Das Nervensystem ist das fein abgestimmte Steuerzentrum unseres Körpers, das jede Bewegung, jedes Gefühl und jede Reaktion beeinflusst. Es reguliert nicht nur Bewegungen und Reflexe, sondern beeinflusst auch unser mentales Wohlbefinden und emotionale Stabilität. Ist das Nervensystem überlastet, kann dies zu Verspannungen, Schlafstörungen oder innerer Unruhe führen. "Das Nervensystem ist wie eine Autobahn, auf der Millionen von Signalen gleichzeitig hin- und herfließen. Entspannung ist nicht Luxus, sondern eine Notwendigkeit für ein gesundes Nervensystem", so Dr.
Wie das Nervensystem unser Wohlbefinden steuert
Jede Bewegung, jedes Gefühl und jede Reaktion unseres Körpers hängt vom Nervensystem ab. Das Nervensystem ist der Dreh- und Angelpunkt unserer körperlichen und mentalen Gesundheit. Durch gezielte Physiotherapie lassen sich Beschwerden lindern und Funktionen verbessern. Wenn alles zu viel wird, Alltagssituationen zu unüberwindbaren Herausforderungen werden oder an Schlaf nicht mehr zu denken ist, sollten schnellstmöglich Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Andernfalls können sich im Laufe der Zeit auch schwerwiegendere Probleme (Bluthochdruck, Depressionen) entwickeln. Sind die Gedanken aber ständig von Ängsten und Sorgen bestimmt, befindet sich der Organismus dauerhaft „im Alarmzustand“.
Ursachen schwacher Nerven
"Du hast aber starke Nerven" sagen wir, wenn jemand auch in stressigen Situationen gelassen bleibt - "Meine Nerven liegen blank", wenn uns eine Situation zu sehr unter Druck setzt. Tatsächlich sind sowohl starke als auch schwache Nerven keine medizinische Diagnose. Die Formulierung beschreibt eher, wie gut oder schlecht jemand mit anstrengenden, fordernden Ereignissen oder Lebensphasen umgehen kann. Dies kann nur zeitweiliger Natur sein. Wenn die Anspannung nicht nachlässt, kann es aber auch zum dauerhaften Problem werden.
Manche Personen sind nur temporär etwas dünnhäutiger: Etwa in Zeiten besonderer Belastung, wie zum Beispiel vor Prüfungen, nach Trennungen oder dem Verlust einer geliebten Person sowie in Folge von persönlichen Sorgen (familiäre Probleme, Geldnöte, …), fordernden Aufgaben und schulischen oder beruflichen Herausforderungen. Sie haben oft hohe Erwartungen an sich selbst oder spüren starken Druck von außen, was die Problematik noch verschärft.
Sind Nervosität und Gereiztheit auch in objektiv guten Zeiten ein ständiger Begleiter, liegen die Ursachen meist tiefer. Wer keine soziale Unterstützung durch Freunde oder Familie erfährt, kein Vertrauen in sich und andere hat, ist zudem häufig davon betroffen. Auch die eigene Persönlichkeit spielt eine Rolle: Menschen mit einer positiven Grundeinstellung sind eher nervenstark. Wer ständig mit etwas Negativem rechnet, neigt meist dazu, schneller die Fassung zu verlieren.
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Häufig berichten Betroffene von einer schwierigen Kindheit. Z.B. hatten sie Eltern, die sie vernachlässigten oder zu denen sie kein Vertrauen aufbauen konnten. Sie lernten nicht, mit Problemen und Konflikten umzugehen. Betroffene sind quasi stets in einer Hab-Acht-Stellung - immer in der Erwartung, dass etwas Schlimmes passieren könnte, dem sie nicht gewachsen sein könnten. Ihnen fehlt das Vertrauen in sich und in andere Menschen. Sie kommen schnell aus dem Gleichgewicht, fühlen sich leicht verwundbar und verletzbar wie ein Schmetterling.
