Etwa jede vierte Frau verspürt Schmerzen beim Eisprung, bekannt als Mittelschmerz. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Krämpfen beim Eisprung.
Was ist der Mittelschmerz?
Der Mittelschmerz äußert sich als Ziehen oder Stechen im Unterleib und tritt während des Eisprungs auf. Die Intensität und Dauer des Schmerzes variieren von Frau zu Frau. Manche Frauen spüren ihn kaum, während andere unter starken, krampfartigen Schmerzen leiden, die sogar in den Rücken oder die Beine ausstrahlen können.
Wie fühlen sich Schmerzen beim Eisprung an?
Die Wahrnehmung des Schmerzes ist sehr individuell. Einige Frauen beschreiben ihn als leichtes bis mittelschweres Ziehen oder Stechen auf Höhe der Eierstöcke. Andere erleben krampfartige Schmerzen, die sehr stark sein können. Der Schmerz kann nur wenige Minuten, mehrere Stunden oder sogar ein bis zwei Tage andauern. Bei manchen Frauen strahlt der Schmerz vom Unterbauch aus sogar in den Rücken oder die Beine aus oder äußert sich durch ein unangenehmes, drückendes Gefühl im Dammbereich.
Der Schmerz kann in einem Monat sehr stark zu spüren sein und im nächsten kaum oder gar nicht. Außerdem wechselt der Mittelschmerz die Seite - je nachdem, welcher Eierstock aktiv ist. Und so kann die schmerzende Seite mitunter monatlich wechseln.
Ursachen von Schmerzen beim Eisprung
Die genaue Ursache des Mittelschmerzes ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Theorien:
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- Spannung im Follikel: Kurz vor dem Eisprung ist der Follikel, der das Eibläschen enthält, prall gefüllt. Die Spannung, die dadurch entsteht, kann Schmerzen auslösen.
- Aufplatzen des Follikels: Beim Aufplatzen des Follikels wird Flüssigkeit freigesetzt, die das Bauchfell reizen und Schmerzen verursachen kann.
- Kontakt der Eizelle mit den Eileitern: Der Kontakt der Eizelle mit den Eileitern kann ebenfalls Schmerzen verursachen.
- Reizung der Beckenorgane: Eine Reizung der umliegenden Beckenorgane kann ebenfalls zu Schmerzen führen.
- Spannungen in der Gebärmutter: Schmerzen beim Eisprung, auch als Eisprungschmerzen bezeichnet, können außerdem durch verschiedene Faktoren verstärkt werden. Dazu zählen Spannungen in der Gebärmutter, die während des Menstruationszyklus auftreten, oder eine Reizung der umliegenden Beckenorgane. In seltenen Fällen können diese Schmerzen sogar mit Menstruationsschmerzen verwechselt werden, insbesondere wenn sie ähnlich intensiv auftreten.
Zeitpunkt des Mittelschmerzes
Der Mittelschmerz tritt in der Zyklusmitte um den Eisprungtag herum auf, daher auch der Name Ovulationsschmerz. Oft treten die Beschwerden zusammen mit der so genannten Ovulationsblutung auf, einer kurzen Blutung, die eher einem rötlich oder bräunlich verfärbtem Zervixschleim gleicht. Der Mittelschmerz kann vor, nach und direkt am Eisprungtag auftreten, der zeitliche Zusammenhang ist nicht exakt bestimmbar und individuell verschieden. Je nach Zykluslänge tritt etwa zwei Wochen später die Menstruation ein.
Ist der Mittelschmerz ein zuverlässiges Signal für den Eisprung?
