Körperliche Einschränkungen, wie sie durch Schlaganfall, Querschnittslähmung, Parkinson oder Muskelschwund entstehen, können viele vormals selbstverständliche Tätigkeiten erschweren oder unmöglich machen. Da die Ausprägungen der Behinderungen sehr unterschiedlich sind, gibt es selten Standardlösungen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von technischen Hilfsmitteln, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Parkinson zugeschnitten sind und ihnen helfen, ihre Unabhängigkeit und Lebensqualität zu erhalten. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Arten von Tastaturen und Zubehör, die für Menschen mit Parkinson geeignet sind, sowie innovative Technologien, die die Bedienung von Computern und anderen Geräten erleichtern.
Spezielle Tastaturen für unterschiedliche Bedürfnisse
Kompakttastaturen für eingeschränkte Handbeweglichkeit
Für Menschen, die noch eine Hand bewegen können, aber Schwierigkeiten beim Tippen auf einer herkömmlichen Tastatur haben, gibt es spezielle Kompakttastaturen. Diese Tastaturen reduzieren die Anzahl der Tasten erheblich, indem sie mehrere Zeichen auf einer Taste kombinieren. Durch eine ergonomische Anordnung und spezielle Lernsoftware können Betroffene innerhalb weniger Wochen umlernen und letztendlich die gleiche Anzahl von Anschlägen wie nicht-behinderte Menschen erreichen.
Einhandtastaturen und alternative Eingabegeräte
Für Menschen mit schwereren Behinderungen, die beispielsweise nur noch einen Finger oder die Lippen bewegen können, gibt es alternative Eingabegeräte. Diese Geräte erfordern eine Restmotorik für Vorwärts-/Rückwärts- und Rechts-/Links-Bewegungen. Der Benutzer steuert einen Leuchtpunkt auf einer kleinen Oberfläche in vier Richtungen und verzweigt von dort in weitere Unterebenen. Der Tastenkontakt für den entsprechenden Buchstaben wird durch Loslassen des Steuergeräts ausgelöst.
Computerzubehör für Senioren mit motorischen Einschränkungen
Auch für Senioren mit motorischen Störungen, wie sie bei Morbus Parkinson auftreten können, gibt es geeignete Tastaturen und Zubehör.
Großtasten-Tastaturen
Großtasten-Tastaturen verfügen über Tasten, die mindestens 2 x 2 cm groß sind. Dies erleichtert das Treffen der Tasten auch bei zittrigen Bewegungen. Um die Gesamtgröße der Tastatur nicht zu erhöhen, wird oft auf selten verwendete Tasten wie den Nummernblock und die F-Tasten verzichtet. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Großtasten-Tastaturen nicht für Schnellschreiber geeignet sind.
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Trackball-Mäuse
Für Senioren mit zittrigen Händen kann die Bedienung einer normalen Maus sehr schwierig sein, da der Cursor ständig hin und her springt. Trackball-Mäuse bieten hier eine gute Alternative. Bei diesen Mäusen liegt der Unterarm und das Handgelenk fast vollständig auf dem Tisch auf, während die Bewegung des Mauszeigers über eine integrierte Kugel gesteuert wird. Es wird empfohlen, eine Trackball-Maus mit seitlicher Kugel zu wählen, da die Bedienung mit dem Daumen oft einfacher ist als mit dem Zeigefinger.
Handballenauflagen
Handballenauflagen, die mit Gel oder natürlichen Materialien gefüllt sind, sorgen für eine ergonomisch korrekte Handhaltung und entlasten die Handgelenke. Diese Auflagen sind sowohl für Tastaturen als auch für Mäuse erhältlich und können dazu beitragen, Ermüdungserscheinungen vorzubeugen.
