Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die weltweit Millionen Menschen betrifft. Charakteristisch für diese Krankheit sind Bewegungsstörungen, die den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Eines der besonders belastenden Symptome ist das sogenannte „Freezing of Gait“ (FOG), bei dem die Betroffenen das Gefühl haben, ihre Füße seien am Boden festgeklebt. In solchen Momenten kann ein Gehstock, insbesondere ein speziell entwickelter Anti-Freezing-Stock, eine wertvolle Hilfe sein. Dieser Artikel beleuchtet die Notwendigkeit des Gehens mit einem Stock bei Parkinson, die Ursachen und Auswirkungen der Gangstörungen sowie verschiedene Hilfsmittel und Therapieansätze.
Parkinson: Eine Einführung
Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit. Aktuell sind über 6 Millionen Menschen betroffen. Die Krankheit beginnt meistens ab dem 50. Lebensjahr und ist nach aktuellem Stand nicht heilbar. Parkinson ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie führt zu langsamer und weniger körperlicher Bewegung, Steifheit der Muskeln, Zittern der Hände und Füße und zu Störungen der Halte- und Stellreflexe des Körpers.
Ursachen und Symptome
Die genauen Ursachen für Parkinson sind noch weitgehend unbekannt. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass die Ursache eine Kombination aus Umweltfaktoren und Genetik ist. Genetische Ursachen lassen sich bei etwa zehn bis 15 Prozent aller Parkinson-Fälle nachweisen. Die Erkrankung beginnt oft entweder im Darm oder im Riechnerv.
Die Symptome der Parkinson-Krankheit können sich je nach Alter, Geschlecht, Umweltfaktoren und genetischer Veranlagung unterscheiden. Deshalb hat sich das Verständnis der Krankheit in den letzten Jahren stark verändert. Es wird von einem neuen Bild der Parkinson-Krankheit gesprochen.
Gangstörungen und Freezing of Gait
Gangstörungen machen fast allen Parkinsonpatient*innen zu schaffen. Eines der gravierendsten Probleme ist das sogenannte „Freezing of Gait“ (FOG), bei dem die Füße am Boden festzukleben scheinen und der nächste Schritt einfach nicht gelingen will. Besonders gravierend kann dies im öffentlichen Raum sein, etwa wenn an einem Zebrastreifen die Autos anhalten und die Betroffenen dennoch nicht die Straße überqueren können. Oder beim Einsteigen in den Bus.
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Wenn Parkinson-Patientinnen lange genug leben, kommen sie an diesem Problem nicht vorbei. Es gibt Erhebungen, dass in einem frühen Krankheitsstadium etwa ein Drittel der Patientinnen darunter leidet. Später sind es schon 80 Prozent. Manche sind dann allerdings nicht mehr mobil genug, um es wahrzunehmen.
Wir Menschen brauchen Dopamin, um Bewegungen zu initiieren, und beim Parkinson fehlt dieses Dopamin. Daher kommt es in der Regel zu einer Verlangsamung von Bewegungen oder zu Schwierigkeiten, Bewegungen zu starten. Die Bewegungen, z.B. die Schritte, werden kleiner, aber nicht gleichmäßig, sondern es gibt ein Dekrement, das heißt die Amplitude der Bewegung wird kleiner. Dadurch geraten die Patient*innen z.B. ins Trippeln. Viele versuchen, das zu überwinden, indem sie plötzlich noch schneller werden. Fachsprachlich nennt man das Festination.
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse
Düsseldorfer Neurowissenschaftler haben zusammen mit Forschern der Universitäten Konstanz und Aarhus ein Störsignal in der Gehirnaktivität von Parkinsonpatienten identifiziert, das für das Freezing mitverantwortlich sein könnte. Die Forscher nutzten die Möglichkeit, die Aktivität der Basalganglien abzuleiten. Diese tiefen Hirnstrukturen sind bei Parkinsonpatienten verändert.
Das Forscherteam konnte zeigen, dass Fahrrad fahren im Vergleich zum Gehen mit einer deutlicheren Unterdrückung pathologischer Signale in einem breiten Frequenzbereich, dem beta-Band zwischen 13-35 Hz, einhergeht. Parkinsonpatienten mit Freezing zeigen zwar ein ähnliches Muster wie die Patienten ohne dieses Symptom, aber zusätzlich ein Störsignal um 18 Hz. Die Forscher vermuten, dass dies neurophysiologisch zur parkinsontypischen Anfälligkeit für das „Einfrieren“ gehört.
