Muskelkrämpfe, insbesondere nächtliche Wadenkrämpfe, sind ein weit verbreitetes Problem, das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über rezeptpflichtige Medikamente gegen Muskelkrämpfe, insbesondere Limptar N, und beleuchtet Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und wichtige Hinweise zur Anwendung.
Was sind Muskelkrämpfe?
Ein Wadenkrampf entsteht, wenn sich einzelne Muskeln oder ganze Muskelgruppen im Unterschenkel unwillkürlich zusammenziehen, ohne sich sofort wieder zu entspannen. Die Muskeln bleiben für Sekunden bis Minuten verkürzt. Neben den Wadenmuskeln können auch Fußgewölbe und Zehen betroffen sein und sich verhärten.
Ursachen von Muskelkrämpfen
Häufige Auslöser sind:
- Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushalts: Dehydrierung durch starkes Schwitzen, mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Erbrechen, Durchfall, Diabetes, Entwässerungsmedikamente oder entzündliche Darmerkrankungen.
- Mineralstoffmangel: Mineralstoffarme Ernährung, Diäten, Alkoholismus, Schwangerschaft, Darm- und Nierenerkrankungen können zu einem Mangel an Magnesium, dem wichtigsten Krampflöser, und Kalzium führen.
- Weitere Ursachen: Seltener sind eine Schilddrüsenunterfunktion, Erkrankungen der Nebenschilddrüse, Nebennieren, Nieren und Muskeln oder ein Diabetes mit Nervenschädigungen die Ursache. Myasthenien, d.h. neurologische Erkrankungen mit Muskelschwäche, andere Krankheiten des Nervensystems und Krampfadern können ebenfalls Wadenkrämpfe auslösen. Unter den Medikamenten sind es z.B. Chinin.
Limptar N: Ein rezeptpflichtiges Medikament gegen Wadenkrämpfe
Limptar N ist ein Medikament, das zur Vorbeugung und Behandlung nächtlicher Wadenkrämpfe bei Erwachsenen eingesetzt wird. Der Wirkstoff ist Chininsulfat. Limptar N ist rezeptpflichtig und darf nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden.
Wirkweise von Chinin
Chinin wird aus der Chinarinde gewonnen und ist bekannt für seine fiebersenkenden Eigenschaften bei Malaria. Weniger bekannt sind seine krampflösenden Eigenschaften, die in Limptar N zur Prophylaxe und Therapie nächtlicher Wadenkrämpfe erfolgreich genutzt werden. Chinin setzt die Erregbarkeit an der motorischen Endplatte herab, dem Bereich, in dem der Impuls zur Kontraktion von der Nervenzelle auf den Muskel übertragen wird. Dadurch zieht sich der Muskel nicht mehr so stark zusammen, und der Krampf lässt nach.
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Anwendungsgebiete von Limptar N
Limptar N ist bei Wadenkrämpfen dann angezeigt, wenn sie sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, andere Maßnahmen nicht ausreichend helfen und therapierbare Ursachen der Krämpfe ausgeschlossen worden sind. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Indikation eingeschränkt und einige Warnhinweise in die Fachinformation aufgenommen.
Dosierung und Anwendung von Limptar N
Falls nicht anders verordnet, beträgt die Tagesdosis 1 Tablette, die maximale Tagesdosis 2 Tabletten. Wird nur 1 Tablette eingenommen, dann vor dem Schlafengehen unzerkaut und mit reichlich Flüssigkeit. Bei der Anwendung von 2 Tabletten wird die Einnahme jeweils nach dem Abendessen und vor dem Zubettgehen empfohlen. Es kann bis zu 4 Wochen dauern, bis sich die Wirkung auf die Anzahl und Intensität der Krämpfe einstellt. Falls bis dahin kein Effekt zu erkennen ist, sollte Limptar N in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden.
Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden. Nehmen Sie das Arzneimittel im Ganzen mit Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) ein. Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird deshalb nur von Ihrem Arzt bestimmt.
Gegenanzeigen von Limptar N
Limptar N darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Chinin oder einen anderen Bestandteil
- Hörstörungen wie Tinnitus
- Schädigung des Sehnervs
- Mangel an dem Enzym Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase
- Herzrhythmusstörungen, verlangsamtem Herzschlag, Herzschwäche
- Schweren Leber- oder Nierenerkrankungen
- Gastritis, peptischem Geschwür
- Myasthenia gravis (Muskelschwäche)
- Kindern unter 18 Jahren
- Schwangerschaft und Stillzeit
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Bei Störungen des Elektrolythaushalts, vor allem bei Kaliummangel, werden ärztliche Kontrollen empfohlen. Bei Patienten mit Erkrankungen, die das Auftreten einer QT-Verlängerung begünstigen, und bei Patienten mit atrioventrikulärem Block ist Vorsicht geboten. Patienten mit vorbestehendem QT-Intervall > 450 ms oder QTc-Intervall > 500 ms unter der Ther. sind von der Behandlung auszuschließen. Bei Auftreten von Symptomen wie Palpitationen, Schwindel oder Synkopen, die Zeichen von Arrhythmien sein können, umgehend Untersuchung des Patienten einschl. EKG und Bestimmung des QTc-Intervalls einleiten. Bei Risikofaktoren für Elektrolytstörungen wie Diuretika-/Laxanzienmedikation, Erbrechen, Durchfall, Anwendung von Insulin in Notfallsituationen, Nierenerkrankungen oder anorektischen Zuständen adäquate Laborkontr. und ggf.
