Online-Spiele und soziale Medien sind aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Doch hinter der bunten Fassade verbergen sich oft manipulative Mechanismen, sogenannte Dark Patterns, die unser Verhalten unbewusst beeinflussen. Diese Taktiken zielen darauf ab, uns dazu zu bringen, mehr Zeit, Geld oder Daten preiszugeben, als wir eigentlich beabsichtigen. Besonders Kinder und Jugendliche sind gefährdet, da sie die subtilen psychologischen Tricks oft nicht erkennen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Arten von Dark Patterns, ihre Auswirkungen und wie man sich davor schützen kann.
Dark Patterns in Online-Spielen: Eine unterschätzte Gefahr
Spielen Ihre Kinder oft und gerne Online-Spiele? Dann sollten Sie genauer hinsehen. Gerade bei kostenlosen Spielen kommen Dark Patterns häufig zum Einsatz, um den Umsatz durch In-App-Käufe zu steigern. Diese verborgenen Muster nutzen psychologische Tricks, um gezielt unser Verhalten auszunutzen.
Arten von Dark Patterns in Spiele-Apps
Es gibt vier Hauptarten von Dark Patterns, die oft in Kombination auftreten:
- Time Patterns: Diese Muster zielen darauf ab, uns so lange wie möglich im Spiel zu halten oder zu bestimmten Zeiten zurückzulocken.
- Tägliche Belohnungen: Werden diese nicht rechtzeitig eingesammelt, verfallen sie.
- Events zu bestimmten Zeiten: Das Spiel bestimmt, wann gespielt wird, um bessere Belohnungen zu erhalten.
- Künstliche Wartezeiten: Um Wartezeiten zu verkürzen oder zu überspringen, wird man dazu verleitet, Werbung zu schauen oder Geld zu zahlen.
- Money Patterns: Diese Muster sollen uns dazu bringen, Geld auszugeben.
- Premiumwährung: Mit echtem Geld kauft man Spielwährungen, um aufzurüsten oder Spielfortschritte freizuschalten. Der fehlende feste Wechselkurs erschwert die Einschätzung des tatsächlichen Gegenwerts.
- Lootboxen: Beutekisten mit zufälligen Gegenständen, die man erspielen oder kaufen kann. Die Mechanismen ähneln denen des Glücksspiels.
- Künstliche Knappheit: Ablaufende Uhren und künstliche Knappheit erzeugen Kaufdruck.
- Pay-to-skip / Pay-to-win: Man zahlt, um Wartezeiten zu überspringen oder schwierigere Level zu meistern.
- Social Patterns: Diese Muster erzeugen sozialen Druck.
- Bestenlisten, Aufforderungen zum Einladen von Freunden und die Verknüpfung mit Social Media-Accounts können Konkurrenzdruck erzeugen und zu mehr Spielzeit und Ausgaben verleiten.
- Psychological Patterns: Diese Muster tricksen das Belohnungssystem aus.
- Ein Wechsel aus Erfolg und Misserfolg steigert die Motivation. Unerwartete Erfolge oder zufällige Gegenstände aus Lootboxen regen das Belohnungszentrum an und können Suchtpotenzial haben.
Auch graphische Gestaltungen können unüberlegte Entscheidungen provozieren, zum Beispiel durch die Veränderung der Anordnung von Buttons, um versehentliche Käufe auszulösen.
Sind Dark Patterns erlaubt?
Der Digital Services Act (DSA), der seit dem 17. Februar 2024 für alle Online-Plattformen in der EU gilt, verbietet illegale oder schädliche Online-Aktivitäten. Er soll die Grundrechte und die Sicherheit der Nutzer wahren, insbesondere den Schutz von Kindern und Minderjährigen erhöhen.
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Der DSA untersagt es, Online-Schnittstellen so zu gestalten, zu organisieren oder zu betreiben, dass Nutzer getäuscht oder manipuliert werden oder daran gehindert werden, freie und informierte Entscheidungen zu treffen. Für Minderjährige zugängliche Online-Plattformen müssen Maßnahmen ergreifen, um ein hohes Maß an Privatsphäre, Sicherheit und Schutz zu gewährleisten.
