Alzheimer nachweisen: Aktuelle Diagnoseverfahren und Früherkennung

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und betrifft weltweit Millionen von Menschen. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um Betroffenen und ihren Familien die Möglichkeit zu geben, sich rechtzeitig auf die Erkrankung einzustellen, geeignete Unterstützung zu suchen und Behandlungsstrategien zu entwickeln. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Methoden zum Nachweis von Alzheimer, von ersten Anzeichen und Tests bis hin zu fortschrittlichen Diagnoseverfahren und zukünftigen Forschungsperspektiven.

Frühe Anzeichen und Symptome von Alzheimer

Viele Demenzerkrankungen, einschließlich Alzheimer, beginnen schleichend und bleiben oft lange unbemerkt. Es ist wichtig, auf subtile Veränderungen im Gedächtnis und den kognitiven Fähigkeiten zu achten. Folgende Symptome können auf eine beginnende Alzheimer-Demenz hinweisen:

  • Gedächtnisprobleme: Vergessen von zeitnahen Ereignissen, Schwierigkeiten, sich an kürzlich Gehörtes zu erinnern (Kurzzeitgedächtnis).
  • Veränderungen im Denkvermögen: Abnahme der Fähigkeit zu denken, zu planen und zu urteilen.
  • Wortfindungsprobleme (Aphasie): Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder sich flüssig auszudrücken.
  • Desorientierung: Schwierigkeiten, sich zeitlich und räumlich zu orientieren.
  • Probleme bei Alltagsaufgaben und Selbstversorgung: Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten wie Anziehen, Körperpflege oder Kochen.
  • Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Aggressivität und sozialer Rückzug.

Wenn solche Symptome über Monate hinweg immer wieder auftreten, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Der erste Schritt: Anamnese und körperliche Untersuchung

Die erste Anlaufstelle bei Verdacht auf Demenz ist meist die hausärztliche Praxis. Dort findet ein Anamnese-Gespräch statt, bei dem die Ärztin oder der Arzt nach aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und möglichen Risikofaktoren fragt. Im Anschluss folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung.

Kognitive Tests: Hinweise auf eine Demenzerkrankung

Kognitive oder neuropsychologische Tests können wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Demenzerkrankung geben. Diese Tests umfassen verschiedene Aufgaben, die unterschiedliche kognitive Fähigkeiten überprüfen. Einige gängige Tests sind:

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  • Mini-Mental-Status-Test (MMST): Ein kurzer Test, der Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Rechnen, Sprache und visuell-konstruktive Fähigkeiten beurteilt.
  • Demenz-Detektion (DemTect): Ein Spezialtest zur Früherkennung, der Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis, Sprachflüssigkeit und Zahlenverarbeitung prüft.
  • Montreal Cognitive Assessment (MoCA): Ein umfassenderer Test, der Gedächtnis, visuell-räumliche Fähigkeiten, Exekutivfunktionen, Aufmerksamkeit, Sprache, Abstraktion und Orientierung beurteilt.
  • Uhren-Test: Ein einfacher Test, bei dem der Patient eine Uhr zeichnen muss, wobei die Anordnung der Ziffern und Zeiger auf visuell-räumliche Orientierungsprobleme hinweisen kann.
  • ADL-Skalen: Diese Skalen messen die Auswirkungen der Demenz auf die Alltagsfähigkeiten des Patienten und bewerten, welche Tätigkeiten des täglichen Lebens noch selbstständig durchgeführt werden können.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Tests lediglich Hinweise auf eine mögliche Demenz geben können und keine Diagnose darstellen. Eine umfassende medizinische Untersuchung ist erforderlich, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Online-Tests zur Selbsteinschätzung

Es gibt auch Online-Tests, die eine erste Einschätzung von möglichen Symptomen und Verhaltensweisen bei Alzheimer-Erkrankten darstellen können. Ein solcher Test kann beispielsweise folgende Fragen umfassen:

