Die Diagnose und Behandlung von Gehirntumoren ist ein komplexer Prozess, der ein hohes Maß an Fachwissen und Erfahrung erfordert. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte von Gehirntumoren, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den Diagnoseverfahren und Behandlungsoptionen.
Einführung
Gehirntumore sind Geschwülste, die sich innerhalb des Schädels aus verschiedenen Bestandteilen des Gehirns entwickeln können. Da Tumore aus unterschiedlichen Gewebetypen und an unterschiedlichen Stellen des Gehirns entstehen können, gibt es auch verschiedene Arten von Gehirntumoren mit vielfältigen Symptomen, unterschiedlichen Verläufen und Prognosen.
Was ist ein Hirntumor?
Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des Gehirns. Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, die von unterschiedlichen Zelltypen ausgehen. Sie können gutartig oder bösartig sein. Zusammen mit Tumoren in Rückenmark, Hirn- und Rückenmarkshäuten und Hirnnerven sprechen Experten auch von Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS).
Gutartige und bösartige Hirntumoren
Aus den verschiedenen Gewebetypen können gutartige und bösartige Hirntumoren entstehen. Bösartige Hirntumoren wachsen im Vergleich zu den gutartigen Tumoren in umliegendes Gewebe. Das macht es meist unmöglich, sie vollständig zu entfernen. Beispiele für bösartige Tumoren des zentralen Nervensystems:
- Glioblastom
- Diffuses Astrozytom
- Diffuses Oligodendrogliom
- Medulloblastom
Auch bösartige Tumoren des Lymphsystems (maligne Lymphome) können im Gehirn auftreten.
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Gutartige Hirntumoren können durch ihr Wachstum ebenfalls Beschwerden verursachen. Sie wachsen aber gut begrenzt und können meist vollständig entfernt werden. Beispiele für gutartige Tumoren des zentralen Nervensystems:
- Meningeom
- Neurinom/Schwannom
- Pilozytisches Astrozytom
Hypophysen-Adenome sind ebenfalls häufige gutartige Tumoren im Bereich der Hirnanhangdrüse. Sie werden formal nicht den Tumoren des zentralen Nervensystems, sondern den Tumoren des Hormonsystems zugeordnet (endokrine Tumoren).
Einteilung von Hirntumoren nach Eigenschaften
Hirntumoren unterscheiden sich:
- in ihrem Ursprungs-Zelltyp: Am häufigsten gehen Hirntumoren von Stützzellen des Gehirns, sogenannten Gliazellen, aus. Mediziner bezeichnen solche Tumoren als Gliome.
- in ihren genetischen Veränderungen (Mutationen): Diese sind für Ärzte oft entscheidend, um den Krankheitsverlauf einzuschätzen und die Therapie zu planen. Bei Gliomen sind das zum Beispiel Veränderungen im sogenannten IDH-Gen.
- in ihrem Wachstumsverhalten und ihrer Prognose: Wie schnell (aggressiv) ein Hirntumor wächst und wie das den wahrscheinlichen Krankheitsverlauf beeinflusst, beschreiben Experten mit dem sogenannten ZNS-WHO-Grad von 1 (langsam und örtlich begrenzt wachsender Tumor) bis 4 (schnell und aggressiv wachsender Tumor).
Wenn Ärzte von "Metastasen" im Gehirn sprechen, handelt es sich nicht um einen primären Hirntumor. Denn Hirnmetastasen gehen von einem Tumor aus, der sich außerhalb des Gehirns entwickelt hat. Fachleute bezeichnen sie daher auch als sekundäre Hirntumoren. Metastasen im Gehirn werden in der Regel anders behandelt als primäre Hirntumore.
Häufigkeit von Gehirntumoren
In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 7.300 Menschen an einer bösartigen Krebserkrankung des Zentralen Nervensystems. Männer erkranken im Mittel mit 63 Jahren, Frauen im Mittel mit 66 Jahren. ZNS-Tumoren können jedoch in jedem Lebensalter auftreten. Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen sind Gehirntumore aber eher selten und machen nur ca. 2-4% aller Tumore aus.
