Candida und Migräne: Ein möglicher Zusammenhang

Candida albicans ist ein Hefepilz, der natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt, insbesondere im Darm, auf der Haut und in den Schleimhäuten. Normalerweise stellt Candida kein Problem dar, solange das Immunsystem und die Darmflora im Gleichgewicht sind. Vermehrt sich der Pilz jedoch unkontrolliert, kann er zu einer Candidose führen, die eine Vielzahl von unspezifischen Symptomen auslösen kann. Interessanterweise ähneln diese Symptome denen einer Histaminintoleranz stark, was die Diagnose erschweren kann. Einige Betroffene berichten auch von einem Zusammenhang zwischen Candida und Migräne.

Was ist Candida?

Candida albicans ist ein Hefepilz, der sich im Darm, der Haut, in den Schleimhäuten von Mund und Rachen, der Blase und im Genitalbereich befindet. Candida ist also ein normaler Bestandteil unseres Körpers. Solange die Darmflora gesund ist, scheidet man den Pilz ohne weitere gesundheitliche Folgen aus. Doch vermehrt sich Candida unkontrolliert, wird er zum Krankheitserreger, der großen Schaden im Körper anrichten kann.

Symptome von Candida und Histaminintoleranz: Eine ähnliche Palette

Es ist sehr interessant, dass die Symptome von Candida und einer Histaminintoleranz zum Verwechseln ähnlich sind. Man kann sagen, dass sie schon fast gleich sind. Genau wie bei einer Histaminintoleranz hat Candida ebenfalls eine enorm breite Palette an unspezifischen Symptomen, die von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Dieser Umstand macht es so schwierig eine Candidose zu erkennen.

Einige Symptome von Candida sind:

  • Magen-Darm-Beschwerden: Verstopfung, Durchfall, Blähungen, Krämpfe, Sodbrennen, Gastritis
  • Neurologische Symptome: Stimmungsschwankungen, Migräne, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, schlechtes Gedächtnis, Schwindel, Angstzustände, Depressionen, Paranoia
  • Genitalbereich: Scheideninfektionen, Regelbeschwerden, Blasenentzündungen, rektaler Juckreiz
  • Atemsystem: Heuschnupfen, Asthma, Bronchitis, häufige Erkältungen, Immunschwäche
  • Haut: Juckreiz, Ausschlag, Rötungen, Psoriasis
  • Sonstiges: Nahrungsmittelallergien, Chronische Müdigkeit, Kalte Extremitäten

Die Rolle der Mastzellen

Mastzellen spielen bei allergischen Reaktionen eine große Rolle. Doch dies ist nur ein kleiner Teil ihrer Aufgaben. Mastzellen haben nämlich eine tragende Rolle bei der Identifizierung und Bekämpfung von Krankheitserregern wie Bakterien, Viren, Parasiten und Pilzen wie z.B. Candida albicans. Mastzellen befinden sich überall im Körper, doch der größte Anteil findet sich in unserem Verdauungstrakt wieder.

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Die Anzahl an Mastzellen kann sich ausgesprochen schnell bei Darminfektionen erhöhen. Candida wird mit verschiedenen Darminfektionen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Reizdarm und Magengeschwüren in Verbindung gebracht. Studien haben gezeigt, dass Candida den Heilungsprozess von Infektionen verlangsamt und Infektionen wiederrum Candida begünstigen. Ein Teufelskreis entsteht. Candida dringt in den Körper über mastzellreiche Organe ein (Haut, Darm und Atemwege). Studien bestätigen, dass Candida zu einer Histaminfreisetzung in den Mastzellen führt. Mastzellen besitzen Rezeptoren, die Pilzinfektionen erkennen und entsprechende Maßnahmen zur Bekämpfung ergreifen, wie z.B. die Ausschüttung von Histamin. Vermehrt sich Candida im Darm kommt es zur Histaminausschüttung, die bei unzureichendem Abbau, Entzündungen hervorrufen kann. Candida verringert zudem die Fähigkeit des Körpers Histamin abzubauen, indem es die DAO mindert. Der nächste Teufelskreis entsteht.