  1. Ich vergesse, wo ich etwas hingelegt habe.
  2. Ich erkenne Plätze nicht wieder, an denen ich früher war.
  3. Ich finde es schwierig, den Inhalt eines Fernsehfilms zu verstehen.
  4. Wenn sich meine tägliche Routine ändert, fällt es mir schwer, mich an den neuen Ablauf zu gewöhnen.
  5. Ich muss häufiger noch einmal zurückgehen, um mich zu vergewissern, ob ich z. B. das Licht oder die Herdplatte ausgeschaltet habe.
  6. Ich weiß nicht mehr genau, was sich vor einem Tag oder einer Woche ereignet hat.
  7. Ich vergesse, Dinge (z. B. Geldbeutel, Versicherungskarte) mitzunehmen. Häufig muss ich deshalb zurückgehen.
  8. Ich vergesse häufig Dinge, die mir vor einem Tag oder vor ein paar Tagen gesagt wurden. Ich muss an sie erinnert werden.
  9. Ich beginne, etwas zu lesen, ohne zu bemerken, dass ich es schon einmal gelesen habe.
  10. Ich habe Schwierigkeiten, enge Verwandte oder Freunde wieder zu erkennen.
  11. Ich finde es schwer, ein neues Spiel zu erlernen.
  12. Ich kann häufig das richtige Wort nicht finden.
  13. Ich vergesse häufig, Dinge zu tun, die ich tun wollte.
  14. Ich vergesse wichtige Sachen, die ich gestern getan habe oder die sich gestern ereigneten.
  15. Beim Reden reißt mir der rote Faden ab.
  16. Ich verliere beim Lesen einer Geschichte in einer Zeitung oder in einem Buch den roten Faden.
  17. Ich vergesse, jemandem eine wichtige Botschaft zu übermitteln.
  18. Ich habe das Datum meines Geburtstages und/oder meinen Geburtsort vergessen.
  19. Ich bringe Dinge, die mir erzählt wurden, durcheinander. Ich kann sie nicht mehr in die richtige Reihenfolge bringen.
  20. Ich finde es schwer, alte Geschichten und lustige Begebenheiten zu berichten.
  21. Gewisse alltägliche Arbeiten kann ich nur mit Mühe durchführen. Manchmal weiß ich nicht mehr, wann oder wie ich die Arbeit durchführen soll.
  22. Bekannte Gesichter, die im Fernsehen oder in Zeitschriften erscheinen, sind mir plötzlich fremd.
  23. Ich finde einen vertrauten Weg, z. B. in einem oft besuchten Gebäude, nicht mehr.
  24. In einem Gebäude, in dem ich nur ein- oder zweimal war, habe ich Schwierigkeiten, mich zurechtzufinden.
  25. Ich wiederhole häufig, was ich gerade gesagt habe, oder ich stelle eine Frage zwei- bis dreimal.

Es ist wichtig zu betonen, dass solche Online-Tests keine ärztliche Beratung oder Diagnose ersetzen. Bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

Bildgebende Verfahren: MRT und CT

Bei der Erstdiagnose der Demenz sollte zusätzlich entweder eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden. CT- und MRT-Bilder erstellen Schichtaufnahmen des Gehirns und erlauben einen Einblick in den Aufbau des Gehirns. Diese bildgebenden Verfahren ermöglichen allein zwar nicht die Diagnose einer Demenz, können aber helfen, zwischen den einzelnen Formen zu unterscheiden. So können z.B. Durchblutungsstörungen, Gefäßveränderungen oder Schlaganfälle, die auf eine vaskuläre Demenz hindeuten, erkannt werden. Der Hauptgrund für die Erstellung von CT- und MRT-Bildern liegt jedoch in der frühzeitigen Erkennung von behandelbaren Ursachen einer Demenz. Dies kann ein Hirntumor oder eine krankhafte Erweiterung der Hohlräume im Gehirn sein.

MRT zur Früherkennung: Eine kritische Betrachtung

Die Magnetresonanztomographie (MRT) wird auch zur Früherkennung von Alzheimer eingesetzt. Allerdings ist der Nutzen einer MRT zur Früherkennung bei Menschen ohne Anzeichen einer Demenz umstritten. Der IGeL-Monitor bewertet die MRT-Untersuchung zur Früherkennung einer Alzheimer-Demenz mit „tendenziell negativ“. Es gibt keine Studien, die belegen, dass eine MRT zur Früherkennung den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen kann. Zudem besteht das Risiko, dass auffällige MRT-Befunde bei Menschen, die später keine schwere Demenz entwickeln, unnötig Sorgen und Ängste auslösen.

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Biomarker-Diagnostik: Nervenwasser- und Blutuntersuchungen

Bei der Alzheimer-Diagnostik steht der Nachweis bestimmter Biomarker im Vordergrund. Diese Biomarker können im Nervenwasser (Liquor) oder im Blut nachgewiesen werden.

Liquoruntersuchung

Eine sehr empfindliche Methode zur Feststellung einer Alzheimer-Erkrankung ist die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor). Durch eine Lumbalpunktion können bestimmte Proteine (Amyloid-beta, Tau) im Nervenwasser gemessen werden. Der Nachweis dieser Proteine kann die Diagnose absichern und ist für eine Behandlung mit Antikörpern wie Lecanemab und Donanemab eine zentrale Voraussetzung.

