Ein klingelndes Telefon kann im Alltag sowohl Segen als auch Fluch sein. Während dringende Angelegenheiten oder freudige Nachrichten über diesen Weg ihren Empfänger finden, hat sich in den letzten Jahren eine Schattenseite entwickelt: automatisierte Anrufe, die nicht selten in Belästigung und potenziellen Betrug münden. Diese Entwicklung, oft als "Klingelterror" oder "Geisteranrufe" bezeichnet, stellt für viele Menschen eine erhebliche Belastung dar. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten dieser Problematik, erklärt die zugrundeliegenden Mechanismen und zeigt Möglichkeiten auf, wie man sich vor unerwünschten Anrufen schützen kann.
Die Belästigung durch automatische Anrufe
Viele Bundesbürger sind von der schieren Anzahl eingehender Anrufe entnervt. Es ist keine Seltenheit, dass das Telefon 5, 20 oder sogar 30 Mal am Tag klingelt, nur um dann festzustellen, dass niemand am anderen Ende der Leitung ist. Diese "Geisteranrufe" sind kein Zufall, sondern das Ergebnis ausgeklügelter Strategien von Call-Centern, die ihre Werbeanrufe durch automatische Massenanwahlen optimieren. Cord Lüdemann von der Bundesnetzagentur erklärt, dass dieses Phänomen relativ neu ist und eine enorme Belastung darstellt. In einigen Fällen wurde berichtet, dass Telefone bis zu 250 Mal am Tag klingelten.
Die Ursache für diese Massenanrufe liegt in sogenannten "predictive dialern", also vorausschauenden Anwählcomputern. Diese Software ermöglicht es Werbern, bis zu 100 Bürger gleichzeitig anzurufen. Sobald jemand abhebt, wird die Leitung zu den anderen Teilnehmern gekappt und eine neue Anwahl gestartet. Besonders perfide ist, dass viele Nummern, bei denen der Anruf ins Leere geht, automatisch in einer Wiederholungsschleife landen und bei den nächsten Anwahlversuchen erneut angerufen werden.
Die Gefahr hinter Spam-Anrufen: Betrug und Kostenfallen
Nicht alle unerwünschten Anrufe sind lediglich lästig. Viele dienen dem Zweck, an persönliche Daten oder gar das Geld der Angerufenen zu gelangen. Besonders beliebt sind Kostenfallen, die durch Abonnements entstehen. Betrüger versuchen, den Opfern Abos aufzuschwatzen oder behaupten, dass sie bei einem Gewinnspiel gewonnen hätten. In diesem Zusammenhang fordern sie die Preisgabe sensibler Daten oder sogar die Überweisung von Geld, angeblich um das Abo zu stornieren oder den Gewinn entgegenzunehmen.
Es ist daher ratsam, Anrufe von unbekannten Nummern mit Vorsicht zu genießen. Viele der nervigen Anrufe stammen aus bestimmten Regionen, wie Düsseldorf und den Niederlanden. Um sich vor solchen Anrufen zu schützen und nicht Opfer von Betrugsmaschen zu werden, ist es ratsam, bekannte Spam-Nummern im Vorfeld zu blockieren.
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Schutzmaßnahmen gegen unerwünschte Anrufe
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich vor unerwünschten Anrufen zu schützen:
Blockieren von Nummern: Sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten lassen sich unerwünschte Nummern blockieren. Auf iOS-Geräten muss die Nummer zunächst eingespeichert werden, bevor sie in der Kontaktliste blockiert werden kann. Auf Android-Smartphones ist das Blockieren direkt aus der Anrufliste heraus möglich. Es gibt auch Apps, die bei der Identifizierung und Blockierung von Spam-Anrufen helfen können.
