis.
  • Verwirrtheit: Kann auf eine Beteiligung des Gehirns hindeuten.
  • Übelkeit und Erbrechen: Können durch erhöhten Hirndruck verursacht werden.
  • Sehstörungen: Können auf eine Beteiligung der Hirnnerven hindeuten.
  • Krampfanfälle: Können durch eine Entzündung des Gehirns verursacht werden.
  • Bewusstseinsstörungen: Können von leichter Benommenheit bis hin zum Koma reichen.
  • Husten, Atembeschwerden: Symptome bei einer Lungenentzündung (Pneumonie) durch Pilzinfektion.
  • Hautveränderungen: Dellwarzen-ähnliche Hautveränderungen können bei Kryptokokkose entstehen.

Diagnose von Pilzinfektionen des Nervensystems

Die Diagnose einer Pilzinfektion des Nervensystems erfordert in der Regel eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Bildgebung und Labortests.

  • Klinische Untersuchung: Der Arzt erfasst die Symptome, Krankengeschichte und Risikofaktoren für eine Pilzinfektion.
  • Bildgebung: Eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns kann helfen, Entzündungen, Abszesse oder andere Anomalien zu erkennen.
  • Lumbalpunktion: Bei einer Lumbalpunktion wird eine Probe der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) entnommen. Diese wird auf Pilze, Entzündungszeichen und andere Anomalien untersucht.
  • Bluttests: Bluttests können helfen, Pilze oder Antikörper gegen Pilze nachzuweisen.
  • Biopsie: In einigen Fällen kann eine Biopsie des betroffenen Gewebes erforderlich sein, um die Diagnose zu bestätigen.

Behandlung von Pilzinfektionen des Nervensystems

Die Behandlung von Pilzinfektionen des Nervensystems hängt von der Art des Pilzes, der Schwere der Infektion und dem Immunstatus des Patienten ab. In der Regel werden Antimykotika eingesetzt, um die Pilze abzutöten oder ihr Wachstum zu hemmen.

  • Antimykotika: Häufig eingesetzte Wirkstoffe zur Therapie einer Candidose sind zum Beispiel Nystatin, Clotrimazol, Fluconazol, Itraconazol und Amphotericin B. Bei einer systemischen Candidose oder wenn eine äußere Behandlung nicht genügt, können die Antimykotika auch als Tablette oder Saft verordnet beziehungsweise per Infusion über die Vene verabreicht werden.
  • Echinocandine: Die meisten Infektionen mit Candida auris werden mit Echinocandinen behandelt. Ihre Anwendung wird als bevorzugte Behandlung von Candida-auris-Infektionen bei Erwachsenen und Kindern ab zwei Monaten empfohlen.
  • Amphotericin B: Wirkt die Echinocandin-Therapie nicht gut, wird Amphotericin B verschrieben. Auch wenn eine Candidämie schon länger als fünf Tage besteht, setzt man Amphotericin B ein.
  • Kombinationstherapie: In einigen Fällen kann eine Kombination verschiedener Antimykotika erforderlich sein, um die Infektion zu kontrollieren.
  • Chirurgischer Eingriff: Bei Abszessen oder anderen Komplikationen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um das infizierte Gewebe zu entfernen.
  • Unterstützende Maßnahmen: Zusätzliche Maßnahmen wie die Behandlung von Begleiterkrankungen, die Stärkung des Immunsystems und die Linderung von Symptomen können ebenfalls wichtig sein.

Wichtig: Um die Pilze zuverlässig abzutöten, müssen die Mittel für eine gewisse Zeit regelmäßig angewandt werden. Wird die Behandlung vorzeitig abgebrochen, besteht das Risiko, dass der Pilz zurückkehrt.

Vorbeugung von Pilzinfektionen des Nervensystems

Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko von Pilzinfektionen des Nervensystems zu verringern:

  • Gute Hygiene: Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife oder die Verwendung eines Handdesinfektionsmittels auf Alkoholbasis sind geeignet.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeiden Sie unnötige Antibiotika-Einnahme und reduzieren Sie das Risiko von Verletzungen der Haut und Schleimhäute.
  • Stärkung des Immunsystems: Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung können helfen, das Immunsystem zu stärken.
  • Impfungen: Gegen einige Pilzinfektionen, wie z.B. Kryptokokkose, gibt es Impfstoffe.
  • Hygienemaßnahmen im Krankenhaus: In medizinischen Einrichtungen sind strenge Hygienemaßnahmen wichtig, um die Ausbreitung von Pilzen wie Candida auris zu verhindern.

