Einrichtungen und Unterstützung für Glioblastom-Patienten

Ein Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der von den Gliazellen ausgeht, den Stützzellen des Gehirns. Er wird nach der WHO-Klassifikation als Grad-IV-Gliom eingestuft, was seine Aggressivität und schnelles Wachstum kennzeichnet. Diese Einstufung bedeutet, dass der Tumor sich biologisch sehr bösartig verhält und schnell wächst.

Was ist ein Glioblastom?

Das Glioblastom, früher auch als Glioblastoma multiforme bezeichnet, ist der häufigste hirneigene Tumor bei Erwachsenen. Er entsteht meist innerhalb weniger Monate aus den Gliazellen. Aufgrund seines vielfältigen Erscheinungsbilds mit Einblutungen und Nekrosen (Gewebeuntergang) wird er auch als Glioblastoma multiforme bezeichnet.

Die Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass Mutationen im Erbgut (DNA) der Gliazellen zu unkontrolliertem Zellwachstum führen können.

Symptome und Diagnose

Glioblastome können sich durch unterschiedliche neurologische Beschwerden bemerkbar machen, abhängig davon, wo sich der Tumor im Gehirn befindet. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Epileptische Anfälle
  • Sprachstörungen
  • Funktionsausfälle in Sprache und Motorik
  • Müdigkeit
  • Krampfanfälle

Zur Erkennung des Glioblastoms fragen Ärzte nach den Symptomen der Patienten. Es folgen neurologische Tests, um Funktionsausfälle zu untersuchen. Die Diagnose wird in der Regel durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) gestellt. Dabei wird oft ein Kontrastmittel eingesetzt, das vom Tumor aufgenommen wird und ihn so deutlich vom gesunden Hirngewebe abgrenzt. Alternativ kann auch eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET) infrage kommen, um Stoffwechselprodukte des Tumors zu identifizieren. Um einen Hirntumor zu diagnostizieren, reicht eine Röntgenaufnahme nicht aus.

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Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines Glioblastoms ist komplex und umfasst in der Regel eine Kombination aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen und das Wachstum der verbleibenden Tumorzellen zu hemmen.

Operation (Tumorresektion)

Der erste Schritt bei der Behandlung ist in der Regel die operative Entfernung des Tumors, die sogenannte Tumorresektion. Ziel ist es, den sichtbaren Tumoranteil so vollständig wie möglich zu entfernen, ohne dabei wichtige neurologische Funktionen zu beeinträchtigen. Da der Tumor mikroskopisch nicht komplett entfernt werden kann, ist eine Nachbehandlung notwendig.

Strahlentherapie

Im Anschluss an die Operation erfolgt in der Regel eine Strahlentherapie, oft in Kombination mit einer Chemotherapie. Bei der Bestrahlung wird die Zellteilung durch hochenergetische ionisierende Strahlen behindert, was das Wachstum der Tumorzellen hemmt und im besten Fall zum Absterben der Tumorzellen führt.

Chemotherapie

Neben der Bestrahlung gehört die Chemotherapie mit dem Medikament Temozolomid zur Standardbehandlung des Glioblastoms. Temozolomid hindert die Tumorzellen daran, sich zu vermehren, indem es die Erbinformation (DNA) schädigt.

Tumor Treating Fields (TTFields)

Die TTFields-Therapie ist eine weitere Standardbehandlung für Glioblastom-Patienten. Dabei handelt es sich um eine lokale, nicht-invasive Behandlung, die zu Hause durchgeführt wird. Die Therapie wird über vier spezielle Arrays verabreicht.

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Weitere Therapieansätze

Neben den Standardtherapien gibt es weitere Therapieansätze, die im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt werden können, wie z. B. Immuntherapien. Diese sollen die Prognose und das Überleben der Patienten verbessern. Es ist wichtig, diese Optionen mit den behandelnden Ärzten zu besprechen.

Behandlung im Rezidivfall

Bei einem erneuten Tumorwachstum (Rezidiv) gibt es kein standardisiertes Vorgehen. Die Behandlungsmöglichkeiten hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie der Tumorlokalisation, Größe und Ausdehnung, dem Zustand des Patienten und der Verträglichkeit bisheriger Therapien. Mögliche Optionen sind eine erneute Operation, eine zweite Strahlentherapie, eine (erneute) Chemotherapie oder experimentelle Therapien.

Klinische Studien

In vielen neuroonkologischen Zentren werden klinische Studien angeboten, die Patienten frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsverfahren ermöglichen. Durch die Teilnahme an Studien können neue Medikamente, Therapieansätze oder diagnostische Verfahren untersucht werden, um den Krankheitsverlauf, die Lebensqualität und die Prognose der Erkrankten zu verbessern.

Leben mit dem Glioblastom

Die Diagnose Glioblastom stellt für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine große Belastung dar. Es ist wichtig, sich frühzeitig psychoonkologisch beraten zu lassen, um mit den psychischen, emotionalen und physischen Belastungen umzugehen.