Drastische Formen manipulativer Muster sind auch nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verboten, wenn sie die Entscheidungsfreiheit erheblich beeinträchtigen. Auch an Minderjährige gerichtete Werbung mit Kaufaufforderung ist verboten.
Allerdings können Apps so gestaltet sein, dass sie nicht offensichtlich gegen allgemeine Vorschriften verstoßen. Ob sie legal handeln, muss oft in langwierigen Gerichtsprozessen geklärt werden. Zudem entwickelt sich die Spielewelt ständig weiter und Mechanismen lassen sich schnell anpassen, um wieder im Graubereich unterwegs zu sein.
Dark Patterns melden
Wenn Ihnen Dark Patterns negativ auffallen, sollten Sie diese melden. Dies kann dazu beitragen, das Bewusstsein für diese Praktiken zu schärfen und Druck auf die Anbieter auszuüben, ihre Taktiken zu ändern.
App-Blocker: Ein Schutzwall gegen digitale Ablenkungen
Dark Patterns sind nicht nur in Spielen ein Problem. Auch soziale Medien und andere Apps nutzen manipulative Taktiken, um unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen und uns auf ihren Plattformen zu halten. Hier kommen App-Blocker ins Spiel.
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App-Blocker setzen den verführerischen Ablenkungen des Internets außer Gefecht, indem sie bestimmte Anwendungen auf dem Handy oder im Internetbrowser sperren. Studien zeigen, dass unser Handy uns sogar ablenkt, wenn es nur neben uns liegt. Jeder Widerstand gegen digitale Süchtigmacher kostet uns Willenskraft. App-Blocker machen uns fokussierter, produktiver und zufriedener.
Empfehlenswerte App-Blocker
- BlockSite: Blockiert alle Apps und Internetseiten auf einmal. Der Arbeitsmodus ermöglicht es, in selbst festgelegten Intervallen zu arbeiten. Eine Passwortsperre erhöht die Hürde, wieder Zugang zu den ablenkenden Apps zu bekommen.
- Achtsame Nutzung: Diese App hilft, sich auf achtsame Art von der Smartphone-Sucht zu befreien. Ziele festlegen, wie viel Zeit maximal pro Tag am Handy verbracht werden soll.
- App Blocker für Computer: Mit dem Arbeitsmodus können Arbeits- und Pausenzeiten eingestellt werden.
- Forest: Kombiniert einen App-Blocker mit der Pomodoro-Technik, einer Zeitmanagement-Methode, bei der in Intervallen gearbeitet wird. Wenn das Intervall abgebrochen wird, um sich abzulenken, "stirbt" ein virtueller Baum.
Warum ein App-Blocker für den Computer?
Wenn der Laptop von der Steuer abgesetzt wurde, ist er ein Arbeitsgerät. App-Blocker helfen dabei, die bunte Unterhaltung mit digitalen Helfern vor die Tür zu setzen und sich auf die Arbeit zu konzentrieren.
Die Psychologie der Aufmerksamkeit: Warum wir uns so leicht ablenken lassen
Wir leben in einer Zeit der Neomanie, der Sucht nach allem Neuen. Jeder Moment der Aufmerksamkeit, den wir für das Scrollen in Social Media verschwenden, ist verschenkte Aufmerksamkeit, die jemand anderem Geld einbringt. Werbung kostet uns Aufmerksamkeit, sonst würde sie ja nicht funktionieren.
Es geht nicht darum, den Spaß am digitalen Surfen zu verderben, sondern darum, das fokussierte Arbeiten einfacher zu machen. Flüster-Podcasts, Katzen-Memes und Bastelvideos auf YouTube sind eine legitime Möglichkeit zu entspannen. Trotzdem müssen wir noch viel über den achtsamen Umgang mit digitalen Süchtigmachern lernen und ein gesundes Mittelmaß finden.
