Greta Thunberg, die junge schwedische Klimaaktivistin, ist seit ihrem Schulstreik für das Klima im Jahr 2018 zu einer globalen Ikone der Klimabewegung geworden. Ihr unermüdlicher Einsatz für den Klimaschutz hat ihr sowohl Bewunderung als auch Kritik eingebracht. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Kritikpunkte, die gegen Greta Thunberg vorgebracht werden, und analysiert ihre Wirkung auf die Klimabewegung.
Aufstieg zur Ikone und ihre Wirkung
Greta Thunberg erlangte internationale Bekanntheit, als sie im August 2018 begann, jeden Freitag die Schule zu schwänzen, um vor dem schwedischen Parlament in Stockholm für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Ihre Initiative inspirierte Millionen von jungen Menschen weltweit, sich der "Fridays for Future"-Bewegung anzuschließen und für eine konsequentere Klimapolitik zu demonstrieren.
Ihre Reden vor den Vereinten Nationen und dem Europäischen Parlament erzeugten erheblichen öffentlichen Druck auf Politiker und Entscheidungsträger. Die Themen Klimaneutralität, CO2-Steuer und erneuerbare Energien rückten dadurch stärker in den Fokus der öffentlichen Debatte.
Der sogenannte "Greta-Effekt" führte zu einem gesteigerten Bewusstsein für die Klimakrise in den Medien und der Politik, zu mehr Nachhaltigkeitsdebatten in Unternehmen und zu einer stärkeren Beteiligung junger Menschen an Protesten und Aktivismus. Eine Umfrage zeigte, dass nach 2019 über 30 % der Befragten angaben, ihr Konsumverhalten in Bezug auf Klimafragen überdacht zu haben, oft in Zusammenhang mit Greta Thunbergs medialer Präsenz.
Kontroversen und Kritikpunkte
Trotz ihrer unbestrittenen Wirkung ist Greta Thunberg auch mit erheblicher Kritik konfrontiert. Die Kritikpunkte lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:
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Polarisierende Reden und Vereinfachung komplexer Themen
Greta Thunberg ist bekannt für ihre direkten und emotionalen Reden, in denen sie Politiker und Entscheidungsträger für ihre Untätigkeit in der Klimakrise kritisiert. Ihre berühmte Frage "How dare you?" (Wie könnt ihr es wagen?) wurde zu einem Markenzeichen ihrer Auftritte.
Einige Kritiker werfen ihr jedoch vor, die Klimakrise zu vereinfachen und komplexe Zusammenhänge nicht ausreichend zu thematisieren. Aussagen wie "Die Klimakrise ist eine schwarz-weiße Angelegenheit" werden als zu simpel kritisiert, um der Vielschichtigkeit des Problems gerecht zu werden. Auch Angela Merkel hat die Kritik geäußert, dass Greta den Klimaschutz zu vereinfachend darstellt.
Persönliche Angriffe und Anfeindungen
Greta Thunberg ist immer wieder Ziel persönlicher Angriffe und Anfeindungen, die sich oft auf ihr Alter, ihre klaren Worte oder ihre Asperger-Diagnose beziehen. Diese Angriffe sind oft unsachlich und spiegeln die emotionale Aufladung des Themas wider. DOMRADIO.DE berichtete, dass die Kommentare teils frauenfeindlich sind und Greta als manipuliertes Kind darstellen, das sowieso nicht weiß, was es will.
Politisierung der Klimabewegung und Solidarität mit Palästina
In jüngster Zeit steht Greta Thunberg verstärkt in der Kritik, weil sie die Klimabewegung für politische Zwecke instrumentalisiere und sich einseitig mit den Palästinensern solidarisiere. Insbesondere ihre Auftritte mit einem Palästinensertuch und ihre Äußerungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt haben zu Kontroversen geführt.
