Der Graue Star (Katarakt) ist eine weit verbreitete Augenerkrankung, die vor allem im Alter auftritt und durch eine Trübung der Augenlinse gekennzeichnet ist. Glücklicherweise lässt sich der Graue Star heutzutage effektiv operativ behandeln, indem die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt wird. Obwohl die Kataraktoperation als Routineeingriff gilt, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten, die den Sehnerv beeinträchtigen und zu Sehbeeinträchtigungen führen können. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Risikofaktoren und Behandlungsansätze für Sehnervschäden nach einer Grauer-Star-Operation.
Grauer Star (Katarakt) und Grüner Star (Glaukom): Zwei unterschiedliche Augenerkrankungen
Es ist wichtig, den Grauen Star (Katarakt) vom Grünen Star (Glaukom) zu unterscheiden, da es sich um zwei unterschiedliche Augenerkrankungen handelt, die jedoch beide das Sehvermögen beeinträchtigen können.
- Grauer Star (Katarakt): Hierbei trübt sich die Augenlinse im Laufe der Zeit ein, wodurch immer weniger Licht die Netzhaut erreicht.
- Grüner Star (Glaukom): Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Augenerkrankungen, bei denen ein erhöhter Augeninnendruck die Netzhaut und den Sehnerv schädigt. Ursache ist meist ein gestörter Abfluss des Kammerwassers.
Obwohl beide Erkrankungen unabhängig voneinander auftreten können, sind Patient:innen häufig von beiden betroffen, da sie vor allem im Alter vorkommen. In bestimmten Fällen können beide Erkrankungen in einer gemeinsamen Operation behandelt werden. Oft bewirkt bereits der Linsentausch beim Grauen Star, dass der Augeninnendruck sinkt, da die im Alter dicker werdende Linse durch eine dünnere Kunstlinse ersetzt wird.
Ursachen für Sehnervschäden nach Katarakt-OP
Obwohl Kataraktoperationen in der Regel sicher und erfolgreich sind, können verschiedene Faktoren zu Sehnervschäden führen:
- Erhöhter Augeninnendruck: Infolge der Operation kann sich in Einzelfällen der Augeninnendruck erhöhen, insbesondere wenn bereits vorher ein Glaukom bestand. Ein erhöhter Augeninnendruck kann den Sehnerv schädigen und zu Gesichtsfelddefekten führen.
- Entzündungen: Entzündliche Prozesse im Auge, wie beispielsweise eine Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut), können den Sehnerv beeinträchtigen.
- Infektionen: In seltenen Fällen können Infektionen im Auge (Endophthalmitis) auftreten, die zu schweren Entzündungen und Schädigungen des Sehnervs führen können.
- Netzhautablösung: Eine Netzhautablösung kann kurz nach der Operation oder auch erst nach vielen Wochen oder Monaten auftreten. Sie kann durch den Eingriff selbst oder durch andere Faktoren begünstigt werden.
- Verschluss von Blutgefäßen: In sehr seltenen Fällen kann es zu einem Verschluss zentraler Augen- oder Sehnervgefäße kommen, was zu einer Minderversorgung des Sehnervs und somit zu Schäden führen kann.
- Direkte Verletzung des Sehnervs: In äußerst seltenen Fällen kann es während der Operation zu einer direkten Verletzung des Sehnervs kommen.
Risikofaktoren für Sehnervschäden
Bestimmte Faktoren können das Risiko für Sehnervschäden nach einer Kataraktoperation erhöhen:
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- Vorliegen eines Glaukoms: Patient:innen mit einem bestehenden Glaukom haben ein höheres Risiko für einen erhöhten Augeninnendruck nach der Operation.
- Diabetes mellitus: Menschen mit Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für verschiedene Augenerkrankungen, einschließlich Netzhautschäden (diabetische Retinopathie) und Makulaödeme, die den Sehnerv beeinträchtigen können.
- Andere Augenerkrankungen: Vorbestehende Augenerkrankungen wie Uveitis, Netzhautveränderungen oder Gefäßverschlüsse können das Risiko für Komplikationen erhöhen.
- Komplizierte Operationen: Schwierige oder langwierige Operationen können das Risiko für Komplikationen erhöhen.
Diagnose von Sehnervschäden
Um Sehnervschäden nach einer Kataraktoperation zu diagnostizieren, werden verschiedene Untersuchungsmethoden eingesetzt:
- Sehtests: Überprüfung der Sehschärfe und des Gesichtsfelds.
- Augeninnendruckmessung (Tonometrie): Messung des Augeninnendrucks, um einen erhöhten Druck festzustellen.
- Untersuchung des Sehnervs (Ophtalmoskopie): Beurteilung des Sehnervs auf Schäden oder Veränderungen.
- Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Messung des Gesichtsfelds, um Gesichtsfelddefekte zu erkennen.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Nicht-invasive, berührungslose Darstellung der Netzhautschichten, um Schwellungen oder Veränderungen zu erkennen.
- Fluoreszein-Angiographie: Invasive Untersuchung, bei der ein Farbstoff in eine Armvene injiziert wird, um die Blutgefäße der Netzhaut darzustellen und Leckagen aufzudecken.