Das Belohnungszentrum im Gehirn: Wie es manipuliert wird
Das Belohnungszentrum im Gehirn ist ein Teil des limbischen Systems und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Motivation, Emotionen und Verhalten. Im Neurowebdesign kann das Wissen über das Belohnungszentrum genutzt werden, um positive Emotionen und Erlebnisse bei den Nutzern hervorzurufen.
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Ein Beispiel für den Einsatz des Belohnungszentrums im Neurowebdesign ist die Verwendung von Gamification-Elementen, die den Nutzern ein spielerisches Erlebnis bieten und positive Emotionen auslösen. Ein weiteres Beispiel ist die Verwendung von Farben, Bildern und Schriftarten, die positive Emotionen hervorrufen und das Belohnungszentrum im Gehirn stimulieren.
Doomscrolling: Ein Teufelskreis der Negativität
Die evolutionäre Schieflage, die dazu führte, dass wir Gefahren schneller bemerken als erfreuliche Dinge, wird uns heute zum Verhängnis. Wir bewegen uns in einer Informationsumgebung, die Aufmerksamkeit stark über Angst, Empörung und Polarisierung generiert.
Wenn wir eine alarmierende Schlagzeile sehen, reagiert unser Körper mit der Ausschüttung von Stresshormonen. Auf neurobiologischer Ebene erleben wir beim Doomscrolling ein komplexes Wechselspiel zwischen Bedrohungs- und Belohnungssystem.
Der wiederholte Zugriff auf Nachrichtenseiten oder Feeds in der Hoffnung, „endlich etwas Gutes“ zu finden, aktiviert das dopaminerge Belohnungssystem. Push-Benachrichtigungen, das rote Instagram-Herz und das fröhliche "Pling" der Apps sind so designt, dass sie genau dieses Belohnungssystem ansprechen und mit jedem Mal einen kleinen Kick auslösen. Sie binden uns an das Medium, wir interagieren mit ihm und wollen mehr von diesem kleinen Kick.
Wir neigen grundsätzlich dazu, aus dem Drang heraus, nichts verpassen zu wollen ("Fear of missing out"), zum medialen Dauerkonsum. Wir suchen in diesem Zustand weniger nach Freude, sondern vielmehr nach Bedeutung oder etwas, das unsere Zeit mit Inhalt füllt. Nicht die Meldung, sondern das Scrollen selbst wird zum Belohnungsreiz.
Es kommt zu einer paradoxen Dopamin-Schleife: Zwar fühlen wir uns schlecht, weil wir wissen, dass wir gerade etwas tun, das uns schadet, aber das Verhalten selbst (Scrollen etc.) gibt kurzfristig das Gefühl von Struktur und Kontrolle zurück. Und je länger wir dies bereits tun, desto schwerer fällt es uns, diesen Kreislauf zu durchbrechen.
Dieses Hin und Her ist anstrengend und brennt uns aus. Unser Gehirn reagiert auf den permanenten Wechsel zwischen Alarm und Erwartung mit einer Art Übererregung des limbischen Systems. Und das führt zu einem Zustand ständiger Anspannung. Sind wir dem dauerhaft oder langfristig ausgesetzt, kann dies depressive Symptome, Reizbarkeit und kognitive Erschöpfung fördern. Bis hin zur Anhedonie, also der Unfähigkeit, Freude zu empfinden.
Die algorithmische Architektur der Negativität
Die Medienlandschaft nutzt diese biologischen Muster gezielt aus. Algorithmen sozialer Plattformen sind darauf optimiert, Inhalte mit hoher emotionaler Aktivierung zu verstärken. Es entsteht ein Negative Engagement Loop. Je stärker der emotionale Ausschlag, desto länger verweilen wir auf der Plattform und desto mehr Daten und Werbekontakte entstehen.