Betroffene haben meist über einen längeren Zeitraum schwere Belastungen erlebt, die sie als bedrohlich erlebt haben - z.B. eine schwere Erkrankung, Missbrauch, emotionale Erpressung in der Partnerschaft, eine Naturkatastrophe oder ein Schicksalsschlag. Durch diese Belastungen liegen ihre Nerven quasi blank. Betroffene sehen sich als im Vergleich zu anderen als weniger stabil und unfähig, angemessen mit auftretenden Problemen umzugehen. Diese Einschätzung führt zu Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen, welche dann wiederum Auswirkungen auf ihr Leben haben. Betroffene haben ein starkes Bedürfnis, Unterstützung und Ermutigung durch andere zu erhalten. Gleichzeitig aber haben sie wenige oder keine Freunde, die sie unterstützen können. Den Betroffenen fehlen Bewältigungsstrategien oder sie beherrschen nur ungeeignete Strategien (wie z.B. Betroffene haben aufgrund ihrer eingeschränkten Bewältigungsstrategien Probleme mit den Finanzen, im Job, mit den Kinder, Partnern, Angehörigen, usw. Diese führen dann wiederum dazu, dass sie sich überfordert oder zu schwach fühlen.
Anzeichen schwacher Nerven
Mit zunehmendem Alter ist es vollkommen normal, dass uns unser Gedächtnis hin und wieder im Stich lässt. Doch nicht nur Alterungsprozesse fordern die Speicherkapazitäten unseres Gehirns heraus, sondern auch die stetig wachsende Informationsflut, die wir hier verarbeiten und bewerten. Der alltägliche Wust an Aufgaben, Terminen und sonstigen Herausforderungen raubt unseren Nerven die Energie, die sie bei permanentem Einsatz bitter benötigen. Das schlägt sich auch auf unsere Leistungsfähigkeit nieder.
So zeigen sich schwache Nerven:
- Ihre Merkfähigkeit lässt nach: Sie verlegen immer häufiger Brille oder Schlüssel, vergessen Termine und fragen sich, ob Sie nun den Ofen abgestellt haben oder nicht.
- Sie können sich nicht mehr so gut und lange konzentrieren und müssen beispielsweise den Artikel in der Zeitung mehrfach lesen, um den Inhalt aufzunehmen.
- Ihre Reaktionsschnelligkeit nimmt ab: Im Straßenverkehr brauchen Sie den Moment länger, um das Umspringen des Ampelsignals von rot auf grün zu bemerken.
- Sie fühlen sich ständig „auf Draht“: Ihr Herz schlägt schneller, Ihre Muskeln sind angespannt und an erholsamen Schlaf ist nicht zu denken.
- Ihr Essverhalten verändert sich: Bei manchen Menschen bewirken schwache Nerven, dass sie deutlich mehr Essen zu sich nehmen, andere verlieren den Appetit und essen immer weniger.
Sofortmaßnahmen zur Stärkung der Nerven
Wenn die Nerven blank liegen, wird der Alltag zur Tortur. Wie reagiert Ihr Körper auf Stress? Wie können Sie ihm helfen, Ihre Nervenstärke zu verbessern? Hier finden Sie Informationen und Ratschläge für belastende Lebensphasen.
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Bewegung als Ventil
Bewegen bringt Segen - das gilt auch bei nervösen Unruhezuständen. Untersuchen zeigen beispielsweise, dass beim Sport ein Hormon (ANP) gebildet wird, das Panik lindert. Ein flotter Spaziergang in der Mittagspause oder ein lockere Runde Laufen nach Feierabend helfen dabei Ängste zu „verstoffwechseln“. Zudem verschafft die körperliche Aktivität den Gedanken eine Verschnaufpause, die Sorgen rücken in den Hintergrund. Wichtig dabei ist, dass die Bewegung Freude bereitet und ohne Zwang erfolgt. Besonders gut tut Bewegung an der frischen Luft. Regelmäßige körperliche Bewegung wirkt sich positiv auf das Nervensystem sowie das allgemeine Wohlbefinden aus. Wer dabei noch an der frischen Luft ist, der tut sich gleich doppelt gut. Sportarten wie Yoga oder Pilates haben eine besonders entspannende Wirkung und stärken so auch unsere Nerven.