Der Mittelschmerz kann helfen, die Zeit der fruchtbaren Tage im Zyklus einzugrenzen, ist aber kein absolut zuverlässiges Zeichen für den Eisprung. Er sollte in Kombination mit anderen Symptomen wie der Beschaffenheit des Muttermunds, einer höheren Basaltemperatur und einem veränderten Zervixschleim betrachtet werden. Dokumentierst du Symptome und deine Regelblutung zusammen über einen längeren Zeitraum hinweg, weißt du, an welchen Tagen ihr Sex haben solltet, um die Chance zu erhöhen, schwanger zu werden. Allerdings können dich die verschiedenen Eisprung-Symptome bei deinem Kinderwunsch nur leiten, wenn du einen halbwegs regelmäßigen Zyklus hast. Der Mittelschmerz darf nicht als eindeutiges Zeichen dafür gedeutet werden, dass auch wirklich ein Eisprung stattfindet. Genauso gilt aber auch, dass fehlende Schmerzen beim Eisprung keinen fehlenden Eisprung bedeutet.
Was hilft gegen die Schmerzen beim Eisprung?
In den meisten Fällen sind die Schmerzen des Mittelschmerzes nicht stark und verschwinden von selbst. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die zur Linderung beitragen können:
- Wärme: Eine Wärmflasche, ein warmes Bad oder ein erwärmtes Dinkelkissen können die verkrampfte Muskulatur entspannen.
- Magnesium: Die Einnahme von Magnesium kann helfen, Krämpfe im Unterleib zu lösen.
- Schmerzmittel: Bei stärkeren Schmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eingenommen werden.
- Kräutertees: Tees mit Kräutern wie Mönchspfeffer, Frauenmantel oder Schafgarbe können krampflösend wirken.
- Entspannung: Stress kann die Schmerzen verstärken. Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Hausmittel: Oft genügen schon einfache Hausmittel, die auch bei klassischen Menstruationsbeschwerden zum Einsatz kommen. Ein heißer Tee und leichte Bauchmassagen mit ätherischen Ölen heizen den Krämpfen zusätzlich ein.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn die Schmerzen länger anhalten, relativ stark sind oder von anderen Symptomen wie Fieber, Übelkeit oder Erbrechen begleitet werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. In seltenen Fällen können die Schmerzen auf eine andere Ursache hinweisen, wie beispielsweise eine Zyste, Myome, eine Blinddarmentzündung oder eine Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut wie die Endometriose.
Beckenschmerzen: Wenn der Schmerz chronisch wird
Belastet der Schmerz ihren Alltag oder hat eine Frau auch außerhalb der Menstruation (Periode) an zehn aufeinander folgenden Tagen Schmerzen, sollte sie sich ärztlich untersuchen lassen. Ärztinnen und Ärzte sprechen bei Schmerzen im Unterleib oder Unterbauch meist von Beckenschmerzen, weil sie im Beckenbereich auftreten. Dieser ist bei Frauen mit seinen vielfältigen Strukturen, Organen und Funktionen eine hochkomplexe Region, was die Suche nach den Schmerzursachen schwierig macht. Häufige Gründe können Veränderungen an den Eierstöcken, zum Beispiel durch Zysten, oder auch eine Eileiterschwangerschaft sein.
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So vielfältig wie die möglichen Schmerzursachen sind die Fachrichtungen der Ärztinnen und Ärzte, die bei der umfassenden Abklärung der Beschwerden gefragt sind: Spezialisten für Gynäkologie, Urologie, Radiologie, Neurologie, Gastroenterologie, Orthopädie, Onkologie oder Schmerzmedizin könnten die Lösung finden. Sie alle ambulant nacheinander zu konsultieren, erfordert viel Zeit und Geduld. Primäre Anlaufstelle für Frauen mit Beckenschmerzen sollte daher idealerweise ein sogenanntes Beckenbodenzentrum sein, in dem viele der benötigten Fachgebiete vertreten sind. Solche Zentren gibt es inzwischen bundesweit an vielen Orten. Geeignete Ansprechpartner sind über die Deutsche Kontinenz Gesellschaft zu finden.
