Apostel Paulus und Migräne: Eine Verbindung von Schwäche und Stärke

Kennen Sie das Gefühl, von Zeiten und Situationen überwältigt zu sein, in denen Sie dringend einen tröstenden Zuspruch benötigen? Sie sind damit nicht allein. Viele Menschen sehnen sich nach einem solchen Trost. Das Wort für heute ist ein solches Trostwort, das von der Nähe Gottes spricht, der uns in seinem Sohn Jesus Christus nahekommt - besonders an den Tagen, die uns schwerfallen.

Paulus befand sich in einer schwierigen Lage, geplagt von gesundheitlichen Problemen und geistlichen Anfechtungen. Er musste sich damit auseinandersetzen, dass er von einigen Christen in Korinth nicht als Apostel anerkannt wurde. Diese stellten ihre eigenen Offenbarungserlebnisse in den Mittelpunkt und vergrößerten so ihre Anhängerschaft.

Der "Stachel im Fleisch" des Paulus

Paulus beschreibt einen „Stachel im Fleisch“, der ihn plagte. Es wird vermutet, dass es sich dabei um Muskelkrämpfe, Migräneanfälle oder ein Nierenleiden mit Koliken gehandelt haben könnte. Dreimal bat er den Herrn, ihn davon zu befreien, doch sein Gebet wurde nicht erhört. War dies eine Antwort darauf, wie ein Apostel, ein Prediger des Evangeliums, aussehen und auftreten muss, um Glaubwürdigkeit zu erlangen?

Paulus schrieb den Korinthern: „Wir tragen diesen Schatz (des Evangeliums) aber in zerbrechlichen Gefäßen. So soll deutlich werden, dass unsere übergroße Kraft von Gott kommt und nicht aus uns selbst. Wir stehen von allen Seiten unter Druck, aber wir werden nicht erdrückt. Wir sind ratlos, aber wir verzweifeln nicht. Wir werden verfolgt, aber wir sind nicht im Stich gelassen. Täglich erleben wir am eigenen Leib etwas von dem Sterben, das Jesus erlitten hat. Denn unser Leib soll auch das Leben zeigen, zu dem Jesus auferstanden ist. Durch unsere Verbundenheit mit Jesus sind wir mitten im Leben ständig dem Tod ausgeliefert“ (2. Korinther 4,7-12).

Die Gnade genügt! Es braucht keine triumphierende Haltung oder besondere Erfahrungen, um die Liebe Gottes anzunehmen, in ihr zu leben und sie zu bezeugen. Paulus lebte dies vor und ermutigt uns, seinem Beispiel zu folgen. Jesus sagte: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2. Korinther 12,9).

Lesen Sie auch: Neurochirurg Paulus in Trier: Leistungen und Öffnungszeiten

Paulus' Schwäche in Galatien

Als Paulus die Gemeinden in Galatien besuchte, war er gesundheitlich angeschlagen. Die meisten Bibelausleger gehen davon aus, dass er krank war, als er dort predigte. Tertullian vermutete im 2. Jahrhundert, dass Paulus unter schlimmen Migräneanfällen litt. Andere Ausleger vermuten eine Augenkrankheit oder Epilepsie, gestützt auf den Galaterbrief.

Die Theorie einer Augenkrankheit stützt sich auf die Blendung des Paulus bei seiner Bekehrung (Apostelgeschichte 9,9) und die Aussage in Galater 6,11, wo Paulus von großen Buchstaben schreibt. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass er sich auf die Länge des Briefes bezog.

Die Theorie der Epilepsie basiert auf der Annahme, dass epileptische Anfälle in der Antike als Zeichen dämonischer Aktivität galten. Dies würde zu Paulus' Aussage über einen „Engel Satans“ passen (2. Korinther 12,7-8).

Es gibt auch die Theorie, dass Paulus unter den Folgen einer Steinigung litt, die er kurz vor seinem Besuch in Galatien erlitten hatte (Apostelgeschichte 13,4 - 14,28). Nach der Steinigung in Lystra ging er am nächsten Tag nach Derbe, was nahelegt, dass er bei seinem ersten Besuch in Galatien angeschlagen war.

Ernte-Dank und die "Lebensernte"

Die Ernte-Dank-Feste erinnern uns daran, für die Gaben dankbar zu sein, die wir zum Leben brauchen. Als Klinikseelsorgerin begegne ich Menschen, die sich fragen, was in ihrem Leben wachsen und gedeihen konnte. Eine Patientin erzählte strahlend von ihrer Freundin, die ihr in schwerer Zeit eine Stütze ist.

