Demenz und Alzheimer erkennen: Frühzeitige Erkennung, Diagnose und Behandlungsansätze

Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung oder Urteilsvermögen nachlassen. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz und macht etwa zwei Drittel aller Fälle aus. Da die Zahl der Demenzerkrankten angesichts der alternden Bevölkerung stetig wächst, ist es von entscheidender Bedeutung, die verschiedenen Demenzformen zu verstehen, Risikofaktoren zu erkennen, frühzeitig zu diagnostizieren und wirksame Präventions- und Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Formen von Demenz

Neben Alzheimer gibt es andere Demenzformen, die von anderen Störungen im Gehirn ausgelöst werden. Die vaskulären Demenzen stellen den zweitgrößten Anteil der Demenzerkrankungen nach Alzheimer dar. Für sie sind Durchblutungsstörungen im Gehirn der Auslöser, die zum Absterben von Nervenzellen führen. Diese Art von Demenz tritt beispielsweise nach Schlaganfällen oder in Verbindung mit Bluthochdruck auf. Die Symptomatik beginnt je nach Ursprung oft schleichend, so wie Alzheimer auch. Es kommt aber häufig zu stufenweiser und schlagartiger Verschlechterung.

Alle bisher genannten Demenztypen, bei denen wirklich eine Störung im Gehirn vorliegt, bezeichnet man auch als primäre Form. Das sind auch die häufigsten und grundsätzlich irreversibel. Ihr Krankheitsverlauf lässt sich oft lediglich herauszögern.

Daneben gibt es aber auch sekundäre Formen von Demenz. Die machen etwa 10 Prozent der Demenzerkrankungen aus und haben den Ursprung außerhalb des Gehirns. Sekundäre Demenzen sind behandel- und oft heilbar. Wenn die Demenzerkrankung beispielsweise auf Vitaminmangel oder Alkoholmissbrauch zurückzuführen ist, können die Demenzsymptome in manchen Fällen sogar vollständig bekämpft werden - indem man die Grunderkrankung bekämpft.

Es gibt eine Demenzform, die gerade besonders ins Licht der Wissenschaft rückt, das ist die Frontotemporale Demenz, auch FTD genannt. Das ist die Form von Demenz, an der auch Bruce Willis erkrankt ist. Wie der Name schon sagt, sterben bei dieser Krankheit vor allem Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns ab, von wo aus vor allem Emotionen und Sozialverhalten gesteuert werden. Deshalb zeigt sich hier die Symptomatik vor allem darin, dass die Krankheit das Sprachvermögen und die Persönlichkeit verändert, Betroffene werden beispielsweise vermehrt reizbar, unberechenbar, taktlos oder ungehemmt.

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Frontotemporale Demenz (FTD): Eine besondere Form

Die Frontotemporale Demenz (FTD) ist eine besondere Form der Demenz. Sie beginnt meist früher als die Alzheimer-Krankheit, die Betroffenen sind im Schnitt erst 50 bis 60 Jahre alt. Zu Beginn der Krankheit verändern sich die Persönlichkeit und auch das zwischenmenschliche Verhalten. So war es auch bei Melanie Liebschs Vater - er wurde immer passiver und zog sich immer mehr zurück, erzählt sie. Bis Ärzte die Diagnose stellten, dauerte es ganze 13 Jahre. Diese Odyssee sei sehr belastend gewesen, so Liebsch.

Bei der Frontotemporalen Demenz (FTD) sterben die Nervenzellen an einem anderen Ort als bei Alzheimer ab, vor allem im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns. Von hier aus werden unter anderem Emotionen und Sozialverhalten kontrolliert. "In diesem Teil des Gehirns sitzt alles, was uns als Mensch, Persönlichkeit und Charakter ausmacht", erklärt Melanie Liebsch.

Als die Symptome bei Liebschs Vater ausbrachen, war sie gerade mal zehn Jahre alt. Seine Empathielosigkeit aufgrund von FTD hat Liebschs Kindheit und Pubertät geprägt: "Ich habe nie eine angemessene emotionale Reaktion bekommen, wenn ich zum Beispiel eine gute Note nach Hause gebracht habe", sagt sie. Bis heute wird die Frontotemporale Demenz häufig falsch diagnotistiziert, sagt Melanie Liebsch - weil die Symptome von FTD denen psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Burn-Out oder Persönlichkeitsstörungen ähneln. Die Diagnose-Leitlinien für FTD gebe es noch nicht lange.