Ernährung für starke Nerven
Lebensmittel sind Nahrung für Körper und Geist. Was Menschen essen, bestimmt, wie sie sich fühlen. Der Blutzuckerwert hat beispielsweise Einfluss auf Gefühle wie Anspannung und Ärger. Wie stark dieser Zusammenhang ist, zeigt eine Studie mit Diabetes-Patienten: Bei sehr hohen und sehr niedrigen Blutzuckerwerten fühlten sich die Untersuchungsteilnehmer besonders angespannt und verärgert. Bei einem normalen Blutzucker fühlten sie sich hingegen glücklich und energiegeladen. Einige Nahrungsmittel enthalten neben Kohlenhydraten weitere stimmungsaufhellende Inhaltsstoffe. So liefern Bananen auch einen hohen Anteil des B-Vitamins Pyridoxin (B6). Dieses ist an vielen Prozessen im Nervensystem beteiligt. Außerdem enthalten sie Kalium und Tryptophan. Aus Tryptophan wird der Botenstoff Serotonin gebildet, der eine Vielzahl emotionaler Prozesse ( z.B. Angst) beeinflusst. Auch Omega3-reiche Lebensmittel wie Fisch haben Einfluss auf eine gesunde Nervenfunktion. Für einen ruhigen Geist sollte die Ernährung also vollwertig und möglichst vielseitig sein.
Wenn du zurzeit stark gefordert bist, benötigst du dringend die richtige "Nervennahrung". Besonders eignen sich Lebensmittel mit Omega3-Fettsäuren - dazu gehören beispielsweise Fisch, Rapsöl und Nüsse. Nicht umsonst hat das Studentenfutter seinen Namen! Versorge deinen Körper statt mit Süßigkeiten lieber mit Vitaminen und Mineralstoffen. Besonders die B-Vitamine werden auch als "Nervenvitamine" bezeichnet, denn Sie hemmen Stresshormone und liefern Energie. Binde deshalb unbedingt Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte in deinen Speiseplan ein. Vitamin C wird für ein gesundes Immunsystem benötigt. Du findest es in allen Obst- und Gemüsesorten. Proteine unterstützen den erhöhten Energiebedarf des Körpers. Neben Fleisch ist dieses auch in Fisch, Eiern oder Milchprodukten enthalten.
Um das Abfallen des Blutzuckerspiegels zu verhindern und kontinuierlich aus den aufgefüllten Reserven schöpfen zu können, sind mehrere kleine Mahlzeiten am Tag wenigen großen vorzuziehen.
Die Top 10 der Nervennahrung
Diese zehn Lebensmittel versorgen deine Nerven mit wichtigen Nährstoffen und helfen deinem Körper dabei, sich nicht mehr so leicht stressen zu lassen.
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- Nüsse: Nüsse sind durch ihren hohen Gehalt an B-Vitaminen und Magnesium ein optimaler Snack für Zwischendurch. Zudem trägt das enthaltene Vitamin E dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
- Paprika: Paprika enthält doppelt so viel Vitamin C wie Zitronen und eignet sich daher wunderbar zur Auffüllung des Vitamin-C-Speichers nach einer stressigen Situation.
- Spinat: Spinat gibt nicht nur Popeye neue Kraft. Neben einem hohen Magnesiumgehalt weist Spinat außerdem Vitamin B6 und Kalium auf, die alle zu einer normalen Funktion des Nervensystems beitragen.
- Kakao: Die wohl bekannteste Nervennahrung ist Schokolade. Allerdings ist damit nur die dunkle Schokolade mit einem hohen Kakaogehalt gemeint.
- Bananen: Bananen enthalten genauso wie dunkle Schokolade die Aminosäure Tryptophan, die unser Körper für die Bildung des Glückshormons Serotonin benötigt.
- Avocados: Avocados sind reich an B-Vitaminen, Magnesium und Kalium. Gerade Vitamin B1, aber auch Magnesium sowie Kalium tragen bei ausreichender Zufuhr zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
- Hülsenfrüchte: Hülsenfrüchte wie Bohnen, Kichererbsen oder Linsen sind ergiebige Vitamin B1- und Magnesium-Lieferanten. Vitamin B1 trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
- Haferflocken: Auch in Haferflocken ist Vitamin B1 enthalten, welches einen Beitrag zu einer normalen Funktion des Nervensystems leistet.
- Eier: Bis auf Vitamin C sind in Eiern alle wichtigen Vitamine enthalten. Das Frühstücksei ist vor allem ein guter Lieferant für Vitamin B12 sowie Vitamin D.
- Fisch: Fischarten wie Lachs und Thunfisch sind reich an Omega-3-Fettsäuren. Außerdem trägt das in Fisch enthaltene Vitamin B2 zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress und zur normalen Funktion des Nervensystems bei.
