Bandscheibenvorfall HWS, Kiefer, Taubheitsgefühl im Kopf: Ursachen und Behandlungen

Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die über reine Nackenschmerzen hinausgehen. Dazu gehören unter anderem Taubheitsgefühle im Kieferbereich und im Kopf, die oft auf komplexe Zusammenhänge zwischen HWS, Kiefer und Nervensystem zurückzuführen sind. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Symptome, die Rolle von craniomandibulären Dysfunktionen (CMD) und gibt einen Überblick über konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten.

Die Halswirbelsäule und ihre Verbindungen

Die Halswirbelsäule (HWS) besteht aus sieben Halswirbeln (C1-C7), die zwischen Kopf und Brustwirbelsäule liegen. Sie weist eine natürliche Krümmung nach vorne auf, die Lordose genannt wird. Die oberen beiden Halswirbel, Atlas (C1) und Axis (C2), bilden die Kopfgelenke. Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich Bandscheiben, die als Puffer dienen und Stöße abfedern.

Die HWS ist eng mit dem Nervensystem, der Muskulatur und dem Kiefer verbunden. Funktionsstörungen in der oberen HWS-Region können bis in den Kieferbereich ausstrahlen und umgekehrt. Auch die Körperhaltung spielt eine wichtige Rolle, da manche Patienten mit schwacher HWS-Muskulatur dieses Defizit über eine vermehrte Aktivierung der Kaumuskulatur ausgleichen.

Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS)

Ein Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) tritt auf, wenn der Faserring (Anulus fibrosus) einer Bandscheibe reißt und der Gallertkern (Nucleus pulposus) austritt. Dies kann zu einer Einengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose) führen, wodurch Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln entsteht. In der HWS treten die meisten Bandscheibenvorfälle zwischen den Halswirbeln C5 und C6 oder C6 und C7 auf.

Symptome eines HWS-Bandscheibenvorfalls

Die Symptome eines HWS-Bandscheibenvorfalls können vielfältig sein und umfassen:

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  • Nackenschmerzen, die bis in die Arme und Finger ausstrahlen können
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Fingern
  • Bewegungseinschränkungen im Nackenbereich
  • Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit
  • Sehstörungen, Übelkeit und Tinnitus

In manchen Fällen kann ein HWS-Bandscheibenvorfall auch zu Taubheitsgefühlen im Gesicht und im Kieferbereich führen, insbesondere wenn Nerven betroffen sind, die diese Regionen versorgen.

Ursachen eines HWS-Bandscheibenvorfalls

Die Ursachen für einen HWS-Bandscheibenvorfall können vielfältig sein:

  • Altersbedingte Abnutzung der Bandscheiben
  • Fehlhaltungen und Fehlbelastungen, z.B. bei Büroarbeit
  • Psychische Belastungen und Stress
  • Übergewicht
  • Genetische Vorbelastung
  • Unfälle und Verletzungen

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

CMD ist ein Sammelbegriff für Schmerzen und Funktionseinschränkungen im Bereich des Kopfes und des Kiefers. Die Symptome können vielfältig sein und umfassen:

  • Eingeschränkte Mundöffnung
  • Schluckbeschwerden
  • Schmerzen der Kaumuskulatur im Wangen- und Schläfenbereich
  • Schmerzen des Kiefergelenks
  • Kopfschmerzen
  • Missempfindungen wie Taubheit der Zunge oder Engegefühl beim Atmen

Ursachen von CMD

Bei der Suche nach den Ursachen von CMD spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • Funktionsstörungen der Halswirbelsäule, insbesondere des oberen Abschnitts
  • Muskuläre Verspannungen im Kiefer-, Kopf-, Hals- und Schulterbereich
  • Fehlstellungen des Kiefers
  • Stress und psychische Belastungen
  • Ungünstige Gewohnheiten wie Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Verletzungen in der Vorgeschichte

CMD und Taubheitsgefühle im Kiefer

Taubheitsgefühle im Kieferbereich können ein Symptom von CMD sein. Dies kann durch eine Reizung oder Kompression von Nerven verursacht werden, die den Kiefer und das Gesicht versorgen. Insbesondere der Nervus trigeminus, der für die Sensibilität des Gesichts zuständig ist, kann betroffen sein.

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Zusammenhang zwischen HWS, Kiefer und Taubheitsgefühlen

Die enge anatomische und funktionelle Verbindung zwischen HWS und Kiefer kann dazu führen, dass Probleme in einem Bereich den anderen beeinflussen. Ein Bandscheibenvorfall der HWS kann Nerven reizen oder komprimieren, die auch für die Versorgung des Kiefers zuständig sind. Dies kann zu Taubheitsgefühlen im Kieferbereich führen.

