Die anthroposophische Pflege bei Demenz betrachtet den Menschen als Einheit von Leib, Seele und Geist und strebt danach, die Lebensqualität und Würde von Menschen mit Demenz zu erhalten und zu fördern. Sie begegnet den Betroffenen mit Achtsamkeit und Respekt und berücksichtigt ihre individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten.
Einführung in die anthroposophische Pflege
Die anthroposophische Pflege ist ein ganzheitlicher Ansatz, der den Menschen in seiner Gesamtheit betrachtet. Sie basiert auf dem Menschenbild Rudolf Steiners und geht davon aus, dass der Mensch nicht nur aus einem physischen Körper besteht, sondern auch eine Seele und einen Geist hat. Diese drei Ebenen stehen in ständiger Wechselwirkung miteinander und beeinflussen sich gegenseitig. Die anthroposophische Pflege berücksichtigt diese Zusammenhänge und versucht, den Menschen in seiner Gesamtheit zu unterstützen.
Im Kontext von Demenz bedeutet dies, dass die anthroposophische Pflege nicht nur die kognitiven Beeinträchtigungen der Betroffenen berücksichtigt, sondern auch ihre emotionalen und spirituellen Bedürfnisse. Sie versucht, die Menschen mit Demenz in ihrer Individualität wahrzunehmen und ihnen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohl und geborgen fühlen.
Das Menschenbild in der anthroposophischen Pflege
Das anthroposophische Menschenbild ist die Grundlage für die anthroposophische Pflege. Es geht davon aus, dass der Mensch ein Wesen ist, das sich ständig entwickelt und verändert. Auch im Alter und bei Krankheit ist der Mensch noch fähig zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Die anthroposophische Pflege versucht, diese Entwicklungsmöglichkeiten zu fördern und den Menschen dabei zu unterstützen, sein Potenzial auszuschöpfen.
Ein wichtiger Aspekt des anthroposophischen Menschenbildes ist die Vorstellung, dass der Mensch eine Verbindung zur geistigen Welt hat. Diese Verbindung kann im Laufe des Lebens schwächer werden, aber sie ist nie ganz verloren. Die anthroposophische Pflege versucht, diese Verbindung zu stärken und den Menschen mit Demenz dabei zu helfen, sich mit ihrer spirituellen Dimension zu verbinden.
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Die Ziele der anthroposophischen Pflege bei Demenz
Die anthroposophische Pflege bei Demenz hat verschiedene Ziele:
- Erhaltung und Förderung der Lebensqualität: Die anthroposophische Pflege versucht, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz so lange wie möglich zu erhalten und zu fördern. Dies geschieht durch eine individuelle Betreuung, die auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Betroffenen abgestimmt ist.
- Würdevoller Umgang: Die anthroposophische Pflege begegnet Menschen mit Demenz mit Würde und Respekt. Sie achtet ihre Individualität und ihre Bedürfnisse und versucht, ihnen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohl und geborgen fühlen.
- Unterstützung der Angehörigen: Die anthroposophische Pflege unterstützt auch die Angehörigen von Menschen mit Demenz. Sie bietet ihnen Beratung und Unterstützung und hilft ihnen, mit den Belastungen der Pflege umzugehen.
- Förderung der Selbstständigkeit: Die anthroposophische Pflege versucht, die Selbstständigkeit von Menschen mit Demenz so lange wie möglich zu erhalten und zu fördern. Dies geschieht durch eine aktivierende Pflege, die die Fähigkeiten der Betroffenen unterstützt und sie dazu ermutigt, aktiv am Leben teilzunehmen.
- Begleitung in der letzten Lebensphase: Die anthroposophische Pflege begleitet Menschen mit Demenz auch in der letzten Lebensphase. Sie bietet ihnen eine würdevolle Sterbebegleitung und unterstützt sie dabei, in Frieden zu sterben.
Methoden und Anwendungen in der anthroposophischen Pflege
Die anthroposophische Pflege verwendet verschiedene Methoden und Anwendungen, um die Ziele zu erreichen. Dazu gehören:
- Die 12 Pflegerischen Gesten: Die 12 Pflegerischen Gesten sind ein Konzept von Rolf Heine, das auf den Prinzipien der Anthroposophie basiert. Sie beschreiben verschiedene Qualitäten, die in der Pflege eine Rolle spielen, wie zum Beispiel Raum schaffen, Einhüllen, Aufrichten und Reinigen. Die Pflegenden können diese Gesten bewusst einsetzen, um ihre Handlungen eine andere Qualität zu geben und die Bedürfnisse der Patienten besser zu erfüllen.
- Äußere Anwendungen: Äußere Anwendungen wie Einreibungen, Wickel und Auflagen sind ein wichtiger Bestandteil der anthroposophischen Pflege. Sie werden eingesetzt, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und das Wohlbefinden der Patienten zu verbessern.
- Rhythmische Einreibungen: Rhythmische Einreibungen nach Wegman/Hauschka sind eine spezielle Form der Einreibung, die auf den Prinzipien der Anthroposophie basiert. Sie werden eingesetzt, um den Körper zu harmonisieren und das Gleichgewicht zwischen Leib, Seele und Geist wiederherzustellen.
- Waschungen: Waschungen sind eine einfache und wirkungsvolle Methode, um das Wohlbefinden der Patienten zu verbessern. Sie können mit verschiedenen Zusätzen wie Rosmarin oder Lavendel durchgeführt werden, um unterschiedliche Wirkungen zu erzielen.
