Schafgarbe: Ein potenzieller Helfer bei Multipler Sklerose? Wirkung, Studien und Anwendung

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Charakteristisch für die MS ist die Zerstörung der Myelinscheiden, die die Nervenfasern umhüllen und für eine reibungslose Reizübertragung sorgen. Diese Schädigung führt zu vielfältigen neurologischen Symptomen und kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Multiple Sklerose: Eine komplexe Erkrankung

Die Multiple Sklerose (MS), auch Encephalomyelitis disseminata genannt, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die sich im Gehirn und im Rückenmark manifestiert und durch eine Zerstörung der Myelinscheiden (Markscheiden) der Nervenfasern gekennzeichnet ist. Dieser Prozess, als Entmarkung oder Demyelinisation bezeichnet, schädigt die Nerven und verlangsamt die Reizleitung. Es entsteht ein ausgeprägtes, irreversibles und meist lebensverkürzendes Krankheitsbild.

Die Erkrankung weist territoriale und regionale Unterschiede auf. Sie zählt zu den häufigsten organischen Nervenerkrankungen der westlichen Nationen, wobei äquatorferner gelegene Bereiche eine höhere Erkrankungsrate aufweisen. In Deutschland leiden ca. 120.000 Menschen an der MS mit einer Inzidenz für ganz Europa von durchschnittlich 50 pro 100.000 Einwohner. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr, wobei ca. dreimal häufiger Frauen als Männer betroffen sind.

Ursachen und Entstehung

Die genaue Entstehung und die Ursachen der Erkrankung sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

Eine familiäre Disposition ist als Ursache stark anzunehmen, denn zwischen zehn und 30 Prozent der Nachkommen von an MS Erkrankten weisen ebenfalls Nervenläsionen auf. Unumstritten ist jedoch, dass eine Reihe von Faktoren hinzukommen müssen, um die Erkrankung auszulösen. Im Verdacht stehen hier Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus, Chlamydien, Borrelien sowie den Viren, die Herpes, Mumps und Röteln verursachen. Doch auch Impfungen könnten ihren Beitrag zum Krankheitsgeschehen leisten. So enthält das Serum gegen Hepatitis B Enzyme, die einigen Proteinen in den Myelinscheiden äußerst ähnlich sind. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Immunisierung gegen die Leberentzündung an MS zu erkranken, ist besonders hoch, wenn die Impfung nicht wie beabsichtigt angeschlagen hat.

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Eine Rolle spielen können auch große Verletzungen mit hohem Blutverlust und kleine, fast unbemerkt verlaufende Blutungen der Hirngefäße. Das scheint im Zusammenhang zu stehen mit einer erhöhten Produktion des Gerinnungs-Faktors FXII bei MS-Patienten.

Eine andere Ursache ist wohl die Art der Ernährung. Wer zu wenig Ballaststoffe verzehrt, leidet über kurz oder lang unter einer Fehlbesiedlung der Darmflora. Besonders Oligofruktose und Oligogalaktose sind Verbindungen, die für uns günstige Bakterien brauchen. Diese Keime produzieren Propionsäure, die einen harmonisierenden Einfluss auf das Immunsystem ausüben. Die gestörte Darmflora kann auch zum Leaky-Gut-Syndrom führen. Der „durchlässige Darm“ irritiert die Körperabwehr und fördert Autoimmunreaktionen.

Ungünstig ist auch ein zu hoher Anteil an tierischen Fetten bei gleichzeitigem Mangel an essenziellen Fettsäuren, die der Körper für die Bildung der Myelinscheiden braucht. Fatal wirkt sich offensichtlich auch ein Defizit an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen aus. Auch zu viel Salz sowie Schwermetalle sind Faktoren, die die Entstehung der MS fördern. Daneben haben Wissenschaftler das Element Gadolinium als möglichen Auslöser identifiziert. Das Metall aus der Gruppe der seltenen Erden wird in der Diagnostik als Kontrast-Mittel eingesetzt.