Lesen Sie auch: Anwendung der Hirnstimulation

Dankbarkeit zeigt sich in Gebeten, Liedern, Freude und der Bereitschaft zu teilen. Die durch den Klimawandel bedingten Extremwetterereignisse haben weltweit zu Not geführt, die durch Spenden gelindert wird. Ehrenamtliche der Klinikseelsorge teilen ihre Zeit mit Patienten, die auf eine schwierige „Lebensernte“ blicken, und schenken ihnen Hoffnung.

Gott zu danken, stimmt zuversichtlich, denn er verspricht: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1. Mose 8,22).

Jahreslosung: "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig"

Die Jahreslosung aus dem 2. Korintherbrief (12,9) - „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ - ist ein kostbares Wort, das uns im Umgang mit Krankheit und Heilung begleitet. Paulus musste sich in Korinth gegen den Vorwurf verteidigen, er sei schwach und seine Rede schlecht. Seine Krankheit schränkte ihn ein, und er bat Gott um Heilung.

Das Gebet um Heilung ist wichtig und legitim. Es richtet unseren Blick auf Gott als den Arzt, dem wir unsere Beschwerden anvertrauen können. Doch Paulus' Gebet wurde nicht erhört. Er interpretierte dies als Schutz vor Überheblichkeit. Seine Krankheit erdet ihn und hilft ihm, Gott nicht aus den Augen zu verlieren.

Paulus erkannte, dass er in seiner Schwachheit nicht von Gott getrennt ist, sondern dass Gott ihm in seiner Not ein Wort gab: „Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Gottes Gnade reicht aus. Der Mensch, der krank ist, ist nicht von Gott geschlagen, sondern Gott ist bei ihm und wirkt mit seiner Kraft.

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Paulus erkannte, dass er seine Schwachheit nicht verstecken muss, sondern sich ihrer rühmen kann, da in ihr die Kraft Christi wohnt. Er schließt mit einem Paradox: „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“

Migräne als Volkskrankheit

Migräne ist eine weit verbreitete Krankheit, von der schätzungsweise vier bis zwölf Prozent der Bevölkerung betroffen sind, darunter auch bekannte Persönlichkeiten wie Queen Elizabeth II., Karl Marx und der Apostel Paulus.

Migräne wird als Störung der Reizverarbeitung im Gehirn definiert. Die hochaktiven Nervenzellen werden nicht ausreichend mit Energie versorgt, wodurch Botenstoffe freigesetzt werden, die für Schwellungen und Entzündungen in den Arterien sorgen.

Migräne ist eine angeborene Erkrankung, die besonders Frauen und junge Menschen betrifft. Auslöser können Faktoren sein, die das Gehirn schneller machen und den Energieumsatz in den Nervenzellen stören. Symptome sind starke, meist einseitige Kopfschmerzen, Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit.

Die Diagnose erfolgt durch ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten und eine neurologische Untersuchung. Vorbeugung kann durch eine Änderung des Lebensstils erfolgen, z.B. durch regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Schlaf.

Die Behandlung umfasst Schmerzmittel, Triptane und in leichten Fällen Kaffee und Cola. Neue Forschungsergebnisse könnten in Zukunft zu einer Impfung gegen Migräne führen.

Paulus im Urteil des Arztes

Der Internist Dr. Hans-Heinrich Stricker sieht Paulus als einen Boten des Gekreuzigten, der selbst vom Kreuz gezeichnet ist. In seinem Buch „Mensch in Schwachheit, Apostel in Kraft” zeigt er, dass Paulus seinen Glauben und seine missionarische Botschaft vor dem Hintergrund von Folterungen und schwerer Migräne unbeirrt vorantrieb.

Stricker hat nachgewiesen, dass es sich bei Paulus' Leiden um Migräne-Schübe und nicht um Epilepsie-Anfälle handelte. Der „Pfahl im Fleisch” war ein Teil der Schwachheit des Paulus, der er seine unumstößliche Glaubenskraft entgegensetzte.

Stricker betont, dass es im christlichen Maßstab keinen automatischen Anspruch auf Gesundheit und Heilung gibt, wohl aber die Aussicht auf und der Glaube an das eschatologische Heil.

tags: #apostel #paulus #migrane