Taubheitsgefühle und ihre Ursachen: Ein umfassender Überblick

Taubheitsgefühle sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren. Sie können beängstigend sein, sind aber oft harmlos und vorübergehend. Dennoch ist es wichtig, die möglichen Ursachen zu kennen, um bei Bedarf rechtzeitig medizinische Hilfe in Anspruch nehmen zu können.

Einführung

Taubheitsgefühle, oft begleitet von Kribbeln, sind Empfindungsstörungen, die durch eine Über- oder Unteraktivität der Nerven verursacht werden. Während ein „eingeschlafenes Bein“ meist auf eine harmlose Fehlhaltung zurückzuführen ist, können anhaltende Beschwerden auf ernstere Ursachen hindeuten.

Ursachen von Taubheitsgefühlen

Die Ursachen für Taubheitsgefühle sind vielfältig und reichen von harmlosen Auslösern bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Hier ein detaillierter Überblick:

Nervenkompression

Eine der häufigsten Ursachen für Taubheitsgefühle ist die Kompression von Nerven. Dies kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein:

  • Karpaltunnelsyndrom: Hierbei drückt eine Verengung den mittleren Armnerv (Nervus medianus) an der Handwurzel ab, was zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger führt. Die Beschwerden können bis in den Unterarm ausstrahlen.
  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall kann Nervenwurzeln abdrücken und dadurch Taubheitsgefühle und Schmerzen verursachen, die in Arme oder Beine ausstrahlen.
  • Langes Sitzen: Langes Sitzen mit angezogenen Beinen kann Nerven abdrücken und zu einem tauben Gefühl in den Beinen führen.

Neuropathien

Neuropathien sind Erkrankungen der peripheren Nerven, die durch verschiedene Faktoren verursacht werden können:

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  • Diabetes mellitus: Ein über Jahre hinweg erhöhter Blutzuckerspiegel kann die Nerven schädigen (diabetische Neuropathie). Typische Symptome sind Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Brennen oder Schmerzen, vor allem nachts oder in Ruhe.
  • Alkoholmissbrauch: Alkohol und seine Abbauprodukte sind giftig für die Nervenzellen und können zu Nervenschäden führen.
  • Vergiftungen: Bestimmte Gifte können die Nerven schädigen und Neuropathien verursachen.
  • Infektionen: Infektionen wie Borreliose können ebenfalls Neuropathien auslösen.
  • Vitamin-B12-Mangel: Ein Mangel an Vitamin B12 kann die Bildung und Erhaltung der schützenden Myelinscheide um die Nerven beeinträchtigen, was zu Nervenschäden führen kann.

Durchblutungsstörungen

Eine gestörte Blutzufuhr zu den Nerven kann ebenfalls Taubheitsgefühle verursachen:

  • Raynaud-Syndrom: Bei diesem Syndrom werden die Durchblutungsstörungen oft durch Kälte oder Stress ausgelöst. Dabei entstehen die Missempfindungen vor allem in den Fingern oder Zehen.
  • Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Diabetes: Erkrankungen, die die Gefäße beeinträchtigen, können die Blutzufuhr zu den Nerven behindern.
  • Schlaganfall: Ein Schlaganfall im Innenohr kann zwangsläufig zur Taubheit führen.

Weitere Ursachen

Neben den genannten Faktoren gibt es noch weitere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle:

  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Myelinscheide der Nerven im Gehirn und Rückenmark angegriffen wird. Dies kann zu vielfältigen neurologischen Symptomen führen, darunter auch Taubheitsgefühle.
  • Restless-Legs-Syndrom: Dieses Syndrom ist auch unter dem Begriff „unruhige Beine“ bekannt. Vor allem abends und nachts in Ruhe treten die Symptome auf: ein oft schmerzhaftes Kribbeln, Ziehen oder Brennen.
  • Tumore: Tumore am Gehör- oder Gleichgewichtsnerv können Gefühlsstörungen im Gesicht verursachen.
  • Gesichtsnervschädigung: Schädigungen des Gesichtsnervs, Erfrierungen oder Verbrennungen können Sensibilitätsstörungen im Gesicht hervorrufen.
  • Medikamente: Etliche Medikamente haben als mögliche Nebenwirkung eine Beeinträchtigung des Gehörs - meist unmerklich und vorübergehend, selten bis zur bleibenden Taubheit führend. Dazu zählen vor allem Krebsmedikamente für die Chemotherapie (z.B. cis-Platin), Entwässerungspräparate, Malariamittel und sogar Acetylsalicylsäure (ASS).
  • Entzündungen: Entzündungen direkt im Ohr können das Hörvermögen beeinträchtigen.

Taubheitsgefühle im Zusammenhang mit ASS (Acetylsalicylsäure)

Acetylsalicylsäure (ASS), bekannt als Aspirin, ist ein weit verbreitetes Medikament mit schmerzlindernden, fiebersenkenden und entzündungshemmenden Eigenschaften. Es wird auch zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt. Allerdings kann ASS in hohen Dosen oder bei Überdosierung auch Taubheitsgefühle verursachen.

Mechanismus

Eine Überdosis ASS kann die Sinneszellen im Innenohr funktionsunfähig machen und damit die Schallverarbeitung außer Kraft setzen. Dies führt in der Regel zu einem vorübergehenden Hörverlust, der sich nach einigen Tagen wieder normalisiert.