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Nebenwirkungen von Limptar N
Sehr selten sind Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, Leberfunktionsstörungen, Störungen der Erregungsleitung im Herz, Blutbildveränderungen, Blutdruckabfall und Blutgerinnungsstörungen möglich. Sehr selten wurden auch allergische Reaktionen mit Hautrötung und -ausschlag, Juckreiz, Fieber, Ohrgeräuschen und Sehstörungen sowie Atemwegskrämpfe und Hautreaktionen beobachtet.
Besonders zu Beginn der Therapie kann es zu allergischen Reaktionen wie Urtikaria, Pruritus, Exanthem, Fieber, Angioödem, Bronchospasmus, Leberfunktionsstörungen und Anaphylaxie kommen. Beim Auftreten von Symptomen, die auf eine Thrombozytopenie hinweisen, Arzneimittel sofort absetzen. Bei Vorliegen einer Chinin-induzierten Thrombozytopenie ist der Patient darauf hinzuweisen, in Zukunft keine Chinin-haltigen Arzneimittel oder Getränke mehr zu sich zu nehmen.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Bei gleichzeitiger Einnahme von säurebindenden Mitteln, z.B. Antazida mit Aluminium- oder Magnesiumverbindungen, kann Chinin langsamer ausgeschieden und das Risiko für seine Nebenwirkungen erhöht werden. Die Wirkung von Digitalis bei Herzschwäche, von blutverdünnenden Wirkstoffen wie Warfarin und Phenprocoumon und von Muskelrelaxanzien kann durch Limptar N verstärkt werden. Die Anwendung von Limptar N mit Entwässerungsmitteln oder Abführmitteln kann Herzrhythmusstörungen hervorrufen, da durch den Wasserverlust der Elektrolythaushalt im Blut verändert ist.
Lemptar N soll nicht mit Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen (Flecainid, Sotalo, Amiodaron), Depressionen (Amitriptylin, Maprotilin), Psychosen (bestimmte Neuroleptika), bakterielle Infektionen (Erythromyzin, Moxifloxazin) und Allergien (Ebastin, Terfenadin) angewendet werden. Sonst wird die Gefahr lebensgefährlicher Herzrhythmusstörungen verstärkt.
Antazida (Al-, Mg-haltig) können die Chinin-Resorption vermindern. Cinchona-Alkaloide: gegenseitige Wirkungsverstärkung. Die gleichzeitige Anwendung von Chinidin kann die Möglichkeit einer QT-Verlängerung oder von Cinchonismus erhöhen. Ebenso stellt jede Begleitmedikation, die das QT-Intervall signifikant verlängert, eine Kontraindikation für eine Behandlung mit Limptar N dar. Zu diesen Arzneimitteln zählen: Antiarrhythmika der Klasse Ia und III, Neuroleptika, tri- und tetrazyklische Antidepressiva, Antibiotika (einige Makrolid-Antibiotika, Fluorchinolone, Imidazol-Antimykotika und Antimalariamittel), einige Zytostatika (z. B. Arsentrioxid), einige nichtsedierende Antihistaminika (z. B. Terfenadin, Ebastin), Opioide (z. B. Methadon). Harnalkalisierende Mittel können die Chinin-Ausscheidung verzögern. Bei Anstieg des pH-Wertes des Primärharns wird die renale Ausscheidung schwach basischer Substanzen wie Chinin über eine gesteigerte tubuläre Rückresorption vermindert. Cimetidin verringert die Clearance und verlängert die Eliminationshalbwertszeit von Chinin, da Cimetidin mehrere CYP-450-Enzyme in der Leber inhibiert. Verstärkte Wirkung von Digitalis-Präparaten, Muskelrelaxanzien und Antikoagulanzien. Die Serumkonzentration und Wirkung von Herzglykosiden wie Digoxin können durch Chinin erhöht werden, durch Verminderung der nichtrenalen Clearance von Digoxin. Die Verabreichung von Chinin kann zu einer Erhöhung der Konzentrationen von Phenobarbital und Carbamazepin führen. Patienten sollten während der gleichzeitigen Anwendung von Chinin zusammen mit diesen Wirkstoffen engmaschig überwacht werden.
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Überdosierung von Limptar N
Es kann zu einer Vielzahl von Überdosierungserscheinungen kommen, unter anderem zu Hör- und Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Blutdruckabfall. Setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung umgehend mit einem Arzt in Verbindung.