Psychoonkologie

Psychoonkologen helfen Patienten und ihren Familien, mit der Krankheit besser umzugehen. Sie bieten Unterstützung bei Ängsten, Sorgen und Traurigkeit und entwickeln Strategien zur Stressbewältigung.

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Unterstützung für Angehörige

Auch Angehörige übernehmen oft einen Teil der Gefühle, Sorgen und Ängste der Betroffenen. Daher ist es wichtig, dass sie untereinander transparent kommunizieren und sich gegenseitig unterstützen. Selbsthilfegruppen für Angehörige können eine wertvolle Möglichkeit sein, sich auszutauschen und voneinander zu lernen.

Rehabilitation und Nachsorge

Eine Rehabilitation kann stationär oder ambulant sinnvoll sein, um Symptome und Funktionen wie die muskuläre Beweglichkeit oder die Sprache zu verbessern. Es ist wichtig, die familiäre und psychische Situation der Patienten zu berücksichtigen und die Rehabilitation individuell anzupassen.

Alltag und Lebensqualität

Idealerweise sollte die Diagnose Glioblastom das tägliche Leben nicht zu stark beeinträchtigen. Einige Patienten können während der Behandlung sogar weiterhin Vollzeit arbeiten und sportlich aktiv sein. Es ist wichtig, den Alltag dem Gesundheitszustand anzupassen und einen flexiblen Zeitplan zu erstellen.

Palliativmedizinische Versorgung

Die Einbeziehung einer palliativmedizinischen Versorgung ist bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung sinnvoll. Sie zielt darauf ab, Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten bzw. zu verbessern. Eine Frühintegration der Palliativmedizin kann sich positiv auf die Lebensqualität und Depressivität der Patienten auswirken sowie aggressive Therapien am Lebensende vermeiden und mitunter die Lebensspanne sogar verlängern.

Einrichtungen und Anlaufstellen

Für Glioblastom-Patienten und ihre Angehörigen gibt es verschiedene Einrichtungen und Anlaufstellen, die Unterstützung und Informationen anbieten:

  • Neuroonkologische Zentren: Diese Zentren sind von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert und gewährleisten eine Behandlung nach hohen Qualitätsstandards. Sie bieten Zugang zu modernsten Therapien, klinischen Studien und einer umfassenden Nachsorge.
  • Deutsche Hirntumorhilfe: Diese Organisation bietet Informationen, Beratung und Unterstützung für Glioblastom-Patienten und ihre Angehörigen.
  • Selbsthilfegruppen: In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene und Angehörige austauschen und gegenseitig unterstützen.
  • Psychoonkologen: Psychoonkologen bieten psychologische Unterstützung und helfen bei der Bewältigung der Krankheit.
  • Palliativmedizinische Einrichtungen: Diese Einrichtungen bieten eine umfassende Betreuung zur Linderung von Symptomen und zur Verbesserung der Lebensqualität.

Beispiele für Kliniken und Einrichtungen

  • Hertie-Institut für klinische Hirnforschung der Uniklinik Tübingen
  • Uniklinik Köln (Zentrum für Palliativmedizin und Zentrum für Neurochirurgie)

Krankenhäuser sind dazu verpflichtet, in Qualitätsberichten über die eigene Krankenbehandlung zu informieren und die Informationen dem Gemeinsamen Bundesausschuss zur Verfügung zu stellen. Kliniken dokumentieren auch die Anzahl der behandelten Patienten. Wird ein Klinikum von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) als Neuroonkologisches Fachzentrum zertifiziert, heißt dies, dass dort eine Behandlung nach hohen Qualitätsstandards gewährleistet ist. Patienten profitieren von Zugang zu modernsten Therapien und klinischen Studien sowie einer umfassenden Nachsorge.

Wichtige Aspekte bei der Klinikwahl

Bei der Wahl einer Klinik für die Behandlung eines Glioblastoms sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Erfahrung mit Hirntumoren: Kliniken mit einer großen Erfahrung in der Behandlung von Hirntumoren (ICD C71) sind in der Regel besser auf die komplexen Anforderungen dieser Erkrankung vorbereitet.
  • Zertifizierung als Neuroonkologisches Fachzentrum: Eine Zertifizierung durch die DKG garantiert eine Behandlung nach hohen Qualitätsstandards.
  • Zugang zu modernsten Therapien und klinischen Studien: Kliniken, die an klinischen Studien teilnehmen, bieten ihren Patienten Zugang zu innovativen Behandlungsverfahren.
  • Gutes Pflegekraft-Patienten-Verhältnis: Kliniken mit einer höheren Pflegepersonalquote weisen in der Regel weniger Infektionen, Stürze und Medikationsfehler auf.
  • Psychoonkologische Betreuung: Eine umfassende psychoonkologische Betreuung ist wichtig, um Patienten und Angehörige bei der Bewältigung der Krankheit zu unterstützen.

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