Dieser Artikel befasst sich mit den Wechselwirkungen von Medikamenten zur Behandlung starker Regelschmerzen und Epilepsie, insbesondere im Hinblick auf den Wirkstoff Pregabalin, und bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und wichtige Aspekte für Frauen mit Epilepsie.
Einführung
Starke Regelschmerzen (Dysmenorrhö) und Epilepsie sind zwei unterschiedliche Gesundheitsprobleme, die jedoch bei Frauen gleichzeitig auftreten können. Die Behandlung beider Erkrankungen erfordert sorgfältige Überlegungen, insbesondere im Hinblick auf mögliche Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten.
Pregabalin: Anwendungsgebiete, Wirkungsweise und Gegenanzeigen
Pregabalin ist ein Wirkstoff, der hauptsächlich in drei Anwendungsgebieten eingesetzt wird:
- Neuropathische Schmerzen: Pregabalin wird zur Linderung nervlich bedingter Schmerzen bei Erwachsenen eingesetzt, die beispielsweise als Spätfolge einer Zuckerkrankheit, nach einer Nervenentzündung durch Herpes-Viren oder nach Rückenmarkverletzungen auftreten können.
- Epilepsie: Bei Epilepsie im Erwachsenenalter wird Pregabalin zusammen mit anderen Antiepileptika eingesetzt, um bestimmte Anfälle, die von Hirnteilen ausgehen (partielle Anfälle), auch solche, die sich anschließend auf das ganze Gehirn ausbreiten (Generalisierung), zu verhindern.
- Angststörungen: Aufgrund seiner angstlösenden Wirkung ist Pregabalin auch zur Behandlung von allgemeinen Angststörungen bei Erwachsenen zugelassen.
Wirkungsweise
Die Weiterleitung von Reizen entlang der Nerven ist unter anderem abhängig vom Einstrom des Minerals Kalzium. Pregabalin behindert die Öffnung der Kalzium-Kanäle und drosselt somit den Einstrom von Kalzium in die Nervenendigungen. Die gesteigerte Freisetzung von Nervenbotenstoffen wird auf diese Weise auf das normale Maß zurückgeführt.
Gegenanzeigen
Pregabalin darf nicht eingesetzt werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff besteht. Wenn mit Pregabalin bei Kombination mit anderen Antiepileptika eine gute Anfallskontrolle erreicht werden konnte, ist es dennoch nicht erlaubt, den Wirkstoff alleine einzusetzen. Möglicherweise kann Pregabalin bei älteren Patienten mit nervenbedingten Schmerzen, welche Herz- oder Gefäßleiden aufweisen, eine Herzmuskelschwäche auslösen. Da Pregabalin fast ausschließlich über die Niere ausgeschieden wird, muss der Arzt bei nierenkranken Patienten die Dosis der Nierentätigkeit anpassen. Bei Personen mit einer Neigung zur Sucht und Abhängigkeit in der Vorgeschichte ist Pregabalin nur mit Vorsicht vom Arzt zu verordnen.
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Schwangerschaft und Stillzeit
Im Tierexperiment verursachte Pregabalin Missbildungen an den Ungeborenen. Daher darf der Wirkstoff während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für eindeutig erforderlich. Frauen im gebärfähigen Alter müssen eine wirksame Verhütungsmethode anwenden. Während der Behandlung mit Pregabalin sollte nicht gestillt werden.
Nebenwirkungen
Sehr häufige Nebenwirkungen sind Benommenheit und Schläfrigkeit. Häufige Nebenwirkungen umfassen Appetitsteigerung, Euphorie, Verwirrung, Reizbarkeit, Libido-Verringerung, Haltungs- und Bewegungsstörungen, Gangstörungen, Zittern, Sprech- und Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, nervliche Missempfindungen, Verschwommensehen, Doppelbilder, Schwindel, Erbrechen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Blähungen, Erektionsstörungen, Trunkenheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Wasseransammlungen und Gewichtszunahme.
