Taubheitsgefühl im Gesicht: Ursachen und Zusammenhang mit Betablockern

Betablocker sind seit Jahrzehnten ein Eckpfeiler in der Behandlung verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere bei obstruktiven hypertrophen Kardiomyopathien (HCM), Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und koronarer Herzkrankheit. Obwohl sie im Allgemeinen gut verträglich sind, können sie wie alle Medikamente Nebenwirkungen verursachen. Eine weniger bekannte, aber dennoch mögliche Nebenwirkung ist ein Taubheitsgefühl im Gesicht. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für ein Taubheitsgefühl im Gesicht im Zusammenhang mit der Einnahme von Betablockern und geht auf alternative Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten ein.

Betablocker: Wirkweise und Anwendungsgebiete

Betablocker blockieren Rezeptoren auf der Zelloberfläche, die die Wirkung von Noradrenalin und Adrenalin vermitteln. Diese Rezeptoren werden in zwei Haupttypen unterteilt: Beta-1-Rezeptoren, die hauptsächlich Herzfrequenz, Herzkraft und Blutdruck beeinflussen, und Beta-2-Rezeptoren, die die glatte Muskulatur der Bronchien, der Gebärmutter und der Blutgefäße beeinflussen. Durch die Blockade dieser Rezeptoren hemmen Betablocker die Wirkung von Stresshormonen, senken die Herzfrequenz, entlasten den Herzmuskel und senken den Blutdruck.

Die wichtigsten Anwendungsgebiete von Betablockern sind:

  • Bluthochdruck (Hypertonie): Betablocker senken den Blutdruck und werden oft in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Mitteln eingesetzt.
  • Koronare Herzkrankheit (KHK): Durch die Reduktion des Sauerstoffbedarfs des Herzens können Betablocker Angina-pectoris-Anfälle reduzieren.
  • Herzrhythmusstörungen: Betablocker wirken erregungshemmend und können Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern kontrollieren.
  • Herzinsuffizienz: In bestimmten Fällen können Betablocker die Herzfunktion verbessern und die Symptome der Herzinsuffizienz lindern.
  • Obstruktive hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Betablocker reduzieren den Gradienten im linksventrikulären Ausflusstrakt (LVOT) und verbessern die Symptomatik.

Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl im Gesicht bei Einnahme von Betablockern

Obwohl Taubheitsgefühle im Gesicht keine häufige Nebenwirkung von Betablockern sind, gibt es verschiedene Mechanismen, durch die sie auftreten können:

Durchblutungsstörungen

Betablocker können die Blutgefäße verengen, was insbesondere in den Extremitäten zu Durchblutungsstörungen führen kann. Dies kann sich als Kältegefühl oder Taubheitsgefühl in Fingern und Füßen äußern, aber in seltenen Fällen auch das Gesicht betreffen.

Lesen Sie auch: Was tun bei Taubheitsgefühl im Schienbein?

Raynaud-Syndrom

Betablocker können das Raynaud-Syndrom auslösen oder verstärken, eine Erkrankung, bei der es zu anfallsartigen Durchblutungsstörungen der Finger und Zehen kommt. In seltenen Fällen können auch andere Körperteile wie Nase, Ohren oder Gesicht betroffen sein. Während eines Anfalls ziehen sich die Blutgefäße krampfartig zusammen, was zu einer Weißfärbung, Taubheitsgefühl und schließlich einer bläulichen Verfärbung der betroffenen Hautpartien führt.

Neuropathie

In seltenen Fällen können Betablocker eine periphere Neuropathie verursachen oder verstärken. Eine Neuropathie ist eine Schädigung der peripheren Nerven, die zu Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schmerzen und Muskelschwäche führen kann. Obwohl die Neuropathie typischerweise die Extremitäten betrifft, kann sie sich in seltenen Fällen auch im Gesicht manifestieren.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Die gleichzeitige Einnahme von Betablockern mit anderen Medikamenten kann zu Wechselwirkungen führen, die das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen. Einige Antidepressiva (MAO-Hemmer) können die blutdrucksenkende Wirkung von Bisoprolol verstärken. Bestimmte Calciumkanalblocker wie Verapamil oder Diltiazem können bei gleichzeitiger Einnahme die Herzfrequenz so stark herabsetzen, dass das Herz den Körper nicht mehr mit ausreichend Blut versorgen kann.

Individuelle Reaktionen

Jeder Mensch reagiert anders auf Medikamente. Es ist möglich, dass ein Taubheitsgefühl im Gesicht eine idiosynkratische Reaktion auf den Betablocker ist, die nicht auf einem bekannten Mechanismus beruht.