Die Entstehung begünstigen wahrscheinlich auch andauernder physischer oder psychischer Stress, ein geschwächtes Immunsystem, starke Hormonschwankungen sowie spezielle Medikamente die Einfluss auf das Immunsystem nehmen.

Verlauf und Symptome

Die Entzündungen in Gehirn und Rückenmark führen zu einer Zerstörung der Myelinscheiden. Gleichzeitig werden auch bestimmte Bereiche der Nervenfasern in Mitleidenschaft gezogen. Diese sind im gesunden Zustand für die Reizübertragung verantwortlich, führen also durch Impulse zu einer Ausführung bestimmter Tätigkeiten im Körper (als Beispiele: Heben des Arms, Schluckreflex). Die zerstörten Areale des Nervenmarks vernarben und werden hart (sklerosierte Plaques), wodurch die kontinuierliche Reizweiterleitung gestört wird. Die Plaques können sich in allen Arealen des Nervensystems ausbilden, weisen aber eine regionale Häufung im Bereich des Sehnervens, im Hirnstamm,im Kleinhirn und am Rückenmark auf, wodurch sich eindeutige MS-Symptome ausbilden, die vor allem die Bewegung (Motorik) und die Empfindung (Sensorik) betreffen.

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Dabei zeigen sich auch Anzeichen, die nicht unmittelbar der Erkrankung zuzuordnen sind. Viele Betroffene (ca. drei Viertel aller Erkrankten) klagen in der Anfangsphase über häufige Kopfschmerzen oder Sehstörungen (Neuritis nervi optici = Sehnerventzündung - Augenkrankheiten), die im Verlauf an Intensität zunehmen. Dabei entwickeln sich migräneartige Schmerzen, das Auge weist Entzündungen auf - Augenentzündungen, tränt, ist gerötet und führt im Weiteren durch Nervenlähmungen zu Doppelbildern und Gesichtsfeldeinschränkungen (Teile des Blickfeldes liegen im Dunklen).

Fast immer zeigen sich Parästhesien (Kribbeln) im Bereich der Extremitäten, besonders an den Fingern. Dazu kommt ein Taubheitsgefühl, was dazu führen kann, dass Gegenstände nicht richtig gefasst werden oder plötzlich fallen gelassen werden. Gelenke und der Hüftbereich weisen einen erhöhten Druck oder ein schmerzhaftes Spannungsgefühl auf. Die Nackenregion (Nackenschmerzen) wirkt verspannt, Bewegungen des Kopfes nach vorne lösen häufig blitzartige Stiche im Kopf und Rückenschmerzen aus, sodass Betroffene dies vermeiden und eher steif im Erscheinungsbild wirken.

Die Nervenschädigungen wirken sich auch auf die Muskulatur aus, diese wirkt angespannt aber kraftlos. Schon kurze Tätigkeiten führen rasch zur Ermüdung, durch Schonung atrophiert (baut sich ab) die Muskulatur und verstärkt so die Kraftlosigkeit.

Je nach befallenem Hirnnerven können sich Lähmungserscheinungen im Gesicht zeigen (z.B. Facialisparese). Häufig ist das Gleichgewichtsorgan gestört, sodass Gangunsicherheiten (plötzliches Stolpern, Hinfallen) und Schwindel auftreten. Bedingt durch die zentralen Störungen sind MS-Erkrankte häufig nicht in der Lage, bei einem Sturz die Hände zur Stabilisierung zu nutzen, sie fallen ungeschützt und ziehen sich vermehrt Stauchungen und Brüche zu. Ebenso können Geschmack und Geruch, der Schluckreflex (häufiges Verschlucken) oder die Sprache (verwaschene Aussprache) betroffen sein.