Die Diagnose von Beckenschmerzen
"Typische" Symptome gibt es bei Beckenschmerzen nicht, sondern ein weites Spektrum von Beschwerden. Manche Frauen klagen über Schmerzen immer kurz vor der Regelblutung, über Blasenkrämpfe, Schmerzen beim Stuhlgang oder darüber, dass eine bestimmte Stelle beim Geschlechtsverkehr immer wehtut. Deshalb beginnt die Detektivarbeit der Spezialisten mit der sogenannten Schmerzanamnese: Wann und wo genau tut es weh? Wie stark ist der Schmerz? Wie fühlt er sich an? Hilfreich ist auch ein Schmerztagebuch, in dem die Frau über vier Tage alle Beschwerden genauestens notiert. Der nächste Schritt ist die Basisdiagnostik mit Ultraschalluntersuchungen der inneren Beckenorgane, Blase, Darm und Beckenboden sowie Tastuntersuchungen der Scheide und des Enddarms.
Endometriose als Ursache
Eine mögliche Ursache für zyklusabhängige Unterleibsschmerzen ist die sogenannte Endometriose. Dabei wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, an verschiedenen Stellen im Bauchraum. Dieses Endometriose-Gewebe kann sich verändern wie die Zellen der Gebärmutterschleimhaut im weiblichen Zyklus und kann immer wieder von sich aus Schmerzen verursachen, durch Aktivierung des Immunsystems aber auch zu schmerzhaften Entzündungen führen. Behandelt wird eine Endometriose meist durch eine Bauchspiegelung, bei der die Gewebewucherungen entfernt werden, sowie durch Verschreibung von Hormonpräparaten.
Weitere mögliche Ursachen für Beckenschmerzen
- Beckenvenensyndrom (Pelvic Congestion Syndrome, PCS): Eine gut versteckte Krampfader im Bauch führt zu Schmerzen im Unterleib. Die Vene führt von den Eierstöcken zur Nierenvene und soll eigentlich Blut nach oben transportieren. Ist sie sehr geweitet, funktioniert das nicht: Das Blut staut sich, sackt nach unten ab. Die Betroffenen klagen meist über einen stechenden Schmerz auf der linken Seite, der in den Rücken ausstrahlt und sich anfühlt wie starke Menstruationsbeschwerden oder Wehen. Behandelt wird ein PCS mit einem minimalinvasiven Eingriff, bei dem die Krampfader verschlossen wird.
- Myofaszialer Beckenschmerz: Verspannungen in der Beckenbodenmuskulatur und den Faszien können einen sogenannten myofaszialen Beckenschmerz hervorrufen. Betroffen sind oft Frauen, die ihren Beckenboden stark trainiert, dabei aber verlernt haben, den Beckenboden auch wieder zu entspannen. Aber auch Harnwegsinfekte können dazu führen, dass sich die Muskulatur verkrampft. Um einen myofaszialen Beckenschmerz zu lindern, kann die schmerzende Stelle örtlich betäubt werden.
- Psychische Ursachen: Beckenboden und Blase stehen in enger Verbindung zur Psyche, sodass sich psychische Probleme nicht selten dort in Form von Schmerzen manifestieren. Ursachen können zum Beispiel Missbrauchserfahrung oder andere Traumata sein, die später zu chronischen Schmerzen führen können. Heftige Unterbauchschmerzen können aber auch Ausdruck von aktuellem Stress sein, zum Beispiel vor einer wichtigen Prüfung oder in einer anderen belastenden Situation.
Unterleibsschmerzen in der Schwangerschaft
Manche Frauen spüren bei der Einnistung des befruchteten Eis in der Gebärmutterschleimhaut ein leichtes Ziehen im Unterleib, den Einnistungsschmerz. Etwa um die achte Schwangerschaftswoche kann ein erster Dehnungsschmerz auftreten, weil die sogenannten Mutterbänder auf die Schwangerschaft reagieren. Im zweiten Trimester werden diese Beschwerden häufiger und stärker, vor allem bei Bewegungen. Der Schmerz kann sich ziehend, krampfartig, stechend oder stumpf anfühlen, in der Leiste und im seitlichen Unterbauch auftreten und bis in den unteren Rücken, das Kreuzbein oder die Schamlippen ausstrahlen. Etwa ab der 20. Woche spüren viele Frauen bei bestimmten Bewegungen einen sogenannten Symphysenschmerz, der durch die allmähliche Erweiterung der Schambeinfuge (Symphyse) ausgelöst wird. In den Wochen vor der Geburt setzen erste Senkwehen ein, die den Kopf des Babys immer tiefer ins Becken schieben. Bei einer Senkwehe verhärtet sich der Bauch kurzzeitig, es kann auch im Kreuz ziehen.
