Bernstein gegen Epilepsie: Wirkung, Anwendung und Mythen

Bernstein, auch bekannt als Gold des Nordens oder Amber, ist ein fossiles Harz, das seit Jahrtausenden die Menschen fasziniert. Seine Verwendung reicht von Schmuck und Kunstobjekten bis hin zu Räucherwerk und Heilmittel. Insbesondere im Mittelalter wurde Bernstein gegen Pest und Epilepsie eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte von Bernstein, seine vermuteten Wirkungen gegen Epilepsie, seine Anwendung in der Räucherkunde und die damit verbundenen Mythen und Legenden.

Bernstein: Ein Schatz der Natur

Bernstein ist Jahrmillionen altes, versteinertes Harz von Laub- oder Nadelhölzern. Die größten Vorkommen finden sich an den Küsten der Ostsee, wo das Meer ihn aus den fossilen Gesteinsschichten ausschwemmt. Vor 40 bis 50 Millionen Jahren versanken subtropische Wälder im Meer, und von ihnen blieb nur ihr erhärtetes Harz übrig: Bernstein.

Geschichte und Verwendung

Bereits in der Steinzeit, um 10.000 v. Chr., wurden aus dem fossilen Harz Tieramulette, Ketten und Anhänger gefertigt. Schamanen verbrannten den Stein bei Opferzeremonien. Bei den antiken Griechen galt Bernstein als "Träne der Götter" und war einer der wertvollsten Edelsteine. Die Römer verwendeten Bernstein geradezu verschwenderisch und verzierten alles, was von Wert war, damit. Im Mittelalter stieg Bernstein als Schutz vor Gexen und Dämen zum magischen Zauberstein auf.

Bernsteinrouten

Der wertvolle Stein wurde über mehrere Bernsteinrouten transportiert, die von der Ostsee ans Mittelmeer und Schwarze Meer führten.

Das Bernsteinzimmer

Eine der faszinierendsten Legenden um das Gold der Ostsee rankt sich um das Bernsteinzimmer, das der preußische König Friedrich I. im 18. Jahrhundert für sein Charlottenburger Schloss fertigen ließ. Nach dessen Tod verschenkte sein Sohn das Zimmer an den russischen Zaren Peter I. Später wurde es in den Katharinenpalast bei St. Petersburg eingebaut, wo es im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen geraubt wurde. Ob es 1945 verbrannte oder in einem unterirdischem Stollen versteckt wurde, ist bis heute ein Mysterium.

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Bernstein in der Räucherkunde

Bernstein wurde von unseren Vorfahren als Räucherwerk verwendet und war der Sonne zugeordnet. In der Antike räucherte man mit Bernstein zur Unterstützung von Atemwegserkrankungen. Die alten Griechen verräucherten ihn in ihren Tempeln zum Kontakt zu ihrem Sonnengott. Die alten Germanen verwendeten Bernstein, genannt gleas oder gleasum, nicht nur als Schmuckstein, sondern auch zum Räuchern, vor allem bei Schutz- und Reinigungsritualen.

Anwendung im Mittelalter

Im Mittelalter räucherte man mit Bernstein gegen Pest und Epilepsie.

Wirkung beim Räuchern

Beim Räuchern entwickelt Bernstein eine aromatische, aber auch leicht strenge Note und sollte deshalb nur vorsichtig dosiert werden. Er hat eine lange Brenndauer und der Duft wirkt klärend auf unseren Geist sowie reinigend in Räumen. Er wird nicht nur verwendet, um negative Energien aus Räumen zu vertreiben, sondern er wirkt auch reinigend auf Amulette sowie Heilgegenstände und wird zu deren Segnung verwendet. Auch für Heilungsrituale, Opfergaben oder andere Räucherrituale ist das Gold des Nordens eine besonders gute Wahl.

Positive Effekte der Räucherung

Eine Räucherung mit Bernstein wirkt anregend und aufbauend, vertreibt die Einsamkeit, bringt unser Gleichgewicht wieder in die Balance, entspannt, gibt Schutz und Segen, wirkt gegen Angst und Stress, fördert das Selbstvertrauen und die innere Harmonie und spendet uns Trost in Zeiten, wo es uns an Mut mangelt. Durch die Räucherung mit Bernstein wird die Ionenstruktur der Luft positiv verändert, was sich u.a. auch stärkend und aufbauend auf unser Nervensystem auswirkt. Er öffnet unseren Geist für die höheren Sphären. Er hilft bei Erschöpfungs- und Ermüdungserscheinungen, wirkt aber auch positiv bei Schlafstörungen. Bernstein wird ebenso verräuchert, um sich von Fremdenergien anderer Menschen besser abgrenzen zu können. Bei der Verarbeitung von Ängsten zeigt er uns neue Wege und hilft uns zu verstehen, dass wir unserem Schicksal nicht einfach ausgeliefert sind, sondern dass wir selbst es sind, die es selbst bestimmen.

