Gehirn essen: Lustige Fakten und überraschende Erkenntnisse

Unser Gehirn, ein komplexes und faszinierendes Organ, ist Gegenstand ständiger Forschung. Viele Erkenntnisse sind für Laien erstaunlich. Dieser Artikel fasst einige interessante und unterhaltsame Fakten über das Gehirn zusammen und entlarvt gleichzeitig einige gängige Mythen.

Das Gehirn im Faktencheck: Mythen und Wahrheiten

Viele Irrtümer ranken sich um das Gehirn. Hier sind einige Fakten, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen:

Mythos: Wir nutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns

Dieser Mythos ist falsch. Abgesehen vom Denken ist das Gehirn auch für die Steuerung von lebenswichtigen, aber unbewussten Körperfunktionen zuständig. Da wir unser ganzes Gehirn nutzen, führt jede Schädigung in der Regel zu Einschränkungen.

Mythos: Kopfschmerzen sind Gehirnschmerzen

Obwohl alle Schmerz-Wahrnehmungen ans Gehirn gemeldet und dort verarbeitet werden, kann das Organ selbst keine Schmerzen empfinden. Bei Kopfschmerzen schmerzen die Blutgefäße der Hirnhaut.

Mythos: Wir können nur begrenzt Informationen speichern

Verglichen mit einem Computer hätten wir eine Speicherkapazität von schätzungsweise 2,5 Millionen Gigabyte. Während unser Kurzeitgedächtnis nur wenig Platz hat, kann unser Langzeitgedächtnis unbegrenzt Informationen aufnehmen. Alle dort gespeicherten Erinnerungen bleiben erhalten, selbst wenn wir sie vergessen haben. Vergessen bedeutet nur, dass wir auf die Informationen nicht mehr zugreifen können.

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Mythos: Erinnerungen trügen nicht

In den Erinnerungen wird vor allem abgespeichert, was mit großen Emotionen verbunden war. Doch entsprechen die Erinnerungen nicht immer dem, was tatsächlich passiert ist. Hirnforscher haben herausgefunden, dass die Menschen ihre Erinnerungen meist verschönern und bei jedem Abruf etwas variieren, weil die Situation des letzten Abrufs Einfluss darauf nimmt.

Mythos: Lässt sich unser Gehirn dopen?

Medikamente, die z.B. bei ADHS die Konzentrationsfähigkeit erhöhen, verbessern die geistige Leistung gesunder Menschen nicht. Medizinische Studien zeigen: Die Hirndoping-Medikamente wirken bei Gesunden unberechenbar, teils verschlechternd, und selten besser als Placebos. Allenfalls konnte die Testpersonen länger arbeiten oder lernen, zeigten aber keine besseren Ergebnisse.

Fakt: Das Hirn kann Hunger haben!

20 Prozent des Energieverbrauchs im menschlichen Körper gehen auf Kosten des Gehirns; d.h. das Gehirn verbraucht etwa ein Fünftel von dem, was wir essen und einatmen - obwohl es nur zwei Prozent der Gesamtmasse ausmacht. Das kleine Licht im Kühlschrank verschlingt mehr Energie als unser Gehirn.

Fakt: Kreuzworträtsel und Sudokus helfen kaum, geistig fit zu bleiben

Zwar gilt grundsätzlich auch fürs Gehirn: Wer rastet, der rostet. Doch der Trainingseffekt, den viele sich von Kreuzworträtseln oder Sudokus versprechen, lässt sich nicht nachweisen. Rätsel fragen altes Wissen ab, Denkarbeit sollte jedoch anstrengen und Routinen sprengen, damit sie das Gehirn fit hält. Ein Musikinstrument, eine Sprache oder Tänze zu lernen senkt das Demenzrisiko viel nachhaltiger.

Fakt: Die richtige Ernährung senkt das Risiko für Demenz

Eine ausgewogene Ernährung hilft nicht nur, Herz- und Kreislauferkrankungen zu vermeiden, sondern ist enorm wichtig fürs Gehirn. Fette, wie sie in panierten Speisen und vielen Fastfood-Produkten stecken, führen zu Ablagerungen im Gehirn. Diese blockieren Reizübertragungen und lösen Entzündungen aus. Dadurch sterben Nervenzellen ab. Sich gesund zu ernähren, hält also auch das Gehirn fit.

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Mythos: Wird die Alzheimer-Demenz vererbt?