So trug sie bei einer Klimaschutz-Demo in Amsterdam ein schwarz-weißes Palästinensertuch und sprach über die Menschen, „die unterdrückt sind und die für Frieden und Gerechtigkeit kämpfen“. Daraufhin versuchte ein Mann aus dem Publikum, ihr das Mikrofon zu entreißen und rief: „Ich bin für eine Klimademonstration hierhergekommen, nicht für politische Ansichten“.
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Nach dem 20. Oktober 2023 rief Thunberg wiederholt auf Veranstaltungen und sozialen Medien zur Solidarität mit Gaza auf und warf Israel Völkermord vor. Dafür wurde sie von vielen Seiten kritisiert, insbesondere in Deutschland und Israel. Ihr wurde vorgeworfen, den Angriff der Hamas auf Israel nicht ausreichend verurteilt zu haben, zu wenig Solidarität mit Jüdinnen und Juden zu zeigen, den Konflikt einseitig zu sehen sowie die Klimabewegung politisch zu instrumentalisieren.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kritisierte die Klimaaktivistin als zumindest naiv und vielleicht sogar antisemitisch. Er warnte, dass gerade weil viele Follower jung und eventuell leicht zu beeinflussen seien, "ist es so gefährlich". Auch Grünen-Chefin Ricarda Lang fand deutliche Worte für den Auftritt Thunbergs und kritisierte deren Äußerungen als "absolut unanständig".
Distanzierung von Fridays for Future Deutschland
Die Solidaritätsbekundungen mit Palästina und die teils antisemitischen Aussagen des internationalen Ablegers von "Fridays for Future" führten zu einer Distanzierung von Fridays for Future Deutschland. Luisa Neubauer, ein bekanntes Gesicht der deutschen Klimabewegung, zeigte sich enttäuscht von Thunberg und bekräftigte ihre Unterstützung für Israel.
Die deutsche Fridays-for-Future-Organisation bezog in den vergangenen Wochen wiederholt Stellung gegen Antisemitismus und distanzierte sich von gegen Israel gerichteten Äußerungen des internationalen Dachverbands. Sie setzte die Prozesse auf internationaler Ebene aus.
Vorwürfe des Antisemitismus
Einige Kritiker werfen Greta Thunberg sogar Antisemitismus vor, weil sie sich für die Rechte der Palästinenser einsetzt und Israel kritisiert. Der "Spiegel" mutmaßte, dass Gretas angeblicher Antisemitismus sogar „das Ende der Klimabewegung“ bedeuten könnte.
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Der Antisemitismusvorwurf wird vor allem damit begründet, dass Thunberg das Leid der israelischen Frauen unterschlage, die am 7. Oktober vor den Augen ihrer Kinder von Hamas-Kämpfern vergewaltigt wurden, und das Leid der Familien, deren Kinder vor den Augen ihrer Eltern getötet wurden. Wer dieses Leid unterschlage, weil die Opfer Israelis waren, Jüdinnen und Juden, der begebe sich in die geistige Nähe zum Antisemitismus.
Allerdings weisen Thunberg und ihre Unterstützer diese Vorwürfe entschieden zurück. Sie betonen, dass sie gegen jede Form von Diskriminierung, einschließlich Antisemitismus und Islamophobie, seien. Sie argumentieren, dass man zwischen Hamas, Muslimen und Palästinensern sowie zwischen dem Staat Israel, Juden und Israelis unterscheiden müsse.
Verteidigung und Relativierung der Kritik
Trotz der Kritik verteidigen viele Menschen Greta Thunberg und ihre Arbeit. Sie argumentieren, dass ihre direkten Worte notwendig sind, um die Dringlichkeit der Klimakrise zu verdeutlichen und die Verantwortlichen zum Handeln zu bewegen. Sie betonen, dass Thunberg eine wichtige Stimme für die junge Generation ist und dass ihre Kritik an politischen und wirtschaftlichen Systemen berechtigt ist.
Auch ihre Solidarität mit den Palästinensern wird von einigen verteidigt. Sie argumentieren, dass Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit untrennbar miteinander verbunden sind und dass man nicht schweigen dürfe, wenn Menschen unterdrückt werden.