Wenn sich Candida unkontrolliert vermehrt, setzt der Pilz zudem giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine) in unserem Körper frei. Außerdem erzeugt Candida seinen eigenen Alkohol in unserem Blut.

Candida und erhöhte Darmdurchlässigkeit (Leaky Gut)

Eine weitere Studie weist darauf hin, dass eine Candidafehlbesiedlung im Darm Nahrungsmittelallergien begünstigt. Der Grund dafür ist eine erhöhte Darmdurchlässigkeit der Darmschleimhaut, die durch eine übermäßige Histaminfreisetzung entsteht. Es wird sogar davon ausgegangen, dass ein Ungleichgewicht von Candida im Darm dieselben Löcher in der Darmschleimhaut verursacht wie beim Leaky Gut Syndrom.

Candida-Allergien und Hypersensitivität

Neuste Forschungen haben ergeben, dass vor allem Frauen allergisch auf Candida reagieren können. Diese Überempfindlichkeit kann langandauernde Infektionen auslösen. Man spricht hier auch von einer Candida-Hypersensivität. Erst eine Immuntherapie verringerte die Rückfallrate der Infektionen und deren Intensität. Die Candida-Hypersensivität wird von Ärzten aber noch sehr kontrovers diskutiert.

Warum sind Frauen häufiger betroffen?

Frauen sind anfälliger für Candida als Männer. Dies hat die folgenden Gründe:

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  • Der weibliche Hormonhaushalt schwankt ständig und so können hohe Mengen an Östrogen auftreten. Dies beeinträchtigt die Funktion des Immunsystems. Ist das Immunsystem geschwächt, kann sich Candida einschleichen.
  • Das Wachstum von Candida wird durch das Hormon Progesteron angeregt. Progesteron ist in der Schwangerschaft und in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklusses erhöht.
  • Auch die Anatomie der Frau trägt zu einer Besiedlung mit Candida bei.

Candida als Modulator des Immunsystems

Einem Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Petra Bacher vom Institut für Immunologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein ist nun ein Durchbruch gelungen. Sie haben den normalerweise harmlosen Pilz Candida albicans als Modulator des Immunsystems identifiziert. Candida albicans hat einen anregenden Einfluss auf das Immunsystem. Im Gleichgewicht gewährleisten sie ein friedliches Zusammenleben mit dem Pilz. Für diese T-Helferzellen ist bekannt, dass sie eine Rolle spielen bei der Entstehung chronischer Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen. Die Forschungsgruppe geht davon aus, dass der Kontakt mit dem Candida-Pilz möglicherweise verhindert, dass das Immunsystem überreagiert.

Candida und Migräne: Der mögliche Zusammenhang

Obwohl ein direkter medizinisch bestätigter Zusammenhang zwischen Candida und Migräne noch nicht vollständig geklärt ist, berichten einige Betroffene von einer Besserung ihrer Migräne, nachdem sie eine Candida-Behandlung durchgeführt haben. Es wird vermutet, dass die von Candida freigesetzten Stoffwechselprodukte und die dadurch ausgelösten Entzündungsreaktionen im Körper Migräneattacken begünstigen könnten.

Es gibt verschiedene Theorien, wie Candida mit Migräne in Verbindung stehen könnte:

  • Histaminfreisetzung: Wie bereits erwähnt, kann Candida die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen stimulieren. Histamin ist ein bekannter Auslöser von Migräne.
  • Darm-Hirn-Achse: Der Darm und das Gehirn sind über die sogenannte Darm-Hirn-Achse eng miteinander verbunden. Veränderungen im Darmmikrobiom, wie sie bei einer Candidose auftreten können, können sich auf die Gehirnfunktion und somit auch auf Migräne auswirken.
  • Entzündungen: Candida kann Entzündungen im Körper fördern, die wiederum Migräneattacken auslösen können.
  • Nährstoffmangel: Eine Candida-Infektion kann die Aufnahme wichtiger Nährstoffe im Darm beeinträchtigen, was zu Mangelerscheinungen führen kann, die Migräne begünstigen.

