Verschreibungspflichtige Beruhigungstabletten: Ein Überblick

In unserer schnelllebigen und oft stressigen Welt suchen viele Menschen nach Wegen, ihre Nerven zu beruhigen und mit Angstzuständen, Schlafstörungen oder innerer Unruhe umzugehen. Beruhigungstabletten, auch Tranquilizer oder Sedativa genannt, können in solchen Situationen eine Option sein. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass viele dieser Medikamente verschreibungspflichtig sind und nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden sollten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschreibungspflichtige Beruhigungstabletten, ihre Anwendungsgebiete, Wirkungsweisen, Risiken und Alternativen.

Was sind Tranquilizer (Beruhigungsmittel)?

Tranquilizer sind Arzneimittel, die angstlösend, beruhigend (sedierend), schlaffördernd und muskelentspannend wirken. Sie werden oft zur Behandlung von Angstzuständen, Schlafstörungen, Panikattacken und anderen nervösen Störungen eingesetzt. Es gibt verschiedene Arten von Tranquilizern, von denen Benzodiazepine die am häufigsten verschriebenen sind.

Benzodiazepine: Wirkung, Anwendung und Risiken

Benzodiazepine sind eine Gruppe von Tranquilizern, die im Gehirn die Informationsübertragung in bestimmten Regionen stoppen. Sie wirken beruhigend, dämpfend und schlaffördernd. Ärzte schätzen Benzodiazepine aufgrund ihrer raschen Wirkung, guten Verträglichkeit und Sicherheit - selbst bei Überdosierung ist ein Selbstmord schwer möglich, da es ein wirksames Gegenmittel gibt, das sehr rasch wirkt.

Anwendungsgebiete von Benzodiazepinen:

  • Kurzzeitige Behandlung von Angsterkrankungen
  • Psychotische Spannungszustände
  • Schwere Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Beruhigung vor Operationen oder anderen Angst auslösenden Ereignissen

Häufig verordnete Benzodiazepine (Beispiele):

  • Tavor (Wirkstoff: Lorazepam)
  • Tranquase®
  • Tranxilium®
  • Valium®
  • Adumbran®

Wirkungsweise von Tavor (Lorazepam):

Tavor enthält den Wirkstoff Lorazepam, der zu den mittellang wirksamen Benzodiazepinen gehört. Die Tavor-Halbwertszeit wird mit etwa 10 bis 20 Stunden angegeben. Lorazepam bindet an die Andockstellen eines bestimmten Nervenbotenstoffes (GABA-A-Rezeptor) im Gehirn. Dadurch wird die Erregbarkeit der Zellen reduziert, was zu einer angstlösenden, beruhigenden, schlaffördernden, muskelentspannenden und betäubenden Wirkung führt. Tavor besitzt keine schmerzlindernde Wirkung und darf daher nicht als alleiniges Narkosemittel eingesetzt werden. Der Wirkstoff Lorazepam wird auch zur Therapie von Entzugssymptomen angewendet.

Typische Anwendungsbereiche für Tavor sind:

  • Schwere Angst- und Panikzustände
  • Schlafstörungen
  • Akute Verwirrtheitszustände
  • Epilepsie
  • Alkoholentzug
  • Wiederholte Anfälle von Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapeutika bei der Krebstherapie
  • Zur Beruhigung und Angstlinderung vor operativen Eingriffen und in der Intensivmedizin

Nebenwirkungen von Tavor:

Wie die meisten Medikamente kann auch Tavor Nebenwirkungen haben, die auf die herabgesetzte Erregbarkeit der Zellen im Gehirn zurückzuführen sind. Häufige Nebenwirkungen sind ein vermindertes Reaktionsvermögen, starke Müdigkeit und Schläfrigkeit. Des Weiteren kommt es zu einer starken Toleranzentwicklung, weshalb das Medikament nur für kurze Zeit angewendet werden sollte.

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Selten werden ein Libidoverlust, Muskelschwäche, ein Abfall des Blutdrucks, Mundtrockenheit und Hautreaktionen als Nebenwirkungen bei Tavor beobachtet. Vereinzelt treten Verwirrtheitszustände, Konzentrationsschwierigkeiten, Aggressivität, Depression bis hin zu Suizidgedanken, Muskelkrämpfe, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen, Veränderungen in der Blutbildung und erhöhte Leberwerte auf. Bei vorgeschriebener Anwendung von Tavor sind die Nebenwirkungen meist nur leicht ausgeprägt und bilden sich bei kontrolliertem Absetzen des Medikaments in der Regel schnell zurück.

