Schmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche und können die Lebensqualität erheblich einschränken. Eine besondere Form des Gesichtsschmerzes ist die Trigeminusneuralgie, die durch heftige, stechende Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. In einer spezialisierten Beratungsstelle für Trigeminusneuralgie erhalten Betroffene umfassende Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapiemöglichkeiten dieser Erkrankung.
Ursachen und Entstehung der Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie ist ein neurologisch bedingter Schmerz, der durch eine Erkrankung oder Verletzung des Nervensystems verursacht wird. Sie manifestiert sich als intensiver, blitzartiger Schmerz im Versorgungsgebiet des Trigeminusnervs, der für die sensible Versorgung des Gesichts verantwortlich ist.
Die genauen Ursachen der Trigeminusneuralgie sind nicht vollständig geklärt. In den meisten Fällen wird sie durch eine Kompression des Trigeminusnervs an seinem Austritt aus dem Hirnstamm verursacht. Diese Kompression kann durch eine benachbarte Arterie oder Vene verursacht werden, die auf den Nerv drückt. Seltener können auch andere Ursachen wie Tumore, Entzündungen oder Multiple Sklerose zu einer Trigeminusneuralgie führen.
Diagnostik der Trigeminusneuralgie
Die Diagnose der Trigeminusneuralgie basiert in erster Linie auf der Anamnese des Patienten und der Beschreibung der Schmerzen. Eine neurologische Untersuchung dient dazu, andere Ursachen für die Gesichtsschmerzen auszuschließen.
Zur weiteren Abklärung können folgende Diagnoseverfahren eingesetzt werden:
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- Elektrophysiologische Untersuchungen: Diese Untersuchungen messen die Nervenleitgeschwindigkeit und können helfen, Schädigungen des Trigeminusnervs festzustellen.
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) kann eingesetzt werden, um eine Kompression des Trigeminusnervs durch Gefäße oder Tumore darzustellen.
- Quantitative sensorische Testung (QST): Diese Testung untersucht die Sensibilität im Gesichtsbereich und kann Hinweise auf eine Schädigung des Trigeminusnervs liefern.
Therapie der Trigeminusneuralgie
Die Therapie der Trigeminusneuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es stehen verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren zur Verfügung. Die Wahl der geeigneten Therapie hängt von der Ursache der Trigeminusneuralgie, der Schmerzintensität und dem individuellen Zustand des Patienten ab.
Medikamentöse Therapie
Zur medikamentösen Therapie der Trigeminusneuralgie werden in erster Linie Antikonvulsiva eingesetzt. Diese Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, können die Erregbarkeit der Nervenzellen reduzieren und so die Schmerzattacken unterdrücken. Häufig verwendete Antikonvulsiva sind Carbamazepin und Oxcarbazepin.
Weitere Medikamente, die bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie eingesetzt werden können, sind Muskelrelaxantien, Antidepressiva und Opioide. Opioide sollten jedoch aufgrund ihres Suchtpotenzials nur in Ausnahmefällen und unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Therapie gibt es verschiedene nicht-medikamentöse Verfahren, die bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen können helfen, die Muskeln im Gesichtsbereich zu entspannen und die Schmerzen zu lindern.
- Psychotherapie: Psychotherapeutische Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie können den Patienten helfen, mit den Schmerzen umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie wirksam sein kann.
- Neuromodulation: Bei der Neuromodulation wird die Schmerzausschaltung bzw. Schmerzleitung durch funktionelle Elektrostimulation entsprechend moduliert. Hierbei wird eine Stimulationselektrode im Rückenmarksbereich implantiert.
Operative Therapie
Wenn die medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam sind, kann eine operative Behandlung in Erwägung gezogen werden. Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Behandlung der Trigeminusneuralgie, die darauf abzielen, den Trigeminusnerv zu dekomprimieren oder zu schädigen.
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- Mikrovaskuläre Dekompression: Bei diesem Eingriff wird der Trigeminusnerv von dem Gefäß befreit, das ihn komprimiert. Operationstechnisch wird in Vollnarkose mikrochirurgisch die Austrittsstelle des entsprechenden Nerven (z.B. N. trigeminus) dargestellt und von der komprimierenden Struktur befreit. Zwischen Nerv und Gefäß wird ein Interponat eingebracht, um eine erneute Kompression zu verhindern. Ein Interponat kann entweder ein Transplantat aus körpereigenem oder körperfremden Gewebe sein oder ein Implantat aus künstlichem Gewebe. Es dient der Chirurgie zur Überbrückung von Gewebedefekten und der funktionellen Rekonstruktion.
