Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich beeinträchtigen kann. In Bayreuth und Umgebung gibt es verschiedene Initiativen und Selbsthilfegruppen, die Unterstützung, Information und Austauschmöglichkeiten bieten. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Selbsthilfegruppen, Therapieangebote und Anlaufstellen für Parkinson-Patienten in der Region Bayreuth.
Die Diagnose Parkinson und ihre Folgen
Die Diagnose Parkinson stellt für viele Betroffene einen Schock dar. Sylvia Walther erfuhr im November 2000, dass sie an Parkinson erkrankt ist. In den ersten Jahren engagierte sie sich aktiv, gründete in Bayreuth eine Selbsthilfegruppe und versuchte, anderen Mut zu machen. Ab 2006 schwand ihre Lebensfreude, die Phasen guter Beweglichkeit wurden seltener und trotz Medikamente konnte sie ihren Job als Kindergärtnerin kaum noch ausüben. Depressionen traten vermehrt auf. Erst ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik brachte sie wieder auf den richtigen Weg.
Die Erfahrungen von Sylvia Walther sind kein Einzelfall. Viele Parkinson-Patienten berichten von psychischen Auswirkungen der Krankheit, die oft im Vordergrund stehen. Schwierigkeiten in der Partnerschaft, soziale Isolation und der Verlust der Lebensqualität sind häufige Begleiterscheinungen.
Selbsthilfegruppen als Anlaufstelle
Eine wichtige Stütze für Parkinson-Patienten sind Selbsthilfegruppen. In Bayreuth gibt es eine aktive Parkinson Selbsthilfegruppe, die regelmäßig Treffen organisiert. Diese Gruppen bieten Betroffenen und ihren Angehörigen die Möglichkeit, sich auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und gegenseitig Mut zu machen.
Gisela Steinert, eine Sulzbacher Parkinson-Patientin, organisiert seit fünf Jahren jährliche Aktionstage. Sie ist auch treibende Kraft beim Internet-Selbsthilfeverein Parkins-on-line (Paol) und gelegentliche Marathonläuferin. Solche Initiativen zeigen, wie man durch Aktivität das Leiden physisch und psychisch in den Griff bekommen kann.
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Vorteile von Selbsthilfegruppen
- Austausch von Erfahrungen: Betroffene können sich mit anderen austauschen, die ähnliche Erfahrungen machen.
- Informationen: Selbsthilfegruppen bieten Zugang zu Informationen über die Krankheit, Behandlungsmöglichkeiten und Hilfsangebote.
- Soziale Kontakte: Die Gruppen bieten die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und Isolation zu vermeiden.
- Mut und Unterstützung: Die Teilnehmer können sich gegenseitig Mut machen und sich in schwierigen Zeiten unterstützen.
Therapieangebote in Bayreuth und Umgebung
Neben Selbsthilfegruppen gibt es in Bayreuth und Umgebung verschiedene Therapieangebote, die Parkinson-Patienten helfen können, ihre Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.
MEDICLIN Reha-Zentrum Roter Hügel
Das MEDICLIN Reha-Zentrum Roter Hügel in Bayreuth ist eine Rehabilitationsklinik, die sich auf die Behandlung von neurologischen Erkrankungen spezialisiert hat. Die Klinik bietet ein umfassendes Therapieprogramm für Parkinson-Patienten, das auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten ist. Zu den Therapieangeboten gehören:
- Physiotherapie: Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination
- Ergotherapie: Förderung der Selbstständigkeit im Alltag
- Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen
- Neuropsychologie: Unterstützung bei kognitiven Beeinträchtigungen
- LSVT-Behandlung: Spezielles Therapieprogramm für Menschen mit Parkinson (LSVT LOUD und LSVT BIG)
- Robotik und computergestütztes Bewegungstraining: Einsatz moderner Technologie zur Verbesserung der Bewegungsfähigkeit
Das Reha-Zentrum Roter Hügel bietet auch spezielle Klinik-Specials in Kooperation mit Partnern an, wie zum Beispiel:
- Hippotherapie: Krankengymnastik auf dem Pferd zur Verbesserung des Gleichgewichts und der Muskulatur.