Das Ergebnis dieser Überladung an Negativität ist eine strukturelle Verstärkung von Gefühlen wie Angst, Wut und Ohnmacht und eine erschöpfte Gesellschaft. Dies ist nicht auf die Sozialen Medien beschränkt. Auch klassische Nachrichtenformate unterliegen dem Druck, Aufmerksamkeit zu binden und ihre Nachrichten zu monetarisieren.
Das Problem ist hierbei nicht die Information selbst, sondern ihre Dosis, ihre Wiederholung und der Mangel an Pausen, in denen unser Gehirn das Aufgenommene verarbeiten kann.
Tipps und Strategien für einen achtsamen Umgang mit Medien
- Zeitlich begrenzter Nachrichtenkonsum: Setze dir feste Zeitfenster für Nachrichten oder Social Media. Vermeide vor allem vor dem Schlafengehen das Scrollen.
- Push-Benachrichtigungen ausschalten und Apps nach Wichtigkeit ordnen: Jeder Alarmton aktiviert dein Nervensystem. Schalte sie am besten aus und lasse nur die durch, die du wirklich brauchst.
- Kurze Atem- und Körpertechniken einbauen: Wenn dein Nervensystem im Alarmmodus ist, braucht es gezielte Gegenspieler. Eine einfache Technik: Atme vier Sekunden lang tief ein, halte den Atem vier Sekunden, atme acht Sekunden lang aus. Wiederhole das drei- bis fünfmal.
- Feed- und App-Umgestaltung: Sortiere deine News- und Social Media-Kanäle. Folge Accounts, die sachlich und lösungsorientiert berichten, statt rein alarmierende Narrative.
- Gemeinsamer Austausch statt einsames Scrollen: Wenn du Nachrichten liest und sie verarbeiten möchtest, tue das am besten nicht nur allein vor dem Bildschirm. Sprich darüber im Freundeskreis, in aktivistischen oder politischen Gruppen.
- Bewusste Medien- und Selbstfürsorge: Plane regelmäßig medienfreie Zeiten ein.
- Aktives Engagement statt passivem Konsum: Indem du aus der Rolle der Zuschauer*in heraustrittst und aktiv wirst, reduzierst du das Gefühl von Ohnmacht, das Doomscrolling oft mit sich bringt.
Social Media und Glücksspielwerbung: Eine gefährliche Kombination
Soziale Medien haben ein Ziel: unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen. "Jemand hat deinen Beitrag kommentiert", informiert eine Push-Benachrichtigung. Die Neugier ist geweckt. Also wird die Social Media-App geöffnet, um nachzusehen. Danach noch ein Blick in den Newsfeed, nur ganz kurz.
Soziale Medien verdienen ihr Geld durch Werbung. Je zielgerichteter eine Werbung platziert wird und je mehr Aufmerksamkeit sie erfährt, desto höher die Preise und damit auch die Einnahmen. Das Ziel sozialer Medien ist es daher, unsere Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen und uns möglichst lange auf ihren Plattformen zu halten.
Um uns in die App zu locken und uns dort möglichst lange zu halten, wenden die Social Media-Giganten psychologische und technische Tricks an. Das wird auch als Addictive Design (süchtigmachende Gestaltung) oder Persuasive Design (überzeugende Gestaltung) bezeichnet.
Addictive Design: Die Tricks der Social Media-Giganten
- Einfache Bedienbarkeit: Um uns möglichst lange dran zu halten, muss die Plattform einfach zu bedienen sein.
- Personalisierte Inhalte: Unser Verhalten in den sozialen Medien wird vollautomatisch analysiert. Dementsprechend passen Algorithmen die Inhalte, die uns angezeigt werden, unseren Vorlieben und Interessen an.
- Belohnungen: Likes werten wir unbewusst als Belohnung. Werden unsere Beiträge, Storys, Fotos und Videos angesehen und mit Likes versehen, wird in unserem Gehirn das Belohnungszentrum aktiviert.
- FOMO (Fear Of Missing Out): FOMO bezeichnet die Angst, etwas zu verpassen bzw. ausgeschlossen zu werden. In sozialen Medien befeuern zeitlich nur begrenzt verfügbare Inhalte (z.B. Storys) diese Angst.