Die Rolle des Gehstocks bei Parkinson
Ein Gehstock kann aus verschiedenen Gründen für Menschen mit Parkinson notwendig und hilfreich sein:
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Unterstützung der Balance und Stabilität
Parkinson führt oft zu Gleichgewichtsstörungen, was wiederum zu Stürzen führen kann. Je nach Situation und Umfeld können diese Stürze sehr schmerzhaft und gefährlich sein. Ein Gehstock bietet zusätzliche Stabilität und hilft, das Gleichgewicht zu halten, wodurch das Risiko von Stürzen reduziert wird.
Überwindung von Bewegungsblockaden
Bei plötzlich auftretenden Bewegungsblockaden helfen Parkinsonerkrankten äußere Reize. Durch ein Hindernis, welches überwunden werden muss, kann sich die Blockade lösen. Dabei hilft der von uns selbst entwickelte Anti-Freezing-Stock.
Anti-Freezing-Stöcke: Technologie im Dienste der Mobilität
Der Hilfsmittel-Hersteller Ossenberg hat einen neuen Gehstock für Parkinsonpatienten entwickelt, bei dem ein Laserpointer integriert ist. Sobald der Gehstock mit etwas Druck auf den Boden aufgesetzt wird, schaltet sich der Laserpointer ein und projiziert eine Linie auf den Boden. Dieser Komfort hat allerdings seinen Preis, die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 395 Euro für den Gehstock mit Laserpointer. Laut Hersteller ist eine Hilfsmittelnummer beantragt, mit der dann zukünftig die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ermöglicht werden kann.
Nach dem gleichen Prinzip funktioniert der Anti-Freezing-Stepper. Der Rollator ist zwischen seinen Rädern mit Metallplatten, sogenannten Paddeln ausgestattet. Auf diese kann getreten werden, wenn das Freezing einsetzt. Gleich mehrere hilfreiche Stimuli bietet der Rollz Motion Rhythm Rollator. Ähnlich wie die Schranke des Anti-Freezing-Stocks projiziert der Rollator eine Laserlinie auf den Boden, welche überquert werden soll. Zusätzlich arbeitet der Rollator mit Tönen und Vibrationen der Griffe, um ein Gehtempo zu bestimmen.
Cues (Hinweisreize)
Wir arbeiten mit sogenannten Cues, also Hinweisreizen, durch die das Gehirn nicht so viel Dopamin braucht. Wenn Sie einen Taktgeber haben, ist es leichter, das Freezing zu überwinden. Dazu finden wir zunächst heraus, welche Cues für die jeweiligen Patientinnen geeignet sind. Bei dem einen kann es ein Ausdruck sein, den er sich sagt. Bei einer anderen ist es vielleicht ein Schnippser mit den Fingern. Viele sind da sehr kreativ, werfen zum Beispiel einen Ast auf den Boden, um dann darüber zu steigen. Freezer haben typischerweise keine Schwierigkeiten, Treppen zu steigen oder teilweise sogar Fahrrad zu fahren, weil die Stufen oder die Pedale als Hinweisreize dienen. Ein Video in der New York Times zeigt einen Patienten auf dem Fahrrad, der zu Fuß nicht von der Stelle kommt. Auch Musik kann helfen, z.B. Marschmusik. Oder Metronome, allerdings nur, wenn die Patientinnen sie nicht ständig hören, weil sie sie dann nicht mehr richtig wahrnehmen. Zusätzlich gibt es einen speziell für Parkinsonkranke konzipierten Stock mit einem Griff, der auf Knöchelebene mit einer Lasche verbunden ist. Zieht man daran, geht diese Lasche - meistens aus rotem Plastik - nach unten und man kann darübersteigen. Die High-End-Version ist ein Stock mit einem Laser, der sozusagen einen Strich auf den Boden malt, über den man dann steigen kann.
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Dopamin ist wie ein Verstärker. Wenn Sie eine Handlung initiieren möchten, brauchen Sie diesen Verstärker. Wenn jemand zu Ihnen sagt: „Jetzt geht es los“, kompensiert dieser Hinweisreiz den Mangel an Dopamin.