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Abgegrenzt werden von den Gehirntumoren sog. Tochtergeschwülste (=Metastasen), die als Folge eines anderen Tumors (z.B. Bronialkarzinom, Brustkrebs, Nierenkrebs, maligne Melanom) entstehen können.
Ursachen und Risikofaktoren
Bisher sind die Ursachen für die Entstehung verschiedener Hirntumoren weitgehend unklar. Trotz umfangreicher Forschung ist bisher auch nur wenig darüber bekannt, was Hirntumoren begünstigt. Die bisher bekannten Risikofaktoren finden sich nur bei wenigen Erkrankten in der Vorgeschichte. Experten vermuten daher, dass Hirntumoren überwiegend zufällig entstehen, aufgrund von Fehlern bei der Zellteilung einzelner Zellen im Gehirn.
Das Risiko für Hirntumoren steigt:
- bei bestimmten genetischen Krankheitsbildern: Dazu zählen erbliche Tumorsyndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom oder auch Erkrankungen wie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
- bei familiärer Belastung: Die Verwandten ersten Grades von jung erkrankten Patienten haben ein leicht erhöhtes Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken.
- bei therapeutischer Bestrahlung: Bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die eine Bestrahlung des Schädels oder im Kopf-Hals-Bereich erhalten haben, ist das Risiko für einen Hirntumor erhöht. Die Hirntumoren treten meist aber erst viele Jahre nach der Bestrahlung auf.
- bei einer Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
Es ist bisher unklar, ob eine Infektion mit bestimmten Viren, schädigende Substanzen, Rauchen oder Alkohol das Risiko für Hirntumoren erhöhen. Bisher haben Wissenschaftler keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und der Entstehung von Hirntumoren festgestellt. Auch ob ein langer und häufiger Gebrauch von Mobiltelefonen das Risiko für Gehirntumoren erhöht, ist bisher noch nicht eindeutig belegt.
Symptome von Gehirntumoren
Gehirntumore können an sehr unterschiedlichen Bereichen des Gehirns entstehen und daher auch sehr unterschiedliche Symptome verursachen. Die Beschwerden bei einem Hirntumor hängen vor allem von der Größe und der Lage des Tumors im Gehirn ab.
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Um eine weit verbreitete Vorstellung direkt zu entkräften: Gehirntumore machen zu Beginn nur selten Kopfschmerzen. Kopfschmerzen entstehen sehr viel häufiger durch primäre Kopfschmerzerkrankungen. Wesentlich häufiger hingegen sind epileptische Anfälle oder der selektive Ausfall spezifischer Gehirnfunktionen mit Taubheitsgefühlen, motorischen Ausfällen, Sehstörungen etc.
Hirntumoren können vielfältige Symptome auslösen, die außerdem von der Lage des Tumors abhängig sind. Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit können auch bei anderen harmlosen Erkrankungen vorkommen. Neu auftretende oder sich verändernde Kopfschmerzen sollte man abklären lassen.
Nicht immer verursachen Hirntumore sofort Beschwerden, weswegen sie häufig nicht sofort bemerkt werden. Treten dann doch Symptome auf, können sie sehr unterschiedlich sein, da sie von der Lage des Tumors abhängig sind. Folgende Symptome sind möglich - allein oder in Kombination:
- Kopfschmerzen (besonders stärker werdende und nicht auf Schmerzmittel ansprechende Schmerzen)
- Probleme beim Sehen, Sprechen oder Hören
- Bewusstseins-/Konzentrations-/Koordinationsstörungen
- Epileptische Krampfanfälle (besonders neu auftretende Anfälle)
- Taubheitsgefühl/Lähmung
- Schwindel
- Übelkeit/Erbrechen
- Persönlichkeitsveränderungen (höhere Reizbarkeit, geringere Frustrationsgrenze)
- Hormonale Störungen
Kopfschmerzen können - müssen aber nicht - ein Hinweis auf einen Hirntumor sein. Es gibt auch Tumorerkrankungen im Gehirn, bei denen keine Kopfschmerzen auftreten.
