Muskelkrämpfe und Juckreiz sind weit verbreitete Beschwerden, die viele Menschen betreffen. Die Ursachen dafür können vielfältig sein und reichen von harmlosen Auslösern bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Muskelkrämpfen und Juckreiz und gibt einen Überblick über mögliche Behandlungsansätze.
Muskelkrämpfe: Ursachen und Auslöser
Ein Muskelkrampf ist eine plötzliche, unwillkürliche und schmerzhafte Kontraktion eines Muskels oder von Teilen eines Muskels. Krämpfe treten häufig in den Beinen auf, insbesondere in den Waden, können aber auch andere Muskelgruppen betreffen.
Stoffwechselstörungen und Elektrolytmangel
Störungen des Stoffwechsels und des Wasserhaushalts sind häufige Ursachen für Muskelkrämpfe. Ein Mangel an wichtigen Mineralstoffen wie Kalium, Magnesium oder Kalzium kann die Erregbarkeit der Muskelzellen erhöhen und Krämpfe auslösen. Auch hormonelle Störungen, wie eine Schilddrüsenunterfunktion, oder starker Alkoholkonsum können den Salz- und Wasserhaushalt beeinflussen und Krämpfe begünstigen.
- Dehydration: Austrocknung des Körpers kann zu einem Ungleichgewicht im Mineralstoffhaushalt führen und Muskelkrämpfe auslösen.
- Magnesiummangel (Hypomagnesiämie): Eine Unterversorgung mit Magnesium kann durch einseitige Ernährung, Diäten, Diabetes mellitus, Alkoholismus oder Darm- und Nierenerkrankungen entstehen. Auch während der Schwangerschaft kann ein erhöhter Bedarf an Magnesium bestehen.
- Kaliummangel (Hypokaliämie): Ein Mangel an Kalium kann beispielsweise durch starken Durchfall, die Einnahme bestimmter Medikamente, Magnesiummangel oder Erkrankungen der Nebennieren entstehen.
- Kalziummangel (Hypokalzämie): Zu einer Unterversorgung mit Kalzium kann es etwa durch Magnesium- oder Vitamin-D-Mangel, Störungen der Nebenschilddrüse oder Nieren oder aber bestimmte Medikamente kommen.
Erkrankungen des Nervensystems
Da die Aktivität der Beinmuskeln durch das Gehirn und die von dort über das Rückenmark in die Körperperipherie ziehenden Nerven gesteuert wird, können verschiedene Erkrankungen des Nervensystems als Ursache für Beinkrämpfe infrage kommen. Beispiele sind Polyneuropathien, Bandscheibenvorfälle oder eine amyotrophe Lateralsklerose (ALS).
- Motoneuronenerkrankungen: Das sind Erkrankungen, bei denen fortschreitend Nervenzellen zerstört werden, die Muskelbewegungen anregen. Die häufigste Form ist die Amyotrophe Lateralsklerose. Zu ihren Symptomen zählen unter anderem Muskelschwäche, Muskelschwund und Muskelkrämpfe.
- Periphere Neuropathien: Das sind Erkrankungen, bei denen periphere Nerven geschädigt werden (etwa Beinnerven), was Muskelkrämpfe auslösen kann. Die Erkrankungen können nur einen oder wenige Nerven betreffen, manchmal aber auch viele. Im letzen Fall spricht man von Polyneuropathie. Sie wird oft durch Diabetes mellitus oder Alkoholismus verursacht.
- Radikulopathien: Das sind Erkrankungen der Nervenwurzeln (im Bereich der Wirbelsäule), etwa ausgelöst durch einen Bandscheibenvorfall. Dabei können beispielsweise Nerven betroffen sein, welche die Beinmuskeln steuern, was sich unter anderem in Muskelkrämpfen (wie Wadenkrämpfen) niederschlagen kann.
- Polyneuropathie: Eine Polyneuropathie kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, je nachdem, welche Nerven von der Erkrankung betroffen sind. Mediziner und Medizinerinnen unterscheiden sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien. Eine Nervenschädigung kann Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken oder Muskelkrämpfe verursachen.
Medikamente
Einige Medikamente können Muskelkrämpfe als Nebenwirkung verursachen. Dazu gehören bestimmte Blutdrucksenker (Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, manche Betablocker), Entwässerungsmittel (Diuretika), Asthmamedikamente und die Antibabypille. Auch das Absetzen bestimmter Substanzen kann im Zusammenhang mit Muskelkrämpfen stehen.
