Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine vorübergehende Funktionsstörung der Hirnnervenzellen, die sich auf unterschiedliche Weise äußern kann. Während manche Anfälle kaum bemerkbar sind, können andere starke Krämpfe auslösen. In diesem Artikel werden die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Epilepsie, insbesondere im Zusammenhang mit Augenlidzucken, beleuchtet.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der es wiederholt zu epileptischen Anfällen kommt. Ein einzelner Anfall bedeutet jedoch nicht gleich Epilepsie. Erst bei mehrfachen Anfällen in gewissen Zeiträumen oder epilepsietypischen Signalen im EEG spricht man von einer Epilepsie. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, wobei der erste Anfall oft bei jungen Menschen oder bei Personen ab 50-60 Jahren auftritt.
Formen epileptischer Anfälle
Grundsätzlich unterscheidet man in der Medizin zwischen fokalen und generalisierten Anfällen.
Fokale Anfälle
Bei fokalen Anfällen sind nur bestimmte Bereiche des Gehirns am Anfall beteiligt, was zu unterschiedlichen Symptomen führen kann. Zum Beispiel kann bei einem fokalen Anfall nur das Augenlid zucken. Fokale Anfälle werden in solche mit und ohne Bewusstseinsstörung unterteilt. Eine Bewusstseinsstörung zeigt sich meist als kurze Eindämmerung, an die sich die Betroffenen oft nicht erinnern können.
Generalisierte Anfälle
Bei generalisierten Anfällen ist das ganze Gehirn vom Anfall betroffen. Diese Anfälle können sich als Absencen (kurze Abwesenheiten), myoklonische Anfälle (plötzliche Muskelzuckungen) oder tonisch-klonische Anfälle (Krämpfe des ganzen Körpers) äußern.
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Augenlidzucken als Symptom eines fokalen Anfalls
Ein isoliertes Augenlidzucken kann ein Symptom eines fokalen epileptischen Anfalls sein. Dabei ist nur ein bestimmter Bereich des Gehirns betroffen, der die Muskeln des Augenlids steuert. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Augenlidzucken auch andere Ursachen haben kann, wie Stress, Müdigkeit oder Magnesiummangel.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig. In etwa der Hälfte der Fälle bleibt die Ursache ungeklärt. Mögliche bekannte Ursachen sind:
- Andere neurologische Erkrankungen mit Epilepsie als Symptom
- Stoffwechselkrankheiten
- Pränatale Fehlentwicklungen
- Neurologische Schädigungen während Schwangerschaft und Geburt
- Vergiftungen
- Hirnverletzungen
- Genetische Faktoren
Symptome von Epilepsie
Die Symptome von Epilepsie sind vielfältig und hängen von der Art des Anfalls ab. Bei einfachen fokalen Anfällen kann es zu Muskelkrämpfen kommen, während das Bewusstsein erhalten bleibt. Bei komplexeren Anfällen kann das Bewusstsein eingeschränkt sein oder kurz aussetzen. Generalisierte Anfälle können sich als Absencen, myoklonische Anfälle, klonische Anfälle (Muskelzuckungen), tonische Anfälle (Muskelkrämpfe) oder atonische Anfälle (plötzlicher Verlust der Muskelspannung) äußern.
Epilepsie bei Kindern
Etwa 0,5 % aller Kinder und Jugendlichen haben eine Epilepsie. Leichtere Formen sind kaum einschränkend, während eine Epilepsie mit häufigen Anfällen ein Kind und seine Familie stark belasten kann. Die häufigsten Anfälle im frühen Kindesalter sind Fieberkrämpfe. Viele Epilepsieformen beginnen bereits in der Kindheit und halten bis ins Erwachsenenalter an. Es gibt jedoch spezielle Epilepsiearten, die im Kindes- und Jugendalter auftreten und danach nicht mehr.
Spezielle Epilepsieformen im Kindesalter
- Absence-Epilepsie: Dabei ist das Kind während eines Anfalls für wenige Sekunden abwesend. Es wird blass, hat einen starren Blick und reagiert nicht auf Ansprache. Zusätzlich kann es mit den Lidern zucken, die Augen verdrehen oder den Kopf nach hinten legen.
- Rolando-Epilepsie: Während des Anfalls zuckt eine Gesichtshälfte, manchmal auch ein Arm oder ein Bein. Es kann auch zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Sprech- und Schluckstörungen oder vermehrtem Speichelfluss kommen. Dabei ist das Kind in der Regel bei Bewusstsein. Die Anfälle treten meist beim Einschlafen oder Aufwachen auf.
- Juvenile myoklonische Epilepsie: Sie zeigt sich erstmals in der Pubertät. Zu den Anfällen mit Muskelzuckungen und mitunter ausfahrenden Arm- und Schulterbewegungen kommt es meist morgens nach dem Aufwachen. Manchmal knicken auch die Beine ein.