Risikofaktoren

  • Hohe Dosen: Die Einnahme von hohen Dosen ASS über einen längeren Zeitraum kann das Risiko für Taubheitsgefühle erhöhen.
  • Überdosierung: Eine versehentliche oder absichtliche Überdosierung von ASS kann zu vorübergehendem Hörverlust führen.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Die gleichzeitige Einnahme von ASS mit bestimmten anderen Medikamenten kann das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen.

Vorbeugung und Behandlung

  • Dosierungsempfehlungen beachten: Es ist wichtig, die Dosierungsempfehlungen des Arztes oder Apothekers genau zu beachten und ASS nicht über einen längeren Zeitraum in hohen Dosen einzunehmen.
  • Überdosierung vermeiden: Achten Sie darauf, ASS nicht zu überdosieren.
  • Arzt konsultieren: Bei Auftreten von Taubheitsgefühlen nach der Einnahme von ASS sollte ein Arzt konsultiert werden.
  • Alternative Schmerzmittel: Wenn Sie regelmäßig Schmerzmittel benötigen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über alternative Optionen, die weniger Nebenwirkungen haben.

ASS und gastrointestinale Komplikationen

Es ist wichtig zu beachten, dass auch niedrig dosiertes ASS ein erhebliches Risiko für gastrointestinale Ereignisse birgt. Studien haben gezeigt, dass dieses Risiko unabhängig von der ASS-Dosis durch eine prophylaktische PPI-Therapie (Protonenpumpenhemmer) deutlich reduziert werden kann.

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Diagnose von Taubheitsgefühlen

Bei anhaltenden oder unerklärlichen Taubheitsgefühlen ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen. Die Diagnose umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und die genaue Beschreibung der Beschwerden.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die betroffenen Körperbereiche und prüft die neurologische Funktion.
  • Neurologische Untersuchung: Hierbei werden verschiedene Überprüfungstests durchgeführt. Sinneswahrnehmungen (Tast-, Hör-, Seh-, Riech- und Geschmackstests), Mimik und Augenbewegung, Motorische Fähigkeiten (Der Mediziner prüft die Motorik, Koordination und Reflexe). Sonstige Körperfunktionen (Hier untersucht der Arzt den Herzschlag, die Atmung, Schweißproduktion und Verdauung).
  • Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT erforderlich sein, um die Ursache der Taubheitsgefühle zu ermitteln.
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Grunderkrankungen wie Diabetes oder Vitaminmangel zu erkennen.
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit: Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit via Elektroneurographie gehört ebenfalls zu den Untersuchungsmöglichkeiten eines Neurologen.

Behandlung von Taubheitsgefühlen

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

  • Nervenkompression: Bei Nervenkompression kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.
  • Neuropathien: Die Behandlung von Neuropathien umfasst die Kontrolle des Blutzuckerspiegels bei Diabetes, den Verzicht auf Alkohol bei alkoholbedingter Neuropathie und die Behandlung von Infektionen. Schmerzmittel können helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Durchblutungsstörungen: Die Behandlung von Durchblutungsstörungen umfasst die Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Cholesterin. In manchen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Durchblutung zu verbessern.
  • Multiple Sklerose: Die Behandlung von MS umfasst Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Symptome lindern.
  • Medikamente: Teil der Behandlung ist auch die durch den Arzt kontrollierte Absetzung beziehungsweise Ersetzung von Medikamenten, die als potenzielle Nebenwirkung zu Nervenschädigungen führen können.

Was kann man selbst tun?

Neben der ärztlichen Behandlung gibt es auch einige Maßnahmen, die man selbst ergreifen kann, um Taubheitsgefühle zu lindern:

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die Durchblutung verbessern und die Nervenfunktion unterstützen.
  • Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes kann helfen, Nervenkompressionen zu vermeiden.
  • Stressabbau: Stress kann die Symptome von Taubheitsgefühlen verschlimmern. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann die Nervenfunktion unterstützen.
  • Vermeidung von Alkohol und Rauchen: Alkohol und Rauchen können die Nerven schädigen und die Symptome von Taubheitsgefühlen verschlimmern.
  • Wärme: Bei Nackenschmerzen kann Wärme in Form einer Rotlichtlampe, Wärmekissen oder Wärme-Pflaster den Schmerz lindern und den Muskel lösen, allerdings kann auch die Entzündung und damit der Schmerz verstärkt werden.

Vorbeugung von Taubheitsgefühlen

Nicht alle Ursachen von Taubheitsgefühlen lassen sich verhindern. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, die man ergreifen kann, um das Risiko zu reduzieren:

  • Kontrolle von Risikofaktoren: Kontrollieren Sie Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und Cholesterin.
  • Vermeidung von Nervenkompressionen: Vermeiden Sie langes Sitzen in ungünstigen Positionen und achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes.
  • Gesunder Lebensstil: Pflegen Sie einen gesunden Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, gesunder Ernährung und Stressabbau.
  • Vermeidung von Alkohol und Rauchen: Vermeiden Sie Alkohol und Rauchen, da diese die Nerven schädigen können.
  • Vorsicht bei Medikamenten: Beachten Sie die möglichen Nebenwirkungen von Medikamenten und sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie Bedenken haben.

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