Sulcus Lateralis: Definition, Anatomie und Funktion

Der Sulcus lateralis, auch bekannt als Sylvische Fissur, ist eine markante Furche im Großhirn, die eine wichtige Rolle bei der Gliederung der Hirnoberfläche spielt. Er trennt den Temporallappen von den darüberliegenden Frontal- und Parietallappen und dient als wichtige anatomische Grenze. Die Erstbeschreibung erfolgte bereits im Jahr 1641 durch den niederländischen Arzt und Anatom Franciscus de la Boe Sylvius.

Anatomische Lage und Begrenzungen

Der Sulcus lateralis befindet sich seitlich auf der Oberfläche des Großhirns. Er verläuft zwischen dem Temporallappen auf der Unterseite und den darüberliegenden Frontal- und Parietallappen.

  • Vorderer Anteil: Beginnt am Processus clinoideus anterior.
  • Hinterer Anteil: Endet auf Höhe des Pterions.
  • Begrenzungen:
    • Kranial: Frontallappen und Parietallappen.
    • Kaudal: Temporallappen.

Bestandteile und Kompartimente

Die sylvische Fissur ist nicht nur eine markante äußere Furche, sondern auch ein komplexer anatomischer Spaltraum mit spezifischen funktionellen und strukturellen Eigenschaften. Sie trennt die Gyri temporales transversi (Bestandteil des auditiven Cortex) von den darüberliegenden Frontal- und Parietallappen. Der oberflächliche Anteil der sylvischen Fissur beginnt zunächst am Processus clinoideus anterior und verläuft anschließend entlang des Keilbeinkamms.

  • Vorderes sphenoidales Kompartiment: Bildet einen schmalen Raum zwischen dem Frontal- und dem Temporallappen. Es schließt sich an die Cisterna carotica an, die eine wichtige Passage für die Arteria carotis interna darstellt.
  • Insuläre Spalte: Diese Spalte befindet sich auf der lateralen Oberfläche der Insula und enthält das M2-Segment der Arteria cerebri media sowie die Inselvenen. Der obere Schenkel dieser Spalte trennt die Insula von der medialen Oberfläche des Operculum frontoparietale. Der untere Schenkel trennt die Insula hingegen von der medialen Fläche des Operculum temporale.
  • Operculäre Spalte: Diese Spalte liegt seitlich zwischen den Opercula, den überlappenden Bereichen des Frontal-, Parietal- und Temporallappens.

Entwicklung

Die sylvische Fissur beginnt sich in der 14. Schwangerschaftswoche zu entwickeln.

Bedeutung im MRT

Im MRT (Magnetresonanztomographie) ist die sylvische Fissur als tiefe Furche zwischen den drei Hirnlappen (Frontal-, Temporal-, Parietallappen) sichtbar. Sie kann genutzt werden, um die Orientierung im Gehirn zu erleichtern und pathologische Veränderungen, wie zum Beispiel Schwellungen oder Tumoren, zu lokalisieren. Die angrenzenden Strukturen, wie die Arteria cerebri media oder die Inselrinde, können ebenfalls meist gut dargestellt werden.

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Funktionelle Bedeutung und Bezug zu anderen Hirnstrukturen

Um die Bedeutung des Sulcus lateralis zu verstehen, ist es hilfreich, die Rolle der angrenzenden Hirnlappen zu betrachten:

Frontallappen (Lobus frontalis)

Der Frontallappen ist der am weitesten entwickelte und größte aller Großhirnlappen. Er nimmt etwa ein Drittel des Gehirns ein und befindet sich im vorderen Bereich des Schädels, hinter der Stirn. Er ist durch den Sulcus centralis vom Parietallappen und durch den Sulcus lateralis vom Temporallappen getrennt.

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