Diagnose von Candida

Eine Candida-Besiedlung im Darm lässt sich mit einem Stuhltest feststellen. Labore messen in einem solchen Candida-Test, wie viele kolonienbildende Einheiten von Candida albicans sich in einem Milliliter Stuhl befinden.

Im Falle unklarer Krankheitsbilder mit dem dringlichen Verdacht auf eine systemische Candida-Mykose sind heute serologische Testverfahren unabdingbar (Titerverläufe! vor, während, nach der Therapie). Es gibt Labore, die hochspezifische Candida-Tests anbieten. Hier werden serologische Marker werden nicht mehr in Titerstufen gemessen (Grobraster!), sondern im Sinne einer hochspezifischen Feindiagnostik als Units (Einheiten pro Liter) erfasst.

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Behandlung von Candida

Die Behandlung von Candida umfasst in der Regel eine Kombination aus schulmedizinischen und naturheilkundlichenAnsätzen. Ein wichtiger Bestandteil ist die Reduktion von Zucker und Kohlenhydraten in der Ernährung, da sich Candida von Zucker ernährt.

Eine bestimmte zucker- und kohlehydratfreie Ernährung sollte während der Zeit eingehalten werden. Candida liebt nämlich Zucker und ernährt sich davon.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind:

  • Antimykotika: Antimykotika sind Medikamente, die das Wachstum von Pilzen hemmen oder sie abtöten. Sie können lokal (z.B. als Salbe oder Zäpfchen) oder systemisch (z.B. als Tabletten) angewendet werden. Ein häufig verwendeter Wirkstoff ist Nystatin. Der Wirkstoff bekämpft den Hefepilz und verhindert so seine Ausbreitung. Von Vorteil kann dabei eine Wirkstoffkombination von Nystatin mit Zinkoxid, wie bei der Multilind® Heilsalbe aus der Apotheke, sein.
  • Probiotika: Probiotika sind Präparate, die lebende Mikroorganismen enthalten, die die Darmflora positiv beeinflussen können. Sie können helfen, das Gleichgewicht im Darm wiederherzustellen und das Wachstum von Candida zu hemmen.
  • Naturheilkundliche Mittel: Es gibt verschiedene naturheilkundliche Mittel, die bei der Behandlung von Candida eingesetzt werden können, wie z.B. Knoblauch, Oreganoöl, Grapefruitkernextrakt und Kokosöl. Das Fett der Kokosnuss kann wohl eine pilabtötende Wirkung haben. In einer Studie an Mäusen reduzierte Kokosöl die Besiedlung des Darms mit Candida albicans .
  • Ernährungsumstellung: Eine Ernährungsumstellung ist ein wichtiger Bestandteil der Candida-Behandlung. Dabei sollten zuckerhaltige Lebensmittel, Weißmehlprodukte, Hefe und Alkohol vermieden werden. Stattdessen sollten ballaststoffreiche Lebensmittel, Gemüse, Obst (in Maßen) und gesunde Fette konsumiert werden. Um die Hefepilze dauerhaft zu beseitigen, ist eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten entscheidend. Den Hefen muß ihre Nahrungsgrundlage entzogen werden. Ganz wichtig ist es, Zucker zu meiden. In der akuten Diätphase von vier Wochen müssen die Patienten sogar auf süßes Obst verzichten, weil Candida auch Fruchtzucker verwerten kann. Nur saure Äpfel, Zitronen und Grapefruits sind erlaubt. Im Vordergrund steht eine ballaststoffreiche Ernährung, das heißt viel Salat und Gemüse sowie Vollkornprodukte. Ihre Ballaststoffe üben einen mechanischen "Putzeffekt" aus, indem sie die Pilznester zwischen den Darmzotten gewissermaßen herausfegen, und sie regen die Darmbewegung an. Außerdem sind Ballaststoffe günstig, weil sie von den Hefen im Darm nicht aufgeschlossen werden können.

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