Auch CMD kann durch muskuläre Verspannungen und Fehlstellungen die Nerven im Kieferbereich beeinträchtigen und Taubheitsgefühle verursachen. In manchen Fällen können sowohl ein HWS-Bandscheibenvorfall als auch CMD gleichzeitig vorliegen und sich gegenseitig verstärken.

Diagnose

Die Diagnose von HWS-Bandscheibenvorfällen und CMD erfordert eine sorgfältige Untersuchung und Anamnese. Der Arzt wird nach den genauen Symptomen, der Krankengeschichte und möglichen Risikofaktoren fragen.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung werden die Beweglichkeit der HWS und des Kiefers, die Muskulatur im Kopf-, Hals- und Schulterbereich sowie die Nervenfunktionen überprüft.

Bildgebende Verfahren

Zur weiteren Abklärung können bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT eingesetzt werden. Diese können helfen, einen Bandscheibenvorfall, Arthrose oder andere strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule oder des Kiefers zu erkennen.

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Funktionsanalyse

Bei Verdacht auf CMD kann ein auf CMD spezialisierter Zahnarzt eine instrumentelle Funktionsanalyse durchführen, um die Kiefergelenksfunktion und die Okklusion (Zahnkontakt) zu beurteilen.

Behandlung

Die Behandlung von HWS-Bandscheibenvorfällen und CMD zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Funktion wiederherzustellen und die Ursachen der Beschwerden zu beseitigen.

Konservative Behandlung

In den meisten Fällen können HWS-Bandscheibenvorfälle und CMD konservativ behandelt werden. Zu den konservativen Behandlungsmethoden gehören:

  • Schmerzmittel: Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente können helfen, Schmerzen zu lindern.
  • Physiotherapie: Manualtherapeutische Maßnahmen und Übungen zur Verbesserung der Koordination des Kiefergelenkes sowie des funktionellen Zusammenspiels zwischen Kiefer, Halswirbelsäule und Schultergürtel können eingesetzt werden. Auch die Körperhaltung wird, wenn nötig, korrigiert.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärmeanwendungen wie Wärmepflaster oder Infrarotlicht können die Durchblutung fördern und Verspannungen lösen. Kälteanwendungen wie Kühlpads können bei akuten Entzündungen schmerzlindernd wirken.
  • Entspannungstechniken: Stressbewältigungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Muskelverspannungen zu reduzieren.
  • Verhaltenstherapie: Verfahren zur Verhaltenstherapie können helfen, andere Strategien zur Stressbewältigung zu erlernen, als sich „durchzubeißen“. Auch das Thema Schlafhygiene ist wichtig, damit Betroffene entspannt in die Nachtruhe starten.
  • Stoßwellentherapie: Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich bei HWS Beschwerden als sehr erfolgversprechend erwiesen. Mit einer Stoßwellentherapie können Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt aufgelöst sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduziert werden.

Operative Behandlung

Eine Operation ist bei HWS-Bandscheibenvorfällen nur selten notwendig. Sie kann in Erwägung gezogen werden, wenn konservative Behandlungen nicht ausreichend helfen oder wenn neurologische Ausfälle wie Lähmungen auftreten.

Im Rahmen einer Operation kann die betroffene Bandscheibe entfernt und durch einen Platzhalter ersetzt werden. In manchen Fällen kann auch eine Versteifung der betroffenen Wirbel notwendig sein.

Was tun bei Taubheitsgefühlen?

Taubheitsgefühle im Kieferbereich oder im Kopf sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Ein Arzt kann die Ursache der Beschwerden feststellen und eine geeignete Behandlung einleiten.

Wann zum Arzt?

Sie sollten einen Arzt aufsuchen, wenn:

  • Taubheitsgefühle plötzlich auftreten oder sich verschlimmern
  • Taubheitsgefühle mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder anderen Symptomen einhergehen
  • Taubheitsgefühle länger als einige Tage anhalten

Prävention

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um HWS-Bandscheibenvorfällen und CMD vorzubeugen:

  • Achten Sie auf eine gute Körperhaltung, insbesondere bei Büroarbeit
  • Machen Sie regelmäßig Pausen und bewegen Sie sich ausreichend
  • Vermeiden Sie einseitige Belastungen
  • Reduzieren Sie Stress und psychische Belastungen
  • Stärken Sie Ihre Nacken- und Rückenmuskulatur durch gezielte Übungen
  • Lassen Sie Fehlstellungen des Kiefers oder der Zähne korrigieren
  • Vermeiden Sie ungünstige Gewohnheiten wie Zähneknirschen

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