Wichtige Hinweise zur Anwendung von Tavor:

  • Tavor ist für eine Kurzzeitbehandlung von maximal vier Wochen zugelassen, da schon nach kurzer Zeit der Einnahme eine körperliche Abhängigkeit entstehen kann.
  • Das Medikament sollte in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt verschrieben und eingenommen werden.
  • Gerade zu Beginn einer Therapie muss die wirksame Dosis im Körper streng kontrolliert werden, da es schnell zu einer Tavor-Überdosis und so zu verstärkten Nebenwirkungen kommen kann.
  • Die Dosis muss ganz genau und individuell an den Patienten (Alter, Gewicht, Begleiterkrankungen, sonstige Medikamenteneinnahme, körperliche und psychische Verfassung) angepasst werden.
  • Ein Beenden und Absetzen der Therapie sollte nicht eigenmächtig, sondern nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
  • Aufgrund der sich schnell ausbildenden körperlichen Abhängigkeit können beim Absetzen von Tavor Symptome wie Zittern, Herzrasen, Schweißausbrüche, aber auch lebensbedrohliche Krampfanfälle auftreten.

Gegenanzeigen für Tavor:

In bestimmten Fällen darf Tavor nicht eingenommen werden. Zu diesen Kontraindikationen zählen:

  • Schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie)

Eine Anwendung sollte in folgenden Fällen sehr sorgfältig überlegt werden:

  • Schwere Muskelschwäche (Myasthenia gravis)
  • Störung der Bewegungskoordination (Ataxie)
  • Akute Vergiftung mit Alkohol, Medikamenten oder Drogen
  • Atemfunktionsstörung wie das Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

In solchen Fällen ist das Risiko für das Auftreten der beschriebenen Nebenwirkungen erhöht.

Tavor und Flugangst:

Flugangst ist behandelbar, jedoch mit weniger aggressiven und nebenwirkungsträchtigen Medikamenten. Als Alternative eignen sich zum Beispiel pflanzliche Medikamente oder Reisearzneimittel zur Beruhigung vor beziehungsweise während einer Flugreise.

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Tavor und Depression:

Bei einer bereits bestehenden Depression ist es wichtig, dass der Patient zusätzlich eine antidepressive Therapie erhält, da sich sonst die depressiven Symptome verstärken können.

Tavor bei Kindern und älteren Menschen:

Ist eine Anwendung bei Kindern oder älteren Patienten erforderlich, sollte die Therapie besonders eng überwacht werden. Aufgrund der verminderten Erregbarkeit und den daraus resultierenden Gangunsicherheiten ist das Sturzrisiko bei älteren Patienten erhöht. Zudem werden unter der Anwendung des Medikaments paradoxe Reaktionen wie Wut und Aggressivität bei Kindern und älteren Patienten häufiger beschrieben. Bei Auftreten dieser Nebenwirkungen sollte Tavor nach Absprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden.

Tavor in Schwangerschaft und Stillzeit:

In der Schwangerschaft sollte Tavor nicht angewendet werden. Besonders bei Einnahme von Tavor gegen Ende der Schwangerschaft oder während der Geburt kann es beim Neugeborenen zu verminderter Muskelspannung und Aktivität, Absinken der Körpertemperatur und des Blutdrucks sowie flacher Atmung und Trinkschwäche kommen. Der Tavor-Wirkstoff kann in die Muttermilch übergehen, sodass auch eine Anwendung in der Stillphase nicht empfohlen wird. Sollte die Einnahme des Medikaments zwingend erforderlich sein, wird eine Überwachung des Kindes durch den behandelnden Arzt empfohlen.

Tavor und Alkohol:

Von einer gleichzeitigen Einnahme von Tavor und Alkohol oder anderen Drogen ist abzuraten, da das herabgesetzte Reaktionsvermögen sonst noch zusätzlich beeinträchtigt wird.

Tavor und Autofahren:

Auch auf das Autofahren sollte man während der Behandlung verzichten. Das Gleiche gilt für das Bedienen von Maschinen.

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Tavor und Überdosierung:

Im Falle einer Tavor-Überdosis sollte schnellstmöglich der behandelnde Arzt benachrichtigt werden. Er kann Gegenmaßnahmen einleiten und die weitere Therapie überwachen.

Wie man Tavor erhält:

Tavor ist ein verschreibungspflichtiges Medikament. Alle Verschreibungen unterhalb einer Wirkstoffmenge von 2,5 Milligramm je Einheit können mit einem normalen Kassenrezept, ausgestellt vom behandelnden Arzt, in einer Apotheke erstanden werden. Ab einer Wirkstoffmenge von 2,5 Milligramm je Einheit fällt das Medikament unter das Betäubungsmittelgesetz und unterliegt somit strengeren Verschreibungskriterien. Für die Verschreibung ist ein spezielles Rezept (BtM-Rezept) notwendig. Die Tavor-Dosierung wird individuell vom Arzt festgelegt. Die maximalen Tagesdosierungen schwanken zwischen Werten von 0,2 bis 8 Milligramm. Meist wird Tavor in Form von Tabletten oder Schmelztabletten (Tavor Expidet) eingenommen. Eine Alternative zu den Tavor-Tabletten ist die Injektionslösung.