Melanie Liebsch ist es wichtig, über diese relativ unbekannte Krankheit aufzklären. Deshalb engagiert sie sich bei der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg und berät Angehörige. FTD macht Schätzungen zu Folge etwa fünf Prozent der Demenzerkrankungen aus. Melanie Liebsch rät anderen Angehörigen, offen über die Demenzerkrankung in ihrer Familie zu sprechen. Für sie selbst sei es heilsam gewesen, sich in einer Selbsthilfegruppe auszutauschen. Außerdem seien Auszeiten aus dem Pflegealltag wichtig.

Das sieht auch Karin von Rosen so: Ihr Ehemann, mit dem sie drei Söhne großgezogen hat, leidet seit er Anfang 60 an Frontotemporaler Demenz. "Mit ihm habe ich mich immer aufgehoben gefühlt und verortet in dieser Welt. Um das zu akzeptieren, macht Karin von Rosen inzwischen eine Therapie. Und sie bekommt Hilfe von Freundinnen und Freunden und auch von ihren Söhnen. Gemeinsam versuchen sie, mit der Krankheit umzugehen. Heute sagt Karin von Rosen: "So kann ich diesen Weg langsam gehen".

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Früh einsetzende Alzheimer-Demenz

Alzheimer-Demenz kommt in den allermeisten Fällen zwar erst ab dem 65. Lebensjahr vor, aber es gibt auch die sogenannte früh-beginnende Alzheimer-Demenz. Die betrifft etwa 5 bis 10 Prozent der Alzheimer-Erkrankten weltweit und kann Menschen schon in den 30ern und 40ern betreffen. Häufig hat das dann genetische Ursachen oder wird von äußeren Faktoren wie Hirnverletzungen oder Umweltfaktoren ausgelöst. Ansonsten sind die Gene nicht der entscheidende Auslöser für eine Demenz, sondern unser Lebensstil, und da kann man viel tun: Nicht rauchen, bewegen, Gemüse - wie immer - eine pflanzenbasierte Ernährung ist gut fürs Herz und gut fürs Hirn. Diabetes behandeln und hohe Blutfette senken hilft auch bei der Vorbeugung.

Risikofaktoren und Prävention

Viele haben Angst vor Demenz. Die Krankheit ist noch nicht heilbar, deshalb ist Vorbeugung besonders wichtig. Mindestens ein Drittel aller Fälle könnte verhindert werden, sagen Wissenschaftler - mit der richtigen Prävention. Wer unter Risikoerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rheuma leidet, sollte besonders wachsam sein.

Das Alter ist zwar der bedeutendste Risikofaktor für kognitiven Rückgang, aber eine Demenz im hohen Alter ist nicht unvermeidlich. Es gibt Risikofaktoren, die modifizierbar, also beeinflussbar sind. Relativ neu als Risikofaktoren anerkannt sind Kopfverletzungen, erhöhter Alkoholkonsum und Luftverschmutzung.

Professor Eschweiler weiß inzwischen, dass neben dem Lebensstil auch gutes Hören und Sehen wichtig sind, weil diese Sinneseindrücke das Gehirn schulen. Die Erkenntnisse, dass schlechtes Hören und Sehen Risikofaktoren für Demenz sind, sind noch relativ neu, sagt Frank Jessen. Brillenträger müssen sich aber keine Sorgen machen: Entscheidend sei gerade die Korrektur der eingeschränkten Sinne. Während Brillen allgegenwärtig sind, haben manche bei einem Hörgerät größere Hemmungen.

Ein aktiver Lebensstil und die Ernährung können das Risiko verringern. Ernährungstechnisch wird eine mediterrane Diät empfohlen. Nahrungsergänzungsmittel seien dagegen eher nicht empfehlenswert zur Vorbeugung oder Behandlung von Demenz. Am besten ernährt man sich ausgewogen. Auch ein aktives Leben - und das Gehirn zu trainieren - kann vor Demenz schützen. Das bedeutet nicht nur, Sport zu machen und Sudokus zu lösen. Das Gehirn bei der Neurodegeneration kann sich auch so ein bisschen wehren, restrukturieren. Und dazu braucht es Beschäftigung und Training. Und sozialer Kontakt ist nichts anderes als so ein Training. Wenn man den eben nicht hat, dann wird das Gehirn faul. Use it or lose it. Sprich: Es gibt viele Faktoren, die das Risiko für Demenz beeinflussen können.