Keineswegs. Wenn Großeltern oder Eltern in ihren letzten Lebensjahren unter Alzheimer gelitten haben, ist die Wahrscheinlichkeit, selbst daran zu erkranken, kaum erhöht. Nur etwa ein Prozent aller Alzheimer-Fälle ist eindeutig erblich bedingt; diese Betroffenen erkranken in der Regel früh, zwischen dem 30. und dem 65. Lebensjahr.

Mythos: Führen Rotwein und Schokolade zu Migräne-Attacken?

Nein. Heute wissen die Migräne-Spezialisten, dass nicht Rotwein oder Schokolade die Attacken verursachen. Sondern: Oft entsteht der Heißhunger auf Schokolade erst durch eine ohnehin bevorstehende Attacke. Menstruationszyklus-Phasen und Stress gelten aber immer noch als Trigger für Migräne-Attacken, daher gilt es, gut mit Stress umzugehen.

Fakt: Schwindel kann auch durch psychische Erkrankungen entstehen

Die zweithäufigste Schwindelform (über 15 Prozent) ist der phobische Schwankschwindel, der im Rahmen von Angsterkrankungen auftritt. Als häufigste Schwindelform (mit etwa 17 Prozent) gilt übrigens der gutartige Lagerungsschwindel, der durch kristallene Ablagerungen im Innenohr entsteht und sich gut behandeln lässt.

Fakt: Epileptische Anfälle treten nicht nur bei sehr wenigen Menschen auf

Etwa fünf Prozent der Deutschen, also jeder zwanzigste, erleidet mindestens einmal im Leben einen epileptischen Anfall. Oftmals handelt es sich dabei um Fieberkrämpfe, Anfälle bedingt durch übermäßigen Alkoholgenuss oder starke Übermüdung. Die meisten Betroffenen entwickeln dann keine Epilepsie, doch immerhin 800.000 Menschen in Deutschland sind wegen Epilepsie-Erkrankungen in haus- oder fachärztlicher Behandlung.

Schlaganfall erkennen: Der FAST-Check

Ein bewährter Schnell-Check heißt „F-A-S-T“, englisch für „schnell“: Es steht für face (Gesicht), in dem ein Lächeln möglich sein sollte. Dann sollte man den Betroffenen bitten, die Arme (arms) zu heben und einen einfachen Satz nachzusprechen (speech = Sprache). Time (Zeit) heißt: Falls dies nicht klappt, muss es schnell gehen. Also nicht die Hausarzt-, sondern die Notrufnummer wählen!

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Schlaganfall: Jede Minute zählt

Time ist brain! Bei einem Schlaganfall werden Teile des Gehirns von der Durchblutung und Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Pro Minute sterben unzählige wertvolle Nervenzellen ab. Jede Minute zählt also! Doch auch nach der entscheidenden ersten Versorgung gilt weiter: Je früher, desto besser - auch bei der Frührehabilitation. Je eher Patienten mobilisiert werden, desto besser können sie das Schlucken, Sprechen und Gehen wieder neu lernen.

Mythos: Schwangerschaften sind bei Multipler Sklerose riskant?

Nein, im Gegenteil. Meist beruhigt sich diese Autoimmun-Erkrankung während der Schwangerschaft sogar: Schübe werden seltener oder bleiben gar aus. Durch die veränderten Hormone wird das Immunsystem besser in Schach gehalten und das körpereigene Kortison steigt an.

Mythos: Benötigen alle MS-Patienten später einen Rollstuhl?

Keineswegs. Bei nur etwa fünf Prozent der Multiple Sklerose-Erkrankten führt die Krankheit innerhalb weniger Jahre zu einer körperlichen Behinderung. 70 Prozent der MS-Erkrankten brauchen im Alter von 50 Jahren keinen Gehstock, um 100 Meter zu laufen. Auch 17 Jahre nach der Diagnose sind 90 Prozent der Betroffenen noch gehfähig, wie eine US-Studie ergab.

Fakt: Hilft Strom gegen Steifheit und Zittern bei Parkinson?

Ja. Wenn sich die Krankheitssymptome mit Medikamenten nicht beherrschen lassen, kann die Implantation eines Hirnschrittmachers helfen. Bei der „tiefen Hirnstimulation“ arbeiten Neurologen und Neurochirurgen sehr eng zusammen.

Mythos: Zittrige Hände gehören zur Parkinson-Krankheit?

Nicht unbedingt. Die Parkinson-Krankheit wird zwar landläufig auch „Schüttellähmung“ genannt, jedoch nicht bei allen Patienten fällt das Zittern der Hände ins Auge: Verlangsamte, oftmals wie eingefrorene Bewegungen gehören immer zum Bild des Parkinson-Syndroms. Die Patienten zeigen zudem eine Muskelsteifigkeit, eine instabile Körperhaltung oder das Zittern in Ruhe (Tremor), aber nicht zwingend alle drei der zuletzt genannten Symptome.