Verhaltensregeln bei Annahme eines Anrufs: Sollte man dennoch einen Betrüger am Telefon haben, ist es wichtig, einige Grundregeln zu beachten. Geben Sie niemals persönliche Daten preis und bestätigen Sie keine Informationen des Gesprächspartners. Vermeiden Sie das Wort "Ja", da Telefonbetrüger Anrufe aufzeichnen und das Wort aus dem Kontext schneiden könnten, um beispielsweise eine Vertragszustimmung zu unterjubeln.
Anrufschutz für Festnetztelefone: Für Festnetztelefone gibt es spezielle Anrufschutzsysteme, die unseriöse Telefonnummern erkennen und automatisch blockieren.
Apps zur Anruferkennung und Spam-Schutz: Es gibt eine Vielzahl von Apps, die eine Rückwärtssuche, automatische Anruferkennung und Spam-Schutz bieten.
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Meldung bei der Bundesnetzagentur: Wer von stummen Anrufen geplagt wird, sollte die Nummer notieren und bei der Bundesnetzagentur melden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Rufnummer des Anrufers nicht unterdrückt wird.
Rechtliche Aspekte und die Rolle der Bundesnetzagentur
Die Bundesnetzagentur prüft derzeit, ob die "Geistertelefonate" gegen geltendes Recht verstoßen und wie man am besten dagegen vorgehen kann. Es besteht die Möglichkeit, dass der Gesetzgeber hier nachbessern muss. Seit kurzem drohen Firmen bei unerlaubten Werbeanrufen Geldbußen von bis zu 50.000 Euro. Zudem ist ein Werbetelefonat nur dann erlaubt, wenn der Angerufene dem vorher ausdrücklich zugestimmt hat. Profi-Werber dürfen außerdem ihre Rufnummer nicht mehr unterdrücken.
Die Juristin Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern hält die Massenanrufe für eine unzumutbare Belästigung nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und für einen Eingriff in die Intimsphäre. Betroffene könnten Unterlassung fordern.
Die Bundesnetzagentur hat bereits erste Gegenmaßnahmen ergriffen und die Abschaltung von Rufnummern verschiedener Unternehmen angeordnet, die durch eine Vielzahl von Telefonanrufen einzelne Verbraucher unzumutbar belästigt haben.
Roboteranrufe (Robocalls)
Eine besondere Form der automatisierten Anrufe sind Roboteranrufe, auch bekannt als "Robocalls". Bei einem Roboteranruf werden an einem Tag Millionen von Telefonnummern automatisch angerufen, um eine vorab aufgenommene Nachricht abzuspielen. Solche Anrufe können durchaus nützlich sein, beispielsweise zur Erinnerung an einen Termin oder zur Annullierung eines Fluges. Allerdings werden die meisten Roboteranrufe als lästig empfunden.
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In einigen Ländern, wie den USA, sind bestimmte Roboteranrufe unter bestimmten Bedingungen legal. So dürfen beispielsweise Unternehmen, die rechtmäßig eine Geldforderung eintreiben, oder Wohltätigkeitsorganisationen aufgezeichnete Nachrichten verwenden. Roboteranrufe, die auf Täuschung oder Betrug ausgelegt sind, sind jedoch illegal.
Spoofing-Anrufe
Eine weitere Masche, die in den letzten Jahren zugenommen hat, sind Spoofing-Anrufe. Hierbei ändern die Anrufer bewusst den Namen oder die Nummer, die als Anrufer-ID angezeigt wird. Häufig verwenden sie ähnliche Namen wie die einer realen Firma oder Person, um die Angerufenen zur Rufannahme zu verleiten.
Tipps zum Umgang mit unerwünschten Anrufen
Nicht rangehen: Wenn Sie einen Spam-Anruf von einem Roboter erhalten, sollten Sie am besten gar nicht erst rangehen. Wenn Sie den Anruf entgegennehmen, wird Ihre Nummer von den Betrügern als "gut" eingestuft, selbst wenn Sie nicht auf den Betrug hereinfallen.