Symptome: Tinnitus, Hör- und Gleichgewichtsstörungen, Sehstörungen mit Photophobie, Diplopie, Nachtblindheit und eingeschränktem Gesichtsfeld, Skotome und Mydriasis. In schweren Fällen Optikusatrophie möglich. Nausea, Erbrechen, abdominaler Schmerz und Diarrhoe. Bei schwerem Vergiftungsgrad Kopfschmerzen, Konfusionen, Fieber, Exzitation und Delirium. Eingeschränkte Atmung (Zyanose mit Blutdruckabfall und Schwächegefühl möglich). Als seltene Komplikation hämolytische Anämie sowie Nierenschädigung mit Anurie und Urämie möglich.
Mit höheren Dosen können kardiovaskuläre Wirkungen (wie verlängerte QT-Dauer, abgeflachte bis negative T-Wellen) und ZNS-Wirkungen wie Kopfschmerzen, Fieber, Erbrechen, Wahrnehmungsstörungen, Verwirrtheitszustände und Krämpfe auftreten. Gleichfalls kann es zu Amaurose (Mydriasis), Ertauben (obere Frequenzen), Hypoglykämie und Hypokaliämie kommen. Es können Tonusverminderung der Muskulatur, Bradykardie und u. U. Nierenschädigungen auftreten. Todesfälle wurden mit Einzeldosen von 2-8 g berichtet. In einem Einzelfall kam es zu einem Todesfall bei 1,5 g, was wahrscheinlich auf idiosynkratische Wirkungen zurückzuführen war. Es sind einige Fälle von Amaurose nach hoher Überdosierung von Chinin mit nur teilweiser Rückkehr des Visus bekannt geworden. Tinnitus und Hörstörngen können bei Plasmakonzentrationen über 10 μg/ml auftreten. Dieser Plasmaspiegel wird nach Einnahmen von 1-2 Filmtbl. nicht erreicht, aber bei hypersensitiven Patienten können schon 0,3 g Chinin vereinzelt solche Störungen hervorrufen.
Therapie: Magenspülungen sowie symptomatische Behandlung. Wiederholte Applikation von Aktivkohle alle 4 Std. kann hilfreich sein. Blutdruck und Atemverhalten sollten beachtet und ggf. unterstützt sowie Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Nierenfunktion ergriffen werden. EKG-Überwachung: Bei Herzrhythmusstörungen je nach vorliegender Form Orciprenalin, β-Blocker oder Lidocain einsetzen. Antiarrhythmika mit Vorsicht verwenden, da Chinin Klasse-I-antiarrhythmische Eigenschaften besitzt und Potenzierungen möglich sind. Es ist theoretisch möglich, dass eine leichte Hypokaliämie das Herz vor toxischen Effekten von Chinin schützen kann, so dass lediglich die Korrektur einer schweren Hypokaliämie zweckmäßig sein kann. Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich mit Infusionen. Eine Ansäuerung des Urins kann die renale Exkretion von Chinin verstärken. Eine forcierte Diurese mit Ansäuerung hat aber auf die Chinin-Elimination durch die Nieren relativ wenig Wirkung. Peritoneal- und Hämodialyse, Hämoperfusion, Austauschtransfusion und Plasmapherese haben bisher keine entscheidende Wirkung in der Behandlung von Chinin-Überdosen gezeigt. Bei Amblyopie gefäßerweiternde Mittel und Vitamine (A, B1) einsetzen.
Alternativen zu Limptar N
Neben Limptar N gibt es auch andere Medikamente und Maßnahmen, die bei Muskelkrämpfen helfen können:
- Magnesium: Ein Magnesiummangel kann Muskelkrämpfe begünstigen. Magnesiumpräparate sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich (Tabletten, Granulate, Trinkampullen).
- Naftidrofuryl: Dieses Medikament wird ursprünglich zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) eingesetzt, kann aber auch bei Muskelkrämpfen helfen.
- Andere Medikamente: In Einzelfällen können auch Diltiazem, Levetiracetam, Carbamazepin, Phenytoin oder Baclofen eingesetzt werden.
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Dehnübungen können Muskelkrämpfen vorbeugen. Auch die Behandlung von Grunderkrankungen wie Diabetes oder Nierenerkrankungen kann helfen.
Rezeptpflicht und Risiken von Chinin
Das BfArM hat die Rezeptpflicht für Chinin-haltige Medikamente eingeführt, um eine missbräuchliche Anwendung und mögliche schwere Nebenwirkungen zu minimieren. Zu den Risiken gehören Blutbildveränderungen (insbesondere Thrombozytopenie) und Herzrhythmusstörungen. Angesichts des Risikos einer Thrombozytopenie beurteilen andere Arzneimittelagenturen das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Chinin in der Indikation Wadenkrämpfe als negativ.
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