Weitere Hilfsmittel und Anpassungen für den Alltag
Es gibt eine Vielzahl an verschiedensten Hilfsmittel, welche den Alltag von Parkinsonerkrankten erleichtern können. Da Jeder individuelle Bedürfnisse hat, je nachdem, wo Er oder Sie lebt, empfehlen wir Ihnen eine ausführliche Wohnumfeldberatung. Ein:e ausgebildete:r Mitarbeiter:in kommt zu Ihnen nach Hause und begeht gemeinsam mit Ihnen (gerne auch mit Angehörigen) Ihr Zuhause.
- Ergonomisches Besteck: Ergonomisch geformtes Besteck mit rutschfesten, breiten Griffen erleichtert das Greifen und Festhalten des Bestecks. Durch das schwere Gewicht lässt sich das Besteck besser kontrollieren. Bei Gabeln und Löffeln kann die Klinge nach rechts oder links gedreht werden. Ein weiteres sinnvolles Hilfsmittel für Mahlzeiten ist der Tremor-Löffelaufsatz. Das flexible und geschmacksneutrale Material fungiert wie ein erhöhter Rand.
- Schlüsselhilfe: Eine Schlüsselhilfe kann dem Betroffenen beim Öffnen von Türen helfen. Durch das einfache physikalische Hebelprinzip benötigt man weniger Kraft. Der Schlüssel steckt fest in der Hilfe und kann nicht verloren gehen.
- Trick-Geschirr: Das Trick-Geschirr versteckt seine Hilfen unsichtbar im Design. Das Funktionsgeschirr bietet dem Anwender verschiedene Unterstützungen an.
- Anpassung des Wohnraums: Bodenwellen und Türschwellen können zum Hindernis werden und Stürze verursachen. Im Treppenhaus helfen farbige Markierungen an den Vorderkanten der einzelnen Stufen bei der Orientierung. Zum Waschen und Zähneputzen, Rasieren und bei der Gesichtspflege steht man normalerweise vor dem Waschbecken. Diese Tätigkeiten können vielen Menschen im Sitzen evtl. leichter fallen. Dafür muss die Höhe des Waschbeckens und des Spiegels höhenverstellbar sein. wasserfeste Sitzmöbel/Duschhocker Duschen oder baden sollten wegen der verstärkten Schweiß- und Fettabsonderungen der Haut möglichst täglich vorgenommen werden.
- Bewusste Bewegungsstrategien: Betroffene sollten auf den Stuhl zugehen und sich bewusst umdrehen, bis die Kniekehlen die Sitzkante berühren. Den Oberkörper dann nach vorn neigen, die Knie beugen und hinsetzen. Beim Aufstehen zuerst bewusst den Oberkörper beugen, mit Schwung nach vorne und diesen Schwung zum Aufstehen nutzen. Da Betroffene leicht schwitzen, neigen sie dazu, sich nicht warm genug anzuziehen. Deshalb sollten sie genau auf das Wetter achten und immer eine Jacke und einen Schal bzw. Mit einem langen Schuhlöffel lassen sich Slipper meist bequem anziehen.
Therapie und Bewegung
Medikamente können den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen - man spricht von einer sogenannten Dopaminersatztherapie. In Kombination mit aktivierenden Therapien, wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie, können viele Symptome der Erkrankung positiv beeinflusst werden. Im Krankheitsverlauf können intensivierte Therapien wie die Tiefe Hirnstimulation oder spezielle Pumpen-Infusionsverfahren angewendet werden. Durch die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten lassen sich die Symptome oft deutlich lindern.
Bewegungstherapie
Regelmäßige Bewegung kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Sie hilft, Beweglichkeit, Koordination und Kraft zu erhalten. Besonders gut geeignete Sportarten für Menschen mit Parkinson sind Wandern, Schwimmen und Gymnastik, aber auch Tanzen oder Ping Pong spielen.
Studien zeigen: Wer mit Parkinson regelmäßig in Bewegung bleibt, verlangsamt den Verlauf der Erkrankung. Sport und Aktivität wirken sich direkt auf das Gehirn aus, da sie die Dopaminproduktion anregen - das kann motorische Symptome lindern.
Münchner Anti-Freezing-Training (MAFT)
Die Idee dazu entstand schon 2008 hier an der Schwabinger Schön Klinik. Es wurde in einem berufsgruppenübergreifenden Team konzipiert. Zunächst hat man sich damit beschäftigt, wie man es überhaupt messen kann. Eine erste Studie dazu wurde 2014 veröffentlicht. Aktuell hat es einen festen Stellenwert im Parkinson Netzwerk Therapie (PaNTher), unserem physiotherapeutischen Trainingsprogramm.