Blaulichtfilterbrillen
Die Bildschirme von Computern und anderen elektronischen Geräten strahlen blaues Licht aus, das bei längerer Nutzung zu Übermüdung, Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall sogar zu Schädigungen der Netzhaut führen kann. Blaulichtfilterbrillen können helfen, den schädlichen Blaulichtanteil zu reduzieren und die Augen zu entlasten. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Brille den schädlichen Blauanteil von 380 bis 450 nm vollständig abschirmt.
Steady Mouse 2: Software zur Stabilisierung des Mauszeigers
Die Software Steady Mouse 2 wurde speziell entwickelt, um zitternde Hände bei der Bedienung eines Computers auszugleichen. Die Software reduziert die Bewegungen des Mauszeigers, verhindert unbeabsichtigte Klicks und schlägt automatisch Symbole in der Nähe vor, die der Benutzer auswählen möchte. Die Stärke des Zitter-Filters lässt sich anpassen, wobei jedoch zu beachten ist, dass ein stärkerer Filter auch zu einer langsameren und verzögerten Mausbewegung führen kann. Um unbeabsichtigte Klicks zu verhindern, haben die Entwickler ein Ampel-System entworfen, bei dem ein kurzer oder zu langer Klick auf die Maustaste ignoriert wird.
MAMEM: Steuerung von Software durch Augenbewegungen und Gedanken
Das Projekt MAMEM (Multimedia Authoring and Management using your Eyes and Mind) zielt darauf ab, Menschen mit schweren motorischen Einschränkungen die Bedienung von Software durch Augenbewegungen und Gedanken zu ermöglichen. Die Projektpartner entwickeln Technologien, um Signale von Eye-Trackern, EEG-Geräten oder Biosensoren zu verarbeiten und in Steuerungen zu übersetzen. Diese multimodale Interaktion umfasst einfache Befehle wie Mausbewegungen, mittelkomplexe Befehle wie das Klicken einer Box und komplexe Interaktionen wie die Auswahl von Optionen.
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OnCue: Intelligente Tastatur mit therapeutischen Signalen
Die intelligente Tastatur OnCue wurde speziell für Menschen mit Parkinson entwickelt. Sie kombiniert haptische und visuelle Signale, um die Symptome der Krankheit auszugleichen. OnCue sendet bei jedem Tastendruck sanfte Vibrationen über die Tastatur und Armbänder, wodurch Benutzer einen gleichmäßigen Tipprhythmus beibehalten und die Tasten besser spüren können. Wenn eine Taste zu lange gedrückt wird, wird die Vibration langsam intensiver, um Benutzer dazu aufzufordern, die Taste loszulassen und mit der nächsten Taste fortzufahren. Mithilfe von KI sagt OnCue die nächsten Buchstaben voraus und lässt sie auf der Tastatur aufleuchten, wodurch visuelle Hinweise gegeben werden, um Fehler und Zögern zu vermeiden.
Weitere Hilfsmittel und Ressourcen
Neben den genannten Produkten und Technologien gibt es eine Vielzahl weiterer Hilfsmittel und Ressourcen für Menschen mit Parkinson. Dazu gehören:
- Ergotherapeuten: Ergotherapeuten können bei der Auswahl und Anpassung von Hilfsmitteln beraten und individuelle Trainingsprogramme entwickeln.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein und wertvolle Informationen liefern.
- Fachliteratur und Online-Ressourcen: Es gibt eine Vielzahl von Büchern, Artikeln und Websites, die Informationen und Tipps zum Leben mit Parkinson bieten.
Fazit
Die hier vorgestellten Tastaturen, Zubehör und Technologien zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, Menschen mit Parkinson die Bedienung von Computern und anderen Geräten zu erleichtern und ihnen so mehr Unabhängigkeit und Lebensqualität zu ermöglichen. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Betroffenen zu berücksichtigen und die am besten geeigneten Hilfsmittel auszuwählen. Durch die Kombination von Technologie, Ergotherapie und Selbsthilfe können Menschen mit Parkinson aktiv am digitalen Leben teilnehmen und ihre Fähigkeiten optimal nutzen.
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