Ruhe und Entspannung
Ein ausgeglichener Geist und ein leistungsfähiger Körper brauchen ausreichend Ruhepausen. Dazu gehört ausreichend Schlaf. Möglichst 7,5 Stunden pro Nacht empfiehlt die moderne Schlafforschung. Viele Menschen sparen in stressigen Phasen jedoch zuerst am Schlaf. Durch Schlafmangel erhöht sich die Reizbarkeit, die Belastungsfähigkeit und die Stressresistenz werden gemindert. Ängsten und Stressempfinden wird Vorschub geleistet, die Gedanken kreisen permanent, man bekommt nachts kein Auge mehr zu. Um diesem Teufelskreis vorzubeugen, sind auch tagsüber ausreichend Ruhepausen notwendig. Die psychologische Forschung zeigt, dass sich viele kurze Entspannungsphasen beispielsweise günstiger auf die Erholung von körperlicher Arbeit auswirken als wenige lange Pausen. Menschen, die viel arbeiten, sollten jede Stunde für einige Minuten innehalten.
Ursachenforschung und Gegenstrategien
Die Ursachen für kreisende Gedanken sind vielfältig: Reizüberflutung, ständige Erreichbarkeit, Versagensängste und hohe Ansprüche an sich selbst können zu nervösen Zuständen führen. Viele Menschen fühlen sich jedoch gestresst, ohne genau zu wissen warum. Dann hilft es Tagebuch zu führen, um den Auslösern auf den Grund zu gehen. Kennt man die Gründe für seine Sorgen, kann man gezielt Gegenstrategien entwickeln. Kommt der Geist z.B. aufgrund einer Überzahl an Reizen nicht zur Ruhe, kann man entscheiden welchen und wie vielen man sich täglich aussetzen möchte.
Atemübungen
Gedanken und Bewertungen entstehen aus Sinneswahrnehmungen (Riechen, Sehen, Hören, etc.) und/oder Erinnerungen. Sie beeinflussen, wie sich etwas anfühlt (angenehm, unangenehm, neutral) und rufen dadurch unmittelbare Körper- und Verhaltensreaktionen (Herzklopfen, Weglaufen) hervor. Wer sich dieser Verbindung von Körper und Geist bewusst ist, fühlt sich weniger ausgeliefert und lernt zielgerichteter mit Grübelei und Sorgen umzugehen.
Übung: Atem beobachten
Schließen Sie die Augen. Atmen Sie durch die Nase ein. Konzentrieren Sie sich darauf, wie der Atem durch ihre Nase in die Lungen strömt. Halten Sie kurz inne. Atmen Sie danach durch den Mund aus. Konzentrieren Sie sich auf den natürlichen Rhythmus des Atems, ohne ihn verändern zu wollen. Bleiben Sie mit den Gedanken beim Atem: Denken Sie an die Worte „Einat-men/Ausatmen“. Es ist völlig normal, wenn Sie abschweifen, das ist Teil der Übung. Beobachten sie wertfrei, dass es passiert. Wichtig ist: Üben Sie regelmäßig, am besten täglich. Am Anfang 1 Minute, nach ein paar Tagen 2 Minuten, danach 3 Minuten und so weiter. Steigern Sie sich langsam. Den Fortschritt bestimmen Sie!
Sind wir angespannt und gestresst, wird unsere Atmung häufig flacher. Während beim tiefen ruhigen Atmen etwa 50-75 Liter Luft pro Minute in unsere Lungen gelangen, sind es bei einer flachen Atmung nur 7-10 Liter Luft. Als Folge dessen wird unser Gehirn mit weniger Sauerstoff versorgt. Kurze Atemübungen sind ein bewährtes Mittel gegen Stress und lassen sich ganz einfach in den Alltag integrieren. Versuchen Sie für zwei Minuten ganz gezielt tief in den Bauch hinein zu atmen. Hierfür atmen Sie tief in die Nase ein und dann durch den Mund wieder aus. Das nennt man auch „Zwerchfellatmung“. Am besten gelingt das in einer aufrechten Körperhaltung. Zur Kontrolle können Sie die Hände auf den Bauch legen.
Gedankenstopp
Jeder Mensch denkt am Tag zwischen 40.000 und 60.000 Gedanken. Der Großteil davon ist unbewusst. Fast 90 Prozent kreisen immer wieder um das Gleiche, insbesondere um Schwierigkeiten und Probleme. Gedanken sind Energie und haben die Kraft Gefühle zu erzeugen. Das Sprichwort „Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an“ verdeutlicht diesen Zusammenhang. Menschen sind ihren Gedanken aber nicht hilflos ausgeliefert. Sie können lernen, diese bewusst auszuwählen und manipulative, ängstigende Gedanken loszulassen.