- Tiergestützte Therapie: Einsatz eines Therapiehundes zur Steigerung der Unabhängigkeit und Lebensqualität.
- Qi Gong: Konzentrativ-meditative Atem- und Bewegungstherapie zur Verbesserung der Körperwahrnehmung.
Weitere Therapieansätze
Peter Hornung, ehemaliger Karate-Europameister, betreibt ein Spezial-Fitness-Studio für Parkinson-Patienten im schwäbischen Münsingen. Er erklärt, dass durch Bewegung, Atmung, Körperhaltung und Ernährung die Krankheit zwar nicht geheilt, aber doch gelindert werden kann. Ein "neues Lebensgefühl" sei häufig die Folge.
Beratungszentrum Oberfranken (BZO)
Das MEDICLIN Reha-Zentrum Roter Hügel ist Standort des Beratungszentrums Oberfranken e.V. (BZO). Das BZO ist eine ambulante, kostenlose Nachsorgeeinrichtung für Menschen nach erworbener Hirnschädigung und Angehörige für den gesamten Regierungsbezirk Oberfranken.
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Das Angebot der BZO-Mitarbeiter umfasst:
- Beratung in behördlichen Angelegenheiten, u.a. zu beruflicher Wiedereingliederung
- Vermittlung ambulanter Therapeuten
- Kommunikations- und Spielgruppen, Musikgruppen, Laufgruppen
- Angehörigengruppen
- Unterstützung und Initiierung von Selbsthilfegruppen
- Seminare, Tagesveranstaltungen, Freizeiten
- Hausbesuche
Weitere Anlaufstellen und Angebote in Bayreuth
Neben den bereits genannten Einrichtungen gibt es in Bayreuth und Umgebung weitere Anlaufstellen und Angebote für Parkinson-Patienten:
- Caritas-Mehrgenerationenhaus Hollfeld: Bietet verschiedene Angebote für Senioren, darunter einen Seniorenstammtisch und ein Seniorencafé zusammen mit der Tagespflege.
- Diakonisches Werk - Stadtmission Bayreuth e. V.: Bietet allgemeine soziale Beratung und Unterstützung.
- Selbsthilfegruppe Schlaganfallbetroffener Stadt und Landkreis Bayreuth e.V.: Bietet Unterstützung für Schlaganfallbetroffene und ihre Angehörigen.
Leben mit Parkinson: Aktivität und Lebensqualität
Trotz der Herausforderungen, die Parkinson mit sich bringt, ist es möglich, ein erfülltes und aktives Leben zu führen. Wichtig ist, sich aktiv mit der Krankheit auseinanderzusetzen, sich Unterstützung zu suchen und die verschiedenen Therapieangebote zu nutzen.
Bewegung und Sport
Regelmäßige Bewegung und Sport sind besonders wichtig für Parkinson-Patienten. Sie helfen, die Beweglichkeit zu erhalten, die Muskelkraft zu stärken und die Koordination zu verbessern. Geeignete Sportarten sind zum Beispiel:
- Gehen und Wandern
- Tanzen
- Schwimmen
- Radfahren
- Yoga
- Tai Chi
- Qi Gong
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung kann ebenfalls dazu beitragen, die Symptome von Parkinson zu lindern. Es wird empfohlen, viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte zu essen und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
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Psychische Gesundheit
Die psychische Gesundheit spielt eine wichtige Rolle im Umgang mit Parkinson. Depressionen, Angstzustände und andere psychische Probleme sind häufige Begleiterscheinungen der Krankheit. Es ist wichtig, sich bei Bedarf professionelle Hilfe zu suchen.
Teilhabe am sozialen Leben
Soziale Kontakte und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind wichtig für das Wohlbefinden von Parkinson-Patienten. Es ist ratsam, Hobbys und Interessen weiterhin zu pflegen und sich aktiv am sozialen Leben zu beteiligen.
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