- West-Syndrom: Diese schwere Epilepsieform beginnt fast immer im Säuglingsalter. Während eines Anfalls beugt und streckt sich der ganze Körper des Kindes, die Nacken-, Hals- und Rumpfmuskulatur verkrampft ruckartig. Die Anfälle treten ebenfalls meist kurz nach dem Aufwachen oder beim Einschlafen auf.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie stützt sich auf die Beschreibung des Anfallsereignisses, die idealerweise von einem Augenzeugen gegeben wird. Zusätzlich sind apparative Untersuchungen wie das EEG (Elektroenzephalogramm) und eine Kernspintomographie (MRT) des Kopfes notwendig. Das EEG misst die hirnelektrische Aktivität und kann epilepsietypische Potentiale aufzeigen. Die MRT dient dazu, Veränderungen der Gehirnstruktur zu erkennen, die im Zusammenhang mit der Epilepsie stehen könnten.
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Behandlung von Epilepsie
Epilepsien werden in der Regel in einem ersten Schritt konservativ, das heißt medikamentös behandelt. Dabei kommen Medikamente der Gruppe Antiepileptika zum Einsatz. In schwerwiegenden Fällen müssen mehrere Medikamente gleichzeitig gegeben werden und unterschiedliche Kombinationen ausprobiert werden. Die Antiepileptika sollen einem epileptischen Anfall vorbeugen. Die medikamentöse Behandlung einer Epilepsie ist daher immer eine Langzeittherapie und dauert meistens mehrere Jahre.
Weitere präventive Maßnahmen
- Regelmäßige Medikamenteneinnahme
- Geregelte Lebensführung mit regelmäßigem Schlaf-Wach-Rhythmus
- Gesunde ausgewogene Ernährung
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen
- Stressvermeidung
- Vermeiden von anfallsprovozierenden Faktoren
Ketogene Diät
Bei schwer behandelbaren Epilepsien empfehlen Ärztinnen und Ärzte manchmal eine bestimmte Ernährungsform - die ketogene Diät. Dabei werden nur wenig Kohlenhydrate und stattdessen vor allem Fette aufgenommen. Diese Diät hat zur Folge, dass sich der Stoffwechsel umstellt: Um Energie zu gewinnen, wird Fett statt Zucker abgebaut. Der erhöhte Gehalt an Fettsäuren im Blut soll wiederum die Signalübertragung der Nervenzellen im Gehirn beeinflussen und zu weniger Anfällen führen.
Epilepsiechirurgie
Für eine kleine Zahl von Betroffenen, mit sogenannten therapieresistenten Epilepsien, ist eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend. Ihnen kann mit moderner Medizin durch einen neurochirurgischen Eingriff (Epilepsiechirurgie) geholfen werden, sofern sich der Herd in einer genau umschriebenen Region des Gehirns befindet.
Vagusnerv-Stimulation
Dabei wird eine Elektrode links am Hals eingepflanzt und mit einem kleinen Gerät verbunden, das im Brustbereich unter der Haut eingesetzt wird. Das Gerät sendet über die Elektrode elektrische Impulse an den Vagusnerv und weiter ans Gehirn. Diese Impulse sollen bestimmte Gehirnaktivitäten hemmen und dadurch Anfällen vorbeugen.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Wenn man Zeug*in eines epileptischen Anfalls bei einer anderen Person wird, ist es sehr wichtig, ruhig und besonnen zu bleiben. Vor allem sollte man überlegen, wie man die Person vor Verletzungen schützt. Bei einem großen generalisierten Anfall verkrampft der ganze Körper und die Person verliert das Bewusstsein. In diesen Fällen sollten Sie Folgendes tun:
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- Wählen Sie immer den Notruf 112 und rufen Sie professionelle Hilfe.
- Sorgen Sie für Sicherheit, indem Sie z. B. gefährliche Gegenstände beiseite räumen.
- Polstern Sie den Kopf des*r Betroffenen ab.
- Nehmen Sie seine/ihre Brille ab.
- Lockern Sie enge Kleidung am Hals, um die Atmung zu erleichtern.
- Bitten Sie Menschen, die in der Situation nicht helfen können, weiterzugehen.
- Bleiben Sie nach dem Anfall bei der Person und bieten Sie Ihre Unterstützung an.
- Wenn die Person nach dem Anfall erschöpft ist und einschläft, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage.
Das sollten Sie in keinem Fall tun:
- Dieden Betroffenen festhalten oder zu Boden drücken
- Der betroffenen Person etwas in den Mund schieben - auch wenn sie sich in die Zunge beißt
Leben mit Epilepsie
Unter medikamentöser Behandlung bleiben viele Patienten anfallsfrei und können ein normales Leben führen. Allerdings kann es nach einem Anfall zu einer „Bewährungsphase“ kommen, bei der der Betroffene auf Tätigkeiten, die sich selber oder andere Leute gefährden könnte, wie zum Beispiel Autofahren oder Gerüstbauen, verzichten muss. Bleibt der Betroffene nach einem bestimmten Zeitraum ohne Anfall, können solche Tätigkeiten wieder aufgenommen werden.
Mögliche Folgen von Epilepsie
Häufige Anfälle können körperlich und psychisch belasten. Mögliche Folgen sind:
- Konzentrationsstörungen
- Schwaches Selbstwertgefühl
- Angst vor dem nächsten Anfall
- Erhöhte Verletzungsgefahr
Eine verlässliche Unterstützung und ausreichende Behandlung können aber trotz Epilepsie eine gute Lebensqualität ermöglichen.