Die sich häufig zeigende Harninkontinenz kann sich im Verlauf auch in einen Verhalt entwickeln. Die Defäkation ist ebenfalls gestört, hauptsächlich leiden Erkrankte unter Obstipationen (Verstopfungen), eher selten zeigt sich eine Diarrhö (Durchfall). Bei nahezu der Hälfte aller Betroffenen stellen sich Erektionsproblemen und Libidoverlust ein. Die Gesamtheit der Symptome bewirkt eine psychische Veränderung, die sich durch Depressionen oder schnelle Verstimmtheit bemerkbar macht.

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Weitere allgemeine Anzeichen sind Antriebslosigkeit, ein gestörter Schlaf-Wachrhythmus sowie eine hohe Infektanfälligkeit.

Der Verlauf der MS ist unterschiedlich, kann sich über Jahrzehnte hinziehen und lässt sich grob in schubförmig oder progredient unterteilen. Der typische Verlauf ist schubförmig. Hierbei kommt es phasenweise zur Ausbildung bestimmter Symptome, die sich im Verlauf (länger als 24 Stunden) aber wieder zurückbilden.

Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto intensiver werden die Symptome bei einem Schub. Diese bilden sich nur noch zum Teil zurück bzw. verbleiben, zusätzlich kommen neue Symptome hinzu. Meist führt dies über einen Zeitraum von Jahrzehnten zur vollständigen Bettlägerigkeit. Die Letalität liegt 20 Jahre nach Ausbruch bei ca. 20 Prozent. Die progrediente Form ist seltener, sie weist keine Schübe auf sondern zeigt fortlaufend eine Zunahme der Symptomatik. Auch diese Form führt zum körperlichen Verfall und ist durch eine schlechtere Prognose gekennzeichnet.

Diagnose

Die Diagnostik bei der MS kann sehr umfangreich sein. Neben Anamnese und Inspektion werden alle apparativen Hilfsmittel sowie neurologische Verfahren genutzt (unter anderem Röntgen, CT, MRT, EEG). Denn es stellte sich heraus, dass die Immunantwort auf das Epstein-Barr-Virus bereits drei Jahre vor Ausbruch der Erkrankung stark erhöht ist. Dies spricht auch für die oben beschriebene Theorie, dass das Virus als Auslöser von Multiple Sklerose in Frage kommt.

Auch der Status der Autoantikörper gibt auf das Krankheitsgeschehen Aufschluss. Der Arzt lässt im Labor die Konzentration der Globuline, die das Immunsystem gegen den das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) sowie den Kalium-Kanal der Nervenzellen produziert. Diagnostisch wichtig ist auch der Titer der Immunglobuline IgA, IgG, und IgM. Mit dem ALCAT-Test (Antigen Leukocyte Cellular Antibody Test) kann festgestellt werden, ob ein Leaky-Gut-Syndrom vorliegt. Daneben können die Konzentrationen des Entzündungs-Markers EPX (Eosinophiles Protein X) und des Gerinnungs-Faktors FXII Hinweise auf MS liefern.

Auch das Vitamin-D-Level war bei den Patienten immerhin bereits zwei Jahre vor dem ersten Auftreten klarer MS-Symptome stark erniedrigt. Nach Ausbruch der Krankheit sank der Wert sogar noch weiter. Der Zusammenhang von Vitamin D und Multiple Sklerose wurde bisher noch nicht untersucht. Auch gibt es noch keine Erkenntnisse, die eine direkte Verbindung von Vitamin-D zum Epstein-Barr-Virus erklären.

Dennoch lassen diese ersten Forschungsergebnisse die Theorie zu, dass sich anhand niedriger Vitamin-D-Werte in Kombination mit der erhöhten Immunreaktion die Multiple Sklerose möglicherweise bald frühzeitig erkennen lässt.

Allerdings wurden bei der Studie lediglich die zurückliegenden Blutproben von 25 MS-Patienten mit denen von Gesunden verglichen. Untersuchungen mit mehr Probanden sind also unumgänglich, bevor sich klare Aussagen treffen lassen.

