Antidiuretisches Hormon und Hirntumore: Ursachen, Auswirkungen und Behandlungen

Hypophysentumore sind komplexe Erkrankungen, die eine Vielzahl von hormonellen und neurologischen Auswirkungen haben können. Eine der wichtigsten Funktionen der Hypophyse ist die Produktion und Freisetzung des antidiuretischen Hormons (ADH), auch Vasopressin genannt. ADH spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Wasserhaushaltes des Körpers. Störungen in der ADH-Produktion, die durch Hirntumore verursacht werden, können zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Auswirkungen und Behandlungen von ADH-bedingten Störungen im Zusammenhang mit Hirntumoren.

Die Rolle von ADH im Körper

ADH, auch Vasopressin genannt, ist ein Peptidhormon, das im Hypothalamus gebildet und im Hypophysenhinterlappen gespeichert wird. Seine Hauptfunktion besteht darin, die Wasserrückresorption in den Nieren zu regulieren. ADH wirkt antidiuretisch, indem es die Durchlässigkeit der Sammelrohre der Nieren für Wasser erhöht. Dadurch wird mehr Wasser aus dem Urin zurück in den Blutkreislauf transportiert, was zu einer Konzentration des Urins und einer Reduzierung des Flüssigkeitsverlustes führt.

Darüber hinaus hat Vasopressin auch andere wichtige Funktionen im Körper. Es kann Durst auslösen, ist an Gedächtnis- und Lernleistungen beteiligt und stimuliert die Ausschüttung von Corticotropin (ACTH) aus dem Hypophysenvorderlappen. Als Signalmolekül im Gehirn sorgt es für die Regulation der Körpertemperatur und steuert Emotionen.

Ursachen für ADH-Störungen bei Hirntumoren

Hirntumore, insbesondere solche, die in der Nähe der Hypophyse oder des Hypothalamus lokalisiert sind, können die ADH-Produktion und -Freisetzung beeinträchtigen. Es gibt zwei Haupttypen von ADH-Störungen, die durch Hirntumore verursacht werden können:

  1. Diabetes insipidus: Diese Erkrankung tritt auf, wenn die Hypophyse nicht ausreichend ADH produziert oder freisetzt. Dies kann durch direkten Druck des Tumors auf das Hypophysengewebe oder durch Schädigung des Hypothalamus verursacht werden, wo ADH produziert wird. Infolgedessen können die Nieren das Wasser nicht mehr richtig zurückresorbieren, was zu übermäßigem Wasserverlust über den Urin führt.

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  2. Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH): Dieses Syndrom ist durch eine übermäßige Freisetzung von ADH gekennzeichnet, unabhängig von der Blutplasma-Osmolalität. Dies führt zu einer vermehrten Wasserrückresorption in den Nieren, was zu einer Verdünnungshyponatriämie (niedriger Natriumspiegel im Blut) und einer Hyperhydratation (Überwässerung) führen kann. SIADH kann durch bestimmte Hirntumore verursacht werden, die ADH-ähnliche Substanzen produzieren oder die Freisetzung von ADH aus der Hypophyse stimulieren.

Begleiterkrankungen bei Hypophysentumoren

Hypophysentumore können mit verschiedenen Begleiterkrankungen verbunden sein, die entweder als Folge des Tumors selbst oder aufgrund der hormonellen Veränderungen auftreten, die sie verursachen.

  • Hypopituitarismus: Dies ist eine Erkrankung, bei der die Hypophyse nicht ausreichend Hormone produziert. Dies kann der direkte Druck des Tumors auf das Hypophysengewebe verursachen.

  • Prolaktinom: Einige Hypophysentumore, insbesondere Prolaktinome, führen zu einer übermäßigen Produktion des Hormons Prolaktin. Dies kann bei Frauen zu Unfruchtbarkeit, unregelmäßigen Menstruationszyklen und Milchfluss aus der Brust führen.

  • Cushing-Syndrom: Das Cushing-Syndrom tritt auf, wenn ein Hypophysentumor zu viel adrenokortikotropes Hormon (ACTH) produziert, was wiederum die Nebennieren veranlasst, einen Überschuss des Hormons Cortisol zu produzieren.

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  • Akromegalie: Bei der Akromegalie führt eine Überproduktion des Wachstumshormons zu einer Vergrößerung von Händen, Füßen und Gesichtszügen.

  • Nebenniereninsuffizienz: Wenn der Hypophysentumor die Produktion des Hormons ACTH beeinträchtigt, kann dies zu einer Unterfunktion der Nebennieren führen.

Die Behandlung dieser Begleiterkrankungen erfolgt oft parallel zur Behandlung des Hypophysentumors und erfordert eine individuelle Anpassung der Therapie.

