Multiple Sklerose und Pilzinfektionen: Ein komplexer Zusammenhang

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die durch vielfältige Symptome gekennzeichnet ist. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber genetische und Umweltfaktoren spielen eine Rolle. In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend den Einfluss von Mikroorganismen im Darm auf die Entstehung und den Verlauf von MS untersucht.

Der Darm als möglicher Faktor bei MS

Zwillingsstudien enthüllen Unterschiede in der Darmflora

Eineiige Zwillinge bieten eine einzigartige Möglichkeit, die Rolle von Umweltfaktoren bei MS zu untersuchen, da sie nahezu identische genetische Voraussetzungen haben. Die MS TWIN STUDY am Institut für Klinische Neuroimmunologie des LMU Klinikums untersucht etwa 100 solcher Zwillingspaare, bei denen nur ein Zwilling an MS erkrankt ist.

Eine Studie, die Stuhlproben von 81 Zwillingspaaren verglich, identifizierte 51 Taxa (Mikroorganismen einer bestimmten Gruppe), die in gesunden und erkrankten Zwillingen unterschiedlich häufig vorkamen. Darüber hinaus wurden bei vier Zwillingspaaren endoskopisch Proben aus dem Dünndarm entnommen, um die krankmachenden Interaktionen zwischen Mikroorganismen und Immunzellen zu untersuchen.

Identifizierung potenziell krankheitsauslösender Bakterien

Um die Auswirkungen der Dünndarm-Proben zu testen, wurden spezielle transgene Mäuse verwendet, die unter keimfreien Bedingungen gesund bleiben, aber nach Besiedlung mit Darmbakterien eine MS-ähnliche Krankheit entwickeln können. Mäuse, die Proben von MS-Patienten erhielten, zeigten hauptsächlich Symptome.

Die Untersuchung des Stuhls der erkrankten Mäuse identifizierte zwei Mitglieder der Familie der Lachnospiraceen - Lachnoclostridium sp. und Eisenbergiella tayi - als potenzielle krankheitsauslösende Faktoren. Diese Bakterien waren zuvor nur in sehr großen und gut kontrollierten Studien mit MS in Verbindung gebracht worden.

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Bedeutung der Ergebnisse und weitere Forschung

Die Studie zeigt, wie sich krankmachende Bakterien identifizieren lassen und könnte langfristig den Weg zu neuen Therapieansätzen im Menschen aufzeigen. Die Forscher betonen, dass weitere Studien erforderlich sind, um ein umfassenderes Bild zu erhalten und die Pathogenität der identifizierten Bakterien im Detail zu überprüfen.

Pilzinfektionen bei MS-Patienten

Candida albicans: Ein weit verbreiteter Hefepilz

Candida albicans ist ein Hefepilz, der bei etwa 75 % der gesunden Menschen im Darm oder auf den Schleimhäuten vorkommt und normalerweise keine Probleme verursacht. Erkrankungen, die durch Candida-Pilze verursacht werden, werden als Soor oder Candidose bezeichnet. Ein intaktes Immunsystem verhindert in der Regel schwerwiegende Komplikationen.

Risikofaktoren für Candida-Infektionen

Bei einem geschwächten Immunsystem, beispielsweise durch Krebserkrankungen, HIV-Infektionen oder die Einnahme von Immunsuppressiva, kann sich Candida albicans jedoch stark vermehren und zu schwerwiegenden Folgeschäden führen. Symptome einer Candida-Infektion können je nach betroffenem Organ variieren.

Zusammenhang zwischen MS und Pilzinfektionen

MS-Patienten, die Immunsuppressiva zur Behandlung ihrer Symptome einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für Infektionen, einschließlich Pilzinfektionen wie Candida. Ein aktueller Fallbericht eines MS-Patienten unter Tysabri-Therapie, der unter Mundsoor leidet, verdeutlicht diese Problematik.

Behandlung von Candida-Infektionen

Candida-Infektionen werden in der Regel mit Antimykotika wie Nystatin behandelt. Eine Kombination von Nystatin mit Zinkoxid kann ebenfalls von Vorteil sein. Es ist wichtig, die Ursache der geschwächten Abwehrkräfte zu ermitteln und zu behandeln.

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Antibiotika und ihre Auswirkungen auf das Mikrobiom

Antibiotika stören das Gleichgewicht im Darm

Antibiotika können die Zusammensetzung der natürlichen bakteriellen Darmflora schädigen oder verändern, was sich akut als Durchfall äußern kann. Dies kann auch Auswirkungen auf die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel in der Tumortherapie haben.

Auswirkungen auf das Mykobiom

Eine Studie des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie untersuchte, wie sich Antibiotika auf die Pilze im Mikrobiom auswirken. Die Ergebnisse zeigten, dass Antibiotika vorübergehend eine Nische für weniger häufige Pilzarten schaffen können.

Veränderungen in der Pilzbesiedlung

Candida albicans nahm während der Antibiose um das 7-Fache zu. Viele Pilzarten, die vor und nach der Behandlung vorhanden waren, waren während und kurz nach der Behandlung nicht zu finden. Die Anzahl der nachgewiesenen und vorherrschenden Pilzarten verdoppelte sich während der Behandlung und der frühen Nachbehandlungszeit.

Verzögerte Erholung des Mykobioms

Im Vergleich zu Bakterien zeigten die Pilze eine verzögerte Reaktion auf die Antibiose. Während sich das bakterielle Mikrobiom 30 Tage nach Behandlungsende weitgehend regeneriert hatte, konnten 90 Tage nach der Behandlung noch Veränderungen bei mehr als einem Drittel der Pilzspezies im Darm nachgewiesen werden.

Wechselwirkungen zwischen Pilzen und Bakterien

Bakterien und Pilze konkurrieren um Ressourcen im Darm, können sich aber auch gegenseitig unterstützen. Stoffwechselprodukte der Bakterien, wie Propionsäure und Essigsäure, können die krankmachenden Fähigkeiten von Pilzen wie Candida albicans unterdrücken.

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