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Weitere Ursachen
- Muskelerkrankungen (Myopathien): Diese seltenen Erkrankungen können angeboren oder erworben sein und gehen typischerweise mit einer Muskelschwäche einher. Manchmal treten auch krampfartige Muskelschmerzen auf.
- Gefäßerkrankungen: Krampfadern (Varizen) sind Erweiterungen oberflächlicher Venen, die durch eine Venenschwäche verursacht werden. Besonders oft bilden sie sich an den Beinen und sind hier als blaue, dicklich-knotige Blutgefäße sichtbar. Die Beine fühlen sich schwer an und spannen. Zudem treten gehäuft nächtliche Wadenkrämpfe auf.
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Treten die typischen Krämpfe bei einer längeren Gehstrecke oder beim Treppensteigen wiederholt auf, können sie ein Hinweis auf eine periphere arterielle Verschluss-Krankheit (pAVK) sein.
Juckreiz: Ursachen und Auslöser
Juckreiz (Pruritus) ist ein unangenehmes Gefühl, das den Drang auslöst, sich zu kratzen. Juckreiz kann verschiedene Ursachen haben, sowohl auf der Haut selbst als auch im Körperinneren.
Hauterkrankungen
Viele Hauterkrankungen können Juckreiz verursachen, darunter:
- Ekzeme (Dermatitis): Ekzeme sind entzündliche Hauterkrankungen, die mit Rötung, Schuppung und Juckreiz einhergehen.
- Urtikaria (Nesselsucht): Urtikaria ist eine allergische Reaktion der Haut, die sich durch Quaddeln und Juckreiz äußert.
- Psoriasis (Schuppenflechte): Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die mit schuppigen, juckenden Hautstellen einhergeht.
- Dermatomyositis: In Verbindung mit den Muskelschmerzen können verschiedene Formen von rosa-violettem Hautausschlag vor allem im Gesicht, Dekolleté und Nacken sowie auf den Streckseiten der Gliedmaßen und Handrücken auftreten. Dieser geht oft mit starkem Juckreiz und Lichtempfindlichkeit einher.
- Hautmastozytose (kutane Mastozytose): Bei einer Hautmastozytose (kutane Mastozytose) vermehren sich die Mastzellen in der Haut. Die Erkrankung ist selten, die Symptome insbesondere bei der systemischen Mastozytose unspezifisch und individuell. Oft führen die charakteristischen Hautveränderungen der kutanen Mastozytose, die in den meisten Fällen zusätzlich zur systemischen Mastozytose auftritt, zu einem ersten Verdacht.
Innere Erkrankungen
Juckreiz kann auch ein Symptom von inneren Erkrankungen sein, wie zum Beispiel:
- Lebererkrankungen: Lebererkrankungen können zu einer Ansammlung von Bilirubin im Blut führen, was Juckreiz verursachen kann.
- Nierenerkrankungen: Nierenerkrankungen können zu einer Ansammlung von Abfallprodukten im Blut führen, was Juckreiz verursachen kann.
- Schilddrüsenerkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen können den Stoffwechsel beeinflussen und Juckreiz verursachen.
- Diabetes mellitus: Erstsymptome sind vermehrtes Wasserlassen und starkes Durstgefühl. Muskelkrämpfe (wie Wadenkrämpfe) können hier anfangs durch Elektrolytstörungen bedingt sein, später können sie die Folge einer diabetischen Nervenschädigung (Polyneuropathie) sein.
- Mastozytose des gesamten Körpers (systemische Mastozytose): Bei der Mastozytose des gesamten Körpers (systemische Mastozytose) häufen sich die Mastzellen im Knochenmark, im Magen-Darm-Trakt, in der Milz, der Leber oder den Lymphknoten an. Eine Mastozytose kann zu zahlreichen Beschwerden führen. Verursacht werden die Symptome durch Botenstoffe aus den Mastzellen, zum Beispiel Histamin. Diese Stoffe werden freigesetzt, wenn die Mastzellen mit sogenannten Triggern in Kontakt kommen - etwa Stress, Insektenstiche, Sonnenlicht, Kälte, Wärme, bestimmte Lebensmittel, Alkohol oder Medikamente.
