Backen mit Senioren mit Demenz: Eine Anleitung zur Aktivierung und Erinnerungspflege

Das Backen mit Senioren, insbesondere solchen mit Demenz, ist eine wunderbare Möglichkeit, Erinnerungen zu wecken, die Sinne anzuregen und soziale Interaktion zu fördern. Diese Aktivität kann sowohl in Seniorengruppen als auch in der Einzelbetreuung durchgeführt werden und bietet zahlreiche Vorteile für das Wohlbefinden und die geistige Gesundheit der Teilnehmer.

Warum Backen mit Senioren mit Demenz?

  • Erinnerungen wecken: Das Backen kann tief verwurzelte Erinnerungen an vergangene Zeiten hervorrufen. Gerüche und Geschmäcker, die mit bestimmten Rezepten verbunden sind, können positive Emotionen und Gespräche über die Lebensgeschichte der Senioren anregen.
  • Gedächtnistraining: Indem Senioren sich an Rezepte erinnern oder über vergangene Backerlebnisse sprechen, wird ihr Gedächtnis auf spielerische Weise trainiert.
  • Soziale Interaktion: Das gemeinsame Backen ermöglicht es den Senioren, in Kontakt zu treten, sich auszutauschen und neue Bekanntschaften zu schließen. Es fördert soziale Bindungen und unterstützt das Gefühl der Zugehörigkeit.
  • Sinnliche Erfahrungen: Das gemeinsame Zubereiten von Speisen spricht verschiedene Sinne an, wie den Geruchssinn, den Geschmackssinn und das Tastempfinden. Dies kann angenehme Erinnerungen wecken und positive Stimmungen hervorrufen.
  • Kognitive Stimulation: Beim Backen werden verschiedene Fähigkeiten gefordert, wie das Lesen von Rezepten, das Abmessen von Zutaten und das Planen von Abläufen. Dies kann die geistige Aktivität fördern und die kognitiven Fähigkeiten der Senioren schärfen.
  • Steigerung des Selbstwertgefühls: Das Gefühl, Teil eines Teams zu sein und etwas Leckeres gemeinsam zuzubereiten, kann das Selbstwertgefühl der Senioren stärken.
  • Struktur und Routine: Regelmäßige Backaktivitäten bieten Struktur und Routine im Alltag, was besonders wichtig für das Wohlbefinden von Senioren sein kann.
  • Spaß und Lebensfreude: Das Erleben von Freude, Lachen und sich zu amüsieren steigert das psychische Wohlbefinden und sorgt dafür, dass das Leben im Alter als erfüllter wahrgenommen wird.

Themenauswahl und Vorbereitung

Die Auswahl des Backthemas kann an die Jahreszeit oder an persönliche Vorlieben der Senioren angepasst werden. Hier sind einige Beispiele:

  • Frühling: Blumenkekse, Erdbeerkuchen
  • Sommer: Marmelade kochen, Obstkuchen
  • Herbst: Apfelkuchen, Kürbiskuchen
  • Winter: Weihnachtsplätzchen, Lebkuchen

Bei der Vorbereitung sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Geeignete Rezepte: Wählen Sie einfache Rezepte mit wenigen Zutaten und klaren Anweisungen. Vermeiden Sie zu komplexe Rezepte, die die Senioren überfordern könnten.
  • Individuelle Bedürfnisse: Berücksichtigen Sie individuelle Diätvorschriften, Allergien und Geschmackspräferenzen der Teilnehmer.
  • Sicherheitsvorkehrungen: Achten Sie auf die Sicherheit der Teilnehmer. Scharfe Messer, heiße Öfen und andere potenzielle Gefahrenquellen sollten entsprechend gehandhabt werden, um Verletzungen zu vermeiden.
  • Barrierefreiheit: Stellen Sie sicher, dass der Backbereich für alle Teilnehmer zugänglich ist. Passen Sie die Höhe der Arbeitsflächen an und sorgen Sie für ausreichend Sitzmöglichkeiten.
  • Materialien und Geräte: Stellen Sie alle benötigten Materialien und Geräte bereit, bevor Sie mit dem Backen beginnen. Dies umfasst Zutaten, Rührschüsseln, Messbecher, Backbleche, Backpapier, Rührgeräte und einen Ofen.
  • Zeitplanung: Planen Sie ausreichend Zeit für die Vorbereitung, das Backen und die Aufräumarbeiten ein. Überfordern Sie die Senioren nicht mit zu langen Backzeiten.