Diabetes insipidus: Symptome, Diagnose und Behandlung

Diabetes insipidus ist eine seltene Form des Diabetes, die durch einen Mangel an Vasopressin (ADH) gekennzeichnet ist. Die Symptome von Diabetes insipidus sind:

  • Polyurie: Übermäßige Ausscheidung von verdünntem Urin (bis zu 20 Liter pro Tag)
  • Polydipsie: Starker Durst und übermäßige Flüssigkeitsaufnahme
  • Nykturie: Häufiges Wasserlassen in der Nacht
  • Dehydration: Austrocknung des Körpers aufgrund des hohen Flüssigkeitsverlustes

Die Diagnose von Diabetes insipidus umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Überprüfung der Krankengeschichte und verschiedene Tests, wie z. B.:

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  • Urinanalyse: Messung der Urinmenge, der Urinkonzentration (Osmolalität) und des spezifischen Gewichts
  • Bluttests: Messung des Natriumspiegels, der Osmolalität und des ADH-Spiegels im Blut
  • Durstversuch: Überwachung der Urinproduktion und des Natriumspiegels im Blut über einen bestimmten Zeitraum, während der Patient keine Flüssigkeit zu sich nimmt
  • MRT der Hypophyse: Bildgebung der Hypophyse, um Tumore oder andere Anomalien zu erkennen

Die Behandlung von Diabetes insipidus hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung ab. In einigen Fällen kann die Behandlung des zugrunde liegenden Hirntumors die ADH-Produktion verbessern und die Symptome lindern. In anderen Fällen kann eine Hormonersatztherapie mit Desmopressin erforderlich sein. Desmopressin ist ein synthetisches Analogon von ADH, das als Nasenspray, Tablette oder Injektion verabreicht werden kann. Es hilft, die Wasserrückresorption in den Nieren zu erhöhen und die Urinproduktion zu reduzieren.

SIADH: Symptome, Diagnose und Behandlung

SIADH ist eine Erkrankung, die durch eine übermäßige Freisetzung von ADH gekennzeichnet ist. Die Symptome von SIADH können variieren, je nach Schweregrad der Hyponatriämie. Leichte Fälle von SIADH verursachen möglicherweise keine Symptome, während schwerere Fälle zu folgenden Symptomen führen können:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschwäche, Krämpfe oder Zittern
  • Verwirrung, Desorientierung oder Halluzinationen
  • Bewusstseinsverlust oder Koma

Die Diagnose von SIADH umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Überprüfung der Krankengeschichte und verschiedene Tests, wie z. B.:

  • Bluttests: Messung des Natriumspiegels, der Osmolalität und des ADH-Spiegels im Blut
  • Urinanalyse: Messung der Urinmenge und der Urinkonzentration (Osmolalität)
  • Ausschluss anderer Ursachen für Hyponatriämie: Überprüfung auf andere Erkrankungen oder Medikamente, die zu niedrigem Natriumspiegel im Blut führen können
  • MRT des Gehirns: Bildgebung des Gehirns, um Tumore oder andere Anomalien zu erkennen

Die Behandlung von SIADH zielt darauf ab, den Natriumspiegel im Blut zu normalisieren und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln. Zu den Behandlungsoptionen gehören:

  • Flüssigkeitsrestriktion: Begrenzung der Flüssigkeitsaufnahme, um die Verdünnung des Blutes zu reduzieren
  • Kochsalzinfusionen: Verabreichung von Kochsalzlösung, um den Natriumspiegel im Blut zu erhöhen
  • Medikamente:
    • Vasopressin-Rezeptor-Antagonisten (Vaptane): Diese Medikamente blockieren die Wirkung von ADH auf die Nieren und fördern die Ausscheidung von Wasser, ohne die Elektrolytausscheidung zu beeinflussen.
    • Diuretika: In einigen Fällen können Diuretika eingesetzt werden, um die Wasserausscheidung zu erhöhen und den Natriumspiegel im Blut zu erhöhen.
  • Behandlung des zugrunde liegenden Tumors: Wenn SIADH durch einen Hirntumor verursacht wird, kann die Behandlung des Tumors (z. B. Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie) die ADH-Produktion normalisieren und die Symptome lindern.

Hirntumore: Allgemeine Informationen

Tumore können in allen Altersgruppen und in allen Regionen des Gehirns und der Schädelbasis vorkommen. Die Entstehung von Hirntumoren wird auf eine Anhäufung von genetischen Veränderungen (Mutationen) zurückgeführt, die zu einem unkontrollierten Wachstum der krankhaft veränderten Zellen führt.

