Ein Schlaganfall ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die plötzlich auftritt und oft zu langfristigen Funktionseinschränkungen führt. Es handelt sich um eine zeitkritische Erkrankung des Gehirns, die durch eine Schädigung des Hirngewebes aufgrund eines Gefäßverschlusses (ischämischer Insult) oder einer Hirnblutung (hämorrhagischer Insult) verursacht wird. Jedes Jahr erleiden weltweit Millionen Menschen einen Schlaganfall, was die Notwendigkeit unterstreicht, die Anzeichen und Risikofaktoren zu kennen.
Schlaganfall: Eine globale Herausforderung
Jährlich erleiden weltweit 15 Millionen Menschen einen Schlaganfall, von denen 5 Millionen sterben und weitere 5 Millionen dauerhaft eingeschränkt bleiben. In Deutschland werden jährlich etwa 270.000 Schlaganfälle diagnostiziert, was einer Inzidenzrate von 260-270 pro 100.000 Einwohner entspricht. Die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt mit zunehmendem Alter, wobei fast 80 % aller Schlaganfälle auf die Altersgruppe ab 60 Jahre entfallen. Allerdings sind auch rund 30.000 Menschen unter 55 Jahren betroffen, selbst Kinder.
Zwischen 1990 und 2019 gingen die altersstandardisierten Raten der Schlaganfallinzidenz um 17 %, die Mortalität um 36 %, die Prävalenz um 6 % und die DALYs um 36 % zurück. Trotz dieser Rückgänge nimmt die absolute Zahl der Schlaganfälle aufgrund der demografischen Entwicklung und der steigenden Lebenserwartung weltweit zu.
Risikofaktoren für einen Schlaganfall
Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen können. Diese werden in modifizierbare und nicht beeinflussbare Faktoren unterteilt.
Modifizierbare Risikofaktoren
Zu den wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren gehören:
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- Hoher Blutdruck: Der Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle, verantwortlich für 55,5 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs.
- Erhöhter Body-Mass-Index (BMI) bzw. Übergewicht: Trägt zu 24,3 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs bei.
- Diabetes: Verantwortlich für 20,2 % der Schlaganfall-bedingten DALYs.
- Umwelt- bzw. Luftverschmutzung: Trägt zu 20,1 % der Schlaganfall-bedingten DALYs bei.
- Rauchen: Verantwortlich für 17,6 % der Schlaganfall-bedingten DALYs.
- Hoher Salzkonsum: Trägt zu 12,3 % der Schlaganfall-bedingten DALYs bei.
Weitere modifizierbare Risikofaktoren sind Bewegungsmangel, Hyperlipidämie, Vorhofflimmern, Stress, Alkoholkonsum, Arteriosklerose, Karotisstenose, Ovulationshemmer und Polyglobulie. Auch Endometriose wurde als neuer Risikofaktor identifiziert.
Nicht modifizierbare Risikofaktoren
Zu den nicht modifizierbaren Risikofaktoren gehören Alter, Geschlecht und genetische Prädisposition. Frauen haben ein höheres Schlaganfall-Risiko als Männer, und genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Schlaganfallrisikos.
Ursachen und Pathogenese von Schlaganfällen
Schlaganfälle werden in ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle unterteilt. Ischämische Schlaganfälle werden durch eine Minderdurchblutung des Gehirns aufgrund von Stenosen oder Verschlüssen hirnversorgender Arterien verursacht, während hämorrhagische Schlaganfälle durch eine Einblutung in das Hirngewebe infolge eines rupturierten Blutgefäßes verursacht werden.
Ischämische Ursachen
Ischämische Schlaganfälle können durch Makroangiopathie, Mikroangiopathie, kardiale Embolie oder andere Erkrankungen verursacht werden. Bei einer Makroangiopathie sind die großen arteriellen Blutgefäße verengt oder obstruiert, typischerweise durch artherosklerotische Plaques. Bei einer Mikroangiopathie sind kleine arterielle Blutgefäße betroffen. Kardiale Embolien entstehen in der Regel durch Vorhofflimmern.
Hämorrhagische Ursachen
Hämorrhagische Schlaganfälle werden in der Regel durch ein rupturiertes Blutgefäß verursacht, was zu einem intrazerebralen Hämatom führt. Die Subarachnoidalblutung hat als extrazerebrales Hämatom eine Sonderstellung.