Anwendungshinweise

Bernstein kann allein als Räucherung verwendet werden, wobei man ihn aber sparsam einsetzen sollte aufgrund seines doch ein wenig strengen Duftes. Verwendet werden kleine Stückchen, besser aber noch das Pulver oder sogenannter Bernsteinsand. Er lässt sich auch gut mit anderen Harzen wie Copal, Styrax, Myrrhe und verschiedenen Weihrauchsorten mischen. Auch Harze von Tannen, Fichten, Pinien oder Kiefern und sowie deren Nadeln bieten sich für eine Räucherung mit Bernstein an, auch Wacholder eignet sich zum Mischen hervorragend. Eisenkraut, Lavendel, Rosmarin, Zeder, Zypresse und viele andere Räucherkräuter bieten sich zum Räuchern gemeinsam mit Bernstein an.

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Bernstein und Epilepsie: Historische und moderne Perspektiven

Im Mittelalter wurde Bernstein nicht nur gegen die Pest, sondern auch gegen Epilepsie eingesetzt. Hildegard von Bingen empfahl Bernstein als Mittel gegen Magenbeschwerden, und 1669 war William Salomon überzeugt, dass Bernsteinpulver, in Weißwein aufgelöst, bei Epilepsie helfe.

Aktuelle Forschung zu Epilepsie und Gliazellen

Epileptische Anfälle sind wie große Gewitterstürme im Gehirn: Nervenzellen schaukeln sich plötzlich in ihrer Aktivität gegenseitig auf und rhythmische elektrische Entladungen breiten sich über weite Gehirngebiete aus. Nach einem solchen Anfall sind die Nervenzellen stark angegriffen, und es kann zu dauerhaften Schäden kommen.

Den im Gehirn vorkommenden Gliazellen unterstellte man lange, sie würden zu den schädlichen Folgen der Epilepsie beitragen. Das Gegenteil ist der Fall, wie ein Team um die Neurobiologen Prof. Dr. Carola Haas vom Bernstein Center und Dr. Matthias Kirsch vom Anatomischen Institut der Universität Freiburg erstmals zeigen konnte.

Die Rolle der Astrozyten

In der Fachzeitschrift Experimental Neurology berichten die Forscherinnen und Forscher von den positiven Effekten so genannter Astrozyten, einer bestimmten Form von Gliazellen. Das griechische Wort „glia“ bedeutet „Leim“ - man ging lange davon aus, die Gliazellen würden die Nervenzellen im Gehirn lediglich zusammenhalten und mit Nährstoffen versorgen.

Das Freiburger Team entdeckte die positiven Effekte mithilfe von Mäusen, bei denen epileptische Anfälle gezielt hervorgerufen werden können. Regten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Astrozyten vor einem epileptischen Anfall an, indem sie den Tieren ein bestimmtes Eiweiß spritzten, starben weniger Zellen nach dem Anfall ab. Auch andere krankhafte Veränderungen im Gehirn waren deutlich geringer. Diese schützende Wirkung der angeregten Astrozyten hielt über viele Tage an. Auch die Gehirnaktivität der Nager zeigte weniger Anzeichen, die für Epilepsie typisch sind.

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Zeitpunkt der Aktivierung entscheidend

Wie die Forscher berichten, mussten die Astrozyten aber zum Zeitpunkt des Anfalls bereits angeregt gewesen sein - im Nachhinein konnten die Zellen keine schützende Wirkung mehr aufbauen. Ob Astrozyten überall im Gehirn diesen positiven Effekt haben, müssen weitere Studien zeigen. Die jetzigen Erkenntnisse legen aber nahe, dass eine rechtzeitige Aktivierung der Astrozyten einen wirksamen Schutz gegen Langzeitschäden darstellen könnte.

Mythen und Legenden um Bernstein

Legenden und Mythen ranken sich bis heute auch um die heilenden Kräfte des Steins. 1886 fand der Mikrobiologe und Mediziner Robert Koch heraus, dass die Säure des Naturbernsteins eine Immunität stärkende Wirkung auf den Organismus habe und empfahl, Bernstein direkt auf der Haut zu tragen. Das machen heute vor allem Esoteriker. Sie ziehen den Stein auf Ketten, binden sie um Hals und Arm und hoffen auf eine heilsame Wirkung bei Hautkrankreiten und Zahnschmerzen. Wissenschaftliche Beweise für die Wirkung von Bernstein gibt es jedoch bis heute nicht.

Bernstein erkennen und schleifen

Bernstein versteckt sich im Spülsaum am Strand zwischen Tang, Treibholz, Muschelschalen und anderem Schwemmgut. Um Bernstein zu erkennen, kann man ihn gegen den Zahn klopfen. Klingt er weich, ist es tatsächlich ein Bernstein. Oder man legt ihn in Salzwasser: Bernstein schwimmt oben, Steine sinken. Ein weiterer Test: Reibt man Bernstein mit einem Wolltuch, lädt er sich elektrostatisch auf und zieht Fussel oder Papierschnipsel an.

Seine natürliche Schönheit zeigt sich nach dem Schleifen, das auch Urlauber bei Kursen erlernen können.

Vorsicht vor Verwechslungen

Aus dem Zweiten Weltkrieg lagern Unmengen Munition in der Ostsee. Die Hüllen der Sprengkörper verrotten seitdem. Aus den Phosphorbomben ist inzwischen Weißphosphor vor allem vor Usedom, aber auch anderenorts an die Strände gelangt. Phosphorklumpen sehen Bernstein sehr ähnlich, brennen aber sofort von selbst bei Luftkontakt! Beim Sammeln ist daher unbedingt Achtung geboten.

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