Plötzlich auftretende, heftige Unterleibsschmerzen, die auch länger anhalten, sind dagegen in der Schwangerschaft immer ein Alarmzeichen und sollten sofort in der Klinik abgeklärt werden - vor allem, wenn weitere Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Herzrasen, Benommenheit oder vaginale Blutungen hinzukommen und sich die Schmerzen bei Bewegung verschlimmern. In seltenen Fällen können Schwangerschaftskomplikationen Ursache der Unterleibsschmerzen sein, die eine dringende Behandlung erforderlich machen.
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Endometriose: Wenn Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst
Bei der Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter an. Eine stark ausgeprägte Endometriose kann zu Verwachsungen im Beckenraum und unerfülltem Kinderwunsch führen.
Definition
Bei der Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter an (z. B. an Eierstöcken, Darm, Harnblase, Bauchfell). Diese Endometrioseherde können wenige Millimeter groß sein, aber auch Apfelsinengröße aufweisen. An den Eierstöcken können sich Zysten bilden. Ihr Inhalt besteht aus altem, eingedicktem, dunkelbraunem Blut. Sie werden daher manchmal auch „Schokoladenzysten“ genannt. Die Endometrioseherde sind denselben hormonellen Einflüssen wie die Gebärmutterschleimhaut unterworfen. Entsprechend bluten sie zyklusabhängig.
Die Endometriose ist eine gutartige, aber chronische Erkrankung. Manche Frauen haben keine Schmerzen und auch keinen Behandlungsbedarf, andere Betroffene leiden unter starken Unterleibsschmerzen. Eine stark ausgeprägte Endometriose kann zu Verwachsungen im Beckenraum und unerfülltem Kinderwunsch führen.
Symptome
Die weiblichen Hormone wirken sich auf die Endometriosezellen wie auch die Gebärmutterschleimhaut gleichermaßen aus. Das durch die Endometriose gebildete Blut kann jedoch nicht mit der Menstruation abgegeben werden und kann im Bauchraum Entzündungen verursachen.
Das häufigste Symptom bei Endometriose sind starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhö). Zu weiteren häufigen Symptomen zählen Schmerzen vor Menstruationsbeginn (prämenstruelle Schmerzen) sowie Schmerzen beim Eisprung (der sog. Mittelschmerz). Im Laufe der Zeit können sich chronische Bauchschmerzen entwickeln. Dadurch kann die Lebensqualität stark beeinträchtigt sein.
Weitere typische Symptome sind:
- Häufig treten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) auf. Diese Schmerzen können auch nach dem Geschlechtsverkehr für einige Zeit bestehen bleiben.
- Ein unerfüllter Kinderwunsch (Infertilität) kann ebenfalls endometriosebedingt sein. Bei bis zu 15 % der Paare, die ungewollt kinderlos bleiben, ist die Endometriose der Frau die einzige nachweisbare Ursache. Auf welche Weise Endometriose zu Infertilität führt und ob überhaupt ein ursächlicher Zusammenhang besteht, ist nicht hinreichend geklärt.
- Bei einer Endometriose auf oder im Darm können Schmerzen beim Stuhlgang und Blut im Stuhl auftreten. Die Schmerzintensität kann mit dem Menstruationszyklus variieren.
- Endometriose der Harnblase kann beim Wasserlassen und bei voller Blase Schmerzen verursachen und zu häufiger Blasenentleerung führen.
- Eine Endometriose in der Gebärmutterwand (Adenomyose) kann starke Menstruationsblutungen verursachen.
- Ein geschwollener Bauch, Zwischenblutungen und ein Druckgefühl im Unterleib sind ebenfalls möglich.