- Unendliches Scrollen: Viele Newsfeeds von sozialen Medien haben kein Ende und können unendlich lange durchgescrollt werden.
- Nudging: Mit Nudging (Anstupsen) sollen Menschen subtil zu einem gewünschten Verhalten bewegt werden, ohne dass dazu Zwang ausgeübt wird. In den sozialen Medien sind viele solche Elemente versteckt. Zum Beispiel Benachrichtigungen, die uns dazu verleiten, die App zu öffnen; Videos, die beim drüberscrollen automatisch abgespielt werden oder Snapstreaks, die dazu animieren, sich täglich gegenseitig Bilder zu schicken.
- Verunmöglichen von Links: Viele Social Media-Plattformen erschweren oder verunmöglichen das Posten von Links zu anderen Webseiten, damit wir die Plattformen selbst möglichst nicht verlassen.
- Farbpsychologie: Wir assoziieren mit verschiedenen Farben unbewusst verschiedene Stimmungen oder Dinge. Das nutzen auch soziale Medien.
Glücksspielwerbung in sozialen Medien: Eine besondere Gefahr für Kinder und Jugendliche
Glücksspiele sind Spiele, bei denen Geld eingesetzt wird und ein Gewinn komplett oder überwiegend Zufall ist. Wetten, bei denen Geld eingesetzt wird, zählen auch zu Glücksspielen. Glücksspiele, die ausschließlich vom Zufall abhängen, sind beispielsweise Spiele an Geld- oder Glücksspielautomaten, Casinospiele und Lotto.
Eine Studie hat gezeigt, dass Glücksspielwerbung auf Kinder und Jugendliche noch attraktiver wirkt als auf Erwachsene. Fast die Hälfte der Kinder und fast drei Viertel der Jugendlichen sehen mindestens einmal die Woche Glücksspielwerbung. Ein Viertel der Kinder und mehr als ein Drittel der Jugendlichen werden täglich damit konfrontiert.
Während die überwiegende Mehrheit der Erwachsenen von Glücksspielwerbung genervt oder ihr gegenüber zumindest misstrauisch ist, reagieren Kinder und Jugendliche hauptsächlich positiv auf die Werbung.
Um Kinder und Jugendliche in Zukunft besser vor Glücksspielwerbung zu schützen, fordert der Bericht angesichts seiner Ergebnisse und früheren Studien stärkere Regelungen. Unter anderem, dass Glücksspielwerbung auf Social Media Plattformen nur denjenigen Personen angezeigt werden soll, die sich für Werbung solcher Art entschieden haben und diese aktiv zugelassen haben.
Einige Regelungen gibt es bereits. Seit Juli 2021 ist der „Staatsvertrag zur Neuregulierung des Glücksspielwesens in Deutschland“ in Kraft. Darin steht, dass sich Glücksspielwerbung nicht an Minderjährige oder vergleichbar gefährdete Zielgruppen richten darf. Zudem darf Glücksspielwerbung nicht als Lösung für finanzielle Probleme dargestellt werden. Und: Es darf nicht der Eindruck entstehen, Spielende könnten die Ergebnisse der Glücksspiele in irgendeiner Weise beeinflussen.
Online-Glücksspielsucht: Eine wachsende Gefahr
Auch in Deutschland dürfen Menschen legal in Online-Casinos spielen. Suchtexperten sind besorgt: Denn virtuelles Glücksspiel macht besonders leicht abhängig.
Um online Geld setzen zu können, muss man nur ein Benutzerkonto anlegen und dieses mit einem bestimmten Betrag aufladen. Die Einzahlung erfolgt per Banküberweisung, Scheck, Kreditkarte oder über Online-Bezahldienste wie Paypal.
Laut einer Umfrage befindet sich jeder fünfte Deutsche, der sich in solchen virtuellen Spielhallen aufhält, auf dem Weg in eine Abhängigkeit oder steckt längst mittendrin.