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Ernährung und Alzheimer-Demenz

Dass ein Zusammenhang zwischen der Demenzform Alzheimer und Ernährung bestehen könnte, haben Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn herausgefunden. Schlechte Ernährung kann laut ihren Studien das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, um ein Vielfaches erhöhen.

Am Forschungszentrum DZNE wurde vor einigen Jahren eine deutschlandweite Ernährungsstudie angestoßen, an der über 500 Risikopatienten für Demenz teilnahmen. Unterstützung erhielt der Studienleiter Professor Michael Wagner von anerkannten Ernährungswissenschaftlern. Der Bonner Professor Peter Stehle war einer davon. Das Ergebnis der Studie: Eine gesunde, eher mediterrane Ernährung kann vor Gedächtnisverlust und Alzheimer-Demenz schützen.

Welche Lebensmittel schützen vor der Alzheimer-Krankheit? Ungesunde Fette, Fleisch und jede Menge Weißbrot erhöhen dagegen das Risiko für Alzheimer-Demenz. „Tierisches Fett wird charakterisiert durch große Mengen an gesättigten Fettsäuren, die wir in der Ernährungsphysiologie relativ ungünstig bewerten, weil sie dazu führen, dass es eher zu Veränderungen von Gefäßen kommt. Olivenöl ist charakterisiert durch die sogenannte Ölsäure. Bis zu 90 Prozent des Fettes ist Ölsäure. Das ist eine sogenannte einfach ungesättigte Fettsäure. Einfach ungesättigte Fettsäuren oxidieren nicht so schnell. Das heißt, sie werden nicht ranzig.

Rotes Fleisch und tierische Fette, also gesättigte Fettsäuren, seien nicht so gut, sagt Prof. Er betont allerdings, dass alles eine Frage der Menge ist: Man könne durchaus alles essen, aber es sollte nicht einseitig sein.

Weitere präventive Maßnahmen

Auch Professor Adler rät dazu, die Ernährung anzupassen, insbesondere zu weniger Kohlehydraten, was sich auch positiv auf den Cholesterinspiegel auswirkt, zu einer aktiven Lebensführung und zu einem begrenzten Alkoholkonsum. Die Experten sind sich einig: In Sachen Demenz-Prävention hilft zudem ein aktives Leben mit vielen sozialen Kontakten, in der Gruppe und in der sozialen Interaktion. Gerade die Kommunikation und die Lebensfreude in der Gemeinschaft sei zentral wichtig, um mental fit und aktiv zu bleiben.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Vorbeugung von Demenz ist Bewegung. Auch Professor Eschweiler geht davon aus, dass im Trainingsprozess beim Sport Substanzen etwa aus den Muskeln freigesetzt werden, die auch die Nerven stabilisieren. "Von daher ist selbst bei beginnender Demenz die Bewegung und das körperliche Training sehr hilfreich." Es ist also nie zu spät, mit der Prävention zu beginnen.

Diagnose von Demenz und Alzheimer

Wenn das Gedächtnis nachlässt oder die Vergesslichkeit zunimmt, ist das mit zunehmendem Alter zwar nicht ungewöhnlich. Es kann aber manchmal auch ein Hinweis auf Alzheimer sein. Eine Krankheit, die bis heute nicht heilbar ist. Doch je früher sie erkannt wird, desto eher kann mit der Therapie begonnen werden.

Professor Gerhard Eschweiler, Oberarzt an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie und ärztlicher Leiter des Geriatrischen Zentrums der Uniklinik Tübingen, forscht in einer Langzeitstudie zur kognitiven Leistungsfähigkeit und dem Demenz-Risiko. Das primäre Ziel der Trend-Studie sei, frühzeitig Muster von Veränderungen zu erkennen, die Risikofaktoren für eine Parkinson-Erkrankung oder für Demenz sein können.

Demenz erfolgt als Ausschlussdiagnose - sie darf nur gestellt werden, wenn andere mögliche Ursachen für Gedächtnisstörungen ausgeschlossen wurden. Es gibt sicher viele falsch gestellte Demenzdiagnosen, weil es Zeit braucht, genau hinzuschauen.

