Auskultation der Lunge bei Spastik: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Auskultation der Lunge ist ein wichtiger Bestandteil der körperlichen Untersuchung und kann wertvolle Hinweise auf die Ursache von Atemwegserkrankungen liefern. Insbesondere bei Vorliegen einer Spastik, also einer Verengung der Atemwege, können bestimmte auskultatorische Befunde wichtige diagnostische Informationen liefern. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Spastik in der Lunge, die entsprechenden auskultatorischen Befunde und die therapeutischen Möglichkeiten.

Einführung

Die Lunge ist ein komplexes Organ, das für den Gasaustausch zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid verantwortlich ist. Die Atemwege, bestehend aus Luftröhre, Bronchien und Bronchiolen, leiten die Luft in die Lungenbläschen (Alveolen), wo der eigentliche Gasaustausch stattfindet. Eine Verengung dieser Atemwege, die sogenannte Spastik oder Bronchokonstriktion, kann die Atmung erheblich beeinträchtigen und zu verschiedenen Symptomen führen.

Ursachen für Spastik in der Lunge

Spastik in der Lunge kann verschiedene Ursachen haben, die sich grob in obstruktive Lungenerkrankungen und andere Ursachen einteilen lassen:

Obstruktive Lungenerkrankungen

  • Asthma bronchiale: Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die durch eine variable und reversible Atemwegsobstruktion gekennzeichnet ist. Typischerweise wird Asthma durch allergische oder infektbedingte Entzündungen der Bronchialschleimhaut ausgelöst, die zu einer bronchialen Hyperreagibilität führt.
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Die COPD ist eine fortschreitende Lungenerkrankung, die durch eine nicht vollständig reversible Bronchokonstriktion gekennzeichnet ist. Im Gegensatz zu Asthma wird die COPD meist durch langjährige Exposition gegenüber Schadstoffen, insbesondere Zigarettenrauch, verursacht. Die COPD führt zu strukturellen Veränderungen der Lunge, wie Lungenemphysem und Verlust der Elastizität.
  • Akute Bronchitis: Eine akute Bronchitis ist eine Entzündung der Bronchialschleimhaut, die häufig durch Viren verursacht wird. Bei Babys und Kleinkindern kann eine akute Bronchitis zu einer spastischen (obstruktiven) Bronchitis führen, bei der sich die Bronchien zusätzlich verengen.

Andere Ursachen

  • Herzinsuffizienz und Lungenödem: Eine akute Herzinsuffizienz kann zu einem Lungenödem führen, bei dem sich Flüssigkeit in den Lungenbläschen ansammelt. Dies kann die Atemwege verengen und zu spastischen Atemgeräuschen führen, die als "Asthma cardiale" bezeichnet werden.
  • Lungenembolie: Eine Lungenembolie, bei der ein Blutgerinnsel eine oder mehrere Lungenarterien verstopft, kann ebenfalls zu Atemnot und spastischen Atemgeräuschen führen.
  • Fremdkörperaspiration: Insbesondere bei Kindern kann die Aspiration eines Fremdkörpers zu einer Verlegung der Atemwege und somit zu Spastik führen.
  • Tumore oder Narbengewebe: Verengungen der Atemwege können auch durch Tumore oder Narbengewebe nach Operationen verursacht werden.
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD): Bei der GERD kann Magensäure in die Speiseröhre und bis in die Atemwege gelangen, was zu Reizungen und Verengungen der Bronchien führen kann.

Auskultatorische Befunde bei Spastik

Die Auskultation der Lunge kann bei Vorliegen einer Spastik folgende typische Befunde liefern:

  • Giemen: Giemen ist ein pfeifendes oder zischendes Geräusch, das vor allem beim Ausatmen auftritt. Es entsteht durch die Verengung der Atemwege, die den Luftstrom behindert und zu Vibrationen der Atemwegswände führt.
  • Brummen: Brummen ist ein tieferes, schnarchendes Geräusch, das ebenfalls durch die Verengung der Atemwege entsteht. Im Gegensatz zum Giemen ist das Brummen eher bei größeren Atemwegen lokalisiert.
  • Verlängertes Exspirium: Bei einer Spastik ist das Ausatmen oft erschwert und verlängert. Dies liegt daran, dass die verengten Atemwege den Luftstrom behindern und es länger dauert, die Lunge vollständig zu entleeren.
  • Silent Lung: In schweren Fällen kann die Atemwegsobstruktion so stark sein, dass kaum noch Atemgeräusche hörbar sind. Dieses Phänomen wird als "Silent Lung" bezeichnet und ist ein Zeichen für eine lebensbedrohliche Situation.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Auskultation allein nicht ausreicht, um die Ursache der Spastik zu bestimmen. Weitere diagnostische Maßnahmen, wie Lungenfunktionstests, Blutgasanalysen und bildgebende Verfahren, sind erforderlich, um die Diagnose zu sichern und die geeignete Therapie einzuleiten.