- Künstlerische Therapien: Künstlerische Therapien wie Malen, Musiktherapie und Bewegungstherapie sind ein wichtiger Bestandteil der anthroposophischen Pflege. Sie werden eingesetzt, um die Kreativität und die Ausdrucksfähigkeit der Patienten zu fördern und ihre emotionalen Bedürfnisse zu erfüllen.
- Biografische Arbeit: Die biografische Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil der anthroposophischen Pflege. Sie hilft den Pflegenden, die Lebensgeschichte der Patienten besser zu verstehen und ihre individuellen Bedürfnisse zu berücksichtigen.
- Milieutherapie: Die Milieutherapie ist ein wichtiger Bestandteil der anthroposophischen Pflege. Sie versucht, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Patienten wohl und geborgen fühlen. Dazu gehört eine anregende und abwechslungsreiche Umgebung, die die Sinne anspricht und die Kreativität fördert.
- Ernährung: Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle in der anthroposophischen Pflege. Sie sollte auf die Bedürfnisse und Vorlieben der Patienten abgestimmt sein und aus natürlichen und vollwertigen Lebensmitteln bestehen.
Die Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehung
In der anthroposophischen Pflege spielt die zwischenmenschliche Beziehung eine zentrale Rolle. Pflegende und Gepflegte begegnen sich als zwei mündige, sich entwickelnde Menschen. Die Pflegenden versuchen, eine Beziehung zu den Patienten aufzubauen, die von Wertschätzung, Respekt und Empathie geprägt ist. Sie nehmen sich Zeit für Gespräche und versuchen, die Bedürfnisse und Wünsche der Patienten zu verstehen.
Eine wichtige Aufgabe der Pflegenden ist es, den Patienten ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Sie schaffen eine Atmosphäre des Vertrauens, in der sich die Patienten wohlfühlen und sich öffnen können. Dies ist besonders wichtig bei Menschen mit Demenz, die oft unter Angst und Unsicherheit leiden.
Die Rolle der Angehörigen
Die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle in der anthroposophischen Pflege. Sie sind oft die wichtigsten Bezugspersonen der Patienten und kennen ihre Lebensgeschichte und ihre Bedürfnisse am besten. Die anthroposophische Pflege versucht, die Angehörigen in die Pflege einzubeziehen und sie bei der Betreuung ihrer Familienmitglieder zu unterstützen.
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Die Pflegenden bieten den Angehörigen Beratung und Unterstützung an und helfen ihnen, mit den Belastungen der Pflege umzugehen. Sie informieren sie über die Krankheit und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und unterstützen sie bei der Organisation der Pflege.
Anthroposophische Pflege in der Praxis
Die anthroposophische Pflege wird in verschiedenen Einrichtungen angeboten, wie zum Beispiel in anthroposophischen Kliniken, Altenheimen und heilpädagogischen Heimen. Es gibt auch ambulante Pflegedienste, die anthroposophische Pflege anbieten.
In den Einrichtungen, die anthroposophische Pflege anbieten, wird Wert auf eine individuelle Betreuung der Patienten gelegt. Die Pflegenden nehmen sich Zeit für Gespräche und versuchen, die Bedürfnisse und Wünsche der Patienten zu verstehen. Sie setzen die verschiedenen Methoden und Anwendungen der anthroposophischen Pflege ein, um das Wohlbefinden der Patienten zu verbessern und ihre Selbstständigkeit zu fördern.
Ein Beispiel für die Anwendung der anthroposophischen Pflege in der Praxis ist die Gestaltung des Lebensraums der Patienten. In anthroposophischen Einrichtungen wird Wert auf eine anregende und abwechslungsreiche Umgebung gelegt, die die Sinne anspricht und die Kreativität fördert. Die Räume sind hell und freundlich gestaltet und mit natürlichen Materialien ausgestattet. Es gibt viele Pflanzen und Bilder, die eine positive Atmosphäre schaffen.
Die Bedeutung der Fort- und Weiterbildung
Die anthroposophische Pflege erfordert eine spezielle Ausbildung und Fortbildung. Die Pflegenden müssen mit den Grundlagen der Anthroposophie vertraut sein und die verschiedenen Methoden und Anwendungen der anthroposophischen Pflege beherrschen.
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Es gibt verschiedene Weiterbildungskurse für anthroposophische Pflege, in denen die Pflegenden ihr Wissen und ihre Fähigkeiten erweitern können. In diesen Kursen werden die Hintergründe der Anthroposophie mit ihrem besonderen Menschenbild vermittelt und die pflegetherapeutischen Maßnahmen geübt. Die Pflegenden schulen ihre Hände und erspüren den Rhythmus, in dem z.B. ein Öl eingerieben oder eine Waschung durchgeführt wird. Die Selbsterfahrung ist sehr wichtig, denn sie erleichtert es, sich in die konkrete Situation der Patienten einzufühlen.
Herausforderungen und Chancen
Die anthroposophische Pflege steht vor verschiedenen Herausforderungen. Eine Herausforderung ist die Finanzierung der Pflege. Die anthroposophische Pflege ist oft aufwendiger als die konventionelle Pflege und wird daher nicht immer von den Krankenkassen übernommen.
Eine weitere Herausforderung ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Es gibt nicht genügend Pflegende, die eine Ausbildung in anthroposophischer Pflege haben.
Trotz dieser Herausforderungen bietet die anthroposophische Pflege viele Chancen. Sie kann dazu beitragen, die Lebensqualität und Würde von Menschen mit Demenz zu erhalten und zu fördern. Sie kann auch die Angehörigen entlasten und ihnen helfen, mit den Belastungen der Pflege umzugehen.
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