Hirn- und Schädelbasistumore können eine Irritation der Hirnfunktion auslösen, die sich in Form von epileptischen Anfällen oder Fehlwahrnehmungen ausdrückt, oder eine Fehlfunktion verursachen, die in Abhängigkeit der Lage des Tumors zu unterschiedlichen neurologischen Ausfällen führt wie Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Denkstörungen, Riechstörungen, Sehstörungen, Hörstörungen oder Gleichgewichtsstörungen. Da das Gehirn vom starren Schädelknochen umgeben ist, führt jeder Tumor früher oder später zu einer Druckerhöhung, die eine lebensbedrohliche Situation darstellen kann.

Arten von Hirntumoren

Es gibt viele verschiedene Arten von Hirntumoren, die in primäre und sekundäre Tumore unterteilt werden können. Primäre Hirntumore entstehen aus Zellen des Gehirns oder der Hirnhäute selbst, während sekundäre Hirntumore Metastasen von Krebszellen aus anderen Teilen des Körpers sind.

Zu den häufigsten Arten von primären Hirntumoren gehören:

  • Gliome: Diese Tumore stammen aus Gliazellen, den Stützzellen des Gehirns. Zu den verschiedenen Arten von Gliomen gehören Glioblastome, Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome.
  • Meningeome: Diese Tumore gehen von den Hirnhäuten aus und sind in der Regel gutartig.
  • Neurinome (Schwannome): Diese Tumore entstehen aus den Schwannschen Zellen, die die Nerven umhüllen. Das Akustikusneurinom (vestibuläres Schwannom) ist der häufigste Tumor in der hinteren Schädelgrube.
  • Hypophysenadenome: Diese Tumore entstehen aus Zellen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und können die Hormonproduktion beeinträchtigen.
  • Kraniopharyngeome: Diese Tumore sind in der Nähe der Hypophyse lokalisiert und können Sehstörungen und hormonelle Probleme verursachen.

Diagnose von Hirntumoren

Die Diagnose von Hirntumoren umfasst in der Regel eine neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren und eine Biopsie.

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die neurologische Funktion des Patienten, einschließlich Sehvermögen, Hörvermögen, Gleichgewicht, Koordination, Reflexe und geistige Funktion.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Magnetresonanztomographie (MRT): MRT ist das bevorzugte bildgebende Verfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Es liefert detaillierte Bilder des Gehirns und kann helfen, die Größe, Lage und Art des Tumors zu bestimmen.
    • Computertomographie (CT): CT kann auch zur Diagnose von Hirntumoren verwendet werden, insbesondere in Notfallsituationen.
  • Biopsie: Eine Biopsie ist die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Tumor zur mikroskopischen Untersuchung. Die Biopsie hilft, die Art des Tumors zu bestimmen und die geeignete Behandlung zu planen.

Behandlung von Hirntumoren

Die Behandlung von Hirntumoren hängt von der Art, Größe, Lage und dem Wachstumsverhalten des Tumors sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:

  • Operation: Das Ziel der Operation ist es, den Tumor so vollständig wie möglich zu entfernen, ohne das umliegende gesunde Hirngewebe zu schädigen.
  • Bestrahlung: Die Strahlentherapie verwendet hochenergetische Strahlen, um Krebszellen abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen.
  • Chemotherapie: Die Chemotherapie verwendet Medikamente, um Krebszellen im ganzen Körper abzutöten.
  • Gezielte Therapie: Die gezielte Therapie verwendet Medikamente, die spezifische Moleküle in Krebszellen angreifen, um ihr Wachstum und ihre Ausbreitung zu verhindern.
  • Stereotaktische Radiochirurgie: Die stereotaktische Radiochirurgie ist eine Art der Strahlentherapie, die hochpräzise Strahlen verwendet, um Tumore im Gehirn zu behandeln.

Minimalinvasive Neurochirurgie

Die minimalinvasive Neurochirurgie ist ein Ansatz, der darauf abzielt, die Belastung für den Patienten während der Operation zu minimieren. Dies wird durch die Verwendung von modernen Techniken in der Planung und Durchführung des Eingriffs erreicht.

  • Neuronavigation: Die Neuronavigation hilft dem Operateur, den Tumor zu lokalisieren und erhöht somit die Präzision des Eingriffs.
  • Intraoperatives MRI: Während der Operation kann verbleibendes Tumorgewebe erkannt und möglichst vollständig entfernt werden.
  • Fluoreszenzgestützte Resektion: Dabei wird den Patienten vor dem operativen Eingriff eine Trinklösung (Gliolan®) verabreicht. Das Medikament wird in den Tumorzellen zu einem Fluoreszenzfarbstoff umgewandelt, das während der Operation unter spezieller Beleuchtung sichtbar wird (fluoresziert).
  • Elektrophysiologisches Monitoring: Das elektrophysiologische Monitoring dient der ständigen Überwachung der Integrität der Leitungsbahnen von den Funktionszentren des Hirnes bis zum Zielorgan in der Peripherie.

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