Übung: Gedankenstopp
Wenn Sie sich beim sorgenvollen Grübeln ertappen, beobachten Sie, welcher Gedanke Sie konkret belastet. Stellen Sie sich dann ein rotes Stoppschild vor und sagen Sie sich laut oder in Gedanken „Stopp“. Wenden Sie sich dann sofort etwas anderem (z.B. dem Atem, einem beruhigenden Gedanken) zu.
Gefühle bewusst wahrnehmen
Leidvolle Gefühle wie Angst oder Unsicherheit rauben Energie und trüben die Lebensfreude. Sie haben aber auch einen Nutzen: Angst beispielsweise setzt Adrenalin frei. Dadurch steigt das Energielevel, der Körper macht sich bereit zur Flucht oder Verteidigung. Gefühle setzen aber nicht nur Hormone frei, sondern werden auch von Hormonen beeinflusst. Stressempfinden, Überforderung und Ängstlichkeit stehen in enger Wechselbeziehung mit den Hormonen. Wie stark Gefühle den Körper beeinflussen, zeigt sich z.B. daran, dass bei Frauen durch starken Stress die Regelblutung ausbleiben kann. Gefühle sind aber kein Schicksal, dem Menschen hilflos ausgeliefert sind. Wie im Umgang mit den Gedanken lohnt es sich Gefühle, bewusst wahrzunehmen und nicht wegzuschieben.
Übung: Gefühle fokussieren
Konzentrieren Sie sich auf ein momentan vorherrschendes Gefühl (z.B. Angst). Fühlen Sie, wie es sich im Körper anfühlt, wo es zu spüren ist. Nehmen Sie das Gefühl wahr, ohne es zu beurteilen. Richten Sie Ihren Fokus aber auf die Beobachtung (da ist Angst), um sich nicht im Gefühl zu verlieren. Durch das Bewusstmachen des Gefühls, verhindern sie, dass sie zu stark blockiert werden. Wenn Sie abschweifen, kehren Sie gedanklich zu dem Gefühl zurück.
Eigene Ressourcen aktivieren
Quälende Ängste und Sorgen, zehren auf Dauer an den Kräften. Um dennoch leistungsfähig zu bleiben, sollten die Batterien regelmäßig auflageladen werden. Dafür sollte man die eigenen Kraftquellen kennen. Bei der Beantwortung dieser Fragen gibt es kein „Falsch“ oder „Richtig“. Entscheidend ist, dass sie positive Gefühle auslösen und dadurch die Lebensqualität verbessern.
Mentale Stärke entwickeln
Seelische und körperliche Belastungen sind im Alltag keine Seltenheit. Ständige Erreichbarkeit und Reizüberflutung via Smartphone, Internet und Fernsehen stellen unsere Nerven tagtäglich auf die Zerreißprobe - und das insbesondere mit zunehmendem Alter. Ob Sie im Alltag angesichts nervlicher Belastungen den Kopf in den Sand stecken und resignieren, oder sich mutig den Herausforderungen stellen, hängt vor allem von Ihrer mentalen Stärke ab. Mentale Stärke bedeutet vor allen Dingen, dass Sie zum richtigen Zeitpunkt Ihre Kräfte bündeln und die Hindernisse des Alltags überwinden können - ganz im Sinne unserer instinktiven Stress-Reaktion. Dieses Vermögen setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Motivation, Disziplin und Durchhaltevermögen spielen genauso eine Rolle wie Willensstärke und Zuversicht, um erfolgreich unsere alltäglichen Zielen umzusetzen. Manche Menschen scheinen mit diesen Eigenschaften einfach von Natur aus gesegnet zu sein, doch mentale Stärke ist uns nicht per se in die Wiege gelegt - man kann sie durchaus trainieren.
Hier sind einige Tipps, was Sie für Ihre mentale Stärke tun können:
- Die Einstellung schafft die Basis für Nervenstärke: Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie geschafft haben und halten Sie sich nicht zu lange an Kleinigkeiten auf, die Ihnen nicht geglückt sind.
- Schwächen und Ängste gehören zum Leben dazu: Versuchen Sie, von ihnen zu lernen, anstatt sich von ihnen lähmen zu lassen.
- Selbstvertrauen als Schlüssel zur Meisterung des Alltags: Es gilt längst als erwiesen, dass Lernen lebenslang möglich ist. Vertrauen Sie daher auch im Alter auf Ihr Leistungsvermögen angesichts neuer Aufgaben.