Diagnose von Gehirntumoren
Die Diagnose wird heute überwiegend durch bildgebende Techniken gestellt, also durch Computertomographien, Kernspintomographie, die Kombination aus beiden, seltener auch durch nuklearmedizinische Verfahren wie die Positronenemmissionstomographie. Bei Verdacht auf einen Hirntumor ist die bildgebende Untersuchung der Wahl eine Magnetresonanztomographie (MRT).
Teilweise reichen aber auch alle bildgebende Techniken nicht aus um eine sichere Diagnose zu stellen, die eine rationelle Therapieempfehlung erlaubt. In diesen Fällen muss u. U. eine Probebiopsie entnommen werden, die dann neuropathologisch bzw. histologisch untersucht wird.
Ärztinnen und Ärzten stehen bei einem Verdacht auf einen Gehirntumor unterschiedliche und einander ergänzende diagnostische Verfahren zur Verfügung. Zu Beginn fragt der Arzt oder die Ärztin in der Regel nach Vorerkrankungen, Lebensgewohnheiten und nach dem Auftreten und dem genauen Verlauf von Beschwerden. Fachleute bezeichnen diese Befragung als Anamnese. Nach der Anamnese folgen klinische Untersuchungen, um die Sinneswahrnehmung, die Aufmerksamkeit oder das Gedächtnis des Patienten oder der Patientin zu beurteilen.
Besteht auch nach der MRT ein Tumorverdacht, bekommt die Patientin oder der Patient in der Regel während einer Operation aus dem verdächtigen Bereich im Gehirn Gewebe entnommen (Biopsie). Das ist notwendig, um die Diagnose abzusichern. Nach der Biopsie untersucht eine Fachärztin oder ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen.
Folgende Arten einer Biopsie kommen für Betroffene mit einem Hirntumor in infrage:
- eine gezielte Gewebeentnahme, die sogenannte stereotaktische Biopsie
- eine Entnahme von Tumorgewebe während der Tumoroperation
Die genaue Diagnose Klassifikation des entnommenen Gewebes ist überaus wichtig für das weitere Vorgehen und die Behandlung. Die WHO untergliedert die Tumore beispielsweise danach, aus welchem Gewebe sie entstanden sind. Ist ein Tumor bei der feingeweblichen Untersuchung festgestellt, erfolgt in einem nächsten Schritt die sogenannte Gradierung. Dabei stellt der untersuchende Neuropathologe fest, ob der Tumor gutartig oder in verschiedenen Abstufungen bösartig ist. Je bösartiger der primäre Tumor, je schneller er wächst und je mehr er in das Gehirngewebe hineinwächst (infiltriert), umso schlechter die Prognose für eine Heilung.
Häufige Hirntumoren
Das Gehirn besteht aus verschiedenen Zellarten und Schichten. Theoretisch kann aus den meisten dieser Zellen auch ein Tumor entstehen, einige davon sind allerdings ausgesprochen selten. Im Folgenden werden die häufigen und wichtigen Hirntumoren erläutert. Wichtig ist die Berücksichtigung des Aspektes, dass die Bösartigkeit im Verlauf der Erkrankung zunehmen kann. Daher sind auch bei gutartigen Tumoren regelmäßige Kontrollen sehr wichtig.
Gliome
Gliome sind die häufigsten Gehirntumore und machen über 50% aller Tumore aus. Unter den Gliomen wiederum sind die Astrozytome, die aus den Astrozyten (=sternförmige Stützzellen) entstehen, am häufigsten. Die Astrozytome wiederum werden nach ihrer Gewebebeschaffenheit weiter unterteilt und der oben besprochenen WHO-Graduierung zugeordnet. Eine gutartige Form unter den Astrozytomen ist das sog. Oligodendrogliome entstehen aus den Zellen (den sog. Oligodendrozyten), die die Myelinscheiden mit Nährstoffen versorgen. Diese Tumoren können WHO Grad II oder III entsprechen und daher eine unterschiedliche Prognose haben. Nicht selten verkalken diese Tumoren in ihrem Zentrum.