Durchführung der Backaktivität

  1. Begrüßung und Einführung: Begrüßen Sie die Senioren herzlich und stellen Sie das Backthema vor. Erklären Sie die einzelnen Schritte des Rezepts und beantworten Sie Fragen.
  2. Gemeinsames Backen: Teilen Sie die Aufgaben entsprechend den individuellen Fähigkeiten der Teilnehmer auf. Einige Senioren können Zutaten abmessen, andere den Teig kneten oder Plätzchen ausstechen.
  3. Erinnerungen austauschen: Nutzen Sie die Backaktivität, um Erinnerungen an vergangene Zeiten auszutauschen. Fragen Sie die Senioren nach ihren Lieblingsrezepten, ihren ersten Backerlebnissen oder ihren schönsten Kindheitserinnerungen.
  4. Sinne anregen: Lassen Sie die Senioren an den Zutaten riechen, den Teig fühlen und die fertigen Backwaren probieren. Dies kann positive Emotionen wecken und die Sinne anregen.
  5. Gemeinsames Aufräumen: Beziehen Sie die Senioren in die Aufräumarbeiten ein. Gemeinsames Abspülen und Aufräumen fördert das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt.
  6. Verkostung: Genießen Sie die selbstgebackenen Köstlichkeiten gemeinsam bei einer gemütlichen Kaffeerunde.
  7. Abschluss: Bedanken Sie sich bei den Senioren für ihre Teilnahme und verabschieden Sie sie herzlich.

Beispiele für Backaktivitäten mit Senioren mit Demenz

  • Plätzchen backen: Das Ausstechen von Plätzchen ist eine einfache und unterhaltsame Aktivität, die sich gut für Senioren mit Demenz eignet.
  • Kuchen backen: Ein einfacher Rührkuchen oder Obstkuchen ist schnell zubereitet und bietet viele Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung.
  • Brot backen: Das Kneten von Teig und das Formen von Brot kann eine beruhigende Wirkung haben und die Sinne anregen.
  • Marmelade kochen: Das gemeinsame Kochen von Marmelade ist eine saisonale Aktivität, die viele Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken kann.
  • Dampfnudeln zubereiten: Die Zubereitung von Dampfnudeln ist zwar etwas aufwendiger, aber das Ergebnis ist eine köstliche Spezialität, die viele Senioren an ihre Kindheit erinnert.

Dampfnudeln backen - Eine detaillierte Anleitung

Dampfnudeln sind ein traditionelles Gericht, das besonders in Süddeutschland beliebt ist. Die Zubereitung erfordert etwas Zeit und Geduld, aber das Ergebnis ist ein flaumiges Hefebrötchen mit einer knusprigen Kruste.

Zutaten:

  • 500 g Mehl
  • 1 Würfel Hefe
  • 100 g Zucker
  • 250 ml Milch
  • 80 g Butter
  • 1 Ei
  • 1 Prise Salz
  • Butterschmalz
  • Salz
  • Kaltes Wasser
  • Vanillesauce oder Weinsauce (nach Geschmack)

Zubereitung:

