Canyon, bekannt für Innovation und Direktvertrieb, hat das Neuron, eines seiner beliebtesten All-Mountain-Bikes, für das Modelljahr überarbeitet. Dieser Artikel vergleicht das neue Canyon Neuron mit dem Spectral und beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, um potenziellen Käufern bei der Entscheidung zu helfen.
Neuron: Der Allrounder für Tourenfahrer
Das Canyon Neuron gilt als der VW Golf unter den Mountainbikes, ein Bestseller im All-Mountain-Segment. Nach vier Jahren ohne wesentliche Änderungen hat Canyon dem Neuron einen neuen Rahmen und einige Updates spendiert.
Evolution statt Revolution?
Auf den ersten Blick wirkt die Evolution des Neurons nicht bahnbrechend. Design, Zugverlegung und Geometrie wurden jedoch modernisiert. Der formschlüssige Kabelschacht des Carbon-Vorgängers am Unterrohr ist einer internen Zugverlegung durch den Steuersatz gewichen. Dies soll optische und konstruktive Vorteile bieten, auch wenn die Wartung dadurch etwas erschwert wird. Die Aluminium-Modelle behalten eine klassische Zugführung ohne interne Verlegung.
Neue Typenbezeichnung
Canyon führt mit der Neuron-Palette eine neue Typenbezeichnung ein, ähnlich wie in der Automobilindustrie. Die Kürzel M118 kennzeichnen alle Aluminium-Neurons, während die Carbon-Plattform mit M119 versehen wird.
Laufradgrößen
Die Strategie bei den Laufrädern bleibt unverändert: Ab Rahmengröße M kommen 29-Zoll-Laufräder zum Einsatz, während die Größen XS und S auf 27,5-Zoll-Reifen rollen. Diese größenabhängige Laufradwahl ist sinnvoll, da sie kleineren Fahrern entgegenkommt.
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Bewährte Technik bleibt erhalten
Das geschraubte BSA-Tretlager und die Hinterbaukinematik wurden vom Vorgänger übernommen. Dies ist eine gute Entscheidung, da der Hinterbau des alten Neurons bereits erstklassig war: antriebsneutral, sensibel und mit genügend Reserven für größere Schläge. Drehpunkte und Dämpferaufhängung sind ebenfalls unverändert.
Gewichtsoptimierung
Canyon hat bei der Neuentwicklung des Neurons auf das Gewicht geachtet. Das Neuron 7 wiegt in Größe M ohne Pedale und Flaschenhalter 13,9 kg. Der Alurahmen wiegt 3060 Gramm, während der Carbonrahmen laut Canyon 600 Gramm leichter ist.
Uphill-Performance
Das Neuron behält seine Kletterstärke. Der steilere Sitzwinkel ermöglicht ein effizienteres Klettern in steilen Anstiegen, ohne dabei ins extrem Sportliche abzudriften. Der effiziente Hinterbau, das niedrige Gewicht und der gut rollende Hinterreifen machen lange Anstiege problemlos möglich. Ab Rahmengröße M passen sogar zwei Trinkflaschen in das Rahmendreieck.
Geometrie-Update
Die größte Veränderung beim aktuellen Neuron liegt in der Geometrie: Der Lenkwinkel ist flacher und der Reach deutlich länger. Im Sitzen fühlt sich das Bike ähnlich, aber dennoch minimal sportlicher an wie der Vorgänger. Das Handling auf dem Trail ist erwachsener geworden, insbesondere auf alpinen Trails. Der längere Reach und Radstand vermitteln mehr Vertrauen, wenn es im groben Gelände schneller wird.
Canyon Spectral: Der vielseitige Trailbändiger
Das Spectral ist ein vielseitiges Trailbike mit langem Federweg, das sich seit seiner letzten Überarbeitung als echter Allrounder erweist. Mit 160 mm Federweg vorne und 150 mm hinten ist es für extreme Abfahrten besser gerüstet als je zuvor. Griffige Reifen und ein progressives Fahrwerk sorgen für Komfort und Kontrolle, auch bei hohem Tempo.