Meningiome
Meningiome entwickeln sich aus den Gehirnhäuten (den Meningen), die das Gehirn umgeben. Meningiome sind unter den Tumoren des Gehirns relativ häufig und machen 20-30% aller Gehirntumore aus. Meningiome wachsen langsam, teilweise über Jahre, fast immer ‚nur’ verdrängend und sind damit grundsätzlich gutartig. Diese Tumore verursachen dann möglicherweise keine (oder erst sehr spät) Symptome und werden nicht selten nur zufällig entdeckt. Ob eine - und wenn ja welche - Therapie sinnvoll ist, kann nur im Einzelfall unter Abwägung aller Begleitumstände (Alter des Patienten, Begleiterkrankungen etc.) entschieden werden. Therapie der Wahl ist meist die neurochirurgische Entfernung des Meningioms. Gelingt die komplette Entfernung, kann der Patient als geheilt gelten. Sofern eine komplette Entfernung nicht gelingt oder nicht möglich ist, können Meningiome auch erneut wachsen. Regelmäßig Kontrollen sind daher extrem wichtig. In seltenen Fällen können Meningiome auch bösartig werden und müssen dann aggressiver therapiert werden.
Medulloblastome
Medulloblastome sind die häufigsten Gehirntumore des Kindesalters und entstehen aus unreifen Zellen des Kleinhirns. Grundsätzlich müssen Medulloblastome zu den bösartigen Tumoren gerechnet werden, sind heute jedoch bei rechtzeitiger Therapie sehr gut behandelbar.
Neurinome
Neurinome entstehen aus den sog. Schwann-Zellen, sowohl im Gehirn als auch im Bereich des Rückenmarks. Im Gehirn entstehen Neurinome am häufigsten im Bereich des Austrittspunktes des VIII. Hirnnervens und beeinträchtigen dann einseitig das Hörvermögen und verursachen häufig Schwindel. Diese Tumore werden als Akustikusneurinome bezeichnet. Auch Neurinome sind grundsätzlich gutartige Tumore, so dass bei vollständiger Entfernung von einer Heilung gesprochen werden kann.
Hypophysenadenome
Hypophysenadenome sind Geschwülste der Hirnanhangsdrüse, die häufig Hormone produzieren und erst hierdurch Symptome verursachen. Überschreiten diese Tumore eine gewisse Größe, können sie allerdings auch auf den Sehnerv drücken und spezifische Sehstörungen verursachen. Hypophysenadenome werden zu den gutartigen Tumoren gerechnet und können oft gut entfernt werden, teilweise ist aber auch eine spezifische medikamentöse Therapie ausreichend, so dass eine Operation nicht in allen Fällen notwendig ist.
Metastasen
Einige Krebsarten siedeln Tochtergeschwülste bevorzugt in spezifischen Bereichen, insbesondere auch im Gehirn, ab. Dazu gehören das Bronialkarzinom (Lungenkrebs), der Brustkrebs, der Nierenkrebs und das maligne Melanom (bösartiger Hautkrebs). Die therapeutische Strategie hängt hier von der Gesamtprognose, der Zahl der Metastasen im Gehirn und deren Lage ab. Grundsätzlich können Metastasen neurochirurgisch entfernt oder bestrahlt werden.
Therapie und Behandlung von Hirntumoren
Welche Behandlung infrage kommt, unterscheidet sich bei den verschiedenen Formen von Hirntumoren. Abhängig von den genannten Faktoren entfernen Ärzte in der Regel den Hirntumor während einer Operation, soweit dies möglich ist. Liegt ein bösartiger Hirntumor vor, folgt für Betroffene in der Regel eine weitere Behandlung: Meist ist das eine Strahlentherapie, Chemotherapie oder eine Kombination aus beidem. Manche Patientinnen und Patienten können auch eine zielgerichtete Therapie mit Medikamenten erhalten. Das sind Medikamente, die sich gegen bestimmte Eigenschaften der Krebszellen richten.
Abhängig von der Erkrankungssituation kann ein Patient oder eine Patientin auch neue, noch experimentelle Therapien erhalten. Sie können das Fortschreiten der Erkrankung gegebenenfalls bremsen, sind aber noch nicht zugelassen. Experten raten daher, diese Therapien aktuell bevorzugt im Rahmen einer klinischen Studie einzusetzen.