Spezifische Pilzinfektionen und ihre Besonderheiten

Candida Auris

Candida auris ist ein relativ neu entdeckter Hefepilz, der sich durch seine Multiresistenz gegen Antimykotika auszeichnet. Dies macht die Behandlung von Infektionen mit diesem Pilz besonders schwierig.

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Übertragung: Die Ansteckung mit Candida auris findet durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen (Schmierinfektion) oder durch die Übertragung von Mensch zu Mensch statt. Das passiert sehr oft im Rahmen einer Behandlung in medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Altenheimen.

Symptome: Die Symptome einer Candida-auris-Infektion sind je nach Person und betroffener Körperstelle unterschiedlich. Sie ähneln den Beschwerden, die auch bei einer Infektion mit anderen Arten von Bakterien oder Pilzen auftreten. Candida auris kann Ohrinfektionen, Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen und systemische Infektionen verursachen.

Vorbeugung: Die Verbreitung von Candida auris lässt sich am besten verhindern, indem man auf eine gute Hygiene achtet. Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife oder die Verwendung eines Handdesinfektionsmittels auf Alkoholbasis sind geeignet.

Kryptokokkose

Kryptokokkose ist eine Infektionskrankheit, die durch die Hefepilze Cryptococcus neoformans und Cryptococcus gattii verursacht wird.

Übertragung: Die Infektion erfolgt in der Regel durch das Einatmen von Pilzsporen, die in der Luft schweben. Diese Sporen können in verschiedenen Umgebungen vorkommen, so zum Beispiel in Erde, auf verrottetem Holz oder in Vogelfäkalien.

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Symptome: Die Symptome einer Kryptokokkose variieren je nach betroffenem Organ. Bei einer Hirnhautentzündung leiden Patienten häufig an Kopfschmerzen, Nackensteifheit oder Verwirrtheit. Bei einer Lungenentzündung treten hingegen Symptome wie Husten, Atembeschwerden und Fieber auf. Auch Hautveränderungen, die Dellwarzen ähneln, können entstehen.

Behandlung: Zur Behandlung einer Kryptokokkose wird anfänglich meist eine Kombination der Antipilzmittel (Antimykotika) Amphotericin B und 5-Flucytosin verabreicht, um die Pilzlast zu reduzieren. Im Anschluss kommt als Langzeittherapie häufig das Antimykotikum Fluconazol zum Einsatz.

Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS)

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Entzündungen des Nervensystems durch Pilze verursacht werden. Entzündliche Erkrankungen des ZNS können auch durch Bakterien, Viren, Protozoen, Autoimmunerkrankungen oder andere Faktoren verursacht werden.

Autoimmunerkrankungen: Autoimmunologische Prozesse können am Nervensystem Entzündungen hervorrufen. Das Immunsystem produziert Antikörper gegen Gewebestrukturen des eigenen Körpers, zum Beispiel gegen bestimmte Teile des Nervensystems. Ein Beispiel hierfür ist Multiple Sklerose (MS).

Infektionen: Häufige Krankheitsbilder durch erregerbedingte Infektionen des Gehirns sind die Neuroborreliose und die Gürtelrose.

Symptome: Die Symptome entzündlicher Erkrankungen des ZNS sind vielfältig und hängen von der Ursache und dem betroffenen Bereich des Nervensystems ab.

Diagnose: Die Diagnose entzündlicher Erkrankungen des ZNS erfordert eine sorgfältige Anamnese, klinische Untersuchung, Bildgebung und Labortests.

Behandlung: Die Behandlung entzündlicher Erkrankungen des ZNS hängt von der Ursache der Entzündung ab. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt, bei viralen Infektionen antivirale Medikamente und bei Autoimmunerkrankungen Immunsuppressiva.

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