Nervenschmerzen im Bein: Spezialisten, Ursachen und Behandlungen

Nervenschmerzen im Bein können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen im Bein, einschliesslich Informationen zu spezialisierten Kliniken und Ärzten.

Einführung in Nervenschmerzen

Neuropathische Schmerzen, auch Nervenschmerzen genannt, sind eine spezielle Form von Schmerzen, die durch eine direkte Schädigung oder Kompression der Nerven ausgelöst werden. Sie können sich auf unterschiedliche Weise äußern, von Kribbeln und Taubheitsgefühlen bis hin zu starken, brennenden Schmerzen. Häufig sind die Extremitäten betroffen, aber auch andere Körperregionen können betroffen sein.

Spezialisten für Nervenschmerzen im Bein

In unserer Klinik für Neurochirurgie werden alle Formen der Erkrankungen peripherer Nerven behandelt. Die Klinik für Neurochirurgie bietet eine Spezialsprechstunde zur Behandlung von Erkrankungen peripherer Nerven an den Standorten Campus Benjamin Franklin und Campus Charité Mitte an. In dieser Spezialsprechstunde können Sie sich beraten und behandeln lassen.

Wo finde ich die beste Klinik für mich?Da diese Frage objektiv nicht zu beantworten ist und ein seriöser Arzt nie behaupten würde, dass er der beste Arzt ist, kann man sich nur auf die Erfahrung eines Arztes verlassen. Wir helfen Ihnen einen Experten für Ihre Erkrankung zu finden.

Ursachen von Nervenschmerzen im Bein

Häufige Ursachen für Nervenschmerzen im Bein sind:

  • Diabetes mellitus: Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte können zu Nervenschäden in den Füßen und Beinen führen (diabetische Neuropathie).
  • Gürtelrose (Herpes Zoster): Kann eine Neuralgie, also Nervenschmerzen, verursachen.
  • Eingeklemmter Nerv: Wie z.B. beim Karpaltunnelsyndrom, obwohl er unverletzt ist, ebenfalls schmerzhaft sein.
  • Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule (LWS): Eine Verengung des Wirbelkanals im unteren Rückenbereich, oft durch altersbedingte Veränderungen.
  • Neuroforamenstenose: Eine ähnliche Verengung, die die Nervenwurzelausgänge betrifft.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum: Langfristiger Konsum kann periphere Neuropathie verursachen.
  • Vitaminmangel: Insbesondere Mangel an Vitamin B1 (Thiamin), B6 (Pyridoxin) und B12 (Cobalamin).

Weitere Kompressionssyndrome

Neben den oben genannten gibt es weitere, seltenere Kompressionssyndrome, die Nervenschmerzen im Bein verursachen können:

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  • Engpasssyndrom des äußeren Oberschenkelhautnervs (N. cutaneus femoris lateralis): Verursacht brennende Schmerzen des vorderen äußeren Oberschenkels.
  • Druckschädigung des N. peroneus: Die häufigste Druckschädigung eines Nervs der unteren Extremität, die zu Schmerzen, motorischen oder sensiblen Ausfallserscheinungen führen kann.
  • Schädigung des N. saphenus: Verursacht Schmerzen und Taubheitsgefühle im Bereich der unteren Oberschenkelinnenseite und der Knieinnenseite.
  • Morton Neurom: Verursacht brennende Schmerzen der Zehenzwischenräume.
  • Druckschädigungen von Nerven im Bereich des Fußes: Hier ist jedoch die Differentialdiagnostik zu orthopädischen Fußerkrankungen wichtig.

Trauma als Ursache

Nerven können durch verschiedene Trauma-Mechanismen geschädigt werden:

  • Zerrung von Nerven
  • Kompression durch Blutungen oder Frakturen
  • Durchtrennung durch Verletzungen mit spitzen Gegenständen

Tumore als Ursache

Bei den meisten Tumoren peripherer Nerven handelt es sich um gutartige Tumore. Trotzdem können sie die Funktion des betroffenen Nervens relevant schädigen. Es können starke Schmerzen, Taubheitsgefühle und / oder Lähmungen auftreten.