Schulmedizinische Therapie

Die schulmedizinische Therapie richtet sich nach der vorliegenden Verlaufsform. Hierbei werden unterschiedliche Medikamente verabreicht (oral, als Injektion oder Infusion). Die schubförmige Variante wird vor allem mit Kortikosteroiden (entzündungshemmend) und Immunglobulinen behandelt. Die Beta(inter)feron-Therapie soll das Fortschreiten verhindern, sie dient vor allem als Hauptansatz bei der progredienten Form.

Ziel ist es bei manchen Patienten auch, die Gerinnungsneigung des Blutes zu reduzieren und so Mikro-Hirnblutungen zu verhindern. In der Behandlung von MS ist das Medikament rHA-Infestin-4 entwickelt worden, das spezifisch den Gerinnungs-Faktor XII hemmt. Vorlage war ein Protein aus dem Darm einer Raubwanze.

Daneben ist die physikalische Therapie sehr wichtig. Um Betroffene so lange wie möglich aktiv am Leben teilnehmen lassen zu können, werden spezielle Sport- und Bewegungsübungen zur Muskelstärkung angeboten. Das Gangbild soll gebessert werden und auch der Gleichgewichtssinn wird trainiert.

Insgesamt kann die Multiple Sklerose mit Methoden der Schulmedizin nicht geheilt werden. „Schulmedizinische“ Medikamente können den Verlauf verlangsamen, ihn letztendlich aber nicht aufhalten. In vereinzelten Fällen zeigt sich ein Stillstand der Erkrankung, der bis zum (meist verkürzten) Lebensende anhalten kann.

Naturheilkundliche Maßnahmen

Die Naturheilkunde setzt bei MS zunächst an der Ernährung an. Im Vordergrund steht der Verzicht auf Zucker und die Erhöhung des Anteils ballaststoffreicher Gemüse. Dadurch wird die Darmflora und mit ihr das Immunsystem unterstützt. Zusätzlich ist die Gabe von Propionsäure sowie eine Darmsanierung zu empfehlen. Tierische Fette sollten reduziert werden, mit Ausnahme von essenziellen Fettsäuren, die in Hirn enthalten sind. Dieses Lebensmittel soll die Bildung der Myelinscheiden unterstützen. Geeignet dazu ist auch die Einnahme von Calcium-Etylamino-Phosphat (EAP), das zur Produktion von Membran-Bestandteilen, der Phospholipide gebraucht wird. Die Myelinscheiden sind daneben in hohem Maße angewiesen auf die Zufuhr der Aminosäuren Glutaminsäure, Tyrosin, Alanin und Lysin. Die Schutzhüllen der Nervenfasern profitieren auch vom DNA-Bestandteil Uridinmonophosphat und der Omega-9-Fettsäure Nervonsäure. Eine besondere Funktion kommt dem Resveratrol zu, das in vielen Obstsorten (Preiselbeeren, Pflaume, Himbeeren) enthalten ist und auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten wird. Der sekundäre Pflanzenstoff fördert die körpereigene Produktion von Sirtuinen (Sir2 von „Silent Mating Type Information Regulation 2“), die das Wachstum neuer Axone anregen. Die direkte orale Gabe von Sirtuinen hat leider keine positiven Resultate im Tierversuch erbracht, wahrscheinlich, weil die Proteine verdaut werden.

Zu den Heilpflanzen, die entzündliche Prozesse dämpfen und die MS zurückdrängen können, zählen Kurkuma, Weihrauch, Grüner Tee, Schafgarbe, Arnika, Hirtentäschelkraut, Taubnessel, Weinraute und Leinsamen sowie Mistel und Fenchel.

Zum Repertoire der Naturheilkunde gehört bei MS auch die Supplementation der Vitamine B2, B12, C, D, E und Biotin sowie der Spurenelemente Zink, Selen, Bor und Chrom. Das Angebot besteht zudem aus den Maßnahmen der Akupunktur, Neuraltherapie und Homöopathie. Nicht zu vergessen sind der Ausgleich des Säure-Base-Haushaltes, die Darmsanierung und die Beseitigung von Störfeldern (Amalgam-Füllungen).