  1. Vorteig zubereiten: Die Hälfte des Mehls in eine große Schüssel geben. Eine kleine Mulde hineindrücken und den Hefewürfel hineinbröseln. Einen Esslöffel Zucker und ca. drei Esslöffel Milch auf die Hefe geben. Die Teigschüssel mit einem sauberen Handtuch abdecken und den Vorteig an einem warmen Ort für ca. 15 Minuten gehen lassen.
  2. Teig zubereiten: Nach der Gehzeit alle Zutaten, die bereits in der Schüssel sind, dann mit den Knethaken eines Handrührgerätes verrühren. Das restliche Mehl in zwei Etappen darauf sieben und ebenfalls mit den Knethaken einkneten. Nun die Milch nach und nach zugeben (lieber auch hier in Etappen arbeiten). Das Salz einstreuen und ebenfalls einarbeiten.
  3. Teig kneten: Den Teig einige Minuten kneten - sobald es eine homogene Masse wird, hat man mit den Händen mehr Gefühl. Dann zu einer Kugel geformt in der Schüssel wieder abgedeckt ca. 1 Stunde gehen lassen. Nach dieser Zeit sollte der Teig sein Volumen deutlich vergrößert haben.
  4. Dampfnudeln formen: Mit leicht bemehlten Händen den Teig nochmals aufkneten und ein paar Mal falten. Nun kleine Kugeln mit den Händen formen und auf einem bemehlten Brett ablegen. Einfach jeweils eine kleine Teigmenge von der großen Kugeln abnehmen und den kleinen Teigling nach unten (zum Boden) etwas glattziehen. Die Oberfläche sollte möglichst glatt sein.
  5. Dampfnudeln backen: Zwei bis drei hochwandige Pfannen mit Glasdeckel stark erhitzen (andernfalls nacheinander arbeiten). Nun das Butterschmalz hineingeben und kräftig Salz gleichmäßig einstreuen (pro Pfanne ca. 1/2 EL Salz - tastet euch nach und nach an eure perfekte Salzmenge heran). Nun die vorbereiteten Dampfnudeln in die sehr heißen Pfannen vorsichtig einsetzen (Achtung, das Butterschmalz ist extrem heiß). Dabei darauf achten, dass die Dampfnudeln mit dem runden und glattgeformten Teil oben liegen.
  6. Wasser hinzufügen: Nun vorsichtig vom Pfannenrand aus direkt kaltes Wasser angießen, sodass ca. 1 cm Wasser in der Pfanne steht. Die Dampfnudeln müssen nun ca. 15 Minuten gebacken werden.
  7. Fertigstellung: Sobald die Dampfnudeln fertig sind, den Deckel zügig abheben und die Dampfnudeln mit einem Pfannenwender aus der Pfanne auf ein Kuchengitter heben und noch heiß servieren.

Serviertipp:

Am besten schmecken die Dampfnudeln zu Rindssuppe mit Graupen und Gemüse und mit selbstgemachter Vanillesauce! Es gibt aber auch Menschen, die einfach nur Vanillesauce oder sogar Weinsauce bevorzugen!

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Weitere Beschäftigungsideen für Senioren mit Demenz

Neben dem Backen gibt es viele weitere Beschäftigungsideen, die sich gut für Senioren mit Demenz eignen:

  • Aromen und Düfte erschnuppern und raten
  • Auto waschen, über Autos „fachsimpeln“
  • Ballspiele
  • Basteln
  • Bügeln - vertraute, nützliche Tätigkeit
  • „Büroarbeit“ (Blätter abheften, lochen …)
  • Computer - z. B. die biografisch orientierten Spiele auf der CD-Rom „Demenz interaktiv“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
  • Flohmarkt besuchen (alte Kaffeemühle, Waschbrett, … finden)
  • Fotoalbum gemeinsam anschauen und über die Bilder und ihre Geschichten sprechen
  • Gartenarbeit (ggf. am Hochbeet)
  • Gedichte (die früher in der Schule gelernt wurden)
  • Gesellschaftsspiele (ggf. vereinfacht)
  • Gespräche, Erinnerungen an früher
  • Handarbeit (stricken, Wolle aufwickeln)
  • Handpuppen (sie werden oft leichter angesprochen als „echte“ Menschen)
  • Jahreszeiten thematisieren (mit Blumen, Getreidehalmen, Kastanien …)
  • Kirchen, Gottesdienst besuchen
  • Konzert besuchen
  • Lachen, Humor
  • Malen
  • Massieren
  • Musik: hören, singen, musizieren
  • Nachrichten aus der Zeitung vorlesen und diskutieren (lokale Ereignisse, besondere Interessensgebiete)
  • Obstsalat zubereiten
  • Puzzeln
  • Rad fahren, Tandem fahren
  • Reisen, Ausflüge (z. B. mit dem Wohnmobil als „rollendes Zuhause“)
  • Restaurant oder Café besuchen
  • Rosenkranz beten, Religiöses
  • Sinne anregen (Basale Stimulation)
  • Spazieren gehen
  • Sprichwörter raten/ergänzen
  • Sport
  • Tanzen
  • Tiere ansehen, streicheln
  • Urlaubssouvenirs betrachten
  • Vorlesen (Zeitung, Märchen, …)
  • Wandern
  • Werkzeugkasten (aufräumen, sortieren)
  • Zoo besuchen

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