Wechselwirkungen
Pregabalin kann die Wirkung von Alkohol und dem Benzodiazepin Lorazepam verstärken. Nach der Markteinführung des Wirkstoffs traten Fälle von Atembeschwerden und Koma auf, wenn Pregabalin zusammen mit anderen Substanzen eingenommen wurde, die die Gehirntätigkeit abdämpfen. Auch verstärkt Pregabalin bei dem opioiden Schmerzmittel Oxycodon möglicherweise unerwünschte Störungen des Denkens und der Bewegung.
Tramadol: Ein Opioid-Analgetikum zur Schmerzbehandlung
Tramadol ist ein zentral wirkendes, synthetisches Opioid-Analgetikum, das zur Behandlung von mäßigen bis starken Schmerzen sowohl akuter als auch chronischer Natur eingesetzt wird. Es ist zugelassen zur Behandlung mäßig starker bis starker Schmerzen und ist in verschiedenen Darreichungsformen auf dem deutschen Markt verfügbar.
Wirkungsweise
Tramadol entfaltet seine schmerzlindernde Wirkung durch einen dualen Mechanismus. Einerseits bindet es als schwacher Agonist an die µ-Opioidrezeptoren im Zentralnervensystem (ZNS), was zu einer Modulation der Schmerzübertragung führt. Andererseits inhibiert Tramadol die neuronale Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin im ZNS, wodurch die Konzentration dieser Neurotransmitter im synaptischen Spalt erhöht und die schmerzhemmende Wirkung verstärkt wird.
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Wichtige Hinweise
Arzneimittel mit dem Wirkstoff Tramadol unterliegen der Verschreibungspflicht. Während der Schwangerschaft sollte Tramadol nur in Einzeldosen und bei Notwendigkeit angewendet werden. Während der Stillzeit sollte Tramadol nicht angewendet werden, es sei denn, es ist unbedingt erforderlich. Tramadol kann zu Schläfrigkeit und Schwindel führen, was die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen kann.
Ibuprofen: Ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR)
Ibuprofen ist ein Wirkstoff, der hauptsächlich zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen angewendet wird, aber auch Fieber senken kann. Es wird häufig bei leichten bis mäßig starken Schmerzen wie Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder Regelschmerzen eingesetzt. Weiterhin wird Ibuprofen erfolgreich bei Migräne-Anfällen und stumpfen Verletzungen eingesetzt.
Anwendungsgebiete
Ibuprofen dient auch sehr häufig bei Gelenkentzündungen der Linderung von starken bis sehr starken Schmerzen. Der Wirkstoff bekämpft Schmerzen und Entzündung gleichermaßen. Gelenkentzündungen beziehungsweise entzündlich-rheumatische Erkrankungen, die mit Ibuprofen behandelt werden, sind: Gicht, Arthrose, rheumatoide Arthritis und entzündliche Wirbelerkrankungen wie Morbus Bechterew.
Dosierung
Eine Filmtablette enthält 200 Milligramm des Wirkstoffs. Die Tabletten werden unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit eingenommen. Die Dosierung richtet sich nach dem Alter und den Beschwerden des Patienten.
Nebenwirkungen
Sehr häufige Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, leichte Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Blähungen, Magen-Darm-Blutverluste. Häufige Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Geschwüre, entzündliche Mundgeschwüre, Colitis ulcerosa-Verstärkung, Morbus Crohn-Verstärkung, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Erregung, Reizbarkeit, Müdigkeit.
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Wechselwirkungen
Die gleichzeitige Einnahme von Ibuprofen-haltigen Mitteln verändert bei folgenden Wirkstoffen die Wirkung: Digoxin, Lithium, Methotrexat oder Phenytoin. Mittel gegen Diabetes (orale Antidiabetika, Sulfonylharnstoffe): Die blutzuckerspiegelsenkende Wirkung wird verstärkt, daher ist eine häufige ärztliche Kontrolle der Blutzuckerwerte nötig.
