Eine plötzliche Schwäche oder Lähmung im Gesicht kann beängstigend sein. Wenn die Gesichtsmuskeln plötzlich nicht mehr richtig funktionieren, kann dies verschiedene Ursachen haben, die von einer peripheren Fazialisparese bis hin zu einem Schlaganfall reichen können. Es ist wichtig, die Symptome zu erkennen und so schnell wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Ursache zu ermitteln und die richtige Behandlung zu beginnen.
Was ist eine Fazialisparese?
Eine Fazialisparese ist eine Lähmung der Gesichtsnerven, die zu einer Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur führt. Diese Lähmung kann verschiedene Ursachen haben, die von einer Entzündung des Gesichtsnervs bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie einem Schlaganfall reichen können.
Eine Fazialisparese bildet sich innerhalb weniger Stunden aus, manchmal wachen Patienten sogar am Morgen damit auf. Die Beschwerden sind davon abhängig, an welchen Stellen der Nerv geschädigt ist. Mediziner teilen die Schwere der Erkrankung darüber hinaus in sechs Stufen ein. In Stufe I wirkt das Gesicht in Ruhe sowie Bewegung normal und unauffällig.
Symptome einer Fazialisparese
Die Symptome einer Fazialisparese können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Typische Anzeichen sind:
- Hängender Mundwinkel: Der Mundwinkel auf einer Seite des Gesichts hängt herab und bewegt sich beim Sprechen nicht mit. Dadurch wird die Aussprache undeutlicher und Speichel rinnt aus diesem Mundwinkel.
- Schwierigkeiten beim Schließen des Auges: Das Auge auf der betroffenen Seite kann nicht vollständig geschlossen werden. Bei dem Versuch dreht sich der Augapfel nach oben (Bell-Phänomen).
- Verstrichene Stirnfalten: Bei peripheren Lähmungen, die den Gesichtsnerv direkt erfassen, ist meist auch die Stirn auf der betroffenen Seite schlaff (verstrichene Stirnfalten).
- Probleme beim Essen und Trinken: Es kann schwierig sein, Speisen und Flüssigkeiten im Mund zu behalten oder zu schlucken.
- Veränderter Tränenfluss: Der Tränenfluss kann vermindert oder vermehrt sein. Die Tränen fließen dann zum Beispiel völlig unpassend beim Essen (Krokodilstränen).
- Geräuschüberempfindlichkeit: Häufig leiden Menschen mit einer Fazialisparese auch unter einer sogenannten Hyperakusis.
- Weitere mögliche Störungen: trockener Mund, Schmeckstörungen, Ohrenschmerzen, Hörprobleme, Schluckstörungen, Atemnot, Kopfschmerzen, Schwindel, Nackensteifigkeit.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle diese Symptome bei jedem Patienten auftreten müssen. Einige Patienten haben nur leichte Symptome, während andere schwerer betroffen sind.
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Zentrale vs. Periphere Fazialisparese
Es gibt zwei Haupttypen von Fazialisparese: die zentrale und die periphere Fazialisparese. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Formen ist wichtig, da sie unterschiedliche Ursachen und Behandlungen haben.
- Periphere Fazialisparese: Bei der peripheren Gesichtslähmung sind alle Äste im Gesicht betroffen: Der Patient kann die Stirn nicht mehr runzeln, das Auge auf der betroffenen Seite kann nie völlig geschlossen werden. Bei dem Versuch dreht sich der Augapfel nach oben (Bell-Phänomen). Periphere Lähmungen, die den Gesichtsnerv direkt erfassen, ist meist auch die Stirn auf der betroffenen Seite schlaff (verstrichene Stirnfalten).
- Zentrale Fazialisparese: Im Gegensatz hierzu kann bei einer zentralen Fazialisparese die Stirn gerunzelt und das betroffene Auge meist noch vollständig geschlossen werden. Zentrale Lähmungen, die vom Gehirn ausgehen, wirken sich in der Regel nicht auf den Nervenast aus, der die Stirn versorgt. Die Stirnmuskeln sind dann noch beweglich.
