Bad Neustadt Neurologie: Fortbildungsprogramme im Fokus

Das RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt hat sich als wichtiger Standort für neurologische Fortbildungen etabliert. Dies zeigt sich sowohl in der speziellen Weiterbildung für Pflegekräfte auf Stroke Units als auch in einem innovativen Integrationsprogramm für ausländische Ärzte.

Spezielle Pflege auf der Stroke Unit: Ein Qualifikationslehrgang

Auf einer Spezialeinheit für Schlaganfall-Patienten (Stroke Unit) wachsen die Anforderungen an Pflegekräfte stetig. Die Arbeit im interdisziplinären Team fordert umfassende und aktuelle Kenntnisse. Um Patienten mit einem Schlaganfall bestmöglich zu behandeln, benötigt es Pflegekräfte mit speziellen pflegerischen Erfahrungen sowie tiefgehenden medizinischen und therapeutischen Fähigkeiten. Aus diesem Grund wird unbedingt eine Fachweiterbildung zur Erlangung tiefgehender Kenntnisse empfohlen.

Die Campus Akademie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt führt seit 2008 als Kooperationspartner der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft (DSG) den 248 Stunden umfassenden Qualifikationslehrgang "Spezielle Pflege auf Stroke Unit - Stroke Nurse" erfolgreich durch. Dieser Kurs vermittelt umfassende Kenntnisse des Krankheitsbildes eines akuten ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfalls einschließlich der frührehabilitativen Versorgung. Um die Patienten insbesondere in der häufig instabilen Akutphase der Erkrankung adäquat zu versorgen, sind neben speziellen pflegerischen Kenntnissen auch tiefgehende pathophysiologische, medizinische und therapeutische Kenntnisse notwendig.

Diese Kenntnisse sind Voraussetzung für die effektive Arbeit in einem multiprofessionellen Team aus Pflegenden, Ärzten, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern. Weiterhin sind Kenntnisse in der Kommunikation, sowohl im Team als auch mit Patienten und Angehörigen, notwendig. Schließlich müssen spezielle Kenntnisse hinsichtlich einer Qualitätssicherung und wirtschaftlichen Arbeit im Zeitalter von DRG und OPS vorhanden sein.

Erfahrungsaustausch und Wissensvertiefung für Stroke-Nurses

Rund 50 erfolgreich weitergebildete Stroke-Nurses aus ganz Deutschland trafen sich kürzlich am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, um sich über die spezielle Pflege auf Stroke Unit auszutauschen und erworbenes Fachwissen darüber weiter zu vertiefen. Das bundesweite Treffen in Bad Neustadt Campus richtete sich an alle, die die im Stroke-Kurs erlernten Inhalte auffrischen und vertiefen wollten. Neben Überblickswissen aus Vorträgen ermöglichten Workshops den rund 50 Teilnehmenden einen wertvollen Erfahrungsaustausch.

Lesen Sie auch: Neurologische Erkrankungen behandeln

Dr. Hassan Soda, Chefarzt der Klinik für Akutneurologie / Stroke Unit und neurologische Intensivmedizin, betonte die Einzigartigkeit der Veranstaltung: "Der Kurs fand in dieser Form erstmals am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt statt und das Feedback war durchweg positiv. Die Veranstaltung bot allen Teilnehmenden eine einzigartige Gelegenheit, Fachwissen praxisnah an einem einzigen Tag zu vertiefen und neueste Entwicklungen der Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der Schlaganfallversorgung zu diskutieren."

Die Kursleitung obliegt Pia Wolf, Gesundheits- und Krankenpflegerin der Stroke Unit, und Prof. Dr. Matthias Keidel, Chefarzt der Klinik für Neurologie und neurologischen Intensivmedizin, RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt.

Kursinhalte im Detail

Die Pflege auf einer regionalen oder überregionalen Stroke Unit erfordert umfassende Kenntnisse des Krankheitsbildes eines akuten ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfalls einschließlich der frührehabilitativen Versorgung. Um die Patienten insbesondere in der häufig instabilen Akutphase der Erkrankung adäquat zu versorgen, sind neben speziellen pflegerischen Kenntnissen auch tiefgehende pathophysiologische, medizinische und therapeutische Kenntnisse notwendig.

Diese Kenntnisse sind Voraussetzung für die effektive Arbeit in einem multiprofessionellen Team aus Pflegenden, Ärzten, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern. Weiterhin sind Kenntnisse in der Kommunikation, sowohl im Team als auch mit Patienten und Angehörigen, notwendig. Schließlich müssen spezielle Kenntnisse hinsichtlich einer Qualitätssicherung und wirtschaftlichen Arbeit im Zeitalter von DRG und OPS vorhanden sein.

Nächste Termine und Voraussetzungen für den Qualifikationslehrgang

Der Qualifikationslehrgang "Spezielle Pflege auf Stroke Unit" gliedert sich in mehrere Teile:

Lesen Sie auch: Ihre Neurochirurgen in Neustadt am Rübenberge

  • Teil 1: 13. bis 17. Oktober 2025
  • Teil 2: 10. bis 14. November 2025
  • Teil 3: 24. bis 26. November und 11. bis 12. Dezember 2025 oder Teil 3: 08. bis 12. Dezember 2025
  • Teil 4: 12. bis 16. Januar 2026 oder Teil 4: 19. bis 23.
  • Teil 5: 23. bis 27.
  • Abschlussprüfungen: 05. und 06.

