Millionen Menschen weltweit, allein in Deutschland etwa 10 Millionen, leiden unter Migräne. Migräne ist jedoch mehr als nur Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die oft von einer Reihe weiterer Symptome begleitet wird, darunter Übelkeit und Erbrechen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Erbrechen bei Migräne, die verschiedenen Migräneformen und die verfügbaren Behandlungsoptionen.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, meist einseitige Kopfschmerzen auszeichnet. Die Schmerzen werden oft als pulsierend, pochend oder hämmernd beschrieben und verstärken sich bei körperlicher Aktivität. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Begleitsymptomen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen sowie einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht (Photophobie) und Geräuschen (Phonophobie). In manchen Fällen kündigt sich eine Migräneattacke durch eine Aura an, die Sehstörungen und andere neurologische Symptome umfassen kann.
Migräne ist weit verbreitet: Etwa zehn bis 15 von 100 Menschen sind im Laufe eines Jahres von Migräne betroffen. Besonders häufig treten die Attacken zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf. In dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. Bereits Kinder können an Migräne leiden, wobei ein erstes Auftreten typischerweise nach der Pubertät erfolgt.
Ursachen und Auslöser der Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Faktoren eine Rolle spielt. Diskutiert werden die Rolle von Botenstoffen, ein veränderter Blutfluss im Gehirn sowie entzündungsähnliche Prozesse.
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine Migräneattacke auslösen können. Diese sogenannten Trigger sind sehr individuell und können sein:
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- Stress: Unregelmäßiger Tagesablauf, emotionaler Stress oder auch die Zeit nach einer anstrengenden Phase können Migräneanfälle auslösen.
- Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
- Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
- Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel wie Rotwein gelten als Auslöser. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern, beispielsweise durch Fasten.
- Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.
Wie fühlt sich eine Migräne an?
Migräne verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen, die unterschiedlich lange dauern und nicht zwingend alle auftreten müssen:
- Prodromalphase: In vielen Fällen kündigen Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger und Lichtempfindlichkeit eine Migräne an. Diese Vorbotenphase kann mehrere Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten.
- Aura: Anschließend kann eine Migräne-Aura auftreten. Diese kann verschiedene Anzeichen haben:
- Sehstörungen: Bei einer visuellen Aura kommt es zum Beispiel zu Flimmersehen oder zum Sehen von Zickzack-Linien, zu Gesichtsfeldausfällen (Skotome) oder die Betroffenen sehen Objekte verzerrt, unscharf, vergrößert oder verkleinert (Metamorphopsie).
- Empfindungsstörungen: Ein häufiges Aura-Symptom ist ein Kribbeln, das sich langsam von der Hand über den Arm bis zum Kopf ausbreitet.
- Weitere Einschränkungen: Zum Beispiel kann das Sprachvermögen gestört sein (Aphasie). Sehr selten kommt es zu Orientierungsstörungen und Lähmungserscheinungen (Paresen). Die Migräne-Aura geht manchmal auch mit Gleichgewichtsstörungen einher.
- Kopfschmerzphase: Die heftigste Phase geht mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einher, die bis zu drei Tage anhalten können. Die Schmerzen werden als pulsierend oder stechend beschrieben und treten meist im Bereich von Stirn, Schläfen und den Augen auf. Kinder und Jugendliche haben typischerweise kürzere Migräneanfälle. Sie nehmen die Kopfschmerzen meist beiderseitig im Bereich von Stirn und Schläfen wahr.
- Postdromalphase: Nach der Kopfschmerzphase folgt oft eine Erholungsphase, in der sich Betroffene müde und erschöpft fühlen können. Konzentrationsstörungen und Muskelschmerzen sind ebenfalls häufig.
Die Rolle von Übelkeit und Erbrechen bei Migräne
Übelkeit und Erbrechen sind häufige Begleiterscheinungen von Migräneattacken. Schätzungsweise 80 Prozent der Migränepatienten leiden unter Übelkeit, und etwa 40 bis 50 Prozent erleben Erbrechen. Diese Symptome können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und die Wirksamkeit von oral eingenommenen Medikamenten zur Schmerzlinderung reduzieren.
Ursachen von Übelkeit und Erbrechen bei Migräne
Die genauen Ursachen für Übelkeit und Erbrechen bei Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen:
- Aktivierung des Brechzentrums im Gehirn: Während einer Migräneattacke werden bestimmte Hirnregionen aktiviert, die das Brechzentrum im Gehirn stimulieren können.
- Freisetzung von Neurotransmittern: Es wird vermutet, dass eine erhöhte Freisetzung von Neurotransmittern wie Serotonin während einer Migräneattacke Übelkeit und Erbrechen auslösen kann.
