Auf die Nerven fallen: Bedeutung und Herkunft einer geläufigen Redewendung

Die deutsche Sprache ist reich an Redewendungen, die oft bildhaft und überraschend sind. Einige dieser Ausdrücke sind tief in der Geschichte und Kultur verwurzelt und bieten einen faszinierenden Einblick in die Denkweise und das Alltagsleben vergangener Zeiten. Eine solche Redewendung ist "auf die Nerven fallen", die im Folgenden näher beleuchtet wird.

Bedeutung der Redewendung

Die Redewendung "auf die Nerven fallen" beschreibt eine Situation, in der eine Person eine andere lästig, aufdringlich oder extrem nervend findet. Sie ähnelt der Redewendung "auf die Nerven gehen", wobei "auf die Nerven fallen" eher einen Prozess beschreibt, der über einen längeren Zeitraum stattfindet und keinen kurzfristigen Gemütszustand.

Es gibt viele Variationen dieser Redewendung, bei denen "Nerven" durch andere Begriffe ersetzt werden, wie zum Beispiel:

  • Keks
  • Riemen
  • Geist
  • Sack
  • Nüsse
  • Eier
  • Zeiger
  • Wecker

Je nach sprachlicher Region können weitere Wörter verwendet werden, die alle das Gleiche ausdrücken.

Ursprung der Redewendung

Die genaue Herkunft der Redewendung "auf die Nerven fallen" ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch eine plausible Vermutung, die einen Zusammenhang zum Bauhandwerk herstellt. Demnach könnte "Senkel" ursprünglich von "Senkblei" abgeleitet sein. Das Senkblei, auch Lot genannt, wurde von Maurern verwendet, um die Senkrechte von Balken oder Mauerwerk zu bestimmen und so ein stabiles, standfestes Bauwerk zu errichten.

Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies

Die Verbindung zur Bedeutung der Redewendung ergibt sich, wenn man bedenkt, dass jemand, der einem "auf den Senkel tritt", die eigene Standfestigkeit gefährdet und einen ins Straucheln bringen kann.

Historische Belege

Der erste schriftliche Beleg für die Redewendung findet sich im ausgehenden 19. Jahrhundert. Genauer gesagt, im Jahr 1880 in der "Gartenlaube" in einem Artikel über Friedrich Kreyßig: "Man hat die Bücher beurtheilt, nicht den Mann, der sie geschrieben, und daß diese Urtheile nahezu einstimmig in hohem Maße anerkennend ausfielen, mag der Verfasser zum Theil seiner selbstständigen Stellung außerhalb der Coterie (Klüngel, Sippschaft, Anm.) zu danken haben, andernfalls hätten die Einen ihn sicher in den Himmel gehoben, die Andern zerfleischt, und beides ging ihm arg an die Nerven".

Weitere frühe Belege finden sich in der "Berliner Börsen-Zeitung" von 1883 und 1884 sowie im "Neuen Wiener Tagblatt" von 1891.

Verwendung im Alltag

Die Redewendung "auf die Nerven fallen" ist im deutschen Sprachraum weit verbreitet und wird in verschiedenen Kontexten verwendet. Sie kann verwendet werden, um auszudrücken, dass man von jemandem oder etwas genervt ist, oder um zu beschreiben, dass jemand eine andere Person absichtlich oder unabsichtlich stört oder belästigt.

Einige Beispiele für die Verwendung der Redewendung im Alltag sind:

Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.

  • "Hör auf, mich zu nerven! Du fällst mir total auf die Nerven!"
  • "Die ständigen Baustellen in der Stadt fallen mir langsam echt auf die Nerven."
  • "Es fällt mir auf die Nerven, wenn Leute in der Öffentlichkeit laut telefonieren."

Abgrenzung zu ähnlichen Redewendungen

Wie bereits erwähnt, ähnelt die Redewendung "auf die Nerven fallen" der Redewendung "auf die Nerven gehen". Es gibt jedoch einen subtilen Unterschied in der Bedeutung. "Auf die Nerven gehen" beschreibt eher einen kurzfristigen Gemütszustand, während "auf die Nerven fallen" einen länger andauernden Prozess impliziert.

Eine weitere ähnliche Redewendung ist "jemandem auf den Keks gehen". Auch hier wird ausgedrückt, dass man von jemandem genervt ist.