Gegenanzeigen
Ibuprofen darf nicht eingenommen werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, ungeklärten Blutbildungsstörungen, bestehenden oder in der Vergangenheit wiederholt aufgetretenen Magen- und Darmgeschwüren, Blutungen im Gehirn oder an anderen Körperstellen, schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, schwerer Herzmuskelschwäche.
Schwangerschaft und Stillzeit
Mittel mit Ibuprofen können das ungeborene Kind schädigen, besonders wenn die Einnahme des Wirkstoffes im letzten Drittel der Schwangerschaft erfolgt. Ibuprofen und seine Abbauprodukte gehen in die Muttermilch über. Während der Stillzeit ist also besonders eine Dauertherapie zu unterlassen.
Thomapyrin: Ein Kombinationspräparat gegen Kopfschmerzen
Thomapyrin wird angewendet bei Erwachsenen und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren zur Linderung von Kopfschmerzen (insbesondere Spannungskopfschmerzen) und Migräneanfällen mit und ohne Aura, leichten bis mittelstarken Schmerzen wie z. B. Zahnschmerzen, Regelschmerzen; sowie zur Linderung von Schmerzen und Senkung von Fieber bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten.
Gegenanzeigen
Thomapyrin darf nicht eingenommen werden, wenn Sie allergisch gegen Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Coffein oder Salicylate sind, wenn Sie an einer seltenen ererbten Stoffwechselerkrankung leiden, wenn bei Ihnen bereits einmal nach der Behandlung mit Salicylaten oder anderen entzündungshemmenden Schmerz- oder Rheumamitteln Symptome von Überempfindlichkeit aufgetreten sind, wenn Sie an einer der nachfolgenden Erkrankungen leiden: Geschwüre, Blutungen oder Durchbrüche des Magens oder des Darms, krankhaft erhöhte Blutungsneigung oder Blutgerinnungsstörung, erhebliche Einschränkung der Leber- oder Nierenfunktion, schwere Herzmuskelschwäche.
Wechselwirkungen
Thomapyrin hat Wechselwirkungen mit verschiedenen Arzneimitteln, einschließlich entzündungshemmenden Schmerz- und Rheumamitteln, "Digitalis", bestimmten Arzneimitteln gegen Infektionen, Arzneimitteln zur Auflösung von Blutgerinnseln, Valproinsäure, bestimmten Arzneimitteln zur Behandlung von Depressionen, Lithium, Pentoxifyllin, bestimmten Arzneimitteln gegen bakterielle Infektionen, Methotrexat, blutzuckersenkenden Arzneimitteln zum Einnehmen, bestimmten blutdrucksenkenden Arzneimitteln und lokal wirksamen Magen-Darm-Präparaten.
Schwangerschaft und Stillzeit
Thomapyrin darf während der ersten 6 Monate der Schwangerschaft nur auf ausdrückliche ärztliche Anweisung eingenommen werden. Im letzten Schwangerschaftsdrittel darf Thomapyrin nicht eingenommen werden, da ein erhöhtes Risiko von Komplikationen für Mutter und Kind besteht. Während der Einnahme von Thomapyrin soll daher nicht gestillt werden.
Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen sind Nervosität, Schwindel, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Übelkeit. Gelegentliche Nebenwirkungen sind Hautstörungen und Herzklopfen. Seltene Nebenwirkungen sind beschleunigte Herzschlagfolge, Entzündung der Speiseröhre, Durchfall, Unruhe, Müdigkeit, Zittern, Schwitzen und Drehschwindel.
Paracetamol: Ein häufig verwendetes Schmerzmittel
Paracetamol ist ein pharmazeutischer Arzneiwirkstoff, der zur Gruppe der nicht-opioiden Analgetika gehört. Er wirkt schmerzlindernd (analgetisch) und fiebersenkend (antipyretisch) und ist in vielen rezeptfreien Präparaten in der Apotheke erhältlich.