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Diagnostik

Neben der Auskultation sind folgende diagnostische Maßnahmen wichtig:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich Art und Dauer der Symptome, Vorerkrankungen (z.B. Asthma, COPD), Allergien und Exposition gegenüber Schadstoffen.
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung des Allgemeinzustands, der Atemfrequenz, des Einsatzes der Atemhilfsmuskulatur und des Hautkolorits.
  • Lungenfunktionstest: Messung verschiedener Atemparameter, wie z.B. der Vitalkapazität (VC) und des forcierten exspiratorischen Volumens in einer Sekunde (FEV1), um den Grad der Atemwegsobstruktion zu bestimmen.
  • Blutgasanalyse: Messung der Sauerstoff- und Kohlendioxidwerte im Blut, um den Grad der respiratorischen Insuffizienz zu beurteilen.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen-Thorax oder Computertomographie (CT) der Lunge, um andere Ursachen für die Atemnot auszuschließen, wie z.B. Pneumothorax, Lungenembolie oder Lungenentzündung.
  • Echokardiographie: Ultraschalluntersuchung des Herzens, um eine Herzinsuffizienz als Ursache der Atemnot auszuschließen.
  • Sputumuntersuchung: Untersuchung des Auswurfs auf Bakterien, Viren oder Pilze, um eine Infektion als Ursache der Spastik zu identifizieren.
  • Allergietestung: Bei Verdacht auf allergisches Asthma.

Therapie

Die Therapie der Spastik in der Lunge richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Im Allgemeinen umfasst die Behandlung folgende Maßnahmen:

  • Bronchodilatatoren: Medikamente, die die Bronchien erweitern und die Atemwege öffnen. Hierzu gehören Beta-2-Mimetika (z.B. Salbutamol, Fenoterol) und Anticholinergika (z.B. Ipratropiumbromid), die als Inhalation oder Spray verabreicht werden.
  • Kortikosteroide: Entzündungshemmende Medikamente, die die Schwellung der Bronchialschleimhaut reduzieren. Kortikosteroide können als Inhalation, Tabletten oder intravenös verabreicht werden.
  • Sauerstofftherapie: Zufuhr von Sauerstoff über eine Nasensonde oder Maske, um den Sauerstoffmangel im Blut auszugleichen.
  • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen der Atemwege.
  • Mukolytika: Medikamente, die den Schleim in den Atemwegen verflüssigen und das Abhusten erleichtern.
  • Nicht-invasive Beatmung (NIV): Unterstützung der Atmung mit einer Maske, die einen positiven Druck in den Atemwegen erzeugt.
  • Invasive Beatmung: Bei schwerer respiratorischer Insuffizienz kann eine endotracheale Intubation und maschinelle Beatmung erforderlich sein.
  • Weitere Maßnahmen: Je nach Ursache der Spastik können weitere Maßnahmen erforderlich sein, wie z.B. die Behandlung einer Herzinsuffizienz, die Auflösung einer Lungenembolie oder die Entfernung eines Fremdkörpers.

Spezifische Therapieansätze bei verschiedenen Ursachen

  • Asthma bronchiale: Die Therapie des Asthmas umfasst die regelmäßige Anwendung von inhalativen Kortikosteroiden zur Entzündungskontrolle und die bedarfsweise Anwendung von Beta-2-Mimetika zur Bronchodilatation. Bei schweren Asthmaanfällen können zusätzlich systemische Kortikosteroide, Magnesiumsulfat und Theophyllin eingesetzt werden.
  • COPD: Die Therapie der COPD zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Häufigkeit von Exazerbationen zu reduzieren. Hierzu gehören Bronchodilatatoren (Beta-2-Mimetika, Anticholinergika, Theophyllin), inhalative Kortikosteroide, Sauerstofftherapie und pulmonale Rehabilitation. Bei Exazerbationen können zusätzlich Antibiotika und systemische Kortikosteroide erforderlich sein.
  • Akute Bronchitis: Die Therapie der akuten Bronchitis ist in der Regel symptomatisch und umfasst Ruhe, Flüssigkeitszufuhr, Inhalation und eventuell schleimlösende Medikamente. Antibiotika sind nur bei bakteriellen Superinfektionen indiziert.
  • Herzinsuffizienz und Lungenödem: Die Therapie des Lungenödems umfasst die Gabe von Sauerstoff, Diuretika (z.B. Furosemid) zur Entwässerung und Medikamente zur Stärkung der Herzfunktion.
  • Lungenembolie: Die Therapie der Lungenembolie umfasst die Gabe von Antikoagulantien (z.B. Heparin, Marcumar) zur Verhinderung weiterer Blutgerinnsel und in schweren Fällen die Auflösung des Blutgerinnsels (Thrombolyse) oder die operative Entfernung des Gerinnsels (Embolektomie).

Prävention

Einige Maßnahmen können dazu beitragen, das Risiko für Spastik in der Lunge zu verringern:

  • Vermeidung von Schadstoffen: Nichtrauchen und Vermeidung von Passivrauchen, Staub und anderen Reizstoffen.
  • Impfungen: Regelmäßige Grippe- und Pneumokokkenimpfungen, insbesondere für Risikogruppen.
  • Allergieprävention: Vermeidung von Allergenen, falls eine Allergie bekannt ist.
  • Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf.
  • Frühzeitige Behandlung von Atemwegserkrankungen: Um Komplikationen zu vermeiden.

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