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Symptome eines Schlaganfalls
Das klinische Bild eines Schlaganfalls ist äußerst heterogen. Beim ischämischen Insult sind die Beschwerden meist unspezifisch, während auf einen hämorrhagischen Insult beispielsweise akute Kopfschmerzen, Erbrechen und Nackensteifigkeit hinweisen.
Klassische Symptome eines ischämischen Insults
- Plötzlich einsetzende Hemiparesen (Mundwinkel, Gesicht oder eine Körperhälfte)
- Artikulationsstörungen (oft mit verwaschener Sprache)
- Dysphagie
- Aphasie
- Apraxie
- Ataxie
- Sehbeeinträchtigungen (zum Beispiel Diplopie, Hemianopsie, Quadrantenanopsie oder Herdblick)
- Bewusstseinseinschränkungen
Besonderheiten beim Hirnstamminfarkt
Beim Hirnstamminfarkt kommt es zu Schädigungen im Bereich des Hirnstamms, die sich durch eine Vielzahl von Leitsymptomen äußern, darunter Schwindel, Dysarthrie, Dysphagie, Ataxie, Blickparese, Hemi- und Tetraparesen sowie Singultus.
Der Mythos vom verbrannten Toast
Es gibt einen verbreiteten Mythos, dass der Geruch von verbranntem Toast ein Anzeichen für einen Schlaganfall sein kann. Diese Annahme hat sich wahrscheinlich aus der Tatsache entwickelt, dass manchmal Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, einen veränderten Geruchssinn erfahren können. Es kommt tatsächlich vor, dass manche Menschen seltsame Gerüche wahrnehmen, obwohl dort keine sind. Dieses Phänomen nennt man Phantosmie. Nimmt man einen Phantomgeruch wahr, kann dies ein Zeichen für eine schwerwiegende Erkrankung sein und es sollte ein Arzt zur Diagnose und Behandlung aufgesucht werden. Jedoch gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass der Geruch von verbranntem Toast spezifisch mit einem Schlaganfall verbunden ist.
Der FAST-Test: Ein schneller Weg zur Erkennung eines Schlaganfalls
Um einen Schlaganfall schnell zu erkennen, kann der FAST-Test helfen:
- Face (Gesicht): Bitte die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
- Arms (Arme): Bitte die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.
- Speech (Sprache): Lass die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
- Time (Zeit): Zögere nicht, wähle unverzüglich die 112 und schildere die Symptome.
Riechstörungen als mögliches Anzeichen
Obwohl der Geruch von verbranntem Toast kein spezifisches Anzeichen für einen Schlaganfall ist, können Riechstörungen im Allgemeinen ein Warnsignal sein. Eine Anosmie (Verlust des Geruchssinns) kann ein frühes Anzeichen für neurologische Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer sein. In einigen Fällen können auch fokale epileptische Anfälle mit Geruchsempfindungen einhergehen.
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Eine Studie hat gezeigt, dass Personen, die einen Schlaganfall erlitten hatten, eine um 76 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Phantosmie aufwiesen. Das gleiche Ergebnis fanden die Forscherinnen bei Hypertonikern unter Therapie (+68 Prozent vs. Kontrollgruppe).
Die Rolle des Geruchssinns bei anderen Erkrankungen
Es gibt auch Hinweise darauf, dass der Geruchssinn eine Rolle bei der Erkennung anderer Erkrankungen spielen kann. Eine Studie hat einen Zusammenhang zwischen dem Verlust des Geruchssinns und dem Risiko für eine Herzinsuffizienz festgestellt. Andere Studien haben gezeigt, dass der Geruchssinn als Biomarker für ungesundes Altern und das Risiko für Demenz und Parkinson dienen kann.
Prävention ist der beste Schutz
Die beste Strategie gegen Schlaganfälle ist die Prävention. Dazu gehört die Kontrolle der modifizierbaren Risikofaktoren wie hoher Blutdruck, Übergewicht, Diabetes, Rauchen und hoher Salzkonsum. Eine gesunde Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung kann ebenfalls dazu beitragen, das Schlaganfallrisiko zu senken.