Genetische Veranlagung

Bei Alzheimer gäbe es sehr selten eine Mutation, bei der man wisse, dass der Patient die Krankheit bekommt, erklärt Prof. Dr. Jonas Hosp, Facharzt für Neurologie am Universitätsklinikum Freiburg. Öfters gäbe es familiäre Häufungen, beispielsweise durch das ApoE-Gen. Das Gen kann Hinweise auf eine genetische Veranlagung für Alzheimer liefern.

Wenn man einen erstgradigen Angehörigen mit Demenz hat, z.B. Alzheimer, hat man selbst ein 1,5- bis 2-fach erhöhtes Risiko. Den nicht genetisch bedingten Risiko-Anteil, an Demenz zu erkranken, können wir durch einen gesunden Lebensstil aktiv beeinflussen.

Medikamente und andere Ursachen

Gedächtnisstörungen und auch Verwirrtheit können im Zusammenhang mit bestimmten Medikamenten als Nebenwirkungen auftreten. Auch bei einer Kombination von unterschiedlichen Medikamenten können Wechselwirkungen in Form von Vergesslichkeit und Verwirrtheit auftreten. Hinzu kommt: Im Alter können sich Nebenwirkungen verstärken, weil sich der Stoffwechsel verlangsamt, die Verdauung, Leber und Nieren nur noch eingeschränkt arbeiten. Unpassende Kombinationen von Medikamenten werden manchmal erst spät erkannt: „Es sind häufig viele unterschiedliche Ärzte in der Versorgung eingespannt. Dann gibt es manchmal entweder Doppelverordnungen oder nicht zueinander passende Verordnungen. Der Facharzt rät daher, den Medikamentenplan und alle Medikamente zum Gespräch mit dem Hausarzt oder Facharzt mitzubringen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an schlaffördernden Medikamenten.

Ein Mangel an Vitamin B 12 macht sich unter anderem durch Blutarmut, Müdigkeit, depressive Verstimmungen, aber auch durch Gedächtnisprobleme bemerkbar. Normalerweise verfügt der Körper über einen großen Speicher an Vitamin B12, und es dauert Monate bis Jahre, bis ein Mangel entsteht. Allerdings nehmen vor allem ältere Menschen oft Medikamente wie Pantoprazol oder Omeprazol gegen Sodbrennen als Magenschoner ein.

Ältere Menschen trinken häufig zu wenig. Das kann zum Beispiel zu eingerissenen Lippen, einem trockenen Mund, vermindertem Harndrang, aber auch zu Gedächtnisproblemen führen. Dieses Problem lässt sich zum Glück schnell beheben.

Manchmal steckt auch eine Altersdepression hinter Konzentrationsproblemen und Gedächtnisschwierigkeiten. Diese ist oft schwer zu erkennen, da die Symptome auch Anzeichen anderer körperlicher Krankheiten sein können. Zudem ist das Thema Altersdepression schambesetzt, und Patienten sprechen ungern darüber. Auch diese Form der Depression sollte von einem Psychologen oder Psychotherapeuten behandelt werden.

Bei bestimmten Begleitsymptomen ist eine Abklärung mit Fachärzten wichtig. Kommen Gangunsicherheit und Inkontinenz hinzu, könnten das Zeichen für den sogenannten Altershirndruck sein. In diesem Fall wird Flüssigkeit, die im Gehirn zirkuliert, nicht richtig abgeleitet.

Neuer Bluttest für Alzheimer

Bei der Diagnose der Krankheit könnte in Zukunft ein neuer Bluttest eine wichtige Rolle spielen. Entwickelt wurde der Test von dem Schweizer Pharmakonzern Roche mit Sitz in Basel. Ab Herbst soll er in Deutschland zur Verfügung stehen - voraussichtlich auch beim Hausarzt. "Gerade in Regionen mit wenigen Ärzten könnte das Patienten da helfen, wo sonst lange Wartezeiten auf einen Facharzt anfallen", so Jonas Hosp, Oberarzt der Neurologie und Neurophysiologie am Universitätsklinikum Freiburg. So lasse sich schneller klären, ob es sich um Alzheimer handelt.

Der neue Bluttest weist ein mit Alzheimer verbundenes Protein nach. Zur Auswertung muss er in ein Labor geschickt werden. Fällt das Ergebnis positiv aus, sind weitere Untersuchungen nötig, um die Diagnose zu bestätigen. Ein negatives Ergebnis schließt eine Alzheimer-Erkrankung mit fast 94-prozentiger Wahrscheinlichkeit aus, so die Angaben des Pharmakonzerns. Andere Demenzformen erkenne der Test allerdings nicht.