Andere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl im Gesicht

Es ist wichtig zu beachten, dass ein Taubheitsgefühl im Gesicht viele Ursachen haben kann, die nicht mit der Einnahme von Betablockern in Zusammenhang stehen. Einige dieser Ursachen sind:

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheitsgefühl in den Füßen

  • Migräne: Migräne kann von neurologischen Symptomen begleitet sein, darunter Taubheitsgefühl im Gesicht.
  • Trigeminusneuralgie: Diese Erkrankung verursacht starke, stechende Schmerzen im Gesicht, die von Taubheitsgefühl begleitet sein können.
  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft und zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen kann, darunter Taubheitsgefühl im Gesicht.
  • Schlaganfall: Ein Schlaganfall kann zu Taubheitsgefühl oder Schwäche im Gesicht führen, insbesondere auf einer Seite des Gesichts.
  • Angst und Panikattacken: In seltenen Fällen können Angst und Panikattacken zu Taubheitsgefühl im Gesicht führen.
  • Zahnärztliche Eingriffe: Lokale Betäubungsmittel, die bei zahnärztlichen Eingriffen verwendet werden, können vorübergehend ein Taubheitsgefühl im Gesicht verursachen.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen, wie z. B. Gürtelrose, können Nervenschäden verursachen und zu Taubheitsgefühl im Gesicht führen.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, wie z. B. Vitamin B12, kann zu Neuropathie und Taubheitsgefühl führen.

Was tun bei Taubheitsgefühl im Gesicht unter Betablockern?

Wenn Sie unter der Einnahme von Betablockern ein Taubheitsgefühl im Gesicht verspüren, sollten SieFolgendes unternehmen:

  1. Arzt konsultieren: Sprechen Sie umgehend mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden. Er kann die Ursache des Taubheitsgefühls feststellen und die geeignete Behandlung einleiten.
  2. Medikamentenüberprüfung: Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, einschließlich rezeptfreier Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, um mögliche Wechselwirkungen auszuschließen.
  3. Dosisanpassung: In einigen Fällen kann eine Dosisanpassung des Betablockers das Taubheitsgefühl reduzieren oder beseitigen. Ändern Sie jedoch niemals die Dosierung eigenmächtig.
  4. Alternativer Betablocker: Wenn das Taubheitsgefühl weiterhin besteht, kann Ihr Arzt einen anderen Betablocker verschreiben. Es gibt eine Vielzahl von Betablockern, die sich in ihren Eigenschaften und Nebenwirkungen unterscheiden.
  5. Ausschluss anderer Ursachen: Ihr Arzt wird möglicherweise weitere Untersuchungen durchführen, um andere mögliche Ursachen für das Taubheitsgefühl im Gesicht auszuschließen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung des Taubheitsgefühls im Gesicht richtet sich nach der Ursache. Wenn das Taubheitsgefühl durch einen Betablocker verursacht wird, kann die Dosis angepasst oder ein anderer Betablocker verschrieben werden. In einigen Fällen kann es notwendig sein, den Betablocker abzusetzen und auf eine alternative Behandlung umzusteigen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten können sein:

  • Schmerzmittel: Bei neuropathischen Schmerzen können Schmerzmittel wie Pregabalin oder Duloxetin eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Durchblutung zu verbessern und die Muskeln zu stärken.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Durchblutung zu verbessern.
  • Wärmeanwendungen: Wärmeanwendungen können helfen, die Blutgefäße zu erweitern und die Durchblutung zu fördern.
  • Kälteschutz: Wenn das Taubheitsgefühl durch Kälte ausgelöst wird, sollten Sie sich warm anziehen und kalte Umgebungen meiden.

Neue Therapieansätze bei Herzerkrankungen

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Forschung im Bereich der Herzerkrankungen ständig voranschreitet und neue Therapieansätze entwickelt werden. Ein Beispiel hierfür ist Mavacamten, ein selektiver kardialer Myosin-Inhibitor, der in Studien vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung der obstruktiven HCM gezeigt hat. Mavacamten bindet an das Motorprotein Myosin und verhindert dadurch die Bildung von Myosin-Aktin-Querbrückenverbindungen. In der EXPLORER-HCM-Studie konnte Mavacamten sowohl funktionelle als auch symptomatische Aspekte der Erkrankung verbessern.

Es bleibt abzuwarten, ob Mavacamten in Zukunft eine größere Rolle in der Behandlung der obstruktiven HCM spielen wird. Weitere Forschung ist erforderlich, um die langfristigen Auswirkungen und Nebenwirkungen dieses Medikaments zu untersuchen.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Knieprellung und Taubheitsgefühl

tags: #taubheitsgefuhl #gesicht #betablocker