- Gönnen Sie sich Pausen. Denn starke Nerven brauchen Zeit zur Regeneration.
- Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, eine tägliche To-Do-Liste zu führen? Das stärkt die Motivation und hilft, Erledigtes bewusst und in wahrem Sinne abzuhaken.
Selbstbewusstsein stärken
Wenn wir uns nicht trauen, etwas Neues auszuprobieren oder für uns selbst einzustehen, mangelt es uns an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Diese beiden Elemente bilden unser Selbstbewusstsein: Das Selbstvertrauen bezieht sich auf die Akzeptanz unserer Fähigkeiten - selbstbewusste Menschen wissen, wo ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen liegen und können ihre Kompetenzen gut einschätzen. Der Selbstwert basiert darauf, ob man sich selbst als wertvolles, fähiges, menschliches Wesen sieht, das Respekt und Beachtung verdient. Es entsteht durch die eigenen Vorstellungen und Erwartungen, die wir an uns selbst stellen. Ein ausreichendes Selbstwertgefühl ist wichtiger Bestandteil der mentalen Gesundheit. Ein geringes Selbstwertgefühl, also ein Gefühl der Wertlosigkeit, ist auch ein häufiges Symptom von Depressionen.
Um unser Selbstbewusstsein zu stärken, ist es wichtig, positive Erfahrungen zu sammeln, um eigene, oftmals auch unbewusste, negative Glaubenssätze über uns selbst zu widerlegen.
Tipps für ein starkes Selbstbewusstsein
- Körperübungen: High-Power-PosenEinen großen Einfluss auf Selbstbewusstsein und Wohlbefinden hat unsere Körperhaltung. Probieren Sie das Ganze doch einmal selbst aus: Es gibt neben der sogenannten Power-Pose, bei der man wie Popeye kräftig die Arme in die Luft streckt, zahlreiche weitere Haltungsübungen, die unser Selbstbewusstsein stärken können.
- Positives Mindset erzeugenDie Macht unserer Gedanken steuert unsere Handlungen - die positiven wie die negativen Vorstellungen können dann zur Realität werden. Um das Selbstbewusstsein zu stärken, geht es darum, an den eigenen negativen Denkmustern zu rütteln und sie ins Positive umzukehren.
- Innere Gelassenheit - Entspannungstechniken lernenMit zahlreichen Entspannungstechniken können Sie zu mehr Ruhe und Gelassenheit finden. Besonders Atemtechniken können Ihnen in angespannten Situationen dabei helfen, tiefer „durchzuatmen“ und neue Kraft zu schöpfen.
- Achtsam den Moment erlebenAchtsamkeit ist nachweislich gut für die psychische Gesundheit und das Selbstbewusstsein. In dem Begriff "Selbstbewusstsein" ist es auch schon versteckt: sich selbst bewusst sein. Das lässt sich durch eine einfache Achtsamkeitsübung in den Alltag integrieren.
- Mit Sport der Psyche etwas Gutes tunRegelmäßiger Sport setzt Endorphine frei, die ein gutes Gefühl erzeugen und Optimismus verbreiten. Wenn Sie regelmäßig trainieren, geht es Ihnen nicht nur körperlich besser, sondern Sie fühlen sich auch motivierter, um auf sich selbst zu achten.
- Freundlich zu sich selbst seinTun Sie sich selbst auch den Gefallen, freundlich zu Ihnen zu sein - das stärkt das Selbstbewusstsein. Sprechen Sie zu sich selbst mit Mitgefühl, Wohlwollen und Ermutigung, wie ein Freund es tun würde.
Wann ist ärztliche Hilfe notwendig?
Betroffene sollten mit einem Arzt sprechen, wenn sie sich dauerhaft unruhig und gereizt fühlen. Denn hinter diesen Symptomen verbergen sich manchmal auch behandlungsbedürftige, körperliche Ursachen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, starker Bluthochdruck, Unterzuckerung bei Typ-1-Diabetes). Aber auch bestimmte psychische Erkrankungen wie z.B. Angststörungen oder Depressionen gehen mit Nervosität und innerer Unruhe einher. Gewohnheiten zu ändern und Erkrankungen abzuklären, sind wichtige Schritte auf dem Weg der Besserung. Auch ein Coaching (z.B. im Stressmanagement) kann den Umgang mit den Herausforderungen des Lebens verbessern.