In unserer Studie haben wir zwei Gruppen verglichen: in der einen wurden die Patient*innen erstmal nur über das Phänomen Freezing aufgeklärt, die andere Gruppe erhielt das Training. Interessanterweise hat allein die Information über Freezing schon zu einer Verbesserung geführt. Die Intervention hatte aber einen um einiges stärkeren Effekt, den wir anhand von Videos messen konnten.
Zunächst evaluieren wir, welche Art von Freezing vorliegt und versuchen, die typischen Auslösesituationen zu provozieren. Anschließend verinnerlichen die Patientinnen die Schritte, wie sie über das Freezing hinwegkommen. Das Training selbst ist hoch repetitiv - aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Wenn das Problem zum Beispiel das Drehen vor dem Hinsetzen auf einen Stuhl ist, kann man statt gerade tangentiell auf den Stuhl zugehen. Dann muss man am Stuhl keine volle Drehung mehr durchführen. Für Patientinnen, die an Türen Probleme haben, kann es hilfreich sein, durch die Tür in den nächsten Raum hineinzuschauen. Entsteht ein Freezing beim Verlassen eines Aufzugs sollte man nicht auf den Türmechanismus achten, sondern auf den Raum dahinter und einfach durchgehen. Weil Freezing häufig entsteht, wenn die Patient*innen abgelenkt sind, steigern wir während des Trainings die mentalen Ansprüche. Wir stressen sie dadurch, dass wir sie währenddessen zählen oder etwa beim Wenden die Wochentage aufzählen lassen.
Neurologinnen können ein Rezept für Krankengymnastik ZNS ausstellen - für zehnmal jeweils 30 Minuten, zwei- bis dreimal pro Woche. Wir haben Physiotherapeutinnen in München geschult und gehen dazu auch in die Praxen. Bei der AOK versicherte Münchner Patientinnen, können am Modellvorhaben PaNTher teilnehmen. Auch andere physiotherapeutische Module sind bei Parkinson sinnvoll. Leider haben aber viele niedergelassene Kolleginnen Angst vor Regressforderungen der Krankenkassen und verschreiben aktivierende Therapien daher sehr sparsam. Dabei fordern die Leitlinien für alle Patient*innen mit Diagnosestellung Zugang zu ausreichender Physiotherapie. Wenn man weiß, wie man verordnet und es richtig dokumentiert, muss niemand Angst vor Regressforderungen haben.
Tischtennis als Therapie
„Einer kann sich nicht mehr bücken, ein anderer humpelt, mancher redet verlangsamt. Das bringt die Krankheit mit sich“, sagt Andreas Heffner. Er leitet beim TTV Wimmelburg in Sachsen-Anhalt seit September einmal wöchentlich das Training der Tischtennisgruppe mit sieben Parkinson-Patientinnen und -Patienten. Zum zweistündigen Programm gehören Aufwärmen, Gymnastik, gezieltes Üben von einzelnen Elementen wie zum Beispiel Aufschlägen, unterbrochen von Pausen, in denen man sich unterhält.
Im Mittelpunkt steht das Spielen gegen wechselnde Partner, hauptsächlich Einzel. Heffner ist erstaunt über die Effekte nach kurzer Zeit. „Alle sind beweglicher geworden. Einer zitterte deutlich und kam zur ersten Stunde mit dem Stock. Den braucht er heute nicht mehr“, sagt Heffner und fügt hinzu: „Vor allem ist die Stimmung viel besser geworden.“
Das bestätigt Michael Hohaus, einer von drei Parkinson-Patienten, die seit mehr als einem Jahr in der 20 Mitglieder zählenden Hobbytruppe des TuS Celle spielen. Der 55-Jährige macht alle Übungen mit und spielt im Doppel zusammen mit Gesunden um Punkte. Dass für Parkinson typische Zittern der Hände hat er durch Medikamente unter Kontrolle, dennoch ist Hohaus durch sein Handicap beim Tischtennis oft auf der Verliererstraße.