Ursachen einer Fazialisparese
Die Ursachen einer Fazialisparese sind vielfältig. Einige der häufigsten Ursachen sind:
- Idiopathische Fazialisparese (Bell-Lähmung): Dies ist die häufigste Form der Fazialisparese, bei der die Ursache unbekannt ist. Es wird vermutet, dass eine Entzündung des Gesichtsnervs eine Rolle spielt. Konnten die Ärzte der zuständigen Fachrichtungen mit den grundlegenden Untersuchungen keine konkrete Krankheitsursache feststellen, liegt meist eine idiopathische Fazialislähmung, auch Bell-Lähmung genannt, vor. Sie ist die häufigste Form einer Gesichtslähmung.
- Infektionen: Verschiedene Infektionen, wie z. B. Herpes Zoster (Gürtelrose), Borreliose (durch Zecken übertragen) oder eine Mittelohrentzündung, können eine Fazialisparese verursachen.
- Trauma: Verletzungen des Gesichts oder Schädels können den Gesichtsnerv schädigen und zu einer Fazialisparese führen. Bei einer traumatischen Fazialisparese ist die Prognose abhängig vom Grad der Schädigung bei Therapiebeginn.
- Tumore: Tumore im Gehirn oder im Bereich des Gesichtsnervs können auf den Nerv drücken und eine Fazialisparese verursachen. Vor allem wenn der Verdacht auf Tumore und Veränderungen im Schädelinneren oder im Schläfenbereich, etwa der Ohrspeicheldrüse, besteht, sind Computertomografie und Magnetresonanztomografie geeignete bildgebende Verfahren.
- Schlaganfall: Ein Schlaganfall kann zu einer zentralen Fazialisparese führen, wenn der Bereich des Gehirns betroffen ist, der die Gesichtsmuskulatur steuert.
Diagnose einer Fazialisparese
Um die Ursache einer Fazialisparese zu ermitteln, wird der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen. Dazu gehören:
- Anamnese: Der Arzt wird den Patienten eingehend befragen, um Informationen über den Beginn der Symptome, mögliche Auslöser und Vorerkrankungen zu erhalten. Wegweisende Fragen sind für den Arzt zunächst, ob der Patient verletzt ist oder vor einiger Zeit einen Unfall hatte. Akute oder chronische Ohrerkrankungen sowie zurückliegende Ohroperationen sind wichtige Anhaltspunkte, ebenso bestehende Gehirnerkrankungen, bekannte Tumorleiden, eine schon diagnostizierte Autoimmunerkrankung oder andere entzündliche Systemerkrankung.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird das Gesicht des Patienten untersuchen, um die betroffenen Muskeln zu identifizieren und den Grad der Lähmung zu beurteilen. Nach einer eingehenden Befragung wird der Arzt prüfen, ob eine oder beide Gesichtshälften betroffen sind und welche Muskeln nicht mehr richtig funktionieren. Er kontrolliert, ob nur ein Mundwinkel schlaff herabhängt (schief stehender Mund), oder ob sich Mund und Augenlider, eventuell auch der Kinnbereich nur mehr verzögert beziehungsweise gar nicht mehr bewegen lassen. Kann der Patient breit lächeln, die Backen aufblasen, kann er pfeifen, die Zähne zeigen? Ist die Sprache verwaschen, das Sprachverständnis gestört?
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt wird die Nervenfunktionen des Patienten überprüfen, um festzustellen, ob andere Nerven betroffen sind.
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen geben schließlich Aufschluss über mögliche Infektionskrankheiten wie die schon erwähnte Borreliose, eine Herpes-Zoster-Infektion oder andere Viruserkrankungen. Bei entsprechendem Verdacht oder unklaren klinischen Befunden ordnet der Arzt die notwendigen Bluttests an. Das gilt auch bei Hinweisen auf eine noch nicht bekannte Diabeteserkrankung.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich sein, um Tumore oder andere strukturelle Ursachen auszuschließen. Bei einer Magnetresonanztomografie kann der Arzt mit Hilfe eines Kontrastmittels unter anderem den Verlauf des Nervus facialis und mögliche Veränderungen erkennen. Auch bei einer Gesichtslähmung mit ausgeprägten Begleitsymptomen ist im Allgemeinen eine vertiefende bildgebende Untersuchung angezeigt.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Mit der sogenannten Elektromyografie ist es möglich, über feinste Nadelelektroden die elektrische Aktivität der Nerven in einem Muskel zu messen. Damit kann der Arzt einmal den Grad einer Nervenstörung bestimmen, zum anderen aber dann auch den Heilungsverlauf kontrollieren. Ergänzend kommt dazu manchmal auch die Elektroneurografie infrage. Auf der Haut angebrachte Elektroden zeigen die Nervenleitgeschwindigkeit an und damit, ob und wie schnell die Nervenfasern elektrische Reize an den Muskel weitergeben.