- Frauen können während des gesamten Menstruationszyklus Schmerzen verspüren, die sich periodisch verstärken können.
Bislang ungeklärt ist die Tatsache, warum einige Frauen Schmerzen empfinden und andere nicht. Jede 5. Patientin hat keine Beschwerden. Die Verbreitung der Endometriose und der Grad der Schmerzen weisen keinen eindeutigen Zusammenhang auf. Auch große Zysten können beschwerdefrei sein.
Ursachen
Die Ursache für Endometriose ist bislang unklar. Doch bestehen zwei Haupttheorien:
- Laut einer Theorie entsteht eine Endometriose, wenn sich Zellen des Bauchfells an einigen Bereichen im kleinen Becken in Gebärmutterschleimhaut umwandeln.
- Die zweite Theorie geht davon aus, dass sich Zellen bei der Menstruation von der Gebärmutterschleimhaut lösen und über die Eileiter in die Bauchhöhle gelangen. Das Gewebe setzt sich an den Eierstöcken, am Bauchfell oder anderen Organen fest. Bei vielen Frauen kommt es im Rahmen der Periode zu Blutungen von der Gebärmutter in die Bauchhöhle (sog. retrograde Menstruation). Bei einigen aber „erlaubt“ das körpereigene Immunsystem, dass die Schleimhaut an der „falschen“ Stelle festwächst.
Eine Voraussetzung für die Entwicklung einer Endometriose ist das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Demzufolge tritt vor der Pubertät keine Endometriose auf, und die Beschwerden klingen nach den Wechseljahren ab.
Risikofaktoren
Eine frühe erste und späte letzte Menstruationsblutung begünstigen, dass sich eine Endometriose entwickelt. Zudem sind Frauen mit bestimmten Unregelmäßigkeiten der Gebärmutter besonders anfällig für Endometriose.
Vermutlich spielt bei dieser Krankheit erbliche Veranlagung eine Rolle. Besteht mütterlicher- oder schwesterlicherseits eine Endometriose, so ist das Risiko dafür um das bis zu Siebenfache erhöht. Für die Entstehung dieser Krankheit ist vermutlich eine Kombination aus erblicher Veranlagung und anderen Faktoren notwendig.
Häufigkeit
Zur Häufigkeit in Deutschland gibt es keine aussagekräftigen Daten. Schätzungen zufolge sind in Ländern mit hohem Lebensstandard 6-11 % aller Frauen betroffen.
Bei Frauen, die unter Unterleibschmerzen oder unerfülltem Kinderwunsch leiden, liegt die Häufigkeit bei 35-50 %. Expert*innen gehen davon aus, dass die Endometriose zu selten erkannt wird. Durchschnittlich vergehen 7-11 Jahre von Symptombeginn bis zur korrekten Diagnosestellung.
Diagnose
Zunächst wird die Krankengeschichte ausführlich aufgenommen, evtl. mithilfe eines Fragebogens.
In der Regel werden Sie an eine gynäkologischen Facharztpraxis überwiesen. Dort erfolgt eine gynäkologische Untersuchung, die oftmals keine Auffälligkeiten zeigt. Gebärmutter und Eierstöcke können druckempfindlich sein.
Um andere Erkrankungen auszuschließen, wird ggf. Blut abgenommen und z. B. Entzündungsmarker (CRP) bestimmt.
Eine Ultraschalluntersuchung kann zeigen, ob eine Endometriose mit größeren Endometrioseherden oder Eierstockzysten vorliegt. Kleine Herde können auch mittels Ultraschall nicht gesehen werden.
In Einzelfällen wird ergänzend eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt.
Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie, „Schlüsselloch“-Chirurgie) oder in Ausnahmefällen ein Bauchschnitt sind allerdings gegenwärtig die einzigen Methoden für eine sichere Diagnose. Die Untersuchung erfolgt unter Narkose. Bei der Laparoskopie wird ein Endoskop über den Bauchnabel in die Bauchhöhle eingeführt, um eine Übersicht über Bauchfell und Organe des Beckens zu erhalten.