Voraussetzungen für die Teilnahme sind:

  • Abgeschlossene 3-jährige Ausbildung zur Pflegefachkraft
  • Mindestens einjährige Berufserfahrung im Fachgebiet Neurologie, vorzugsweise auf einer zertifizierten Stroke Unit

Die pflegerische Leitung obliegt Tina Nöth, Fachpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie, Pflegefachkraft für Stroke Unit. Die ärztliche Leitung hat Dr. med. inne.

Integrationsprogramm für ausländische Ärzte

Die zur Rhön-Klinikum AG gehörende Neurologische Klinik Bad Neustadt reagiert auf einen drohenden Facharztmangel. Sie bietet weiterbildungswilligen Ärzten aus dem Ausland ein sechsmonatiges Integrationsprogramm mit Sprachkurs an. Mit ihrem Modell gegen den Ärztemangel, beziehungsweise ihrem „freiwilligen Integrationsprogramm vor der Facharztweiterbildung“, wie es Prof. Dr. med. Bernd Griewing, Ärztlicher Direktor in Bad Neustadt, lieber nennt, reagiere die Klinik auf den schon jetzt spürbaren Trend eines Nachwuchsmangels.

Ziel sei es, die jungen Kollegen aus dem Ausland optimal auf eine Facharztweiterbildung vorzubereiten, sagte Griewing dem Deutschen Ärzteblatt. Dabei spiele die soziale Integration eine mindestens genauso wichtige Rolle wie die fachlichen und sprachlichen Voraussetzungen für den ärztlichen Beruf. Die zehn Teilnehmer des ersten Integrationskurses, der im August endete, kamen aus Kolumbien, Libyen, Peru, Rumänien und anderen EU- oder Nicht-EU-Staaten. Sie haben vor wenigen Wochen mit ihrer Weiterbildung begonnen.

Umfassende Integration als Ziel

Während die Teilnehmer im Zuge des ersten Vorbereitungskurses im Klinikum Bad Neustadt hospitierten, sollten sie darüber hinaus soziale Kontakte knüpfen und die deutsche Kultur kennenlernen. Um Formalien, wie die Suche nach geeigneten Übersetzern für die einzureichenden Dokumente und das Zusammenstellen aller nötigen Unterlagen für ein späteres Arbeitsverhältnis, kümmerte sich die Koordinatorin Christiane Hanshans. „Als uns nach Ende des Kurses das B2-Zertifikat für eine ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache vorlag, reichten wir der Regierung von Unterfranken alle Dokumente zur Prüfung ein“, erklärt sie.

Lesen Sie auch: Umfassender Überblick: Neurologen in Wiener Neustadt

Ärzte, die aus Nicht-EU-Mitgliedstaaten, also sogenannten Drittstaaten kommen, erhalten nach Bundesärzteordnung eine befristete Arbeitserlaubnis. Sie ist in der Regel auf vier Jahre begrenzt und kann auf maximal sieben Jahre verlängert werden. „Im Moment sieht es noch so aus,“ erläutert Hanshans, „ dass sich ausländische Ärzte aus Drittstaaten nach der Facharztprüfung entscheiden müssen, ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen.“ Diese ist für die Einbürgerung und den Approbationsantrag notwendig. Man wolle die Ärzte natürlich auch dauerhaft beschäftigen. Es ist der Klinikleitung sehr wichtig, zu betonen, keine billigen Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben. Alle ausländischen Ärzte in Weiterbildung arbeiteten zu denselben Konditionen wie ihre deutschen Kollegen.

Imagepflege und Standortvorteile

Der Rhön-Konzern war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, nachdem Ärzte in den Medien eine massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im Universitätsklinikum Marburg beklagten. Dies war 2006 von der Rhön-Klinikum AG übernommen worden. Kostendruck, Personalabbau in der Pflege und dadurch entstandene Überbelastungen, hätten zu einer verschlechterten Qualität der Patientenversorgung geführt. Diese Meldungen kratzen auch am Image der übrigen Kliniken des Konzerns.

In Bad Neustadt macht man jedoch andere Gründe für den Nachwuchsmangel verantwortlich. Mit circa 15 000 Einwohnern ist die Stadt nicht gerade groß. Das Klinikum liegt im ländlichen Raum und konkurriert mit Standorten in Nürnberg, München und jenen im Rhein-Main-Gebiet.

Persönliche Erfahrungen und Zukunftsperspektiven

Galina Dyuzheva, aus Russland, hat am Programm in Bad Neustadt teilgenommen. Die junge Ärztin ist über ein Stipendium an die Universität nach Düsseldorf gelangt. Nach dem Auslaufen des Stipendiaten-Programms, stand ihr Entschluss fest, in Deutschland ihre Facharztausbildung zur Neurologin zu absolvieren: „Ich habe dann im Zuge meiner Recherchen im Internet gesehen, dass in Bad Neustadt Ärzte gesucht werden.“ Ein Stammtisch und gemeinsame Ausflüge mit den anderen Teilnehmern und den deutschen Kollegen in die Umgebung haben ihr das Einleben erleichtert.

Ob das Programm zu einer langfristigen Standardveranstaltung wird, weiß in Bad Neustadt noch niemand zu sagen. Der zweite Kurs hat schon begonnen, und der dritte ist bereits halbvoll. Aus dem ersten Kurs haben gleichwohl zwei Teilnehmer Deutschland schon wieder den Rücken gekehrt.

tags: #bad #neustadt #neurologie #fortbildung