Maßnahmen wie das Einsatzlimit, der Notknopf und eine zentrale Sperrdatei für abhängige Spieler sollen verhindern, dass Nutzer von Glücksspielportalen im Internet in eine Spielsucht abrutschen oder sich diese weiter verschlimmert.
Vom pathologischen Spielen, umgangssprachlich Spielsucht genannt, spricht man, wenn Spieler die Kontrolle verlieren. Trotz des Vorsatzes, nach ein paar Runden aufzuhören oder nur einen bestimmten Einsatz zu verspielen, schaffen sie es nicht, aufzuhören. Das Verlangen, weiterzumachen, ist zu groß: nur noch einmal, um das verlorene Geld wieder reinzuholen.
Mehr und mehr dominiert das Glücksspiel ihr Leben. Familie, Beruf und andere Interessen treten in den Hintergrund. Oft ziehen sich Betroffene aus dem Sozialleben zurück, um Streit und Kritik aus dem Weg zu gehen. Sie wirken in sich gekehrt, depressiv oder ängstlich. Das Spielen ist für sie zugleich Entspannung und Trost, verschärft die Probleme aber immer weiter.
Forscher konnten zeigen, dass es bei Menschen mit einem pathologischen Spielverhalten ähnlich wie bei Drogensüchten zu Veränderungen im Gehirn kommt. Schaltkreise, die mit Belohnung und Motivation in Verbindung stehen, reagieren zunehmend auf alles, was mit dem Spielen zu tun hat. Andere angenehme Tätigkeiten wie Freunde treffen, Essen oder Sex aktivieren das Belohnungszentrum immer weniger und verlieren so zunehmend ihren Reiz.
Eine Metaanalyse von Studien zum Thema zeigt: Der wichtigste Risikofaktor für problematisches Spielverhalten ist nicht etwa in der Persönlichkeit oder den Lebensumständen des Spielers zu finden, sondern in der Art des Spiels. Am gefährdetsten war tatsächlich, wer im Internet spielte.
Smartphone und Co sind ständig und überall verfügbar. So kann 24 Stunden, sieben Tage die Woche gezockt werden - unbeobachtet und anonym.
Was tun bei Spielsucht?
Wer an diesem Punkt angekommen ist, der benötigt in aller Regel professionelle Hilfe, um sich aus seiner Sucht zu befreien. »In der Psychotherapie lassen sich die Automatismen des Spielens Schritt für Schritt verlernen«, erklärt Nina Romanczuk-Seiferth. »Gleichzeitig üben die Patienten andere Strategien ein, mit Stress fertig zu werden.«
Wichtig ist in jedem Fall, sich frühzeitig Hilfe zu holen - und sich nicht aus Scham oder Hoffnungslosigkeit davor zu scheuen. Anlaufstellen bieten unter anderem Beratungszentren, Fachkliniken und Hilfetelefone. Sie können Spielsüchtigen helfen, die ersten Schritte zu tun, um die gefährliche Abwärtsspirale zu durchbrechen.
Schutzmaßnahmen und Prävention
Um sich und andere vor den negativen Auswirkungen von Dark Patterns und Glücksspielwerbung zu schützen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Aufklärung: Informieren Sie sich und andere über Dark Patterns und ihre Funktionsweise.
- Kritisches Hinterfragen: Hinterfragen Sie die Motive hinter Werbung und Spielmechanismen.
- Bewusster Medienkonsum: Beschränken Sie die Zeit, die Sie und Ihre Kinder in sozialen Medien und Online-Spielen verbringen.
- Technische Hilfsmittel: Nutzen Sie App-Blocker und Werbeblocker.
- Melden von Dark Patterns: Melden Sie Dark Patterns bei den zuständigen Behörden.
- Gespräche führen: Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Gefahren von Dark Patterns und Glücksspielwerbung.
- Alternative Freizeitbeschäftigungen: Fördern Sie alternative Freizeitbeschäftigungen, die nicht auf Konsum und Bildschirmzeit basieren.
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