Folgende Therapieoptionen sind die wichtigsten bei Hirntumoren: Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Es können aber auch zielgerichtete Medikamente zum Einsatz kommen oder du kannst an einer klinischen Studie teilnehmen.
Operation
Eine Operation ist meist der erste Behandlungsschritt. Sie hat das Ziel, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine umliegenden Hirnregionen beschädigt werden, damit es nicht zu neurologischen Beeinträchtigungen kommt. Deswegen werden Hirnoperationen nicht immer unter Vollnarkose durchgeführt. So kann während der Operation z. B.
Für die allermeisten Hirntumor-Entitäten konnte allerdings in zahlreichen Studien gezeigt werden, dass eine weitestgehende oder vollständige Entfernung des Tumors entweder zur Heilung oder zumindest zu einer Verlängerung der Lebenserwartung führt. Daneben führt eine Entfernung oder Verkleinerung des Hirntumors zur Verbesserung neurologischer Ausfallserscheinungen und Reduktion von epileptischen Anfällen.
Für ein bestmögliches Operationsergebnis werden neben der operativen Erfahrung ein umfangreiches Spektrum modernster OP-Techniken eingesetzt. Dabei ist die mikrochirurgische Operation unter Zuhilfenahme moderner OP-Mikroskope eine Selbstverständlichkeit.
Eine besondere operative Herausforderung stellen Gliome dar, die als hirneigene Tumore ohne erkennbare Grenze zum gesunden Hirngewebe wachsen. Bei Kontrastmittel-aufnehmenden Gliomen kann das Tumorgewebe selektiv mit der fluoreszierenden Substanz 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) angefärbt und mit Hilfe spezieller Filter unter dem OP-Mikroskop sichtbar gemacht werden. Darüber hinaus verfügt die Neurochirurgische Universitätsklinik Heidelberg über einen intraoperativen Hochfeld-Kernspintomographen (1.5 Tesla Feldstärke), mit dessen Hilfe ein Resttumor intraoperativ sichtbar gemacht und in der gleichen Operation entfernt werden kann. Im Vergleich zu konventionellen OP-Methoden kann das Ausmaß der Tumorentfernung dadurch deutlich erhöht werden. Zusätzlich nutzen wir intraoperativ modernste Technologien wie die Raman-Spektroskopie, die konfokale Lasermikroskopie oder auch die Nanopore-Technolgie. So können wir einerseits das Resektionsausmaß weiter optimieren sowie andererseits bereits intraoperativ eine Diagnose zu erhalten.
Bereits präoperativ können bei unseren Patienten funktionstragende Areale an der Hirnoberfläche (funktionelles MRT) sowie Faserbahnen in der Tiefe des Gehirns (Traktographie) dargestellt und für die OP-Planung berücksichtigt werden. Dies geschieht in wissenschaftlichen Forschungsprojekten unserer Klinik sowie in Kooperation mit den Kollegen der Abteilung für Neuroradiologie. Da die präoperative funktionelle Bildgebung zwar eine gute Näherung, aber keine millimetergenaue Identifikation funktionstragender Areale erlaubt, wird intraoperativ in solchen Fällen stets das elektrophysiologische Neuromonitoring zur Lokalisation und Überwachung der motorischen, sensiblen und Sprachfunktionen eingesetzt (direkte kortikale und subkortikale Stimulation, motorisch/ somatosensorisch evozierte Potentiale, Stimulationssauger). So können neben Gliomen auch Tumore, die in engem Kontakt zu Hirnnerven (z.B. Akustikusneurinome) liegen, unter bestmöglichem Erhalt der neurologischen Funktion entfernt werden.
