Das Glioblastom ist eine aggressive und schwer zu behandelnde Form von Hirntumor. Dieser Artikel beleuchtet das Aussehen und Wachstum von Glioblastomen, die Diagnoseverfahren, die verfügbaren Therapieoptionen und die neuesten Forschungsergebnisse.
Was ist ein Glioblastom?
Das Glioblastom (früher Glioblastoma multiforme) ist ein bösartiger Hirntumor, der zu den Gliomen gehört. Gliome sind Tumoren, die in der Regel nur im Gehirn entstehen. Glioblastome werden als Grad-4-Gliome eingestuft, der höchsten WHO-Klassifikation. Es wird vermutet, dass diese Tumoren aus dem Stützgewebe des Gehirns (Gliazellen) entstehen, aber die genaue Herkunft ist nicht sicher bekannt.
Wachstum und Aussehen
Glioblastome zeichnen sich durch schnelles und unkontrolliertes Wachstum aus. Die Zellen teilen sich meist sehr rasch, wodurch der Tumor schnell an Größe zunimmt. Bei der Diagnosestellung können Glioblastome an einer Stelle im Gehirn, aber auch an mehreren Lokalisationen sichtbar sein. Das Wachstum ist diffus und infiltrativ, was bedeutet, dass die Tumorzellen unkontrolliert in das gesunde Hirngewebe hineinwachsen. Es wird davon ausgegangen, dass es immer auch Tumorzellen gibt, die für den Arzt nicht sichtbar sind.
Formen des Glioblastoms
Es gibt zwei Hauptformen des Glioblastoms:
- Primäres Glioblastom (IDH-Wildtyp): Diese Form tritt bei etwa 90 % der Patienten auf, entwickelt sich ohne Vorläufer und wächst sehr aggressiv.
- Sekundäres Glioblastom: Diese Form wird heute als Astrozytom, IDH-mutiert, WHO-Grad 4 bezeichnet. Es entsteht meist aus einem niedriggradigen Astrozytom, betrifft eher jüngere Menschen und hat eine etwas günstigere Prognose.
Symptome eines Glioblastoms
Glioblastomerkrankungen können durch unterschiedliche neurologische Beschwerden auffällig werden, je nachdem, an welcher Stelle sich der Tumor im Gehirn befindet. Da Glioblastome schnell wachsen, verursacht der Druck auf das Gehirn meist die ersten Symptome. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Kopfschmerzen (oft stark und morgens schlimmer)
- Epileptische Anfälle
- Lähmungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Gedächtnisstörungen
- Gefühlsstörungen
- Sehstörungen
- Sprachstörungen
- Veränderungen der Persönlichkeit
Diagnose von Glioblastomen
Die Diagnose eines Glioblastoms umfasst mehrere Schritte:
- Anamnese und neurologische Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und führt eine neurologische Untersuchung durch, um Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe zu überprüfen.
- Bildgebende Verfahren: Bildgebende Untersuchungen wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) sind entscheidend, um den Tumor sichtbar zu machen und seine Lage und Größe zu bestimmen. Die MRT ist das Standardverfahren zur Diagnose von Hirntumoren.
- Biopsie: Um die Diagnose zu sichern und den Tumortyp zu bestimmen, wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen. Die Probe wird im Labor mikroskopisch und molekularpathologisch untersucht, um die Art der Zellen, den WHO-Grad sowie wichtige genetische Marker (z. B. IDH-Status, MGMT-Promotor-Methylierung) zu bestimmen.
Rolle der Labormedizin
Die Labormedizin spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose und Therapieplanung von Glioblastomen. Durch die Analyse der Gewebeprobe können verschiedene Aspekte des Tumors bestimmt werden:
- Histologie: Die Gewebeprobe wird unter dem Mikroskop betrachtet, um die Zellstruktur und das Vorhandensein von bestimmten Merkmalen zu beurteilen.
- Gradbestimmung (WHO-Klassifikation): Glioblastome werden als Grad IV eingestuft, was ihre hohe Bösartigkeit und Aggressivität widerspiegelt.