Zur Diagnosesicherung werden Gewebeproben (Biopsien) entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.
Therapie
Ziel der Therapie ist es, Schmerzen zu lindern und ungewollter Kinderlosigkeit vorzubeugen bzw. diese zu behandeln. Eine Endometriose, die keine Symptome verursacht, muss nicht behandelt werden.
Die Endometriose wird von Frauenärztinnen (Gynäkologinnen) behandelt. Zur Verfügung stehen medikamentöse sowie chirurgische Therapien, ggf. kann zusätzlich eine psychotherapeutische Betreuung sinnvoll sein.
Hormonelle Therapie
Mithilfe der Hormonbehandlung sollen Menstruationsblutungen verringert bzw. gestoppt werden und damit auch die Aktivität in den Endometrioseherden.
Die Behandlung sollte mindestens 3-6 Monate andauern. Sie kann aber auch über mehrere Jahre fortgeführt werden.
Nach der Therapie setzt die normale Menstruation wieder ein, manchmal kehren auch die Schmerzen wieder.
Sog. Gelbkörperhormone (Gestagene, z. B. Dienogest) sind erste Wahl, aber auch kombinierte hormonelle Verhütungsmittel können eingesetzt werden. Frauen mit Endometriose nehmen Kombinationspräparate im Langzyklus ein, damit möglichst wenige Zwischenblutungen auftreten.
In einigen Fällen kann eine Hormonspirale mit Levonorgestrel die Beschwerden bei Endometriose lindern.
Wird die gewünschte Wirkung nicht erzielt, können GnRH-Analoga, die an Hormonrezeptoren der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) binden, verwendet werden. Bei dieser Therapie wird die Produktion der Geschlechtshormone in den Eierstöcken annähernd so wirksam gestoppt wie bei einer operativen Entfernung der Eierstöcke. Vorübergehend kommt es zu „künstlichen Wechseljahren“. Zu den Nebenwirkungen der Behandlung zählen Hitzewallungen, Schweißausbrüche und trockene Schleimhäute. Bei einer Langzeitbehandlung kann es zu einer Abnahme der Knochendichte (Osteoporose) kommen. Aufgrund dieser Nebenwirkungen sollten GnRH-Analoga nicht länger als 6 Monate eingenommen werden.
Operation
In einigen Fällen wird eine Operation empfohlen, z. B. bei Beschwerden durch eine Endometriosezyste (Endometriom) oder durch Verwachsungen im Bauchraum sowie bei besonders starken Schmerzen und/oder Blutungen bei einer Endometriose der Gebärmutterwand (Adenomyose).
Ziel ist die komplette Entfernung aller Endometrioseherde. Diese erfolgt möglichst minimalinvasiv mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie).
Bei Herden in der Darmwand oder Harnblase hat sich ein chirurgischer Eingriff als beste Option bewährt, ein Bauchschnitt kann erforderlich werden.
Eine Operation zur Entfernung der Endometrioseherde bewirkt eine (vorübergehende) Symptomlinderung. Bei bis zu 75 % der Frauen kommt es jedoch innerhalb von 2 Jahren zum Wiederauftreten der Beschwerden.
Um Rückfällen vorzubeugen, wird nach der Operation eine hormonelle Behandlung empfohlen.
Therapie ungewollter Kinderlosigkeit
Bei unerfülltem Kinderwunsch (Infertilität) kann eine reproduktionsmedizinische Behandlung erwogen werden, z. B. mit In-vitro-Fertilisation (Befruchtung im Reagenzglas).
Auch eine Operation der Endometrioseherde erhöht nachweislich die Fertilität bei Frauen mit Endometriose.
Große Endometriosezysten an den Eierstöcken sind möglicherweise zu entfernen, bevor eine Eizellentnahme durchgeführt werden kann. Wiederholte Operationen sollten jedoch vermieden werden, da sie das Risiko für Infertilität erhöhen.