Die Schafgarbe (Achillea millefolium): Ein traditionelles Heilmittel

Die Schafgarbe (Achillea millefolium) ist eine vielseitige Heilpflanze, die traditionell bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt wird. Sie enthält eine Vielzahl von Inhaltsstoffen, darunter Flavonoide, ätherische Öle und Bitterstoffe, denen entzündungshemmende, krampflösende und wundheilungsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden.

Ein Klassiker für die äußerliche Wundbehandlung, die Schafgarbe, die ich im Blickpunkt 1/2019 vorgestellt habe, soll eine der Lieblingspflanzen der Heiligen Hildegard von Bingen gewesen sein. Auch den Fenchel verwendete sie oft und gerne und sagte über ihn: „Und wie auch immer er gegessen wird, er macht den Menschen fröhlich und vermittelt ihm angenehme Wärme (…)“. Für mich Grund genug, um einen näheren Blick auf diese berühmte Äbtissin zu werfen. Hildegard von Bingen lebte in der Zeit von 1098 bis 1179 n. Chr., also mitten in der Blütezeit der Klostermedizin. Sie war das zehnte und letzte Kind einer adligen Familie und als Kleinkind leider auch oft kränklich. Bereits im Alter von drei Jahren konnten ihre Eltern erste seherische Fähigkeiten bei ihr erkennen und verbrachten sie mit acht Jahren in ein Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg in der Nähe von Bad Sobernheim. Dort zeigte sich, dass Hildegard äußerst wissbegierig und musikalisch war. Zwischen ihrem 14. und 17. Lebensjahr legte sie dann ihr Ordensgelübde als Benediktinernonne ab. Sie gilt als eine bedeutende Universalgelehrte und wird in der Römisch-Katholischen Kirche als Heilige und Kirchenlehrerin verehrt. Zwei Kloster (Rupertsberg und Eibingen) hat die Hl. Hildegard gegründet. Als eine der letzten großen Medizinautorinnen des Hochmittelalters wurde sie vor allem auch durch ihre Werke Physica (Naturkunde) und Causae et curae (Ursprung und Behandlung von Krankheiten) berühmt, deren Thesen sie in Form von Visionen erhielt und niederschrieb. Heute interessiert sich auch die moderne Medizin für die Klosterheilkunde, denn erstaunlicherweise verwendete man bereits zu Zeiten der Klostermedizin penizillinartige Stoffe bei der Wundbehandlung. Auch die von der Hl. Viele Wirkungen der von ihr beschriebenen Pflanzen wurden mittlerweile auch durch die sogenannte Kommission E bestätigt. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Ärzten, Apothekern, Chemikern und Pharmazeuten, die in den 1980er Jahren die Deutsche Gesellschaft für Phytotherapie gründeten und deren Ziel es war, die Pflanzenheilkunde - die Kräuter aus der Klostermedizin - mit wissenschaftlichen Methoden zu erforschen und somit als Arzneischatz zu erhalten. Diese Gruppe hatte am damaligen Bundesgesundheitsamt die selbstständige wissenschaftliche Sachverständigenkommission (Kommission E) für pflanzliche Arzneimittel etabliert, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte heute auch bei der Zulassung von traditionellen Arzneimitteln und von Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen berät. Zu den Behandlungsmethoden Hildegards zählte unter anderem der Aderlass, der im Mittelalter als eine Art Universalheilmittel galt. Auch staunt man immer wieder: Pfarrer Kneipp lobte etwa das Brennnesselpeitschen bei Rheumapatienten, Hildegard schrieb, dass das Verwenden eines Brenneisens jederzeit vorteilhaft sei, für Alte allerdings etwas gesünder als für Junge….Eine weitere Behandlungsform waren Bäder, sogar ein Schwitzbad kannte sie - mageren und dürren Menschen riet sie allerdings davon ab. Bei einem ansteigenden Voll- oder Teilbad wird demnach mit einer Wassertemperatur von etwa 35 °C begonnen. Nach und nach fügt man heißes Wasser hinzu und erhöht somit die Temperatur auf 39 °C bis 41 °C. Aber auch Kräuter und Gewürze wurden von Hildegard von Bingen gerne verwendet. Bereits vor 900 Jahren bestanden aktive Handelsverbindungen bis ins ferne Südostasien, der Heimat all dieser Gewürze. Meist waren es getrocknete Wurzeln oder Samen von Pflanzen, die nach ihrer langen Reise in den Klöstern zu Medizin verarbeitet wurden. Sie wurden pulverisiert und auf das Brot, in die Suppe oder den Tee gestreut. Auch als „Küchlein“ verordnete die Äbtissin diese gerne. Die Gewürzpulver wurden dazu in einen Teig aus Dinkel-, Weizen- oder Bohnenmehl zusammen mit Wasser oder Pflanzensäften eingeknetet. Aus dem Teig formte man eine Rolle, schnitt sie in Scheiben und trocknete diese in der Sonne oder im Ofen. Meistens aßen die Kranken ein Küchlein morgens auf nüchternen Magen oder jeweils zu den Mahlzeiten. Hildegard setzte ihn bei Zungenlähmung und Fieber ein, die Kommission E ist hier allerdings zurückhaltender. Die Pflanze ähnelt der Kamille und ist im Mittelmeergebiet zu Hause. Die Betonie wird seit der Antike als Allheilmittel benutzt. Gemeint ist hier natürlich der gelbe Enzian, von dem ich bereits im BP 3/2013 berichtet habe. Auch „milder Ingwer“ genannt, stammt Galgant aus Südchina und wird bei uns seit Jahrtausenden verwendet. „Und wenn jemand Kopfschmerzen hat, so dass ihm der Kopf brummt, wie wenn er taub wäre, esse er oft Nelken, und das mindert das Brummen, das in seinem Kopf ist“, lautet der 900 Jahre alte Rat von Hildegard von Bingen. Ihrer Erfahrung nach belebt das Aroma der Gewürznelken bei geistiger Erschöpfung, klärt die Gedanken und hilft dem Gedächtnis auf die Sprünge. Auch eine potente Heilpflanze, die eigentlich am Wegesrand zu finden ist. Ein Tausendsassa unter den Gewürzen; er regt die Verdauung und den ganzen Stoffwechsel an und bringt Wärme in den Körper. Die Muskatnuss diente bei Hildegard zur Steigerung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens. Sie „öffnet das Herz, reinigt die Sinne und bereitet einen guten Verstand“. In der Volksmedizin wurde die Muskatnuss gerne bei Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt, dies ist aber laut Kommission E nicht ausreichend genug belegt. Zimt fördert laut Hildegard den Stoffwechsel und lindert - in warmem Wein - gichtartige Schmerzen.