- Perkutane Verfahren: Bei diesen Verfahren wird der Trigeminusnerv durch Hitze, Radiofrequenz oder chemische Substanzen geschädigt, um die Schmerzleitung zu unterbrechen.
- Stereotaktische Radiochirurgie: Bei diesem Verfahren wird der Trigeminusnerv mit hochdosierter Strahlung bestrahlt, um die Schmerzleitung zu unterbrechen.
Die Indikation zur Anwendung dieser Behandlungsverfahren wird in enger Kooperation mit der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, insbesondere mit dem Zentrum für Schmerztherapie im Hause, gestellt.
Intrathekale Schmerztherapie
Bei der intrathekalen Schmerztherapie erfolgt die Wirkstoffinjektion (z.B. Schmerzmittel) direkt unter die harte Hirnhaut oder in den Liquorraum (Hohlraumsystem um das Rückenmark herum). Der Vorteil der Methode besteht darin, dass nicht systemisch entsprechende Konzentrationen des zu verabreichenden Analgetikums erreicht werden müssen, sondern das Medikament über dieses System direkt an den Wirkungsort appliziert wird und somit mit einem 10tel bis einem 100stel der Menge eine optimale Wirkung erzielt werden kann. Operationstechnisch wird hierbei ein dünner Schlauch in den Rückenmarkskanal eingelegt. Dieser ist mit einer Medikamentenpumpe, die unter der Bauchdecke implantiert wird, verbunden. Hierdurch kann eine kontinuierliche Gabe der Schmerzmedikation nach intrathekal erreicht werden kann.
Die Rolle der Schmerzberatungsstelle
Die Schmerzberatungsstelle spielt eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Patienten mit Trigeminusneuralgie. Sie bietet eine umfassende diagnostische Einordnung der Schmerzen und erstellt passende Behandlungsvorschläge. Zudem berät sie Patientinnen und Patienten hinsichtlich aktueller medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapiealternativen.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung in der Schmerzberatungsstelle. Einmal im Monat findet eine interdisziplinäre Schmerzkonferenz mit Patientenvorstellung und gemeinsamer Lösungsstrategiesuche statt.
Chronische Schmerzen und ihre Auswirkungen
Viele Patienten leiden unter chronischen Schmerzen. Kopf- und Rückenschmerzen sind hierbei die häufigsten Beschwerden. Man spricht von chronischem Schmerz, wenn die Schmerzen wiederkehrend oder anhaltend über einen Zeitraum über mindestens drei bis sechs Monaten auftreten und somit zu einem bestimmenden Teil unseres Lebens werden. Chronische Schmerzen führen zu deutlichen Beeinträchtigungen in allen Lebensbereichen.
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Bei chronischen Schmerzen spielen neben körperlichen Faktoren immer auch seelische und soziale Faktoren eine wichtige Rolle. Alle Faktoren wirken auf die Empfindung von Schmerzen und werden wiederum von dieser Schmerzempfindung beeinflusst. Auch die Art und Weise, wie unsere Umgebung, z.B. Familie, Freunde oder Arbeitskollegen, mit unseren Schmerzen umgehen, beeinflusst die Schmerzwahrnehmung.
Faktoren, die chronische Schmerzen verstärken können, sind:
- Unzufriedenheit und Probleme am Arbeitsplatz
- Negative Gefühle wie z.B. Angst, Ärger oder lang anhaltende Trauer
- Aktuelle und frühere Stresserfahrungen
- Gedanken/Überzeugungen wie: „diese Schmerzen machen mich noch verrückt“, „ was ich auch tue, ich kann doch nichts ändern“, „reiß dich zusammen, stell dich nicht so an“
- Vermeiden von Aktivitäten oder extremes Durchhalten
- Positive Folgen von Schmerzen: z.B. Aufmerksamkeit und Zuwendung durch andere
Multimodale interdisziplinäre Schmerztherapie
Bei chronischen Schmerzen ist häufig eine multimodale interdisziplinäre Schmerztherapie erforderlich. Diese Therapieform kombiniert verschiedene Behandlungen durch ein eng zusammenarbeitendes Team aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und anderen Fachkräften.
Die multimodale interdisziplinäre Schmerztherapie umfasst im Einzelnen:
- Diagnosestellung und Behandlung durch ein interdisziplinäres Team (Anästhesie, Psychosomatik, Physiotherapie u.a.)
- Patientenschulung
- Kritische Prüfung medizinischer Eingriffe und medikamentöser Dosierung
- Aktivierende Bewegungstherapie
- Entspannungstraining (z.B. progressive Muskelentspannung nach Jacobson)
- Psychologische Schmerztherapie
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