Anwendungsgebiete
Paracetamol wird bei leichten bis mittelstarken Schmerzen eingesetzt, etwa bei Kopfschmerzen, Migräne, Zahnschmerzen oder Regelschmerzen. Darüber hinaus wird Paracetamol aufgrund seiner fiebersenkenden Wirkung auch in Medikamenten zur Behandlung von Erkältungen verwendet.
Wirkungsweise
Die genaue Wirkungsweise des nicht-opioiden Schmerzmittels Paracetamol ist bis heute noch nicht ganz geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass auch Paracetamol, genau wie Acetylsalicylsäure und Ibuprofen, auf die Cyclooxygenasen-Enzyme (COX-1 und COX-2) wirkt.
Wichtige Hinweise
Patienten, die bereits allergisch auf den Wirkstoff reagierten, sollte keine Präparate zur Behandlung einnehmen. Es gibt keine Studien, die bestätigen, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft unerwünschte, schädigende Nebenwirkungen für das ungeborene Kind zu Folge hat. Dennoch ist zu beachten, dass der Wirkstoff in den Blutkreislauf der Mutter und damit auch in den des Kindes gelangt. Auch in der Muttermilch kann man Paracetamol in geringen Mengen finden.
Nebenwirkungen
Paracetamol ist bei vorschriftsmäßigem Gebrauch sehr gut verträglich. Ebenso selten kann sich eine Veränderung des Blutbildes zeigen, durch eine geringere Anzahl von Blutplättchen.
Katameniale Epilepsie und hormonelle Einflüsse
In Deutschland leben etwa 400.000 Frauen mit Epilepsie, welche oftmals lebenslang auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen sind. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass Sexualhormone Einfluss auf die neuronale Erregbarkeit und somit auf die Auslösung epileptischer Anfälle haben. Östrogene scheinen dabei anfallsbegünstigend zu wirken, während Progesterone und deren Abkömmlinge eher anfallsmindernd wirken.
Katameniale Epilepsie
Auch während des menstruellen Zyklus kann, bedingt durch die hormonellen Veränderungen, die Anfallsfrequenz variieren. Man bezeichnet dies als katameniale Epilepsie. Definitionsgemäß ist damit die Verdoppelung der täglichen Anfallsfrequenz in einer bestimmten Zyklusphase in sechs aufeinanderfolgenden Monaten gemeint.
Therapie
Therapeutisch lässt sich nur bedingt eingreifen. Durch die Langzeiteinnahme eines hormonellen Kontrazeptivums (Pille) versucht man den menstruellen Zyklus zu unterdrücken, und die Anfallsfrequenz zu senken. Allerdings ist die Anwendung einer östrogen-haltigen Pille nicht in Kombination mit jedem Antiepileptikum möglich.
Empfängnisverhütung
Das Thema der Empfängnisverhütung spielt bei Frauen mit Epilepsie eine besondere Rolle, da die Auswahl der Verhütungsmethode stets in Abhängigkeit von Wechselwirkungen mit den eingenommenen Antiepileptika getroffen werden sollte. So bewirken stark enzyminduzierende Antiepileptika eine verminderte Sicherheit der klassischen östrogenhaltigen Pille.
Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft sollte bei Frauen mit Epilepsie in besonderer Weise vorbereitet und betreut werden. Die Häufigkeit epileptischer Anfälle ändert sich bei der Hälfte der betroffenen Frauen in der Schwangerschaft nicht. Bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft sollte mit dem betreuenden Neurologen Rücksprache über ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko bedingt durch die antiepileptische Medikation genommen werden.
Menopause
Bei Frauen mit Epilepsie ist dieser Zeitpunkt häufig deutlich vorverlegt, im Mittel sind die Frauen 40 Jahre alt. In der Perimenopause gerät das zyklische Gleichgewicht des anfallssteigernden Östrogens und des anfallsmindernden Progesterons durcheinander, was eine Zunahme der Anfallsaktivität bedingen kann.
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