Schafgarbe bei Multipler Sklerose: Aktuelle Forschungsergebnisse

In den letzten Jahren hat das Interesse an der potenziellen Wirkung der Schafgarbe bei Multipler Sklerose zugenommen. Einige Studien deuten darauf hin, dass Extrakte aus der Schafgarbe in der Lage sein könnten, Entzündungsprozesse im Gehirn zu reduzieren und somit die Symptome der MS zu lindern.

Iranische Studie untersucht Wirkung von Schafgarbe-Extrakt

Wissenschaftler der University of Medical Sciences in Rafsanjan (Iran) untersuchten, ob ein Schafgarbe-Extrakt die medikamentöse Therapie der MS unterstützen kann und die jährliche Schubrate verringert. Dafür erhielt eine Gruppe von 75 Probanden mit schubförmig-remittierender MS den Extrakt aus der Schafgarbe (Achillea millefolium) in einer Dosis von 250 mg pro Tag, die anderen Gruppe 500 mg täglich - und zwar ein Jahr lang.

Die Forscher untersuchten nicht nur, ob sich durch die zusätzliche Therapie die Schubrate reduzieren ließ, sie wollten auch wissen, ob sich die Anzahl der Läsionen und ihre Größe im Vergleich zur Kontrollgruppe veränderte. Getestet wurde außerdem, ob sich kognitive und neurologische Beschwerden unter der Gabe von Achillea millefolium besserten.

Ergebnisse der Studie

Die iranische Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Größe der Läsionen in der Gruppe der Teilnehmer, die 500 mg Achillea-Extrakt erhielten, signifikant zurückging. Auch der Behinderungsgrad, gemessen an der EDSS-Skala, verringerte sich, die Probanden schnitten zudem in kognitiven Tests besser ab. Daneben verlängerte sich die Zeit bis zum ersten Schub im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Ergebnisse waren demnach positiv für die Gabe eines Achillea-Extrakts zusätzlich zur verlaufsmodifizierenden Therapie.

Weitere Erkenntnisse

In einer kleinen Studie wurde untersucht, ob eine begleitende pflanzliche Therapie mit dem Extrakt aus der Schafgarbe die Effektivität einer Standardtherapie zur Behandlung der Multiplen Sklerose erhöhen kann. In Tiermodellen haben die in der Schafgarbe (Achillea millefolium) enthaltenen Flavonoide Apigenin und Luteolin Effekte bei kognitiven Störungen und neurologischen Beschwerden gezeigt. Im Tiermodell der Multiplen Sklerose zeigte ein Achillea-Extrakt ebenfalls positive Wirkung.

Diese Erkenntnisse waren Ausgangspunkt für die Arbeitshypothese der Wissenschaftler aus dem Iran. Sie haben in einer ersten kleinen Studie die Wirkung eines Achillea-Extrakts als adjuvante (zusätzliche) Therapie zu einer Standardtherapie bei MS-Erkrankten untersucht. Dazu wurden 75 MS-Erkrankte mit schubförmig-remittierender MS (RRMS) nach dem Zufallsprinzip drei gleich großen Gruppen zugeteilt. Zwei Gruppen erhielten 1 Jahr lang neben ihrer medikamentösen Standardtherapie einen Achillea millefolium-Extrakt in unterschiedlicher Dosierung (250 mg/Tag bzw. 500 mg/Tag), eine Gruppe erhielt ein Placebo-Präparat. Der Achillea-Extrakt erhielt sowohl Luteolin wie auch Apigenin.

Mit ihrer Studie erhofften sich die Wissenschaftler Antworten darauf, ob und welche Auswirkungen die adjuvante Gabe eines Schafgarbenextrakts auf die Schubrate sowie auf Anzahl und Größe von Läsionen hat. Außerdem wurden mit mehreren Testverfahren neurologische und kognitive Parameter erhoben. Das Studienergebnis zeigte positive Effekte bei beiden Fragestellungen.

Einschränkungen der Studien

Es ist wichtig zu beachten, dass es sich bei den bisherigen Studien zur Wirkung der Schafgarbe bei MS um kleinere Studien handelt. Um die Ergebnisse zu bestätigen und die optimale Dosierung und Anwendungsdauer zu ermitteln, sind weitere, größere Studien erforderlich.

Außerdem, so die Forscher aus Rafsanjani, scheint ein frühzeitiger, adjuvanter Einsatz des Achillea-Extrakts nur in der Frühphase der Erkrankung sinnvoll. Auf bereits entstandene Schäden auf neurologischer Ebene zeigt der Extrakt keine Wirkung. Die Studie ist ein erster Anhaltspunkt zum Nutzen einer adjuvanten pflanzlichen Therapie zur Standardtherapie. Die alleinige Therapie mit einem Schafgarbenextrakt war nicht Gegenstand der Studie.

Anwendung der Schafgarbe

Die Schafgarbe kann auf verschiedene Arten angewendet werden. Häufig wird sie als Tee zubereitet, aber auch Extrakte und Tinkturen sind erhältlich. Die Dosierung und Anwendungsdauer sollten individuell mit einem Arzt oder Heilpraktiker abgestimmt werden.

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