Weitere Ursachen
- Allergien: Allergien gegen bestimmte Lebensmittel, Medikamente oder Umweltfaktoren können Juckreiz verursachen.
- Trockene Haut: Trockene Haut kann Juckreiz verursachen, insbesondere im Winter oder bei häufigem Waschen.
- Psychische Faktoren: Stress, Angst und Depressionen können Juckreiz verstärken oder auslösen.
- Medikamente: Einige Medikamente können Juckreiz als Nebenwirkung verursachen.
Dermatomyositis: Eine seltene Autoimmunerkrankung
Dermatomyositis (DM) ist eine seltene rheumatische Autoimmunerkrankung, bei der Haut und Muskeln angegriffen werden. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.
Symptome der Dermatomyositis
Die Symptome der Dermatomyositis können vielfältig sein und variieren von Person zu Person. Häufige Symptome sind:
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- Muskelschwäche: Zunehmende Muskelschwäche in den Hüften und Schultern. Zusätzlich kommt es bei 50 % der Betroffenen zu Schmerzen in den Muskeln und Gelenken der Oberschenkel und Oberarme sowie im weiteren Verlauf in der Schluck-, Atem- und Nackenmuskulatur.
- Hautausschlag: Verschiedene Formen von rosa-violettem Hautausschlag vor allem im Gesicht, Dekolleté und Nacken sowie auf den Streckseiten der Gliedmaßen und Handrücken. Dieser geht oft mit starkem Juckreiz und Lichtempfindlichkeit einher.
- Müdigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl: Es kommt zu Müdigkeit und einem allgemeinen Krankheitsgefühl, manchmal auch Fieber.
- Weitere Symptome: Herz und Lunge können beteiligt sein, und es kann z. B. zu Brustschmerzen und Atemnot kommen.
Diagnose der Dermatomyositis
Die Diagnose der Dermatomyositis basiert meist auf den klinischen Zeichen (Hautsymptome und Muskelschwäche), den erhöhten Muskelenzymen und dem histopathologischen Befund.
Behandlung der Dermatomyositis
Die Therapie erfolgt durch Fachärzt*innen für Neurologie, Rheumatologie und Dermatologie. Glukokortikoide (Cortisol) und immunhemmende Medikamente werden zur Lokaltherapie gegen die Hautsymptome eingesetzt. Für eine Ganzkörpertherapie können bestimmte Arten von Chemotherapie, Antimalariamitteln und Antihistaminika zur Anwendung kommen. Eine frühzeitige Physiotherapie und körperliche Aktivität kann zum Behandlungserfolg beitragen.
Diagnose und Behandlung von Muskelkrämpfen und Juckreiz
Die Diagnose von Muskelkrämpfen und Juckreiz umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere Untersuchungen wie Bluttests, Elektromyographie (EMG) oder Hautbiopsie.
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Muskelkrämpfen können Magnesiumpräparate, Dehnübungen und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr helfen. Bei Juckreiz können juckreizstillende Cremes, Antihistaminika und die Vermeidung von Auslösern Linderung verschaffen. In einigen Fällen ist eine spezifische Behandlung der Grunderkrankung erforderlich.
Was tun bei Muskelkrämpfen?
- Dehnen: Das Strecken und Dehnen des betroffenen Beins kann den Muskel entspannen.
- Elektrolyte: Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme sowie die regelmäßige Zufuhr von Elektrolyten über die Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel können vorbeugend wirken.
- Wärme: Wärmebehandlungen wie ein warmes Fußbad vor dem Schlafengehen können ebenfalls hilfreich sein.
Tipps zur Vorbeugung von Muskelkrämpfen und Juckreiz
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Magnesium, Kalium und Kalzium.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser, um Dehydration zu vermeiden.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und stärkt die Muskulatur.
- Stressmanagement: Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für ausreichend Entspannung.
- Hautpflege: Pflegen Sie Ihre Haut regelmäßig mit feuchtigkeitsspendenden Cremes, um Trockenheit und Juckreiz vorzubeugen.
- Vermeidung von Auslösern: Identifizieren Sie mögliche Auslöser für Juckreiz und vermeiden Sie diese.
- Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil, der den Verzicht auf Rauchen und die rechtzeitige Behandlung von Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck umfasst, trägt ebenfalls zur Vorbeugung bei.
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