Ein Aneurysma, definiert als eine ballonartige Erweiterung eines Gefäßbereichs, der das 1,5-fache seiner normalen Größe erreicht, stellt eine ernstzunehmende gesundheitliche Gefahr dar. Obwohl Aneurysmen prinzipiell in jeder Arterie des Körpers auftreten können, sind häufig die Hauptschlagader unterhalb der Nierenarterien oder die Schlagader in der Kniekehle betroffen. Das heimtückische an dieser Erkrankung ist, dass sie über Jahre hinweg symptomfrei verlaufen kann, wodurch Betroffene unwissentlich mit einer "Zeitbombe" im Körper leben.
Was ist ein Aneurysma?
Ein Aneurysma entsteht durch Schwachstellen in der Gefäßwand. Das Hauptrisiko besteht darin, dass es im Laufe der Zeit an Größe zunimmt und schließlich platzt (Ruptur), was zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen kann. Diese Ruptur äußert sich durch extreme Schmerzen, Kreislaufkollaps und Koma.
Symptome und Diagnose
Die Symptome eines Aneurysmas sind oft unspezifisch und können Kopfschmerzen, Husten, Atemnot, Sehstörungen, Verdauungsbeschwerden, Schmerzen oder Gesichtslähmungen umfassen. Häufig wird ein Aneurysma zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauches entdeckt.
Risikofaktoren
Zu den Risikofaktoren zählen angeborene Fehlbildungen, familiäre Veranlagung und Arteriosklerose. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Weitere Risikofaktoren für Arteriosklerose und damit für ein Aneurysma sind:
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Koronare Herzkrankheit
- Familiäre Vorbelastung
- Älteres Alter (aufgrund altersbedingter Gefäßverkalkung)
Aortenaneurysma
Mediziner verstehen unter einem Aortenaneurysma eine krankhafte Erweiterung der Aorta, die sich meist im Bauchraum bildet (Bauchaortenaneurysma). Betroffen sind etwa vier bis acht Prozent der Männer über 65 Jahre und 0,5 bis 1,5 Prozent der Frauen ab diesem Alter, wobei bei Frauen die Ausbuchtung häufiger platzt.
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Erkrankungen der Aorta
- Aortenwurzelaneurysma: Ein Aneurysma kann sich auch an der Aortenwurzel bilden, was das Risiko erhöht, dass die Aortenklappe undicht wird.
- Aortendissektion: Ein Riss in der Gefäßwand der Aorta stellt eine akute Lebensgefahr dar und kann durch angeborene Fehlbildungen, Blutergüsse oder Alterungsprozesse und Blutdruckspitzen verursacht werden.
- Aortitis: Eine Entzündung der Aorta, oft als Folge einer bakteriellen oder viralen Infektion, kann zu einer Erweiterung der Aorta und einem anschließenden Einreißen führen.
Aortendissektion und Aortenruptur
Reißt die innere Gefäßwand der Aorta, spricht man von einer Aortendissektion, bei der Blut zwischen die Gefäßwände gelangt. Eine Aortenruptur bezeichnet das Zerreißen aller Wandschichten der Aorta, was zu einer massiven inneren Blutung und Organversagen führen kann. Beide Zustände sind medizinische Notfälle, die sofort behandelt werden müssen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose eines Aneurysmas erfolgt durch verschiedene bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT). Nicht jedes Aneurysma muss operiert werden; die Entscheidung hängt von der Größe, dem Wachstum und der familiären Veranlagung ab. Akute Fälle wie Aortendissektionen erfordern jedoch sofortige operative Eingriffe.
Operative Therapie
Bei der Operation wird das Aneurysma in der Regel entfernt und durch eine Gefäßprothese ersetzt. In einigen Fällen können minimalinvasive Kathetertechniken angewendet werden. Bei einer Aortendissektion ist oft eine Operation am offenen Herzen mit Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine erforderlich.