- Molekulare Marker: Es werden genetische Veränderungen im Tumor untersucht, z. B. der MGMT-Status (ein Gen, das die Chemotherapie-Wirkung beeinflusst) oder Mutationen im IDH-Gen. IDH-wildtypische Glioblastome (ohne Mutation) sind häufiger und aggressiver, während IDH-mutierte seltener sind und eine etwas bessere Prognose haben.
- Immunhistochemie: Mit speziellen Färbetechniken werden Proteine im Tumorgewebe sichtbar gemacht, die weitere Hinweise auf die Tumorart und ihr Verhalten geben.
Therapie von Glioblastomen
Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der in der Regel eine Kombination aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie umfasst.
Operation
Der erste Schritt bei der Behandlung eines Glioblastoms ist in der Regel die operative Entfernung (Resektion) des Tumors. Ziel ist es, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne das umliegende gesunde Hirngewebe zu schädigen. Da Glioblastome jedoch diffus in das Gehirn einwachsen, ist eine vollständige Entfernung oft nicht möglich.
Strahlentherapie
Im Anschluss an die Operation erfolgt in der Regel eine Strahlentherapie. Dabei wird die Zellteilung durch hochenergetische ionisierende Strahlen behindert, um das weitere Wachstum der Tumorzellen zu hemmen und sie im besten Fall abzutöten.
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Chemotherapie
Neben der Bestrahlung gehört zur Standardbehandlung des Glioblastoms eine Chemotherapie mit dem Medikament Temozolomid. Temozolomid hindert die Tumorzellen daran, sich zu vermehren, indem es die Erbinformation (DNA) schädigt.
Tumor Treating Fields (TTFields)
Die TTFields-Therapie ist eine weitere Standardbehandlung beim Glioblastom. Dabei werden elektrische Felder eingesetzt, um die Zellteilung der Tumorzellen zu stören.
Weitere Therapieansätze
Neben den Standardtherapien gibt es auch weitere Therapieansätze, die im Rahmen von klinischen Studien untersucht werden, z. B. Immuntherapien oder zielgerichtete Therapien.
Behandlung im Rezidivfall
Bei einem erneuten Tumorwachstum (Rezidiv) gibt es kein komplett standardisiertes Vorgehen. Die Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. der Tumorlokalisation, Größe und Ausdehnung, dem Zustand des Patienten und der Verträglichkeit bisheriger Therapien. Mögliche Optionen sind eine erneute Operation, eine zweite Strahlentherapie, eine (erneute) Chemotherapie oder eine experimentelle Therapie mit neueren Substanzen.
Prognose und Lebenserwartung
Glioblastome sind derzeit nicht heilbar. Die durchschnittliche Überlebenszeit beim Glioblastom beträgt ab dem Zeitpunkt der Diagnose etwa 15 Monate. Es gibt jedoch eine große Spannweite, und einige Patienten leben deutlich länger. Verschiedene Faktoren können die Prognose beeinflussen, wie z. B. das Alter des Patienten, der allgemeine Gesundheitszustand, die Vollständigkeit der Tumorentfernung und das Ansprechen auf die Therapie.
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Leben mit einem Glioblastom
Die Diagnose eines Glioblastoms ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine große Herausforderung. Neben der medizinischen Behandlung ist es wichtig, auch die psychischen und sozialen Aspekte der Erkrankung zu berücksichtigen. Psychoonkologische Unterstützung kann helfen, mit Ängsten, Depressionen und anderen Belastungen umzugehen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann wertvoll sein.
Aktuelle Forschung
Die Forschung im Bereich der Glioblastome ist sehr aktiv. Wissenschaftler arbeiten daran, neue Therapieansätze zu entwickeln, die das Tumorwachstum besser kontrollieren und die Überlebenszeit verlängern können. Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von Therapien, die gezielt auf die molekularen Eigenschaften des Tumors abzielen.
Ein Forschungsteam an der Uniklinik Düsseldorf erforscht beispielsweise die Möglichkeit, bösartigen Zellen die lebensnotwendigen Nährstoffe zu entziehen. Sie haben ein Protein entdeckt, das Tumorzellen stärkt, die unter Nährstoffmangel leiden. Wird dieses Protein ausgeschaltet, sind die Zellen dem Untergang geweiht.
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