Vorsicht bei "Ja"-Antworten: Viele Betrugsanrufe beginnen mit einer Frage wie "Hallo, können Sie mich hören?", damit der Angerufene ohne nachzudenken mit "Ja" antwortet. Diese Bestätigung kann aufgezeichnet und für Betrügereien genutzt werden.
Keine Anweisungen befolgen: In Roboteranrufen wird man gelegentlich zu Aktivitäten aufgefordert, wie "Drücken Sie die 1, um mit einem unserer Mitarbeiter zu sprechen" oder "Drücken Sie die 2, um sich abzumelden". Wenn Sie den Anweisungen Folge leisten, wissen die Roboteranrufer, dass Sie ein potentielles Opfer sind, und werden es weiter versuchen.
Nummer nicht zurückrufen: Wenn Sie eine unbekannte Nummer auf Ihrem Display sehen, ist es nicht empfehlenswert, diese zurückzurufen. Abgesehen von der Gefahr, dass Sie eine möglicherweise teure Premium-Nummer anrufen, signalisieren Sie den Spammern, dass Ihre Nummer aktiv ist, und Sie müssen mit weiteren Spam-Anrufen rechnen.
Verschiedene Arten von Spam-Anrufen
Es gibt verschiedene Arten von Spam-Anrufen, die auf unterschiedliche Betrugsmaschen abzielen:
Vorgetäuschte lokale Rufnummern oder die einer bekannten Firma: Hier wird versucht, Vertrauen zu erwecken, indem eine lokale Nummer oder der Name einer bekannten Firma angezeigt wird.
Anrufe im Namen des Finanzamts: Die Betrüger geben vor, vom Finanzamt zu sein, und fordern die Zahlung einer gefälschten Steuerrechnung, wobei sie mit der Löschung der Sozialversicherungsnummer drohen.
Gewinnversprechen oder günstige Urlaubsangebote: Diese Anrufe beginnen meist mit einer Nachricht, dass Sie eine Reise gewonnen haben oder ein besonders günstiges Urlaubsangebot winkt.
Angebote zu Krankenkassen- oder Versicherungstarifen: Hier werden Sie informiert, dass Ihr Krankenkassentarif für Sie nicht optimal ist oder es eine Möglichkeit von Nachlässen für Versicherungspakete gibt.
Kreditangebote gegen Gebühr: Der Betrüger bietet am Telefon Darlehen oder Kreditkarten gegen eine geringe Gebühr an, wobei er häufig auf Menschen mit schlechter Bonität abzielt.
Vorgetäuschte Partnerschaft mit seriösen Unternehmen: Die Betrüger geben vor, ein seriöses Unternehmen wie Apple oder eine andere bekannte Marke zu vertreten, mit denen Sie eine Geschäftsbeziehung haben.
Betrugsmaschen gegen kleine Unternehmen: Hier wird kleinen Unternehmen erzählt, dass ihr Eintrag bei Google demnächst verschwindet oder dass sie ihren Eintrag in einer Online-Karte überprüfen müssten.
Chinesische Roboteranrufe: In Regionen mit hohem chinesischem Bevölkerungsanteil können Roboteranrufe in chinesischer Sprache eingehen, in denen sich die Roboterstimmen als Mitarbeiter der chinesischen Botschaft ausgeben.
Technische Hilfsmittel zur Abwehr von Spam-Anrufen
Apps für Smartphones: Es gibt verschiedene Apps für Android- und Apple-Geräte, die Spam-Anrufe sperren oder zumindest darüber informieren können.
Anrufsperrgeräte für Festnetzanschlüsse: Für herkömmliche Festnetzanschlüsse können Anrufsperrgeräte gekauft und installiert werden, die auf Verbotslisten-Datenbanken mit bekannten betrügerischen Telefonnummern zurückgreifen.
Software von VoIP-Anbietern: Wenn Sie VoIP als Festnetztechnologie verwenden, können Sie sich bei Ihrem Serviceanbieter erkundigen, welche Software er zum Sperren von Roboteranrufen anbietet.
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