Rehabilitation
Nach der Akutphase ist eine Rehabilitation wichtig, um die Patient:innen wieder an ein normales Leben heranzuführen. Die Therapie umfasst Sporttherapie, physikalische Therapie, Physiotherapie, Ergotherapie, psychologische Betreuung, Ernährungstherapie und Patientenschulungen.
Zusammenhang zwischen Corona und neurologischen Erkrankungen
Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass das SARS-CoV-2-Virus nicht nur die Atemwege befällt, sondern auch andere Organe schädigen kann, insbesondere das Nervensystem. Neurologische Beschwerden wie anhaltende Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und Schlafstörungen wurden unter dem Begriff "Neuro-Covid" zusammengefasst. In extremen Fällen kann es sogar zu demenzähnlichen Symptomen oder Psychosen kommen.
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Auswirkungen von COVID-19 auf das Gehirn
Eine Studie der Uniklinik RWTH Aachen hat gezeigt, dass es nach Impfung mit dem SARS-CoV-2-AstraZeneca-Impfstoff zu signifikant mehr zerebralen Sinus- und Hirnvenenthrombosen (CVT) kam als nach Impfung mit den mRNA-Impfstoffen. Die Studie deutet darauf hin, dass insbesondere ältere Frauen ein erhöhtes Risiko für Hirnvenenthrombosen nach Gabe des AstraZeneca-Vakzins haben.
COVID-19 und Schlaganfallrisiko
COVID-19 erhöht das Risiko für Schlaganfälle und Hirnblutungen, die durch Blutgerinnsel verursacht werden können. Eine Studie aus New York ergab, dass das Risiko für einen Hirninfarkt bei COVID-19-Infektionen um den Faktor 4 erhöht war. Es gibt auch Hinweise darauf, dass COVID-19 die kleinen Blutgefäße im Gehirn schädigen kann, was zu neurologischen Symptomen führen kann.
Das Spike-Protein und Long COVID
Forschende von Helmholtz Munich und der LMU haben einen Mechanismus identifiziert, der möglicherweise die neurologischen Symptome von Long COVID erklärt. Die Studie zeigt, dass das SARS-CoV-2-Spike-Protein in den schützenden Schichten des Gehirns und im Knochenmark des Schädels bis zu vier Jahre nach der Infektion verbleiben kann. Diese dauerhafte Präsenz des Spike-Proteins könnte bei den Betroffenen chronische Entzündungen auslösen und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen erhöhen. mRNA-COVID-19-Impfstoffe können die Anreicherung des Spike-Proteins im Gehirn deutlich reduzieren.
Schlaganfälle als Komplikation von COVID-19
Schlaganfälle sind eine seltene Komplikation von COVID-19, treten jedoch häufig bei jüngeren Patienten auf und führen zu schweren Hirnschäden. Eine Analyse von 432 Schlaganfällen zeigte, dass ein höherer Anteil durch eine Verlegung der großen Hirnarterien verursacht wurde. Auch zerebrale Venen- und Sinusthrombosen (CVST) wurden als Komplikation beobachtet, insbesondere bei jüngeren und weiblichen Patienten.
Wichtigkeit der Früherkennung und Behandlung
Trotz der Corona-Pandemie ist es wichtig, bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort den Notruf zu wählen. Die FAST-Regel (Face, Arm, Speech, Time) hilft, die Symptome schnell zu erkennen. Moderne Therapien wie Thrombolyse und Thrombektomie können schwere Behinderungen verhindern, wenn sie rechtzeitig angewendet werden.
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Prävention und Risikomanagement
Um das Risiko für Aneurysmen und neurologische Komplikationen im Zusammenhang mit COVID-19 zu minimieren, ist es wichtig, Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Arteriosklerose zu kontrollieren. Regelmäßige Herz- und Gefäß-Check-ups können helfen, potenziell gefährliche Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Impfungen gegen COVID-19 können das Risiko langfristiger neurologischer Folgen erheblich senken.