Behandlung einer Fazialisparese
Die Behandlung einer Fazialisparese richtet sich nach der Ursache. Einige der häufigsten Behandlungen sind:
- Medikamente: Bei einer idiopathischen Fazialisparese werden häufig Kortikosteroide eingesetzt, um die Entzündung des Gesichtsnervs zu reduzieren. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt, bei viralen Infektionen antivirale Medikamente.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Gesichtsmuskulatur zu stärken und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Ich behandle sie mit Eis, Massagetechniken und wir üben kräftig die Mimik .
- Augenpflege: Wenn das Auge nicht vollständig geschlossen werden kann, ist eine sorgfältige Augenpflege wichtig, um Austrocknung und Schäden an der Hornhaut zu vermeiden. Fehlender/grenzwertiger vollständiger Augenschluss: Augensalbe, Tränenersatz, Uhrglasverband
- Chirurgie: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Gesichtsnerv zu verringern oder beschädigte Nerven zu reparieren. In etwa 10% der Fälle bleibt die Mimik dauerhaft entstellt und kann eine plastische Operation erforderlich machen.
Prognose einer Fazialisparese
Die Heilungschancen für eine idiopathische Gesichtslähmung sind gut. Bei etwa 90% der Patienten heilt die Lähmung unter entsprechender Therapie nach 4 bis 10 Wochen bzw.. Bei einer traumatischen Fazialisparese ist die Prognose abhängig vom Grad der Schädigung bei Therapiebeginn. In etwa 10% der Fälle bleibt die Mimik dauerhaft entstellt und kann eine plastische Operation erforderlich machen.
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Schlaganfall als Ursache einer Gesichtslähmung
Es ist wichtig zu beachten, dass eine plötzlich auftretende Gesichtslähmung auch ein Anzeichen für einen Schlaganfall sein kann. Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss.
Symptome eines Schlaganfalls
Achtung: Bestehen Anzeichen für einen Schlaganfall, etwa plötzlich auftretende, halbseitige Lähmungen an Gesicht, Arm, Bein, Taubheitsgefühle, ungewöhnlich starke Kopfschmerzen, Probleme mit dem Sehen und Sprechen, heftiger Schwindel, Gangunsicherheit, ist sofort der Rettungsdienst zu verständigen (Notruf 112).
Ein sehr typisches Symptom für einen Schlaganfall ist eine Halbseitenlähmung des Körpers. Dabei können Betroffene typischerweise den Arm und/oder das Bein einer Körperhälfte nicht mehr oder nur noch eingeschränkt bewegen. Diese Bewegungseinschränkung tritt typischerweise, wie alle Schlaganfall-Symptome, schlagartig auf. Nicht nur die Arme und Beine können von der einseitigen Lähmung betroffen sein. Sehr häufig ist auch das Gesicht zur Hälfte gelähmt. Die Stirn kann klassischerweise noch auf beiden Seiten gerunzelt werden, es bestehen jedoch Schwierigkeiten beim Aufblasen der Backen oder beim Formen eines Kussmundes.
FAST-Test
Um einen Schlaganfall schnell zu erkennen, kann der sogenannte FAST-Test durchgeführt werden:
- Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
- Arms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme nach vorne auszustrecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Sinkt ein Arm ab?
- Speech (Sprache): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
- Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf (112).
Behandlung eines Schlaganfalls
Die Behandlung eines Schlaganfalls zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen. Dies kann durch Medikamente (Thrombolyse) oder durch eine Operation (Thrombektomie) erfolgen.
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