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Unterschiede zum Neuron
Neuron und Spectral 125 haben zwar den gleichen Federweg an der Gabel, zielen aber auf unterschiedliche Zielgruppen ab. Das Spectral 125 ist oft mit einer steiferen 36er-Gabel ausgestattet, während das Neuron auf 34er-Standrohre setzt. Der flachere Lenkwinkel und das gröbere Reifenprofil des Spectrals unterstreichen diesen Unterschied. Auch die Hinterbaukinematik des Spectral 125 arbeitet progressiver.
Für wen ist welches Bike geeignet?
Wer Wert auf Newschool-mäßiges Shredden, Skippen und Flicken legt, ist mit dem Spectral 125 gut beraten. Wer Mountainbiken ganzheitlicher sieht und auf langen Touren gerne Singletrails genießt, wird mit dem Neuron glücklicher. Für das Spectral ist der Uphill lediglich eine Pflichtübung, während das Neuron ihn als Teil des großen Ganzen betrachtet.
Spectral vs. Strive: Ein Blick auf die Enduro-Modelle
Um die Unterschiede zwischen Spectral und Neuron besser zu verstehen, kann ein Vergleich mit dem Strive, Canyons Enduro-Bike, hilfreich sein.
Geometrie
Die Geometrien von Spectral und Strive ähneln sich, wobei beide Modelle einen langen Reach und ein niedriges Tretlager aufweisen. Das Spectral hat im 29er-Setup etwas längere Kettenstreben, aber kürzere im Mullet-Setup (27,5"-Hinterrad).
Fahrwerk
Die größten Unterschiede liegen im Fahrwerk. Das Strive bietet mit 170 mm Federweg vorne und 160 mm hinten mehr Reserven, während das Spectral Carbon mit 150 mm vorne und 140 mm hinten auskommen muss.
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Einsatzzweck
Das Strive ist komplett auf Racing ausgerichtet. Die Shapeshifter Technologie verwandelt das Bike auf Knopfdruck von einem schnellen Downhillbike in einen effizienten Kletterer. Das Spectral hingegen richtet sich an eine breitere Zielgruppe und ist sowohl als Carbon- als auch als Aluminium-Modell erhältlich.
Komponenten
Das Strive ist zielgerichteter ausgestattet, mit renntauglichen Laufrädern und einer umfangreich einstellbaren Highend-Federung. Die Laufradsätze für das Spectral sind etwas leichter und günstiger.
Neuron:ON vs. Spectral:ON - Die E-Bike-Varianten
Canyon bietet sowohl vom Neuron als auch vom Spectral E-Bike-Varianten an. Das Neuron:ON ist das kurzhubigste Fully im Canyon E-Bike-Line-up und setzt auf einen Carbonrahmen, ein Bosch-Motorsystem und mehr Federweg.
Unterschiede
Das Neuron:ON ähnelt optisch dem Spectral:ON, ist aber etwas filigraner. Es setzt auf das Bosch Performance Line CX-Motorsystem mit einem 750-Wh-Akku. Das Spectral:ON verfügt über einen entnehmbaren Akku und mehr Trail-Potenzial.
Ausstattung
Das Neuron:ON CF8 ist mit einer FOX 34 Performance-Gabel und einem FLOAT DPS Performance-Dämpfer ausgestattet. Die Schaltung stammt aus der Shimano XT-Gruppe, ebenso wie die Vierkolbenbremsen.
Geometrie
Die Geometrie des Neuron:ON ist eng an die des Spectral:ON angelehnt. Die Front des Neuron:ON ist etwas niedriger, das Bike insgesamt einen Tick kürzer.
Fahreigenschaften
Das Neuron:ON bietet eine aufrechte Fahrposition und ist einfach zu steuern. Auf leichten Trails ist es ein spaßiges Bike, das ein agiles Handling bietet. Wird es technischer, kommt es allerdings an sein Limit.