- Verlangsamte Magenentleerung: Migräne kann zu einer Verlangsamung der Magenentleerung (Gastroparese) führen, was Übelkeit und Erbrechen verstärken kann.
- Aktivierung des Parasympathikus: Bei vielen Betroffenen wird während einer Migräneattacke der Parasympathikus aktiviert, was zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Tränenfluss führen kann.
Migräneformen
Es gibt verschiedene Formen von Migräne, die sich in ihren Symptomen und ihrem Verlauf unterscheiden:
- Migräne ohne Aura (einfache Migräne): Die häufigste Form der Migräne, die sich durch einseitige, pulsierende Kopfschmerzen auszeichnet, begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Geräuschempfindlichkeit.
- Migräne mit Aura (klassische Migräne): Bei dieser Form treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden. Diese können Sehstörungen, Empfindungsstörungen oder Sprachstörungen umfassen.
- Komplizierte Migräne (Migraine accompagnée): Diese Form ist durch lang anhaltende neurologische Störungen gekennzeichnet, die auch nach dem Abklingen der Kopfschmerzen fortbestehen können.
- Spezielle Unterformen: Es gibt weitere Unterformen wie die Augenmigräne (okuläre Migräne), menstruelle Migräne, abdominelle Migräne, hemiplegische Migräne, Migräne mit Hirnstammaura (früher als Basilaris-Migräne bekannt) und vestibuläre Migräne, die jeweils spezifische Symptome aufweisen.
Diagnose von Migräne
Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich der Arzt zunächst nach den Beschwerden des Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Ist das allein anhand der Beschwerden nicht möglich, können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.
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Behandlung von Migräne
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, akute Anfälle zu lindern und zukünftigen Attacken vorzubeugen. Es gibt sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Behandlungsoptionen.
Akuttherapie von Migräneattacken
Zur Linderung akuter Migräneanfälle werden verschiedene Medikamente eingesetzt:
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Attacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate helfen.
- Triptane: Migränespezifische Medikamente wie Triptane sind wirksam gegen starke Symptome und sollten frühzeitig eingenommen werden. Triptane sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Tabletten, Nasensprays und Injektionen.
- Ditane: Ditane sind eine weitere Option für die Akutbehandlung von Migräne, insbesondere wenn Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.
- Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen helfen Antiemetika wie Metoclopramid und Domperidon. Sie können die Magenentleerung fördern und die Aufnahme von Schmerzmitteln verbessern. Die Kombination von Schmerzmitteln und Antiemetika kann die Wirksamkeit der Akuttherapie erhöhen.
- Gepante: Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.
- Remote Electrical Neuromodulation (REN): Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.
Vorbeugung von Migräne
Bei häufigen Migräneattacken können vorbeugende Maßnahmen sinnvoll sein:
- Lifestyle-Anpassungen: Regelmäßiger Sport, Entspannungsübungen, ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und der Verzicht auf bekannte Trigger können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können Medikamente helfen, vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker, Antidepressiva oder Krampflöser infrage.
- Antikörpertherapie: Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen.
- Gepante: Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante.
- Akupunktur: Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.
- Migräne-Apps: Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.
Hausmittel und alternative Therapien
Neben medikamentösen Behandlungen können auch Hausmittel und alternative Therapien zur Linderung von Migränesymptomen beitragen:
- Ruhe und Dunkelheit: Sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen und sich auszuruhen, kann helfen, die Symptome zu lindern.
- Tees: Kamillen- oder Fencheltee können beruhigend wirken und Übelkeit reduzieren. Auch Ingwertee kann bei Übelkeit helfen.
- Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung und autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
- Pfefferminzöl: Das Auftragen von Pfefferminzöl auf die Schläfen kann eine kühlende und schmerzlindernde Wirkung haben.
- Akupunktur und Akupressur: Diese traditionellen chinesischen Behandlungsmethoden können bei manchen Menschen die Symptome lindern.
Spezielle Aspekte der Migränebehandlung
Migräne bei Kindern
Auch Kinder können von Migräne betroffen sein. Für sie sind aber nicht alle Medikamente zugelassen. Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein.
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Migräne in der Schwangerschaft
Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.
Leben mit Migräne
Migräne ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, Trigger zu identifizieren und zu vermeiden, und eine individuelle Behandlungsstrategie zu entwickeln. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, den Überblick über Attacken und mögliche Auslöser zu behalten. Es gibt auch Selbsthilfegruppen und Online-Foren, in denen sich Betroffene austauschen und gegenseitig unterstützen können.