Bei hirneigenen Tumoren v.a. im Bereich der Motorischen-Zentren und der Sprach-Zentren, kann die Operation auch beim wachen, schmerzfreien Patienten erfolgen, um die entsprechenden Funktionen während der Tumorentfernung zu überwachen und zu erhalten (Wachkraniotomie). Bei diesen Eingriffen steht ein hochspezialisiertes und eingespieltes Team aus erfahrenen Operateuren, Anästhesisten und Pflegekräften zur Verfügung. Außerdem ist die kontinuierliche, d.h. auch nach der Operation sind wir weiter für unsere Patienten da. In regelmäßigen Nachuntersuchungen überprüfen wir das Operationsergebnis. So können wir frühzeitig eine weitere Behandlung planen, falls es im Krankheitsverlauf zu einem erneuten Wachstum des Tumors (Rezidiv) kommen sollte.
Strahlentherapie
Da bei einem Hirntumor nicht wie bei anderen Krebserkrankung großzügig umliegendes Gewebe entfernt werden kann, müssen diese Tumorzellen anderweitig bekämpft werden. Manchmal kann auch nicht alles sichtbare Tumorgewebe aufgrund der Lokalisation im Gehirn entfernt werden. Beides könnte sonst zu neurologischen Beeinträchtigungen führen. Eine Option ist dann die Strahlentherapie.
Die Strahlentherapie ist nach der Operation die zweitwichtigste Therapiemöglichkeit bei Tumoren des ZNS. Die Strahlentherapie ist eine lokale Therapie. Das bedeutet, dass sie zielgenau auf die vom Tumor betroffenen Regionen wirken kann und so weniger Schaden bei gesunden Zellen und somit weniger Nebenwirkungen verursacht. Dabei werden hochenergetische Strahlen eingesetzt, um das Wachstum der Tumorzellen zu hemmen oder sie abzutöten.
Chemotherapie
Bei der Chemotherapie werden Medikamente über den Blutstrom in den Körper eingebracht. Diese Medikamente schädigen schnell wachsende Zellen, also hauptsächlich Tumorzellen.
Unterstützende Behandlung (Supportivtherapie)
Zusätzlich zur Behandlung des Hirntumors erhalten Betroffene auch eine unterstützende Behandlung (Supportivtherapie). Sie lindert oder beugt Beschwerden vor, die durch die Behandlung oder die Krebserkrankung auftreten können. Solche Beschwerden sind beispielsweise:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- epileptische Krampfanfälle
- Hirnschwellung (Hirnödem)
Durch die Behandlung dieser Symptome kann sich die Lebensqualität eines Patienten oder einer Patientin verbessern.
Rehabilitation nach der Therapie eines Hirntumors
Bei Patientinnen und Patienten mit neurologischen Beschwerden prüfen Ärzte bereits frühzeitig, ob und wie diese gebessert werden können. Betroffene und ihre Angehörigen können außerdem eine psychoonkologische Unterstützung in Anspruch nehmen.
Es gibt auch Reha-Kliniken, die von ihren Leistungen her beide Ansätze in sich vereinen und eine neuro-onkologische Reha einschließlich Physiotherapie und Ergotherapie sowie Logopädie, Neuro-Psychologie und physikalischer Therapie anbieten. Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Patienten und Patientinnen stehen bei allen Rehamaßnahmen im Mittelpunkt.
Nachsorge
Nach der Therapie dienen Kontrolluntersuchungen dazu, einen Rückfall der Erkrankung (Rezidiv) und Folgen der Behandlung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Wurde der Hirntumor mit dem Ziel der Heilung behandelt, empfehlen Experten eine strukturierte Nachsorgeuntersuchung. Sie besteht aus Befragung des Patienten (Anamnese) und körperlicher Untersuchung sowie Magnetresonanztomographien (MRT) in regelmäßigen Abständen. Wie häufig Patientinnen und Patienten untersucht werden müssen, ist verschieden: Je größer das Risiko ist, dass der Hirntumor erneut wächst oder neue Beschwerden auftreten, desto engmaschiger erfolgen in der Regel die Kontrollen.
Konnte nicht mit dem Ziel der Heilung behandelt werden? Dann helfen Verlaufskontrollen dabei, das Fortschreiten der Erkrankung im Blick zu behalten. Eine regelmäßige Betreuung stellt zudem sicher, dass belastende Symptome frühzeitig erkannt und gelindert werden können.
Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht. Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten. Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.