Neben dem Bluttest von Roche dürften bald auch ähnliche Produkte von anderen Firmen auf den Markt kommen, glaubt Hosp. Denn technisch möglich sei die Methode schon länger.

Frühe Anzeichen von Alzheimer

Typisch für die Anfänge der Krankheit ist ein starkes Nachlassen des Kurzzeitgedächtnisses. Auch Orientierungsstörungen sind üblich.

Behandlungsansätze bei Alzheimer

Bislang gibt es keine Heilung von Alzheimer, aktuell aber einen großen wissenschaftlichen Durchbruch: So wurde erstmalig eine Immuntherapie (Antikörper-Therapie) entwickelt, die die für Alzheimer typischen Eiweißablagerungen im Gehirn wieder auflösen könne. Die Medikamente sind in den USA und vielen anderen Ländern bereits zugelassen, für Europa hofft Prof. Frank Jessen auf eine baldige Zulassung.

Alzheimer könne heutzutage sehr früh festgestellt werden, oft noch bevor ein Demenz-Stadium erreicht ist.

Antikörpertherapie Lecanemab

So hat die EU-Kommission in diesem Jahr beispielsweise eine Antikörpertherapie zugelassen, die den Krankheitsverlauf in frühen Stadien verlangsamen kann. Die Uniklinik Freiburg setzt das neue Medikament Lecanemab ein. Im Frühjahr 2025 wurde der Wirkstoff von der Europäischen Kommission zugelassen. Seit Ende August ist er in Österreich und seit dem 1. September in Deutschland erhältlich.

Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) bei Alzheimer oder im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit können mit dem neuen Medikament behandelt werden. Lecanemab zielt auf bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn ab. Denn diese gelten als Auslöser des Krankheitsprozesses. Dadurch nimmt die geistige Leistungsfähigkeit der Menschen mit Alzheimer kontinuierlich ab. Das Medikament sorgt dafür, die Eiweißablagerungen aufzulösen und bremst so den Krankheitsverlauf aus. Um bis zu 27 Prozent verzögert sich das Fortschreiten der Symptome, zeigt die letzte Studie dazu.

"Wir können damit erstmals direkt in einen zentralen Krankheitsprozess eingreifen", sagt Jonas Hosp, Leitender Oberarzt in der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie des Universitätsklinikums Freiburg. "Es geht um Monate, in denen Menschen mit beginnender Alzheimer-Krankheit weiter selbstbestimmt leben können", ergänzt Heinz Wiendl, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie. Das sei für die Betroffenen und Angehörigen ein großer Fortschritt.

Bei der neuen Behandlungsmethode werde das Medikament alle zwei Wochen über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren als Infusion verabreicht, erklärt die Uniklinik Freiburg. Dafür müssten die Patientinnen und Patienten ins Krankenhaus - aber nur ambulant. Während der Therapie fänden regelmäßige Kontrolluntersuchungen statt. Für die Behandlung ist laut Uniklinik Freiburg zunächst eine exakte Diagnose von Alzheimer entscheidend. Die krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn müssten demnach durch Tests nachgewiesen werden. Außerdem sind Patienten mit einem hohen Risiko an Nebenwirkungen von der Behandlung ausgeschlossen.

Einschränkungen und Perspektiven

Wie viele Menschen für die Behandlung infrage kommen, ist noch unklar. Nach der letzten Einschätzung der Alzheimer Forschung Initiative und Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) wird das Medikament bundesweit höchstens 73.000 Menschen helfen können. Die neue Behandlungsmethode ersetze jedoch nicht die bestehenden Ansätze, stellt der Leitende Oberarzt Hosp von der Uniklinik Freiburg klar.

Umgang mit der Diagnose Demenz

Diagnose Demenz - ein Schock für Betroffene und ihre Familien.

Melanie Liebsch rät anderen Angehörigen, offen über die Demenzerkrankung in ihrer Familie zu sprechen. Für sie selbst sei es heilsam gewesen, sich in einer Selbsthilfegruppe auszutauschen. Außerdem seien Auszeiten aus dem Pflegealltag wichtig.

Oft denken wir beim Thema Pflege an ältere Menschen, aber auch Kinder und Jugendliche können pflegebedürftig sein.

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