Fakt: Gibt es Landkarten auf dem Gehirn?

Tatsächlich. Wo im Gehirn sitzt die Sprache, welche Gehirnregion gibt dem Fuß den Takt vor? Das müssen Operateurinnen und Operateure der München Klinik vor einer Gehirnoperation beachten. Die Neurochirurgen erstellen mithilfe des Mappings dazu eine Karte der Gehirnfunktionen. Mit ihr können sie z.B. die Entfernung eines Tumors zu den Sprachzentren und deren Verbindungsbahnen abschätzen und diese während der Operation schonen.

Fakt: Albert Einsteins Gehirn liegt im Museum?

Teilweise. Nach dem Tod Albert Einsteins 1955 entnahm der Pathologe Thomas Harvey heimlich und ohne Genehmigung dessen Gehirn, konservierte es und fertigte unzählige Gewebeproben an. Er wollte damit dem Genie des Physikers auf die Spur kommen - vergeblich. Noch heute befinden sich Teile von Einsteins Gehirn in verschiedenen amerikanischen Museen.

Fakt: Geht Corona auch dem Gehirn auf die Nerven?

Leider, ja. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinne. Das Virus kann das Nervensystem in Mitleidenschaft ziehen, weshalb man auch von Neuro-Covid spricht. Ca. 80% der Patient*innen, die mit einer Coronaviruserkrankung im Krankenhaus behandelt werden, haben neurologische Beschwerden. Auch leicht Erkrankte berichten oft noch Monate später über anhaltende Symptome wie Erschöpfung, Konzentrationsstörungen oder Gedächtnisprobleme.

Weitere interessante Fakten und Kuriositäten

Neben den Fakten und Mythen rund um das Gehirn gibt es noch weitere interessante Aspekte, die unser Verständnis von diesem Organ erweitern können:

  • Gewohnheiten und das Belohnungszentrum: Gewohnheiten bilden sich aus, wenn vertraute Reize gut eingeschliffene Nervenbahnen aktivieren, die immer dasselbe Verhalten erzeugen. Je stärker eine Speise das Belohnungszentrum aktiviert, desto stärker ist die Lernerfahrung, die zu automatischem Verhalten führt. Das ist die Gefahr der Gewohnheit. Andererseits haben Gewohnheiten auch ihr Gutes.
  • Der Reiz des Sauren: Saure Aromen lösen im Gehirn ein wenig Alarmstimmung aus und unser Körper reagiert auf saure Aromen mit einem mini Adrenalinschub - ein Kribbeln auf der Zunge, ein leichtes Zucken in den Mundwinkeln, das unwillkürliche Zusammenziehen der Lippen. Und dann? Dann kommt das Glücksgefühl.
  • Geschmack ist mehr als nur Genuss: Unsere Zunge, der Gaumen und sogar der Kehlkopf sind übersät mit Tausenden von Geschmacksknospen, die süß, sauer, salzig, bitter und umami wahrnehmen. Und während wir bei süß instinktiv an Energie und Überleben denken (Steinzeitgene sei Dank!), löst sauer im Gehirn ein wenig Alarmstimmung aus.
  • Die Farbe des Geschirrs beeinflusst das Geschmackserlebnis: So schmeckt Erdbeerkuchen von einem weißen Teller süßer als von einem schwarzen.
  • Schon ungeborene Kinder reagieren positiv auf Zucker: Je süßer das Fruchtwasser ist, desto häufiger trinken Föten davon.
  • Der Geruch ist die wichtigste Eigenschaft eines Gerichts: Geschmack, Textur und Aussehen sind im Vergleich dazu eher irrelevant.
  • Lernen beeinflussende Aspekte: Neben dem Schlaf gibt es einige weitere Aspekte, die das Lernen maßgeblich beeinflussen. Es ist wichtig, sich ausreichend Ruhe zu gönnen, um die volle Gedächtnisleistung abrufen zu können. Auch die Fähigkeit Multitasking zu betreiben wird immer wieder gefordert. Hierbei ist es hilfreich, wenn Sie eine große Routine in etwas haben, parallel dazu eine andere Aufgabe auszuführen. Einfach nichts tun, kann den Lernprozess erheblich vorantreiben. Sportliche Betätigung kann die Gedächtnis und Ihre Lernfähigkeit steigern.

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