Behandlung von Sehnervschäden
Die Behandlung von Sehnervschäden nach einer Kataraktoperation richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung. Mögliche Behandlungsansätze sind:
- Augentropfen:
- Drucksenkende Augentropfen: Bei erhöhtem Augeninnendruck werden drucksenkende Augentropfen eingesetzt, um den Druck zu senken und den Sehnerv zu entlasten.
- Entzündungshemmende Augentropfen: Bei Entzündungen werden entzündungshemmende Augentropfen (Kortikosteroide oder nicht-steroidale Antiphlogistika) eingesetzt, um die Entzündung zu reduzieren.
- Laserbehandlung:
- Selektive Lasertrabekuloplastik (SLT): Bei Glaukom kann eine SLT durchgeführt werden, um den Kammerwasserabfluss zu verbessern und den Augeninnendruck zu senken.
- YAG-Laseriridotomie: Bei Engwinkelglaukom kann eine YAG-Laseriridotomie durchgeführt werden, um eine Verbindung zwischen der vorderen und hinteren Augenkammer zu schaffen und den Kammerwinkel zu erweitern.
- Laserkoagulation der Netzhaut: Bei Netzhautablösungen oder -defekten kann eine Laserkoagulation durchgeführt werden, um die Netzhaut wieder anzulegen oder zu stabilisieren.
- Operation:
- Glaukomoperation: Bei unzureichender Drucksenkung durch Augentropfen oder Laserbehandlung kann eine Glaukomoperation erforderlich sein, um den Kammerwasserabfluss zu verbessern.
- Vitrektomie: Bei Netzhautablösungen oder Glaskörperblutungen kann eine Vitrektomie (Entfernung des Glaskörpers) erforderlich sein, um die Netzhaut wieder anzulegen oder Blutungen zu beseitigen.
- Intravitreale Medikamentengabe (IVOM): Bei bestimmten Netzhauterkrankungen, wie beispielsweise einem Makulaödem, können Medikamente direkt in den Glaskörperraum des Auges injiziert werden, um die Schwellung zu reduzieren und die Sehkraft zu verbessern.
Das Irvine-Gass-Syndrom (IGS) als häufige Komplikation
Eine der häufigsten Komplikationen nach einer Kataraktoperation ist das Irvine-Gass-Syndrom (IGS), bei dem es zu einem Makulaödem kommt - einer Flüssigkeitsansammlung im zentralen Teil der Netzhaut (Makula). Typische Anzeichen sind verschwommenes Sehen in der Mitte des Sichtfelds, Verzerrungen von Formen (Metamorphopsie) und eine allgemeine Verschlechterung der Sehkraft.
Risikofaktoren für IGS
Verschiedene Faktoren können das Risiko für ein IGS erhöhen, darunter:
- Diabetes mellitus: Menschen mit Diabetes haben ein höheres Risiko, insbesondere wenn sie an einer diabetischen Retinopathie leiden.
- Netzhautveränderungen: Vorbestehende Netzhautveränderungen wie epiretinale Gliose oder Gefäßverschlüsse.
- Entzündliche Erkrankungen: Entzündliche Erkrankungen im Auge, wie Uveitis.
- Bestimmte Augentropfen: Die Verwendung von Prostaglandin-Analoga zur Behandlung von Glaukom ist umstritten, da einige Studien eine mögliche Erhöhung des Risikos für ein Makulaödem zeigen.
Diagnose von IGS
Die Diagnose wird anhand der Krankengeschichte, Sehtests, Amsler-Gitter-Test, Untersuchung des Augenhintergrunds und bildgebender Verfahren wie Fluoreszein-Angiographie und OCT gestellt.
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Behandlung von IGS
Die Behandlung des IGS richtet sich nach dem Schweregrad und kann folgende Maßnahmen umfassen:
- Entzündungshemmende Augentropfen: Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAID) und/oder steroidhaltige Augentropfen.
- Intravitreale Steroidgabe: Injektion von Steroiden in den Glaskörperraum des Auges.
- Anti-VEGF-Therapie: Injektion von Anti-VEGF-Medikamenten in den Glaskörperraum des Auges, um das Wachstum von Blutgefäßen zu hemmen und die Schwellung zu reduzieren.
- Lasertherapie: Unterschwellige gepulste Lasertherapie zur Unterstützung der lokalen Therapie.
Prognose von IGS
In den meisten Fällen bildet sich das Makulaödem ohne Therapie zurück. Allerdings erreichen einige Patienten auch nach vollständigem Rückgang des Ödems keine volle Sehschärfe mehr.
Vorbeugung von Sehnervschäden
Obwohl nicht alle Sehnervschäden nach einer Kataraktoperation verhindert werden können, gibt es einige Maßnahmen, die dazu beitragen können, das Risiko zu minimieren:
- Sorgfältige Voruntersuchung: Eine gründliche Voruntersuchung des Auges, um Risikofaktoren zu identifizieren und andere Augenerkrankungen auszuschließen.
- Erfahrung des Operateurs: Die Wahl eines erfahrenen und qualifizierten Operateurs kann das Risiko für Komplikationen verringern.
- Schonende Operationstechnik: Eine schonende Operationstechnik kann das Risiko für Verletzungen und Entzündungen reduzieren.
- Regelmäßige Nachsorge: Regelmäßige Nachuntersuchungen nach der Operation, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Gute Diabeteskontrolle: Bei Patient:innen mit Diabetes ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, um das Risiko für Netzhautschäden zu minimieren.
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