Deutsche Redewendungen im Allgemeinen

Die Redewendung "auf die Nerven fallen" ist nur ein Beispiel für die Vielfalt und den Reichtum der deutschen Sprache. Es gibt unzählige weitere Redewendungen, die oft schwer zu verstehen sind, wenn man sie wörtlich nimmt. Einige Beispiele für weitere merkwürdige deutsche Ausdrücke sind:

  • "Das ist mir Wurst": bedeutet, dass einem etwas gleichgültig ist oder man keine Meinung dazu hat.
  • "Nur Bahnhof verstehen": bedeutet, dass man keine Ahnung hat, wovon jemand spricht.
  • "Jemandem die Daumen drücken": bedeutet, jemandem viel Glück zu wünschen.
  • "Ich glaub mein Schwein pfeift": drückt Unglauben oder Überraschung aus.
  • "Ich glaub’ ich spinne": drückt Überraschung aus oder dass man eine Situation kaum fassen kann.
  • "Fix und fertig sein": bedeutet, völlig erschöpft zu sein.
  • "Na?": eine informelle Art, "Hallo" und "Wie geht es dir?" zu sagen.
  • "Bock haben": bedeutet, Lust auf etwas zu haben.
  • "Die Nase voll haben": bedeutet, genug von einer bestimmten Situation zu haben und nicht mehr darüber reden zu wollen.

Handwerkliche Bezüge in Redewendungen

Viele deutsche Redewendungen haben ihren Ursprung im Handwerk. Dies spiegelt die Bedeutung des Handwerks für die deutsche Kultur und Geschichte wider. Einige Beispiele für Redewendungen mit handwerklichem Bezug sind:

  • "Klappern gehört zum Handwerk": Wer gute Arbeit macht, darf auch zeigen, was er kann.
  • "Etwas im Schilde führen": Einen Plan haben.
  • "Aus dem Nähkästchen plaudern": Geheimnisse & kleine Einblicke teilen.
  • "Viele Hände, schnelles Ende": Im Team packt’s sich leichter an.
  • "Dampf ablassen": Sich Luft machen, bevor der Druck zu groß wird.
  • "Im Schweiße deines Angesichts": Etwas mit harter, ehrlicher Arbeit schaffen.
  • "Das ist Arbeit wie beim Uhrmacher": Wenn’s auf jeden Millimeter ankommt.
  • "Etwas in Scherben schlagen": Etwas geht gründlich schief.
  • "Nach Strich und Faden": Etwas richtig ordentlich machen.
  • "Wer rastet, der rostet": Wer stehenbleibt, verliert den Anschluss.
  • "Jeder ist seines Glückes Schmied": Glück fällt nicht vom Himmel - du machst es selbst.
  • "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen": Keiner startet als Profi.
  • "Alles hat Hand und Fuß": Etwas ist durchdacht, solide und verlässlich.
  • "Jemanden einen Korb geben": Eine Absage erteilen.
  • "Passt wie angegossen": Wenn ein Werkstück genau in die Form passte, war die Arbeit gelungen.
  • "Sich verheddern, den Faden verlieren": Durcheinander kommen.
  • "Auf Messers Schneide stehen": Eine Situation ist extrem heikel.
  • "Einen Dämpfer bekommen": Einen Rückschlag erleben.
  • "Einen Zahn zulegen": Schneller machen.
  • "Eine Schraube locker haben": Jemand ist ein bisschen verrückt oder macht ungewöhnliche Sachen.
  • "Auf gut Glück!": Mut und Pragmatismus vereint.
  • "Nägel mit Köpfen machen": Dinge sauber und vollständig erledigen.
  • "Alles in Butter": Wenn alles passt, sauber verarbeitet ist und hält, was es verspricht.
  • "Himmel, Arsch und Zwirn": Ein kreativer Fluch mit Handwerkstradition.
  • "Jemanden geht ein Mühlrad im Kopf herum": Man grübelt, denkt in Schleifen, findet keine Ruhe.
  • "Die Feuerprobe bestehen": Etwas richtig Schwieriges meistern.
  • "Handwerk hat goldenen Boden": Das Handwerk ist eine wichtige Wirtschaftsgrundlage.
  • "Einen Schnitzer machen": Einen Fehler machen.
  • "Eine lange Leitung haben": Jemand versteht oder reagiert etwas später.
  • "Das geht (ja) wie’s Brezelbacken!“ oder auch„Läuft wie geschmiert!“: Wenn etwas richtig gut läuft.
  • "Jemanden zeigen, wo der Hammer hängt": Jemand ist richtig erfahren, kompetent und weiß genau, wie der Hase läuft.
  • "Blau machen": Frei machen.

Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven

tags: #auf #die #nerven #fallen #englisch