„Mir macht eine Niederlage nichts aus, aber ich freue mich riesig, wenn ich mal gewinne“, sagt der Diplom-Informatiker, der seine Stelle als EDV-Projektmanager aufgeben musste und heute von einer Erwerbsminderungsrente lebt. Er betont die positiven Aspekte des regelmäßigen Trainings: Die Schulung der Koordination von Auge und Hand, eine größere Standsicherheit durch das Hin- und Herspringen hinter der Platte sowie das Aufheben der Bälle vom Boden. „Ich bewege mich dadurch flüssiger, das bestätigen mir meine Frau sowie meine Physiotherapeutin und mein Arzt. Außerdem ist die Laune nach dem Tischtennis deutlich aufgehellt, gerade im trüben Winter, wenn sich leicht depressive Phasen bemerkbar machen“, sagt Hohaus.
Agnes Langer ist Fachärztin für Neurologie am Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Sie beschreibt aus langjähriger Erfahrung mit Parkinson-Patientinnen und -Patienten, was deren Lebensqualität am stärksten beeinträchtigt - neben den Geh- und Gleichgewichtsstörungen sind es vor allem nicht-motorische Symptome wie Depression, Angst, Schlafstörungen und Müdigkeit. Für sie ist klar, dass Medikamente nur bis zu einem gewissen Grad Beschwerden lindern können und Tabletten alleine nicht ausreichen. „Sie haben eine Bewegungskrankheit, also brauchen Sie eine Bewegungstherapie. Alles, was Spaß bereitet und regelmäßig gemacht wird, ist sinnvoll“, lautet ihr Rat an Betroffene.
Während eines Online-Kongresses stellte Langer kürzlich ihre Erfahrungen mit Klettern und Boxen für Menschen mit Parkinson vor. Über zwölf Wochen nahmen 23 von Parkinson Betroffene einmal wöchentlich 90 Minuten an einem Klettertraining unter Anleitung teil. Dabei arbeiteten immer zwei Personen zusammen - einer klettert, der andere sichert. Am Ende des Kurses wurde die Gruppe mit einer Kontrollgruppe verglichen, die im selben Zeitraum Übungen zu Hause durchführte, ohne zu klettern. Ergebnis: Die Kletternden waren beweglicher, standen gerader, konnten schneller und flüssiger gehen, fühlten sich weniger erschöpft und sprachen von einem besseren körperlichen Wohlbefinden.
Zum Thema Boxen hat Langer sieben Studien ausgewertet. Darin wird Boxen als gutes Ganzkörpertraining bewertet, bei dem im Vergleich zu Kontrollgruppen nach dem Ende des Kurses von einer besseren Beweglichkeit, schnellerem Gehen und insgesamt größerer Mobilität gesprochen wird - aufstehen, balancieren, umdrehen und hinsetzen gelingen sicherer und schneller. Boxen bietet laut Langer gegenüber anderen Sportarten für eine bestimmte Gruppe Vorteile: „Das spricht Menschen an, die schon immer sehr aktiv und sportlich waren und sich nicht gerne als Patienten sehen. Sie sind an einem Training interessiert, bei dem gleichzeitig Kraft, Geschicklichkeit und Koordination trainiert wird.“
Umgang mit der Diagnose und Lebensqualität
Lebensqualität ist eine Frage der persönlichen Einstellung. Nicht die Diagnose „Parkinson“ allein ist entscheidend, sondern vor allem der Umgang mit der Erkrankung. Betroffene sollten versuchen, weiterhin so zu leben, wie es für sie sinnvoll und angenehm ist und wie es der Verlauf der Erkrankung zulässt. Die beschriebenen Hilfsmittel bei Parkinson können die alltäglichen Aktivitäten zusätzlich unterstützen.
Um das Leben mit Parkinson wieder ins Gleichgewicht zu bringen, müssen Betroffene vielfach umdenken und manche Dinge und Ziele anders als bisher angehen. Es gilt zu lernen und zu üben, um trotz einer teilweise eingeschränkten Beweglichkeit möglichst viele Verrichtungen des täglichen Lebens selbst zu tun und so die Lebensqualität zu erhalten.
Weitere Aspekte
- Schlafstörungen: Achten Sie auf eine passende Temperatur im Schlafzimmer. Können Sie trotzdem schlecht ein- oder durchschlafen oder leiden Sie an Albträumen? Haben Sie nachts oder in den frühen Morgenstunden vermehrt Schmerzen oder bemerken Sie eine große Morgensteifigkeit? Bitte sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Neurologen!
- Stress: Stress verstärkt Freezing.