Bluttests: Eine vielversprechende Entwicklung

Dank der Fortschritte in der Forschung ist es mittlerweile möglich, die Alzheimer-Krankheit auch per Bluttest zu erkennen. Verschiedene Forschungsteams haben Bluttests entwickelt, mit denen Alzheimer zuverlässig erkannt werden kann. Die beiden Bluttests „Precivity AD-Bloodtest“ sowie "Elecsy pTau181-Test" haben eine EU-Zulassung und werden nun für den Einsatz in der Praxis vorbereitet. Der größte Vorteil von Alzheimer-Bluttests ist ihre einfache und kostengünstige Durchführung.

  • Precivity AD-Bloodtest: Dieser Test misst das Verhältnis zweier unterschiedlicher Beta-Amyloid-Peptide (Beta-Amyloid-40 und Beta-Amyloid-42) im Blut. Ein verändertes Verhältnis dieser Peptide kann auf Alzheimer hindeuten.
  • Elecsys pTau181-Test: Dieser Test misst ein chemisch verändertes Tau-Protein (pTau181) im Blut, das als Indikator für die Alzheimer-Erkrankung gilt.

Ein weiterer Bluttest, der von Prof. Dr. Gerwert und seinem Team der Ruhr-Universität Bochum entwickelt wurde, misst die für Alzheimer charakteristische Fehlfaltung des Peptids Beta-Amyloid, die der Bildung von Plaques vorausgeht und bereits vor dem Auftreten von Symptomen messbar ist.

Es ist wichtig zu beachten, dass Bluttests die etablierten Diagnoseverfahren wie die Liquoruntersuchung oder bildgebende Verfahren bislang noch nicht ersetzen können, sondern ergänzend eingesetzt werden. Sie dürfen jedoch nur von ausgewiesenen Expertinnen und Experten der Biomarker-Diagnostik durchgeführt werden. Aktuell gibt es in Deutschland keinen allgemein verfügbaren Bluttest zur Alzheimer-Diagnose. Die hier beschriebenen Verfahren befinden sich noch in der Forschung oder werden nur in spezialisierten Zentren eingesetzt.

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Differenzialdiagnose: Andere Demenzformen und Ursachen ausschließen

Bei der Diagnose von Alzheimer ist es wichtig, andere Demenzformen und behandelbare Ursachen für die Symptome auszuschließen. Hierzu gehören u.a.:

  • Vaskuläre Demenz (Verkalkung der Hirngefäße)
  • Demenz mit Lewy-Körperchen
  • Frontotemporale Demenz
  • Gut- und bösartige Hirntumore
  • AIDS
  • Parkinson-Syndrom
  • Chorea Huntington (Erbkrankheit)
  • Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
  • Vitaminmangel (z.B. Vitamin B12, Folsäure, Niacin)
  • Erkrankungen der Nieren, der Leber und der Bauchspeicheldrüse
  • Alkohol- bzw. Medikamentenmissbrauch
  • Depressive Erkrankungen („Pseudodemenz")

Behandlungsmöglichkeiten und Zukunftsperspektiven

Obwohl es derzeit keine Heilung für Alzheimer gibt, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die Symptome lindern und das Fortschreiten der Erkrankung leicht verzögern können. Dazu gehören Cholinesterase-Hemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) und Glutamat-Antagonisten (Memantin).

Mittlerweile gibt es auch erste Medikamente, die die schädlichen Prozesse im Gehirn direkt beeinflussen und die Alzheimer-Erkrankung im Entstehungsprozess bremsen sollen. Der Antikörper-Wirkstoff Lecanemab ist seit September 2025 in Deutschland auf dem Markt. Für den Antikörper Donanemab hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA eine Zulassungsempfehlung erteilt. Diese Antikörper richten sich gegen die Amyloid-Stückchen, so dass diese vom Immunsystem beseitigt werden können, bevor sie Schaden anrichten.

Die Forschung arbeitet weiterhin an der Entwicklung sicherer Frühtests und neuer Therapieansätze, um die Diagnostik und Behandlung von Demenzerkrankungen wie Alzheimer zu verbessern. Ein wichtiges Ziel ist es, Demenzerkrankungen früher zu erkennen und die korrekte Abgrenzung von Demenzerkrankungen zu verbessern.

Leben mit der Diagnose: Unterstützung und Informationen

Eine Alzheimer-Diagnose verändert nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das der Angehörigen und Freunde. Es gibt vielfältige Informationsquellen und Unterstützungsangebote, die Betroffenen und ihren Familien helfen können, mit der Erkrankung umzugehen. Dazu gehören:

  • Beratungsstellen und Gedächtnissprechstunden
  • Selbsthilfegruppen
  • Regionale Anlaufstellen für das Thema Demenz
  • Pflegegradrechner

Die Pflege von Menschen mit Alzheimer erfordert viel Geduld, Verständnis und spezialisierte medizinische Betreuung, um die Lebensqualität der Betroffenen so gut wie möglich zu erhalten.

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