Risiken und Nebenwirkungen von Benzodiazepinen:

Trotz ihrer Wirksamkeit bergen Benzodiazepine auch Risiken:

  • Hohes Abhängigkeitspotenzial: Benzodiazepine können bereits nach wenigen Wochen regelmäßiger Einnahme zu einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit führen.
  • Müdigkeit und Fahruntüchtigkeit: Benzodiazepine beeinträchtigen die Konzentrationsfähigkeit und die motorische Koordination.
  • Störungen der Atmung: In hoher Dosierung können Benzodiazepine das Atemzentrum hemmen und Atemnot verursachen, insbesondere bei Patienten mit Atemwegserkrankungen.
  • Sehstörungen und Schwindel
  • Paradoxe Reaktionen: Bei manchen Menschen können Benzodiazepine zu Unruhe, Angst und Aggressivität führen.
  • Entzugssymptome: Beim Absetzen von Benzodiazepinen kann es zu Entzugssymptomen wie Schlafstörungen, Unruhe, Zittern, Angstzuständen und Alpträumen kommen.

Wichtige Warnhinweise zu Benzodiazepinen:

  • Benzodiazepine dürfen nur kurzfristig und bei akuten Anlässen eingenommen werden.
  • Die Dosis sollte nicht eigenmächtig erhöht werden.
  • Das Medikament sollte nicht abrupt abgesetzt werden, sondern ausschleichend unter ärztlicher Aufsicht.
  • Während der Einnahme von Benzodiazepinen sollte auf Alkohol verzichtet werden.
  • Benzodiazepine können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.

Was tun bei Benzodiazepin-Abhängigkeit?

Wenn Sie das Gefühl haben, von Benzodiazepinen abhängig zu sein, suchen Sie baldmöglichst einen Nervenarzt oder Ihren Hausarzt auf, um zu besprechen, ob und wie Sie den Entzug bewältigen können. Die Entzugssymptomatik (vor allem schlechter Schlaf) kann 15 Tage und länger anhalten. Während des Entzugszeitraums benötigen Sie möglicherweise eine Krankschreibung und Unterstützung von Familie, Partner oder Freunden.

Pflanzliche Alternativen und andere rezeptfreie Beruhigungsmittel

Neben verschreibungspflichtigen Medikamenten gibt es auch eine Reihe von pflanzlichen und rezeptfreien Alternativen, die bei leichten nervösen Unruhezuständen und Schlafstörungen helfen können.

Pflanzliche Beruhigungsmittel:

  • Passionsblume: Die Passionsblume wird traditionell zur Beruhigung bei innerer Unruhe und nervösen Anspannungen eingesetzt. Sie beeinflusst die Nervenbotenstoffe im Körper positiv und wirkt entspannend, ohne dabei zu übermüden. Dr. Böhm® Passionsblume 425 mg ist ein rein pflanzliches Arzneimittel mit einer hohen Dosierung an Passionsblumenextrakt.
  • Baldrian: Baldrian ist ein bekanntes pflanzliches Mittel zur Förderung des Schlafs und zur Beruhigung bei nervösen Unruhezuständen.
  • Melisse: Melisse wirkt beruhigend und entspannend und kann bei innerer Unruhe und Schlafstörungen helfen. Klosterfrau Melissengeist ist ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel, das zur Besserung des Allgemeinbefindens bei Belastung von Nerven und Herz-Kreislauf mit innerer Unruhe und Nervosität angewendet wird.
  • Lavendel: Lavendelöl wirkt beruhigend und kann bei Angstzuständen und Schlafstörungen eingesetzt werden.

Homöopathische Arzneimittel:

  • Neurexan®: Neurexan® ist ein homöopathisches Arzneimittel, das bei innerer Unruhe und Schlafstörungen eingesetzt wird. Es enthält eine Kombination aus Passionsblume, Hafer, Kaffeesamen und Zinksalz der Baldriansäure. Neurexan® trägt dazu bei, den Cortisolspiegel in Belastungssituationen zu regulieren und sorgt für Entspannung am Tag und besseren Schlaf in der Nacht.
  • Calmvalera: Calmvalera ist ein homöopathisches Arzneimittel, das bei nervösen Störungen wie Schlafstörungen und Unruhe sowie Verstimmungszuständen eingesetzt wird.

Weitere rezeptfreie Optionen:

  • Klosterfrau Seda-Plantina: Wird bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen angewendet.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient lediglich der Information und ersetzt keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Wenn Sie unter starken oder anhaltenden Angstzuständen, Schlafstörungen oder anderen psychischen Problemen leiden, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abklären und eine geeignete Behandlung einleiten zu lassen. Selbstmedikation kann gefährlich sein und sollte vermieden werden.

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