Polyneuropathie

Polyneuropathie ist der Oberbegriff für Erkrankungen, die mehrere Nerven des peripheren Nervensystems betreffen. Es können vegetative, motorische oder sensible Nerven allein oder kombiniert betroffen sein. Oft beginnen die Missempfindungen in den Zehen. Häufige Ursachen sind Diabetes mellitus, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Vitaminmangel, Autoimmunerkrankungen, bestimmte Medikamente sowie Infektions- und Krebserkrankungen.

Symptome von Nervenschmerzen im Bein

Nervenschmerzen im Bein können sich vielfältig äußern:

  • Kribbeln, Kitzeln oder regionales Taubheitsgefühl
  • Brennender oder pochender Schmerz
  • Extreme Schmerzen bei leichten Berührungen
  • "Stromschläge": Plötzliche, scharfe, elektrische Schmerzen, die sich blitzartig entlang des Nervs ausbreiten.
  • Ziehendes oder einschießendes Unbehagen

Die Symptome können sich bis in die Füße oder Zehen ausbreiten und die Beweglichkeit beeinträchtigen. Oft treten die Schmerzen nachts verstärkt auf, da Ablenkungen und Bewegung die Schmerzwahrnehmung reduzieren.

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Polyneuropathie Symptome

Bei den meisten Menschen beginnt die Polyneuropathie mit Reizerscheinungen im Sinne von Kribbelgefühlen, brennenden Mißempfindungen bis hin zu heftigen Schmerzen und Taubheitsgefühlen an den Füßen. Häufig beschrieben wird ein Schwellungsgefühl, unangenehmer Druck, Gefühl wie auf Watte zu gehen, ein Elektrisieren oder Stechen. Meistens sind zunächst nur die Zehen und der Fußballen bds. betroffen. Auch das Temperaturempfinden leidet, so dass beispielsweise die Badewassertemperatur in der Badewanne an den Füßen nicht mehr richtig eingeschätzt werden kann. Zumeist erst im Verlauf der Erkrankung können zusätzlich die Fingerspitzen und Hände mit Handschuh-förmiger Begrenzung der Taubheitsgefühle betroffen sein. Parallel dazu kann es zunehmend zu Lähmungen, beispielsweise der Fußheber oder Zehenheber oder Fußsenker kommen, so dass Muskelschwund und Gangstörungen entstehen. Alle Symptome entstehen zumeist symmetrisch und nur seltener asymmetrisch mit Betonung auf einer Seite. Viele Patienten klagen über kalte Füße.

Diagnose von Nervenschmerzen im Bein

Die Diagnose von Nervenschmerzen im Bein erfordert eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Neurologische Tests wie Reflexprüfungen und Empfindungsprüfungen können helfen, den betroffenen Nerven zu lokalisieren.

Weitere diagnostische Maßnahmen sind:

  • Elektrophysiologische Untersuchung: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und der Reizantwortstärke der betroffenen Nerven.
  • EMG (Elektromyographie): Elektrische Untersuchung der betroffenen Muskeln mit einer Nadel.
  • Bildgebende Verfahren (MRT, CT): Können strukturelle Probleme wie Bandscheibenvorfälle oder Tumore aufzeigen.
  • Hochauflösende Nervensonografie: Kann hilfreich sein, um den Nerv darzustellen und Engstellen oder andere Auffälligkeiten zu erkennen.
  • Blutuntersuchungen: Können auf zugrunde liegende Ursachen wie Diabetes oder Vitaminmangel hinweisen.

Wann braucht man ein MRT?

Ein MRT ist erforderlich, wenn gleichzeitig eine zusätzliche Erkrankung z.B. ein enger Spinalkanal vermutet wird.

Therapieoptionen bei Nervenschmerzen im Bein

Die Therapie von Nervenschmerzen im Bein zielt darauf ab, die Ursache der Schmerzen zu behandeln und die Symptome zu lindern.

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Konservative Behandlung

  • Ursachenbehandlung: Behandlung der Grunderkrankung, z.B. Einstellung des Blutzuckers bei Diabetes.
  • Schmerzmittel: Medikamente wie Gabapentin, Pregabalin oder Carbamazepin können die Übererregbarkeit der Nerven verringern und Schmerzen lindern.
  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und Opioide: Können bei schweren neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind.
  • Trainingstherapie und Bewegung: Können die Muskeln stärken und die Schmerzen reduzieren.
  • Physiotherapie: Kann Lähmungen und Muskelschwund, Gleichgewichtsstörungen und Gangstörungen behandeln.
  • Alternative Therapien: Akupunktur kann Erleichterung bringen.
  • Hausmittel: Wärmeanwendungen, Entspannungstechniken und bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können zur Linderung beitragen.
  • Johanniskraut Öl: Kann lokale Schmerzlinderung bieten.
  • Neural-Akupunktur: Kann Missempfindungen und Schmerzen behandeln.

Operative Behandlung

In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Druck von den Nerven zu nehmen oder Nervenschäden zu beheben:

  • Dekompression: Bei Engpasssyndromen kann der Nerv operativ entlastet werden.
  • Tumorentfernung: Tumore, die auf Nerven drücken, können mikrochirurgisch entfernt werden.
  • Nervenrekonstruktion: Bei durchtrennten Nerven kann eine Naht oder Transplantation erfolgen.
  • Neurolyse: Freilegung des Nervs und Narbenlösung bei neuralgischer Amyotrophie.

Behandlung der Polyneuropathie

Das primäre Ziel der Behandlung ist die Ausschaltung der Ursache der Polyneuropathie. Die bedeutet z.B. einen Diabetes mellitus optimal mit Medikamenten einzustellen. Medikamente, die eine Polyneuropathie verursachen, müssen abgesetzt oder ausgetauscht werden, insofern sie nicht aus anderem Grund unabdingbar notwendig sind. Ist Alkohol die Ursache der Polyneuropathie, so muss vollständige, lebenslange Abstinenz eingehalten werden.

Prognose von Nervenschmerzen im Bein

Die Prognose von Nervenschmerzen im Bein variiert je nach Ursache und individuellem Zustand. Bei einer frühzeitigen Diagnose und geeigneten Behandlungen kann sich die Prognose verbessern. Einige Fälle von Nervenschmerzen im Bein können sich vollständig lösen, während andere chronisch werden können.

Heilbarkeit von neuropathischen Schmerzen

Ja, je nach Ursache sind neuropathische Schmerzen heilbar. Meist kann schon mit einer gezielten Therapie der ursächlichen Erkrankungen, insbesondere bei leichten Nervenschäden, viel erreicht werden. Allerdings sind chronifizierten Schmerzformen und schwere Schäden der Nerven schwerer zu behandeln und haben eine deutlich schlechtere Heilungschance. Deswegen ist die frühzeitige Erkennung der Symptome und ein zeitiger Behandlungsbeginn wichtig für den Erfolg der Therapie.

Spezialisierte Zentren und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Behandlung komplexer Nervenverletzungen sollte in spezialisierten Zentren erfolgen, die über ein interdisziplinäres Netzwerk zur Diagnostik und Therapie derartiger Verletzungen verfügen. Die Klinik bietet durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachabteilungen eine ausgewiesene Expertise im gesamten Spektrum peripherer Nervenerkrankungen.

Prävention von Nervenschmerzen im Bein

Einige vorbeugende Maßnahmen können helfen, das Risiko von Nervenschmerzen im Bein zu verringern:

  • Gute Blutzuckerkontrolle bei Diabetes
  • Mäßiger Alkoholkonsum
  • Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen
  • Vermeidung von Verletzungen
  • Stressmanagement
  • Regelmäßige Bewegung

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